British Columbia: Zu Gast bei Freunden

Unser Ziel ist die kleine Stadt Vernon im Okananga Tal. In der Nähe von Calgary trafen wir auf einem Campingplatz eine supernette Familie, die ebenfalls einen VW-Camper fährt. Da ja alle VW-Camper zu einer großen Familie gehören, haben sie uns eingeladen, sie in Vernon zu besuchen.

Vernon liegt ohnehin auf unserer geplanten Reiseroute, gerne haben wir die Einladung von Ron und Peggy, Garret und Nicki angenommen. Leider haben wir keine Adresse, nur eine Telefonnummer. Doch irgendwie sind wir zu blöd, eine Verbindung an einem öffentlichen Telefon herzustellen. Aber die Lady an der Touristen- und Weininformation in Penticton steht uns hilfreich zur Seite. Sie ermittelt zunächst einmal die Adresse und stellt dann eine Telefonverbindung für uns her. (Es ist ein Ferngespräch, da muss man eine 01 vorwählen!). Große Freude am anderen Ende der Leitung. Selbstverständlich sind wir herzlich willkommen. Peggy erwartet uns morgen Abend, also am Mittwoch, dann ist Ron von seiner Kurzreise zurück.

Nach einigem Suchen finden wir dann doch vor Dunkelheit Familie Dietz. Wie gute alte Freunde werden wir empfangen. Bei Blueberry-Pie mit Vanilleeis – mhm, sehr lecker – berichten wir von unseren Erlebnissen seit Calgary. Natürlich auch unsere „never ending story“ mit dem Kühlwasserverlust. „Da müsst ihr gleich morgen zu Jürgen, unserem VW-Mechaniker. Er ist der beste. Unsere Volkswagen (Ron: Westfalia und Garret: VW-Pritschenwagen) bringen wir auch immer zu ihm.“

Aber bevor wir zu Jürgen fahren wird noch echt amerikanisch gefrühstückt in einem „Country“. Dies ist ein Café oder ein Restaurant auf einer Farm. Familie Dietz ist hier gut bekannt. Für Nicki ist dieses Café ihr zweites Zuhause. Wir werden herzlich begrüßt. Serviert wird das „Special of the Day“.

Bei unserer weiteren Stadtrundfahrt darf natürlich ein Besuch beim „Farmers-Market“ nicht fehlen.

Kurz vor Mittag suchen wir die Werkstatt von „Jürgen Veigard Automotive“ auf. Der Name verrät, Jürgen ist auch Einwanderer und er stammt aus Lüdenscheid, gleich um die Ecke bei uns (global gesehen). Natürlich will er uns helfen. „Da gibt es so eine kleine Fehlkonstruktion an dem Motor-Stutzen, der den Kühlschlauch aufnimmt. Dort versteckt sich eine Dichtung, die alt und spröde und daher undicht ist. Da tröpfelt das Wasser insbesondere im kalten Zustand des Motors raus. Man kommt da nur sehr schlecht dran, deshalb wird sie auch so ungern gewechselt. Ich bestelle sie jetzt gleich, dann wird sie morgen Mittag geliefert und wir können sie einbauen.“ Ja, so einfach ist das oder doch nicht? Wir werden morgen sehen.

Es ist Lunch-time und ein paar Straßen weiter in der 48th Avenue 2103 gibt es „Helmuts Sausage Kitchen“, eine deutsche Metzgerei, die auch Mittagstisch anbietet. Es gibt Bratwurst mit Sauerkraut und Röstzwiebeln, das ganze ein bisschen amerikanisiert, in ein Brötchen gestopft, aber man kann’s ja wieder raus nehmen. Köstlich, die beste Bratwurst, die wir seit langem gegessen haben.

So gestärkt können wir das Nachmittagsprogramm in Angriff nehmen: Zunächst fahren wir noch zu einer Hausbaustelle. Dort errichtet Peggy’s Bruder ein neues Wohnhaus. Die Hausherrin, selbst Stadtplanerin, führt uns durch das Haus, das ihr Mann, Architekt, geplant hat.

Wir haben Gelegenheit, die doch sehr andere Bauweise zu betrachten. Wie sagte Ron – er ist als Pilot sehr oft nach Frankfurt geflogen und hat dann in Wiesbaden gewohnt – : „Bei euch werden die Häuser für eine Ewigkeit gebaut, bei uns maximal für 15 bis 20 Jahre, dann muss alles erneuert werden!“

Nun kommt aber der beste Teil unseres Programms: Boot fahren auf dem Kalamalka Lake! In ein paar Minuten sind wir an der Bootslip-Anlage, nachdem wir das Boot zuhause an den Haken genommen haben. In ein paar weiteren Minuten ist das Boot zu Wasser gelassen und schon geht es los.

Ein herrlicher Spätsommernachmittag zum Chillen. Später besuchen wir noch Nicki auf der Pferderange. Sie macht dort ein Praktikum und hofft dort eine dauerhafte Beschäftigung zu bekommen. Sie arbeitet gerne für und mit Tieren. Für sie ist es besonders schwer, einen Job oder eine Ausbildungsstelle zu bekommen, da sie ein Handicap hat.

 

Nachdem wir morgens noch einen weiteren Farmers-Market aufgesucht haben, Peggy braucht jede Menge Äpfel für ihrer „homemade appelpie“ als Präsente zum Thanksgiving Day, und Käse, richtigen Käse, beim Holländer, einem echten, gekauft haben,

 

sind wir mittags wieder in Jürgens-Automotive (Tel.: (01) 250-542-3599). Nach zwei Stunden gemeinsamer Arbeit – Jürgen, Lothar und Ron – ist die Dichtung ausgetauscht,

das Auto wieder aufgerödelt! Wir wollen bezahlen. Aber das lässt Jürgen nicht zu: „Einem Nachbarn muss man doch helfen! Grüßt mir Lüdenscheid, wenn ihr auf der Autobahn daran vorbei fahrt, hupt ein paar mal für mich!“ Also bleibt uns nur nochmals zu sagen: „Herzlichen Dank Jürgen“.

Bei Dietzens zuhause gibt es noch eine Dusche für Lothar, einen Lunch für uns alle und dann machen wir uns wieder auf den Weg. Obwohl morgen zwei große Familienfeste ins Haus stehen – eine Nichte heiratet, Peggy wird 60, Übernachtungsgäste sind zu bewirten – haben sich Ron und Peggy alle Zeit der Welt für uns genommen. Auf diesem Wege: „Nochmals herzlichen Dank für alles, insbesondere für eure Freundschaft!“

Bei eher mäßigem Wetter, um nicht zu sagen s..mäßigem Wetter kurven wir nun den „Selkirk Loop“ Richtung Südosten, Richtung USA entlang.

 

 

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1 Antwort zu British Columbia: Zu Gast bei Freunden

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr Glückspilze,
    jedenfalls hoffen wir, dass ihr euch immer noch so fühlen dürft, nachdem Jürgen (eingewandert aus Lüdenscheid) euch so toll geholfen hat. Kanada hat ja wohl eine sehr hohe (die höchste?) Einwanderungsrate und das spürt ihr/man offensichtlich überall im Land. Ich (Gerhild) habe in einem VHS-Spanischkurs mal einen netten jungen Mann kennengelernt, dessen Eltern so etwa in den Siebzigern nach Vancouver, BC ausgewandert sind. Damals gehörte zum Skilled Worker-Programm auch der Beruf des KFZ Mechanikers und so hatte sich sein Vater (eigentlich ein vom Beruf her künstlerisch orientierter Mensch) entsprechend umschulen lassen. Nach Aussage seines Sohnes dann mit eher mäßigem Erfolg in der Praxis, denn für die Arbeiten brauchte er etwa einen ganzen Tag, was andere in einer knappen Stunde erledigen konnten 😉 Man sieht, bei der Kreativität spielt immer die individuelle Herangehensweise eine entscheidende Rolle. Klar, dass zum Freundeskreis auch dieser Familie Menschen aus aller Welt gehören.

    Euren Einkaufsrausch entlang der Fruit Stands können wir mental ausgesprochen gut nachvollziehen. Uns könnte es ganz genauso gehen und – es ist unglaublich, was das Internet den Daheimgebliebenen neben euren Reiseberichten zusätzlich so bietet – wir haben den Mariposa Stand am 3 Hwy, Keremeos gegoogelt! Danke nun auch für die vegetarischen Rezeptanregungen – wir haben am Freitag unser Gemüse (Tomaten, Paprika, Zucchini, selbst angebaute Inkagurken, Zwiebeln) auf Hampes Art (wie z.B. zu eurer Abschiedsfete probiert) gegrillt. Gemüse ist einfach was Leckeres und ihr beide macht euch ebenfalls ausgesprochen gut zwischen dem Kürbisangebot.

    Nachdem wir beim Selkirk Loop zunächst an einen Rundweg um Melrose und Jedburgh in den schottischen Borders gedacht haben, sind wir jetzt virtuell richtig eingenordet:
    ( http://www.selkirkloop.org/index.php/about/loop-overview) und warten gespannt auf eure neuen Reiseerlebnisse von International Selkirk Loop. Bis dahin herzliche Grüße vom Niederrhein. Passt gut auf euch und euren dritten Oldie auf. Gerhild und Harald

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