British Columbia: Flucht vor dem Sauwetter

Bei eher mäßigem Wetter, um nicht zu sagen saumäßigem Wetter kurven wir nun den „Selkirk Loop“ Richtung Südosten, Richtung USA entlang. Wie Gerhild richtig gegooggelt hat, handelt es sich um einen internationalen Rundkurs, grenzüberschreitend Südkanada –Nord-USA. Er gehört zu den 10 schönsten Zielen in den nördlichen Rocky Mountains, so die Werbung. Die Schönheit der Strecke versinkt jedoch im Regen, wird von Nebelschwaden und Wolken geschluckt.

Nordöstlich von Nelson erreichen wir die Fähre über den Kootenay Lake.

Nach 35 Minuten sind wir am anderen Ufer. Eine nennenswerte Urbanisation gibt es hier nicht. Aber einen super Übernachtungsplatz. Sommertags wird hier sicher ein riesiges Getümmel sein, hier am kleinen Yachthafen der Crawford Bay. Die Saison ist aber vorbei, und wir stehen hier ganz alleine, eine himmlische Ruhe.

Am nächsten Tag müht sich der junge Morgen, die Schatten der Nacht zu vertreiben. Die Fähre hat ihren Dienst wieder aufgenommen und taucht mit gedämpftem Geräusch aus den schweren Nebelschwaden auf.

Leider bessert sich das Wetter nicht wirklich. So erreichen wir bei schmuddligem Herbstwetter die kleine Stadt Creston, nur wenige Kilometer nördlich der Grenze zur USA. Auf einem kleinen Campingplatz „all year round“ quartieren wir uns für 2 Tage ein. Wir werden dort mit frischen Pflaumen, von der Chefin persönlich gepflückt, empfangen, lecker! Putz- und Flicktag ist angesagt, aber nicht nur. Die Stadt Creston hat auch eine der ältesten und größten Brauerei Kanadas zu bieten, die man besichtigen kann.

Wenn wir uns nun schon für die Verkostung von Bier, statt kanadischen Wein, entschieden haben, liegt es natürlich auch nahe, dass wir eine solche Führung wahrnehmen.

Wir sind einigermaßen erstaunt, dass einige namhafte, auch über die Grenzen Kanadas hinaus bekannte Biersorten genau aus dieser Brauerei kommen. Also ist es völlig wurscht, ob man nun das wahre Kootenays kauft oder irgend ein anders, wie zum Beispiel das international bekannte Budwiser. Es kommt alles aus den gleichen Großfässern,

und wird zum Schluss, je nach Marke, unterschiedlich geflavert. Zum Schluss gibt es noch ein frisch Gezapftes, 4 Marken werden angeboten.

Zurück auf dem Camping schauen wir noch mal den Wetterbericht an. Danach soll es in 3 bis 4 Tagen besser werden, vor allem im Yellowstone Park, welches unser nächstes großes Highlight sein soll. Für die Strecke dorthin brauchen wir eben genau diese Zeit. Also beschließen wir: morgen früh geht es weiter Richtung Süden, Richtung USA, der Sonne entgegen.

Zuvor sind da jedoch noch die Grenzformalitäten zur erneuten Einreise in die USA zu erledigen. Wie alle wissen, war dies vom Yukon nach Alaska und zurück ohne jegliche Probleme. Wir sind also gespannt, wie es dieses mal läuft.

Wir werden in das Zollhaus gebeten. Eine Zollbeamtin fordert unseren Autoschlüssel, um das Auto zu untersuchen. Lothar möchte mitkommen und behilflich sein. Nein, dass machen wir selbst, ist die knappe Antwort.

Drei schwer bewaffnete Grenzbeamte rücken zum Einsatz aus: ein unbekanntes Fahrobjekt ist schärfstens hinsichtlich jedweder Schmuggelware zu kontrollieren. Nach einer halben Stunde werden im Triumpfmarsch vier kleine unschuldige Tomaten ins Hauptquartier getragen. „Die Einfuhr von Früchten in die USA ist nicht erlaubt!“ „Oh, die wollte ich gleich essen, ich habe mich schon so darauf gefreut,“ ist Lothars prompte Antwort. Und ehe Lothar sich versieht, schnippt der Grenzer ihm eine Tomate herüber. Mit breitem Grinsen fragt er einladend, ob ich auch eine möchte. „Klar!“ Und schon fliegt eine weitere Tomate über den Tresen.

Wir müssen noch ein Formular ausfüllen, dass wir keinerlei Obst und Gemüse im Gepäck haben, dann können wir fahren. Wir dürfen uns nun bis Februar 2014 in den USA aufhalten.

 

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1 Antwort zu British Columbia: Flucht vor dem Sauwetter

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    Sauwetter –aber das voller Poesie in Wort und Bild 🙂 Eure Beschreibung lässt dem Wetter für die Daheimgebliebenen doch noch etwas Positives abgewinnen! Aber natürlich wünschen wir euch für den Yellowstone-Nationalpark etwas mehr Sonne, auch wenn es auch dort laut Wetterbericht schon merklich kühler ist und ab Ende August nicht mehr alle Einrichtungen geöffnet sind – aber es gibt ja hin und wieder warmes Wasser 😉
    Harald kann sich erinnern, dass Kameraden von der BW vor vielen Jahren vom Lehrgang in Texas berichteten, dass dort jeden Tag um 16:00 der Rasen gesprengt werden musste. Es gab keine Ausnahmeregelung, auch nicht für den Fall, dass es regnete, es war eben ein Befehl. Auch wenn man den Kopf schüttelt, aber so ist wohl auch die Handhabung bei der versehentlichen „Einfuhr“ von 4 Tomaten zu sehen. By the way: Bei der Durchsuchung des Autos zu DDR Zeiten durfte man immerhin dabei sein.
    Schöne Grüße aus der Heimat, falls ihr bis Februar in USA sein solltet, haben wir hier bis dahin bestimmt eine neue Regierung. Macht’s gut. Gerhild und Harald

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