Wintereinbruch und US-Shutdown

Auf der Flucht vor dem Regen fahren wir dem Winter direkt in die weit geöffneten Arme.

Auf unserem Weg zum Yellowstone-Park statten wir auch Idaho einen kurzen Besuch ab. Aber von hier gibt es nichts Wichtiges zu berichten.

Den nächsten Tag in Montana unterwegs, ändert sich die Landschaft schnell: steile nackte Felsen begrenzen den HWY, dann wieder öffnet sich der Blick für die Weite bis hin zu den mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln der Rocky Mountains.

Auch das Wetter ändert sich, aber nicht wie der Wetterbericht es versprochen hat. In Butte auf ca. 1600 m hat es geschneit, Schnee auf Dächern und Wiesen.

Die Temperaturen sind rapide gesunken. Die Heizung läuft nachts im Dauerbetrieb. Trotzdem erreichen wir nur – aber immerhin angenehme – 19°in unserem WoMo.

Aber den Yellowstone-Park wollen wir trotzdem nicht auslassen. An der Parkinformation heißt es: teilweise sind die Straßen im Park wegen starken Schneefalls gesperrt, auf den anderen ist Winterausrüstung erforderlich. Die haben wir, einschließlich Schneeketten. Aber Lothar fühlt sich überhaupt nicht gut. Wir beschließen, auf einem Campingplatz in Gardiner, Montana, am Nordeingang zum Park auf besseres Wetter zu warten. Wir finden wieder einen schönen Platz, der dem „Good Sam“ angehört. (Unsere Erfahrungen mit diesen Campingplätzen sind sehr gut.)

Auch der nächste Tag verheißt noch keine Wetterbesserung. Es stürmt und regnet im Tal auf 1680 m und schneit in den Bergen, im Park. Putz- und Flicktage sind angesagt und Brotbacken. Mit irgendetwas Leckerem muss man sich schließlich für so ein Sauwetter entschädigen: frisches Brot mit selbstgemachtem Liptauer-Käse.

Dienstagmorgen, endlich werden wir wieder mal durch Sonnenstrahlen geweckt.

Auf geht es in die Berge, auf geht es in den Park! durch dieses Tor!

Es ist der 1. Oktober, eigentlich nichts besonderes, oder? Doch, es ist etwas Besonderes. Die große Politik nimmt Einfluss auf unsere Reise durch die USA: „Shutdown“! Viele der nationalen Einrichtungen sind geschlossen oder laufen auf Sparflamme, so auch alle Nationalparks und staatlichen Museen. Der Yellowstone-Park ist geschlossen! Eine Öffnung nicht absehbar. Hier warten, bis die hohen Herren dem Kindergartenalter entwachsen sind, macht keinen Sinn. Schade, schade, schade, wir hätten euch so gerne Fotos von den irren Farbspielen der Geysire im Park gezeigt! So müsst ihr’s halt in Wikipedia nachblättern. Wir können euch lediglich ein paar Fotos der Stadt Gardiner

und der Umgebung bieten.

Die Info Lady empfiehlt, nach Cody, Wyoming, zu fahren. Durch den Yellowstone-Park eine Fahrt von wenigen Stunden, nun aber eine 2-Tagesreise. Wir umrunden den Park weiträumig und erreichen Mittwochmittag die Heimatstadt vom weltbekannten Buffalo Bill. Ein nach ihm benanntes Museum steht an erster Stelle der Highlights dieser Stadt

Und es ist wirklich ein grandioses Centrum mit 5 Museen. Eineinhalb Tage verbringen wir hier.

Wir erfahren viel über das Leben, die Ideen und das Wirken dieses außergewöhnlichen Mannes, der den amerikanischen Traum verkörpert, wie man es vom kleinen „Kuhjungen“ bis zum gefeierten Weltstar bringt.

Wir bekommen hier auch Einblick in das Leben der Natives (so nennt man hier inzwischen die „Indianer“) in diesem Teil der USA.

In diesem Teil, das bedeutet Plains- (Prärie-) Indianer, und das bedeutet Sioux-Stämme.

Auch die Sammlung von über 5.000 firearms – also Lang- und Kurzwaffen – verschiedener Jahrhunderte, ist überaus beeindruckend. Wir sind beide gewiss keine Waffennarren, aber die Schönheit von Formgebung und meisterlicher Beherrschung der Kombination der unterschiedlichen Materialien sind teilweise echt grandios.

Die Abteilung „Westernart“ war für uns nicht so überwältigend.

Abends, nachdem wir im Liquor-Shop

noch einen Gute-Nacht-Trunk gekauft haben, nehmen wir wieder Quartier beim bekannten Supermarkt. Die Nacht wird allerdings ziemlich unruhig: Schneefall, ab 1:00 Uhr Schneeräumer im Dauereinsatz. Um 9:00 Uhr müssen wir dann hurtig unseren Parkplatz verlassen, da wir mit Schneebergen umzingelt werden.

Die Batterie tut sich ziemlich schwer. Aber unser Lieblingssupermarkt hat ja auch eine Autowerkstatt. Das Ergebnis der Überprüfung: Wir hatten nur ein paar Schrauben locker, ansonsten alles ok. Kostenpunkt dieser Serviceleistung: nullkommanix! Gute und sichere Fahrt wünscht uns: „Bob“.

Auf schneebedeckter und glatter Fahrbahn eiern wir zurück zur Interstate, zurück nach Montana.

Weiter geht es, grobe Richtung Südosten. Wir wollen raus aus den Bergen, wir wollen ein bisschen Sonne, wir wollen ein bisschen Wärme!

Bei Crow Agency finden wir ein sonniges Plätzchen für einen kurzen Stopp. Eigentlich wollten wir die Nationale Gedenkstätte besichtigen, aber natürlich ist auch sie geschlossen.

Hier auf den Battlefields am Little Bighorn River haben die Stämme der Sioux 1876 die US-Armee unter General Custer besiegt. Der sollte die widerrechtliche Landnahme durch die Weißen gegen die Rechte der Indianer durchsetzen. Der Rechtsstreit schwärt noch immer, wir können die Indianer verstehen, die sich hier betrogen fühlen.

Aber die „Traiding Post“ ist offen. Hier herrscht in der Saison sicherlich ein ziemliches Treiben und Gedränge.

In Sheridan, wieder Wyoming, machen wir zunächst Halt an der Touristen-Information, die erfreulicherweise ihren Dienst noch nicht „saisonal eingestellt“ hat. Die sehr eloquente Lady rät uns von einer Weiterfahrt nach Rapid City zum derzeitigen Zeitpunkt entschieden ab: „Dort kommt kein Mensch herein oder heraus. Ein schrecklicher Wintersturm hat die Stadt völlig abgeriegelt. Auch die Interstate ist geschlossen!“ Logisch, dass wir in Sheridan bleiben wollen. Aber alle Campings sind inzwischen saisonal geschlossen, bis auf den KOA. Der allerdings ist eine absolute Zumutung. Man kann sein Fahrzeug nur schwimmender Weise verlassen oder erreichen, Internet und Laundry funktionieren nicht. Kostenpunkt der Übernachtung auf diesem „Vorzugsplatz“ 30 $! Wir ziehen es vor, dann doch wieder zu „unserem“ Supermarkt zu fahren.

Unsere tägliche Motorkontrolle ist niederschmetternd. Kühlwasser ok, aber eine weitere Dieselleitung ist perforiert. Langsam haben wir die Nase voll! Es ist ja wieder Wochenende! Keine Werkstatt offen, kein Heizungsinstallationsbetrieb kann uns helfen. Also verbringen wir wieder ein Wochenende auf dem schönsten Parkplatz des besten Supermarktes der USA.

Montagmorgen, direkt gegenüber ist eine Fordwerkstatt. Eigentlich ist die Reparatur der Dieselleitung ja völlig unabhängig vom Fahrzeughersteller. Wir fahren auf die andere Seite des HWY und erläutern unser Problem. Bis in die Chefetage ist man bemüht, uns irgendwie weiterzuhelfen. Man telefoniert hin, man telefoniert her. Schließlich findet sich ein eigener Mitarbeiter, der die Leitung hartlötet. Wir zahlen die scheinbar üblichen 120 $ und können unsere Reise fortsetzen. Inzwischen sind die Wintersturmschäden auf der Interstate beseitigt und einer Fahrt nach Rapid City steht nichts mehr im Wege.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Abstecher über den „Spirit Highway“, den „Devils Tower Scenic Bypass“. Mitten aus der ebenen Prärie erhebt sich hier ein Kollos von rundem Tafelberg vulkanischen Ursprungs, gleich einem gigantischen Baumstumpf.

Der Legende nach spielten hier Kinder, als ein Bär sie bedrohte. Die Kinder fürchteten sich und rannten um ihr Leben auf einen großen Baumstumpf zu. Der Baumstumpf sprach zu ihnen, sie sollten auf ihn hinaufklettern. Als alle Kinder oben waren, wuchs dieser Baumstumpf so hoch in den Himmel, dass der Bär sie nicht mehr erreichen konnte. Vor Wut kratzte er tiefe Rillen in den Baum. Eine schöne Legende, die auch die äußere Struktur zu erklären versucht.

Natürlich liegt der Devils Tower innerhalb eines Nationalparks, der natürlich derzeit geschlossen ist. Der Ranger bedauert sehr, uns nicht herein lassen zu dürfen, insbesondere weil wir extra aus Germany angereist sind. Er befürchtet, dass sich die Politiker noch sehr lange streiten werden, er habe gehört, es könne bis Weihnachten dauern. Nun so lange Zeit haben wir nicht. Also begnügen wir uns mit Fotos aus der Ferne. Aber auf Grund der Größe dieses Monumentes hat man ohnehin mit ein wenig Abstand die bessere Sicht auf die Dinge.

Auch erfahren wir vom Ranger, dass in den nächsten 2 Tagen das Wetter noch ok sei, dann, also am Wochenende, setze wieder Regen und Sturm ein und am Montag sei mit starkem Schneefall zu rechnen. Nun bis dahin sollten wir die Rocky Mountains verlassen haben.

Der Spirit Highway führt uns durch die zerklüftete Landschaft der nördlichen „Black Hills“.

Hier können wir auch einen echten Cowboy bei der Arbeit beobachten:

In Rapid City, inzwischen in South Dakota,  treffen wir allenthalben noch auf die Auswirkungen des heftigen Wintersturms: riesige Schneeberge überall, abgerissene Äste liegen noch kreuz und quer in den Straßen.

Die Wetterprognose des Rangers im Kopf, halten wir uns gar nicht lange in der Stadt selbst auf, sondern fahren durch hügelige Weidelandschaften in den Hauptteil der „Black Hills“, ein aus der Prärie sich erhebendes Gebirge, die höchste Erhebung zwischen den Rocky Mountains und den Alpen. Für die Lakota-, Cheyenne- und Arapaho-Indianer sind dies nach wie vor heilige Berge, da sie dort ihren Ursprung sehen. Gegen Wegerechte für die Weißen wurde ihnen dieses Land 1868 von der US-Regierung vertraglich als unantastbar zugesichert. Aber wie so häufig: Gold verdirbt den Charakter! Nach Goldfunden wurden die Indianer aus ihrem unantastbaren Besitz verdrängt und in Massakern wie z. B. „Woonded Knee 1890“ aufgerieben und schlussendlich vertrieben.

(Siehe auch: http://www.stern.de/reise/fernreisen/black-hills-in-south-dakota-kampf-um-the-great-sioux-land-598312.html)

Ein besonderes Monument ist das 1941 fertiggestellte „Mount Rushmore National Memorial“. Hier hat der Bildhauer John Gutzon de la Mothe Borglum die Köpfe der vier für ihn bedeutendsten Präsidenten der USA in 20 m hohen Halbskulpturen in den Felsen gesprengt und gemeißelt. George Washington, 1.Präsident und Vater der republikanischen Demokratie , den charismatischen Theodore Roosevelt mit seiner Vision von Amerikas Rolle in der Weltgemeinschaft, der Visionär und Philosoph Thomas Jefferson, Vater der „Declaration of Independence“, der Gründungsurkunde der USA, der von einer Nation von Ozean zu Ozean überzeugt war und schließlich Abraham Lincoln, der die Sezessionskriege glücklich für die Union der Nordstaaten entscheiden konnte und die Sklaverei abschaffte.

Ein gigantisches Monument. Leider liegt auch dieses innerhalb eines Nationalparks, und leider ist auch dieser geschlossen. Aber wie auch bei dem Devils Tower lassen sich die prächtigsten Fotos sowieso besser mit ein wenig Entfernung schießen.

Eigentlich finden wir es gar nicht so übel, der Touristenrummel ist ganz schön ausgebremst, wenn man sich das Eingangstor Keystone anschaut.

Hier möchten wir zur Saison und bei geöffnetem Park lieber nicht sein!

Übernacht wollen wir wieder bei unserem Supermarkt stehen, müssen aber mit Erstaunen feststellen, dass dies in dieser Stadt verboten ist. Aber es gibt einen Ausweichplatz bei einem Outdoor-Outfitter. Der bietet nicht nur RV-Parkplätze an, sondern ist sogar mit Dumpstation, Hunde-Ausführ-Platz und Pferdeställen ausgerüstet. Hier sieht man das städtische Verbot nicht so eng und wir quartieren uns ein.

Die Nacht wird ausgesprochen unruhig. Der angekündigte Sturm zerrt und rüttelt heftig an unserem LT. Selbst das Verholen hinter einen Megaliner der Wohnmobil-Industrie bringt nur wenig Ruhe. Dazu schüttet es aus allen Rohren. Wieder Wassereinbruch! Wieder ist das seitliche Dachfenster undicht! Wieder ist die Verschraubung der Markise undicht! Wir haben die Nase voll. Wir wollen raus aus den Bergen! Wir wollen in die Sonne! Wir wollen in die Wärme!

Also weiter geht es Richtung Südosten. Irgendwann kommt dann nachmittags doch die Sonne hinter den Wolken hervor. Wir haben bestes Wetter, um den „Bad Lands“ einen Besuch abzustatten. Natürlich ist dies auch wieder ein Nationalpark und natürlich ist dieser wieder geschlossen, mit Ausnahme einer ca. 10 km langen Straße, die Teil einer übergeordneten Landstraße ist. Wie wunderbar, dass wir auch hier fast alleine unterwegs sind.

Die Nacht verbringen wir auf einem saisonal geschlossenen Camping, der aber das Overnightstanding erlaubt. Der nächste Tag beginnt mit Sonne. Aber schnell ziehen wieder Wolken und Sturm auf. Wir haben nur einen Gedanken, raus aus den Bergen, bevor am Montag der dicke Schnee wieder kommt. Aber dem Regen und Sturm können wir doch nicht entkommen. Wir stellen uns lieber nicht vor, wie es wäre, wenn diese Wassermassen als Schnee herunterkämen! Außenbesichtigungen sind bei diesem Wetter schlicht undenkbar.

Aber in Mitchell gibt es noch einen ganz besonderen Palast, den „Corn-Palace“. Das Gebäude, eine Art Mehrzweckhalle, wird seit Ende des 19. JH jedes Jahr von Anfang September an mit Maiskolben und anderen getrockneten Feldfrüchten verziert. Jedes Jahr werden neue Motive entworfen, die Fassade neu dekoriert.

Ein solch bemerkenswertes Kunstwerk können wir trotz des Nieselregens doch nicht auslassen. Ein architektonisches Monster mit Zwiebeltürmchen und Minaretten wie aus dem zaristischen Russland. Ursprünglich sollte es die Vielfalt der Agrarproduktion präsentieren und Farmer ins Land locken. Inzwischen lockt es als größtes Vogelfutterhäuschen der Welt wohl mehr die Touristen und die Freizeitindustrie.

Über Sioux Falls erreichen wir bei strahlender Sonne schließlich Sioux City. Beide Städte haben keine besonderen Highlights zu bieten. Aber freuen wir uns trotzdem:. Wir sind dem Winterwetter entronnen, vorläufig; es ist Donnerstag, der 17. Oktober und der „US-Shutdown“ ist vorbei, vorläufig; die US-Haushaltskrise ist aufgeschoben, vorläufig; die Nationalparks sind wieder geöffnet, vorläufig! Aber auf unserer weiteren Route gibt es keine Nationalparks oder -monumente mehr, vorläufig. Wir haben Zeit, unseren kränkelnden 3. Oldie zu reparieren, zu pflegen, aufzupäppeln und Händchen zu halten.

 

Dieser Beitrag wurde unter Nordamerika 2013, Reiseberichte, USA veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Wintereinbruch und US-Shutdown

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2, dass ihr nun ausgerechnet vom Government Shutdown betroffen ward, ist nun wirklich großes Pech – für euch besonders aber auch für uns – denn das Betrachten der Geysire und Schlammtöpfe, der Bären und Wölfe im Yellowstone National Park über eine Suchmaschine ist eben längst nicht so interessant wie eure bebilderten Reiseberichte 🙁 Aber es ist wie es ist und schon Adolf Freiherr von Knigge hat bemerkt: „Zum Reisen gehört Geduld, Mut, guter Humor, Vergessenheit aller häuslichen Sorgen, und dass man sich durch widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen lässt“. Das Wetter ist beim Reisen immer ein kleines Problem – den Shutdown und euren Oldie hat er wohl nicht gekannt.

    Gerade haben wir noch mal den Wetterbericht im Park gecheckt und vielleicht tröstet es euch, dass es auch jetzt dort nicht sehr gemütlich ist – heute den ganzen Tag Schneefall und Temperaturen gefühlt wie -5 bis -9 Grad. Und wie schon bei der Reise durch Südamerika gilt wohl auch hier Schillers Zitat: „Der eigentliche und ungeschmälerte Genuss einer Reise beginnt erst in dem Augenblick, in dem wir uns ihrer als etwas Vergangenem erinnern“.
    In diesem Sinne – liebe Grüße vom Niederrhein. Hier haben schon die ersten Herbststürme gewütet. Gerhild und Harald

  2. Gerhard sagt:

    Bin davon überzeugt das Lother den LT wieder ans Laufen bringt . Hat ja so manches wieder auf die Beine gestellt. Rita ist auch eine Frau die so Vieles Kann . Weiterhin gute Fahrt. Gerd

Schreibe einen Kommentar