Nebraska: Hoffnung auf Hilfe für unseren 3. Oldy

Irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir nach wie vor auf nur 5 Pötten fahren. Sollte da ….. ? Nö, nach Diesel riecht es nicht. Sicherheitshalber baue ich die Leitung aus und siehe da, die letzte Schweißaktion zur Abdichtung einer undichten Dieselleitung war in zweifacher Hinsicht erfolgreich: außen dicht, innen dicht. Der Gute hat im Übereifer nicht nur außen einen dicken Klumpen draufgeschweißt, sondern das Röhrchen auch innen zugebraten. Was tun? Ich versuche, die Leitung mit viel Mühe wieder aufzubohren.

 

Ergebnis: ein abgebrochener 2 mm Bohrer, ein stumpfer 2,5 mm Bohrer und ein Loch in der Wandung unmittelbar hinter der Krümmung.

 

In Akron finden wir einen Service, der es zur Abwechslung mal wieder mit Hartlot versucht, und das erfolgreich. Nach weiteren 60 km machen wir Feierabend für heute, freuen uns, dass immer noch alles dicht zu sein scheint und feiern andächtig die 22.000 km seit Halifax.

Am nächsten Morgen: die Sonne scheint, das Herze lacht. Die Ärmel aufgekrempelt und ran an die Arbeit. Erst mal rücken wir der Markise zu Leibe, deren Halterungsschrauben uns schon so oft geärgert haben. Und dann kommt auch noch das Oberlicht dran. 2 Lagen feste durchsichtige Plane mit viel „paket tape, clear“, mit dem wir schon an der Windschutzscheibe so gute Erfahrungen gemacht haben, sollen den Undichtigkeiten „vorläufig endgültig“ abhelfen.

Zufrieden betrachten wir unser Werk und schreiten zu Mahle: es gibt kräftige Hühnersuppe mit Gemüseeinlage. Gerade das richtige bei dem schneidend kalten Wind.

Beim allnachmittäglichen Klöchen entleeren auf dem Feld riecht es wieder so verdächtig nach Diesel. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich hasse diesen Geruch, er verspricht so gar nichts Gutes. Und richtig, unterm Auto tropft es. Wir fahren bis zum nächsten Ort und dann das übliche Prozedere, inzwischen mit geübtem Schwung: Beifahrersitz raus, Motorraumhaube raus, und die Ahnung bestätigt sich: die zuletzt kaputt reparierte Leitung ist nun komplett abgerissen. Der geneigte Leser weiß natürlich schon genau, was jetzt geschieht. Richtig, Amputation! 17-er Schlüssel und Verschlussmuttern liegen schon vorne am Motor bereit; alles ist nur noch Minutensache. Dann Krisensitzung. Wir beschließen, so kann das nicht weiter gehen.

Bei McDonald in Blair, unserem Nachtstandplatz, treffen wir Dave und Carol, ein hilfsbereites älteres Pärchen aus der Stadt. Dave empfiehlt, morgen früh (samstags!) zum FORD-Service zu fahren. Das werden wir tun, aber gleichzeitig auch Christian um Hilfe bitten, die Leitungen in good old Germany zu besorgen und uns zuzuschicken.

Bei FORD kann man uns tatsächlich helfen. Etwas mitleidig beguckt der Mechanico vom Dienst die zusammengebratenen Schweißauswüchse an unserer Dieselleitung und meint, das machen wir am besten neu. Ich glaube, ich höre nicht recht. Leider hat er keine Diesel- sondern nur dünnwandigere Bremsleitung vom laufenden Meter, aber bis nach Hause wird’s hoffentlich halten. Immerhin hat er die nötigen Tools, um die Rohre zu biegen und die Endstücke auf Form zu pressen. Schlussendlich passt das neue Teil und alles scheint dicht. Wir wollen bezahlen, doch hier wirft sich der Geschäftsführer in die Brust und erklärt mit breitem Grinsen: „Oh no, it is free. Two original Germans come here with an original german Volkswagen, stranded here in Blair and came to my Ford-Service, oh no, ist realy free.“

Auch wir sind mal wieder glücklich, dass wir die Reise fortsetzen können. Es geht weiter nach Südosten durch endlos scheinende Hügellandschaften mit Rinderweiden, Mais- und Weizenfeldern. Darüber spannt sich ein unglaublich weiter Himmel, irgendwo habe ich gelesen: 100 Meilen in jede Richtung. Irgendwie passend zu diesen Dimensionen begleiten uns immer wieder Güterzüge mit hunderten von Waggons und schweren Lokomotiven.

Den Tipp des McDonald-Managers aus Blair im Kopf, in Omaha finden wir alles, Werkstätten, Campingplätze, Touristeninformation, etc., ließ uns zunächst Omaha als nächstes Ziel sinnvoll erscheinen. Doch dann, angesichts dieser Megametropole, ergreifen wir aufgrund unserer Megapolisphobie die Flucht. Erneutes Roadmapstudium und siehe da, Nebraska City bietet sich an. 3 kleine Tannen als Symbol leiten uns auf den RV-Park- and Campground „Victorian Acres“. Eine sehr großzügige, eigentümergeführte und eigentümergepflegte Anlage mit sauberen Sanitäreinrichtungen und Laundry und WiFi auf allen Plätzen.

Die amerikanisch-liebevolle Ausstattung im Detail geht manchmal ein bisschen ins Kitschige, aber so sind sie. Für 30 $ die Nacht mieten wir uns ein.

Eine Woche ist vergangen. Nach langen Tagen des bangen Wartens auf Information, ob Christian die original Dieselleitungen mit den speziellen Durchmessern, Wandungsstärken, Biegungen, Überwurfmuttern für so einen Oldy wird besorgen können, kam endlich die erlösende Nachricht, nun warten wir auf die Ankunft des UPS-Päckchens.

Inzwischen haben wir nur noch 2/3 der Gebühr zu bezahlen brauchen und seit gestern stehen wir „for free“. Dennis und Angie, die sympathischen Eigentümer, nehmen Anteil am Geschehen, kommen täglich vorbei und fragen, was denn mit den Ersatzteilen sei.

Im Städtchen gibt’s nichts wesentliches, was es zu besuchen gilt. So räumen wir auf bei gleichzeitiger Grundreinigung aller Winkel und Ecken. Draußen haben sich wieder ein paar Rostecken gebildet, die zu behandeln sind, kurzum Arbeiten, um unseren Oldy winterfest zu machen. Wenn wir nach Hause kommen, wird dafür keine Zeit und wohl auch nicht die richtige Witterung sein. Auch die Polster sehen nach fast 2 Jahren Dauergebrauch (Süd- und Nordamerika) ein wenig mitgenommen aus. Gott sei Dank haben wir ein kleines Stück passenden Stoff, sodass Rita in Handarbeit Flicken aufsetzen kann, bis der Stoff aufgebraucht ist.

Natürlich werden auch neue Rezepte ausprobiert und verkostet. Nachmittags gibt es Zeit zum Entspannen in der herrlichen Herbstsonne

und abends trifft man sich beim Canaster.

Über allem aber steht die Hoffnung, dass die Dieselleitungen bald unbeschadet ankommen und dass es die Richtigen sind.

 

 

 

 

 

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4 Antworten zu Nebraska: Hoffnung auf Hilfe für unseren 3. Oldy

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr 2,
    nee, nee, nee,… ein bisschen Fahrpause kann bei 22.000 km ja ganz nett sein, aber eine Zwangspause ist doch ziemlich blöd. Da hat man viel Zeit, aber im Hinterkopf ständig die Sorge, ob wohl alles klappt und so richtig genießen geht dann eben doch nicht. Wir drücken euch jedenfalls beide Daumen, dass die richtigen Dieselleitungen bald bei euch eintreffen und dann auch alles ordentlich installiert werden kann.

    Es ist ja schon toll, auf wie viel hilfsbereite Menschen ihr bereits getroffen seid – ob das hier bei uns auch so wäre? Dass dabei auch schon mal im Übereifer gründlich „durchgeschweißt“ wird, gehorcht wohl Murphys Gesetz 😉

    Nebraska und Nebraska City haben wir natürlich auch googeln können. Es ist ja wirklich eine beschauliche Kleinstadt (im Jahr 2000 mit ca. 7300 Einwohnern) und damit ein bemerkenswerter Kontrast zur Megapolis – so groß wie Remscheid wäre aber doch trotz Megapolis-Phobie auch noch ok, oder?
    Viele Grüße aus der Heimat und toi, toi toi für eine gute Weiterreise! Gerhild & Harald

  2. Harald Schmalor sagt:

    Moin Moin,

    wollte mich mal wieder melden und verkünden, dass in Berlin alles in Ordnung ist. Am 24.9. hat Antonia (Christians Ehegattin) einen Buben, also Stammhalter, zur Welt gebracht. Er heißt Tammo Gabriel und hatte 3760g und 56cm vorzuweisen. Schwesterchen Lenja (3) freute sich natürlich auch.
    Seit August wohnt die junge Familie wieder in Berlin.
    Eure Bilder und Beschreibungen sind – wie immer – faszinierend und spannend zugleich. Ihr solltet wirklich ein Buch daraus machen. Meine Tour Berlin-Paris-Berlin mit 9km/h war auch toll, aber ich könnte nie so brilliante Texte fertigen.
    Herzliche Grüße aus Berlin
    Harald und Reni

    • Lothar Hampe sagt:

      Hi Harald,
      herzlichen Glückwunsch an die „junge Familie“ und natürlich auch an dich als mehrfachen Opa und aktuellem Stammvater der Sippe. Aber Opa werden ist für dich ja schon nix Neues mehr, man braucht noch nicht mal mehr den Finger krumm zu machen, man lehnt sich einfach in seinem Ohrensessel zurück, und schuppdiwuupp, ist man schon wieder Opa.
      Zu deiner Tour Berlin – Paris – Berlin freuen wir uns schon auf deinen Multimedia-Vortrag in Bild und Ton, wenn wir dann wieder good old Germany weilen. Bis dahin bleiben wir hübsch einigermaßen gesund,
      Herzliche Grüße auch an Reni
      Rita und Lothar

  3. Kanalratte sagt:

    Hi ihr 2!

    So, jetzt geht wenigstens wieder 1 PC, mein Laptop ist allerdings noch knock out. Skypen kann ich also noch nicht. Am Wochenende wirds dann wohl werden.
    Naja Zwangspause OK, schade. Hätte aber gerne ein wenig Canaster mit euch gezockt.
    Hier auch kalt und nass , aber mein Boot ist in der Scheune. Bis zum nächsten Jahr.
    Mein Kaminofen bullert mollig warm und sparsam den ganzen Tag. Er heizt tatsächlich das ganze Haus auf 22-23 Grad. Ich bin begeistert. Und mein Stromzähler auch.Beruflich geht es mir z.Zt.gut, mein neuer Kollege ist klasse, fleißig und wir verstehen uns gut. Mache auch kaum noch Überstunden. Körperlich beginne ich wieder etwas aufzubauen. Habe wieder mit dem Schwimmtraining angefangen, bin aber noch etwas faul. Lag wohl daran, dass ich von der Schwimmtruppe des Gymnasiums auf 500m Freistil 3x überrundet wurde. Naja, ich arbeite daran. Unsere Therme ist aber auch einfach toll. Vertreibt einem so ein wenig die Wintermüdigkeit.
    Apropos Winter. Die ersten Schnee und Winterbilder habt ihr ja schon gesendet. Das wird ja wohl bald losgehen da unten. Wann kommt ihr denn wieder zurück,(Habe ich natürlich schon wieder vergessen) Würde mich auf ein gemütliches Wiedersehen freuen. Rita wird am 18.12 für 5 Wochen in Reha gehen. Sie hat doch erhebliche orthopädische Probleme. Vielleicht auch Rheuma. Da muss ich sie dann aber an den Wochenenden trösten. So weit weg von Zuhause und den Kindern ist nicht so ihr Ding.Und dann über Weihnachten.. Geht garnicht. Wir arbeiten auch da dran.
    Euch weiterhin viele wunderbare Eindrücke und eine nun mal laaangsam pannenfreie Fahrt. Bis zum nächsten Mal
    Eure Kanalratte

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