On the road again

4:00 Uhr Dienstagmorgen, das Handy klingelt! Die erlösende SMS aus Deutschland: „Die Ersatzteile sind da und werden gleich von UPS abgeholt. …“ Na, da kann man sich doch ganz beruhigt noch mal auf die andere Seite drehen und ein bisschen dösen, bis der Morgen in einem durchaus lebensbejahenden Mausgrau erscheint! Herzlichen Dank an Christian und die Firma Schlessmann! Man kann sich wie immer auf sie verlassen!

Leider haben wir noch einen weiteren Schaden zu verzeichnen, nein, nicht am LT. Gestern ist an meiner Brille ein Nasenpad abgebrochen. Dummerweise ist dies schon meine Ersatzbrille. Die normale habe ich gleich in den ersten Wochen zerdeppert, hab mich nämlich draufgesetzt. „Irreparabel“, sagte die Optikerin. Nach gestrigem Vorchecken versuchen wir es erneut bei dem Optiker, der uns vom Walmart Infodienst empfohlen wurde. Nein, das Nasenpad könne man nicht reparieren, das Gestell verfärbe sich dann und überhaupt, nein, nein. Natürlich lassen wir dies nicht gelten, Farbe egal, Hauptsache man kann die Lesehilfe wieder auf die Nase setzen, ohne sich zu verletzen. Und siehe da, auf einmal ist die ganze Belegschaft eingebunden. Schließlich kommt der Chef mit einem (überdimensionierten) Nasensattel, sieht nicht sehr elegant aus, aber es passt. Der Versuch, zu bezahlen, wird wieder einmal erfolgreich abgewehrt. Stattdessen beste Wünsche für die weitere Fahrt und herzliche Umarmungen zum Abschied.

Wir verfolgen unser Päckchen via Internet. Donnerstagmorgen soll es bis 9:30 Uhr geliefert werden. Rechtzeitig beziehen wir Position am Camping-Office (saisonal ist es nicht ständig besetzt). 9:25 Uhr braust ein brauner Lieferwagen an uns vorbei Richtung Wohnhaus von Angie und Dennis. … ein brauner Lieferwagen??? kann ja wohl nur unser UPS gewesen sein. Während wir noch überlegen, braust der braune Lieferwagen schon wieder zurück und verschwindet auf dem Highway.

Es war UPS, er hat unser Päckchen gebracht. Dennis ist genauso gespannt wie wir, ob alles geliefert wurde und ob es das richtige ist. Nach gemeinsamer in Augenscheinnahme scheint dies der Fall zu sein.

Flugs fahren wir zurück zu unserem Campsite. Mit geübtem Schwung wird das Herz unseres LTs freigelegt. Mit geübten Handgriffen werden die alten Leitungen ausgebaut, mit geübten Handgriffen werden die funkelniegelnagelneuen Leitungen eingebaut.

Nur eine funkelt nicht so wie die anderen. Ist wohl die aus Bayern, denn eine musste im Süden unserer Republik organisiert werden. Aber egal, alle Leitungen passen, alle Leitungen sind dicht, der Motor hat wieder seinen feinen typischen LT-Klang!

Wir sind happy. Wir können die Reise fortsetzen. Wir rödeln alles auf, die Wäsche wird noch einmal gewaschen, wir selbst geduscht, letzte Bilder in der Herbstsonne geschossen.

Wir verabschieden uns von Angie und Dennis. Sie waren das beste Camping-Host-Couple auf unserer bisherigen Reise zwischen Halifax, Alaska und Missouri.

Falls irgendwer dort vorbeifahren will, hier die Adresse: 6591 HWY 2, Nebraska City, NE 68410, Otoe County, Tele: (402) 873-6866, www.victorianacresrvpark.com . Bitte bestellt herzliche Grüße von uns.

Wir nehmen Kurs auf Kansas City via Interstate 29, „alle 75 Pferdchen wiehern vor Freude und ich lasse die Peitsche knallen“, so Lothars Logbucheintrag. Interstates sind normalerweise ziemlich langweilige Straßen und Strecken. Aber nun malt die Sonne mit intensiven, kräftigen Herbstfarben die Landschaft. Es ist ein Farbenrausch von hellgelb bis dunkelbraun, von purpurrot bis goldgelb.

In Kansas City beziehen wir wieder – wie so häufig in Großstädten – einen Platz beim Supermarkt. Pünktlich um 6:00 pm verabschiedet sich die Sonne blutrot hinter den Fassadentürmchen von Walmart.

Eigentlich wollten wir hier in Kansas City, KC genannt, eine Werksbesichtigung bei Harley Davidson machen. Doch leider werden am Wochenende keine Werksführungen angeboten und wir haben Samstag. Also geht es weiter nach Jefferson City, „the Capitol of Missouri“, benannt nach Thomas Jefferson, dem 3. amerikanischen Präsidenten, heute mit ca. 45.000 EW.

Früh am Sonntagmorgen beginnen wir unsere kleine Sightseeingtour durch die beschaulich wirkende Stadt. Das Capitol, fertiggestellt 1917, beherbergt u. a. das Unterhaus, die Legislative von Missouri. Es liegt eingebettet in die Downtown am Missouri River. So früh am Morgen ist es noch fast menschenleer und nur der Frühnebel steigt vom Fluss herauf und verleiht der Szenerie etwas mystisches.

Nicht weit entfernt hat der Governor seine bescheidene Unterkunft. Die unterste Etage kann man besichtigen, wenn man denn zur rechten Zeit kommt. Wir sind am Sonntagmorgen nicht zur rechten Zeit, finden das Anwesen aber auch von außen schon ganz lohnend.

Die Bolivar-Street-Bridge, erstmalig erbaut 1895/96, war für die damaligen Geschäftsleute und Landbesitzer ein ehrgeiziges Projekt, und diente der Entwicklung von Jefferson City. Sie konnte um 90° gedreht werden, um den Schifffahrtsverkehr zu ermöglichen.

1955 und 1991 wurden die Nachfolger als Southbound- und Northbound-Bridges eröffnet und inzwischen durch eigene Spuren für Fußgänger und Radfahrer ergänzt.

Unser Ziel heute ist St. Louis. Auf dem „normalen“ Highway 50 eine beschauliche Fahrt durch die wunderschöne Herbstlandschaft. Irgendwann bei Union stoßen wir auf die Interstate 44, die ab hier die Trasse der Route 66 aufnimmt. Ja, ja, die Route 66, die Mutter aller Straßen! Der Traum eines jeden Bikers, der auch mit nur 250 Kubik seine Meilen gefressen hat! Von Chicago bis nach Santa Monica! Aufbruchsstimmung nach den Kriegsjahren! Aber das war einmal. Die Mutter aller Straßen ist begradigt und entschärft. In diesem Teilabschnitt ist daraus ein 6-spuriger Freeway geworden, mit Abfahrten sowohl zur rechten als auch zur linken Seite, ein in die Länge gezogener Hexenkessel. Da kommt uns der „Route 66 Statepark“ mit seinem Museum für einen Zwischenstopp gerade recht.

Aber weiter geht es, inzwischen kurz vor 5:00 pm, es wird gleich dunkel. Viel Zeit zum Suchen eines Nachtstandplatzes bleibt da nicht. Also steuern wir direkt auf den Cahokia RV Parque zu, ein Good Sam Platz. Bei einem Orientierungsstopp werden wir sogleich von einem Amerikaner, offensichtlich deutschen Ursprungs, mit einer russischen Deutschlehrerin verheiratet, angesprochen und auf Deutsch völlig zugetextet. Er gibt an, der erste Aussteller auf der Kölner Eisenwarenmesse gewesen zu sein, der eine russische Firma vertritt. Uns schwirrt der Kopf, als sich der Gute dann endlich von uns verabschiedet und uns einen schönen Aufenthalt in St. Louis wünscht.

Tags drauf begeben wir uns auf Sightseeingtour durch St. Louis am Mississippi, die klassische Grenze zwischen dem Osten und dem Westen der USA. Logischerweise steht hier dann auch das Tor zum Westen, „The Gateway Arch“. Von hier aus begann alles, von hier aus wurde der Westen besiedelt. Pierre Laclede gründete einst die Siedlung am Fluss, und dort wo seine bescheidene Hütte einmal stand, steht nun dieser Koloss von Stahlbogen, 192 Meter hoch.

Um diesem Highlight ein wenig näher zu kommen, taumeln wir nach den Regieanweisungen unseres GPS durch die vielspurigen, in mehreren Etagen befindlichen Spaghettiknoten, bis massive Baustellen uns total aus dem Takt, aus dem Rhythmus und schließlich aus der Fassung geraten lassen. Mehrfache erneute Versuche bringen auch nur mittelmäßige Perspektiven. (Die tollste Perspektive war trotz der ganzen Baustellen die von der Interstate-Brücke über den Mississippi mit dem Bogen vor der Skyline der Downtown. Leider hatten wir nicht so schnell die Kamera zur Hand, also bedient euch bitte bei Google 😉  ).

Wanderungen durch den Park schließen wir aus bekannten Gründen aus.

Wir fahren weiter gen Osten: Blue Ridge Mountain, West Virginia, Country Roads!

 

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4 Antworten zu On the road again

  1. kanalratte sagt:

    Und natürlich hinterlasse ich wieder einen Kommentar. Marc hat meinen Laptopp nicht nur repariert, sondern auch erheblich beschleunigt. Bin ganz happy.Eine Platine war irgendwie korrodiert, hatte deshalb auch so merkwürdige Schreibfehler und chaotische Zeilenumbrüche. Wie auch immer..schön, dass eure Karre wieder schnurrt.Von hier aus herzliche Grüße von der Chaos Crew. Hatten dieses WE nachsegeln und Vorsegel, 2 Tage vorher Spontanbesäufnis bei Nachbarns Bar danach Strassenfest mit abgrillen. War summasummarum 4Tage dauerstrack, aber natürlich heute wieder diszipliniert zur Arbeit. Wir hatten 2 Tage gehofft euch anskypen zu können und euch ein herzliches Schmettereteng entgegenzurufen, Heute ist der 11.11. also Karneval in Köln. Hat leider nicht geklappt somit Grüße auf diesem Weg.
    Hier alles soweit OK. Habe wieder mit dem Schwimmtraining angefangen. Nach 2 Kilometern tat mir allerdíngs die re. Schulterzunehmend weh. Hab dann abgeblasen, obwohl ich noch Kraft hatte. Muss mit dem Teil etwas aufpassen. Hatte schon schlimme Entzündungen drin. Werde langsam /Woche um 250 M steigern. 4km will ich aber nicht mehr. Wird zu langweilig,und dann käme ich auch nicht mehr in die Sauna.Man gönnt sich ja sonst nix. Euer Indian summer scheint ja noch in voller Pracht zu stehen. Hier ist schon fast Kahlschlag und es wird kalt. Süddeutschland liegt schon Schnee. Noch heizt mein Kamin das ganze Haus für 2,50EU am Tag. Der Crew war es sogar zu warm, lag aber eher am Schnaps. Habe euer Budweiser gesehen, also lebt ihr ja auch nicht so dröge.
    Na denn erstmal wieder so long und bleibt gesund
    herzlich #eure Kanalratte

    • Gerhild sagt:

      Hallo Walter,
      nach deinem anschaulichen Bericht haben wir das Korrosionsproblem deiner Computer mal so betrachtet:
      Nach Genuss alkoholhaltiger Getränke findet in den Lungenbläschen (Alveolen) ein Gasaustausch zwischen der Atemluft und dem aufgenommenem Alkohol statt. Der im peripheren Blut enthaltene Alkohol wird von der eingeatmeten Frischluft aufgenommen und mit der Ausatmungsluft abgegeben.
      Ausgehend von Untersuchungen, die bei Werkstoffen wie Aluminium im Zusammenwirken mit alkoholhaltigen Kraftstoffen eine sog. Alkoholatkorrosion nachweisen, bei der sich der Werkstoff innerhalb kurzer Zeit abhängig von Temperatur und Wassergehalt zersetzen kann, könnte die ethanolhaltige Ausatmungsluft nach einem Dauerstrack-WE bei hoher Raumtemperatur (vom Kaminofen) und geringer Luftfeuchtigkeit (wegen kurzzeitiger Alkoholabstinenz) u.U. auch die empfindlichen Bauteile deiner Computer in die Knie zwingen? Also nach solch einem WE Mundschutz oder Computer auslassen 😉 Gerhild

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2, schön, dass ihr wieder rollt und diesmal alles recht gut geklappt hat – angefangen vom funktionierenden Backoffice mit nachgeschalteten Dienstleistern bis zum perfekten Einbau durch Lothar. Sehr beeindruckend!

    Nach dem Verlassen der Rocky Mountains seid ihr vom Winter ja wohl noch ein bisschen im Indian Summer zurück – sieht schön aus, aber lange wird es aber sicher auch nicht mehr dauern, bis euch der Winter wieder einholt. Das signalisiert schon Lothars Mütze und – bei uns die bestellte Martinsgans. Es wird Winter!

    Wir können nachfühlen, was es heißt, in St. Louis bei Baustellen nach den Anweisungen eines Navi zu „taumeln“ oder auszuschalten – beides ist besch… Das Jefferson National Expansion Memorial (Gateway Arch) ist auch auf euren Fotos schon beeindruckend und war sicher etwas für euer Architektenherz. Eero Saarinen hat wohl die Fertigstellung dieses 192 m hohen Bogens nicht mehr erlebt. Die beschriebene Perspektive mit der Skyline haben wir uns dann doch bei Google angesehen :-). Schöne Grüße und jetzt wieder gute Fahrt! Gerhild und Harald

  3. John Page sagt:

    Hello, we noticed your unusual Rig in cherry hill. We have been around the
    country and have seen you at many places.
    We are in the old bus conversion in 1316.

    If you are every in NH , we ha be two VW DT-24 six cylinder diesel e.engine

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