British Columbia: Fjorde und Gletscher

LT frisch repariert, gehen wir guten Mutes auf den HWY, auf den Stewart-Cassier-HWY. Trotz anhaltendem Regen stellt sich dieser HWY, angekündigte Alternative zum Alaska HWY, als prima Entscheidung heraus.

Gegen Abend erreichen wir Jade City. Hier baut ein Familienbetrieb den kostbaren Stein ab. Zur Weiterverarbeitung wird er allerdings nach China verschifft, so die bereitwillige Auskunft einer Tochter des Hauses. Für Durchreisende gibt es Jaderohlinge zu kaufen. Auch wir erstehen für 3 $ einen Splitter grüne Jade.

Und für uns noch viel interessanter, Jade City bietet „Free Camping“ an. Kaum haben wir uns ein Plätzchen auf dem großen Platz ausgesucht, da stapft ein Mann schnurstracks auf unser WoMo zu. Es ist Dave. Es wird wieder ein amüsanter Abend, diesmal in seinem WoMo, mit Bier und „Herring“ aus dem Einmachglas, aber es muss „der in Wein eingelegte“ sein.

Die inzwischen allmorgentliche Kontrolle ergibt: unter unserem LT immer noch alles trocken! Diese frohe Feststellung macht die Tatsache, dass unser Garmin nun endgültig den Geist aufgegeben hat, erträglicher.

18:00 Uhr bei Kilometerstand 387.405, bzw. nach immerhin rund 15.750 km seit Halifax erleben wir unsere ersten lebendigen und in freier Natur lebenden Schwarzbären sozusagen auf Tuchfühlung.

Und nun tauchen sie im 5 Minutentakt auf. Ein wirklich „bäriger Tag“, den wir spontan der bärigen Crew am Mirker Bahnhof in Wuppertal widmen!

Die Sonne hat den Regen vertrieben. Einige Kilometer später sitzen wir in der Abendsonne auf dem Platz der Rest Area „BOB Quinn“. Um uns herum die Weite der Bergwelt. Ritas Stimmungslage tendiert gegen euphorisch. Hat sie nach so viel gemeinsamen Seeabenteuer mit unserem Schiff „Sunrise“ ihre Seele für die Berge entdeckt? Jedenfalls ist sie froh, der Dunkelheit der borealen Waldgemeinschaften entronnen zu sein.

Auch am nächsten Tag sichten wir wieder Schwarzbären. Mittags finden wir ein Plätzchen mit kanadischem Berg- und Gletscherpanorama. Jenseits des Tales rauschen die Gletschergewässer tosend in ihren Rinnen herab.

Und hier treffen wir Dave ein drittes Mal. Nun verabschieden wir uns endgültig. Er tritt die Heimreise zurück nach Inuvik an.

Bis wir Stewart und den dortigen RV Park erreichen, geht es nur im Stop-and-go weiter. Nicht weil hier so viel Verkehr ist. Nein, alle paar hundert Meter ergibt sich wieder ein tolles Fotomotiv.

Stewart selbst hat eigentlich keine besonderen Attraktionen, außer der Tatsache, dass sie als Grenzstadt zu Alaska den einzigen Zugang zur keinen US-Stadt Heyder bietet. Wir treiben uns im tiefsten Süden von Alaska herum. Und hier gibt es dann doch das ein oder andere zu besichtigen. Wir unternehmen die „Self guided Tour zum Summit View Point“ des Salmon Glacier. Er ist das 5. größte Icefield Alaskas. Ein herrlicher Anblick, wie er sich so in die Rechtskurve legt.

30 km bergauf, 30 km bergab, steile Felswände sowohl nach oben als auch in den Abgrund, graveled road, feuchtglitschig, zwischendurch Wellblechpiste und Schlaglöcher, der Weg zu diesem Schauspiel ist spannend für den Fahrer und insbesondere für die Beifahrerin!

Auf dem Rückweg legen wir am Fish Creek noch einen Stopp ein. Hier kommen die Lachse zum Laichen, ein reich gedeckter Tisch für Grizzlies und Schwarzbären. Leider haben wir nicht das Glück, die Bären beim Fischfang zu beobachten. Wie wir von anderen Besuchern hören, muss man da wohl eine belastbare Ausdauer mitbringen.

Aber auch gefiederte Gesellen finden sich hier ein.

Bei diesigem Wetter machen wir am anderen Morgen noch eine kleine Sightseeingtour durch Heyder

bis an die Pier, die ziemlich verlassen daliegt. Das alles macht einen etwas morbiden, wenngleich fotogenen Eindruck.

Zurück in Stewart treffen wir wieder – wie klein Kanada doch sein kann – die beiden aus Weiblingen, Ursel und Heinz. Auch sie sind im Unruhezustand und reisen durch die Welt. Auch sie wollen gen Süden. Auch sie wollen die „Inside Passage“ nehmen. Wir verabreden uns locker für Mittwoch in Prince Rupert auf der Fähre.

Bis Mittwoch ist allerdings noch ein bisschen Zeit. Da lohnt sich doch ein Abstecher nach „Three Hasselton“, ein Firstnation-Gebiet.

Hier gibt es Totempfähle

und die typischen Langhäuser zu besichtigen.

Es ist noch früh am Nachmittag. Also fahren wir weiter bis Terrace. Mit Entsetzen müssen wir feststellen, dass unser TL wieder leckt. Natürlich ist mal wieder Sonntag, wir beschließen, das Problem auf morgen, Montag zu vertagen. Bei der Tour-Info erfahren wir dann, dass Montag Labourday ist und da arbeitet in Kanada kaum ein Mensch!

Also selbst ist der Mann und das heißt, erst mal den Motor freilegen, Ölkontrolle ok, Kühlwasserstand ok, Motor starten, wo sind die Fontänen? was läuft hier eigentlich aus? Gebannt schauen wir beide in den Motor. Schriller Schrei von Rita: „mach aus, mach aus, da schau mal!“ Die Dieselleitung Nr. 2 ist völlig abgerissen! Während wir noch fassungslos in diesen Motor starren, kommt von hinten ein fröhliches „Guten Morgen“. Ursel und Heinz machen ebenfalls Station in Terrace. Wir schildern unser Problem. Die Lösung kann nur darin liegen, dass wir die Leitung zum 2. Zylinder kurzerhand ordnungsgemäß amputieren und nur auf 5 Pötten weiterfahren. Ansonsten müssten wir die Fähre stornieren. Die beiden können uns dabei wenig helfen, lediglich mit dem Ausborgen eines 17er Schlüssels, die zuhause zuhauf in meiner Werkstatt liegen (Asche auf mein Haupt: ich habe vergessen, eines der Hauptutensilien mitzunehmen). Aber wie dichtet man die beiden „Wunden“ nun ab. Schließlich fällt mir ein Trick ein: ich nehme zwei kleine Schlossschrauben und setze sie umgekehrt in die Überwurfmutter.

Während ich diese OP schlussendlich erfolgreich vornehme, kauft Rita einen neuen Garmin, denn in Großstädten wie z. B. Vancouver geht es nicht immer geradeaus bis Übermorgen, da ist ein bisschen navigatorische Hilfestellung überaus hilfreich. Manchmal denke ich, wie haben wir das damals eigentlich immer geschafft, so ganz ohne Hilfestellung von oben.

Mittags pöttern wir mit 5 Zylindern statt 6 gen Prince Rupert. Die Berge rauf ist es beschwerlicher als vorher schon, haben wir doch für unsere knapp 3 Tonnen Gewicht rein rechnerisch nun nur noch 62 PS zur Verfügung. Aber wir haben ja Zeit und wollen den frisch operierten Motor nicht überlasten. Direkt am Flussufer des Sceena River finden wir ein hervorragendes Plätzchen nicht nur für eine Kaffeepause. Zum ersten Mal auf dieser Reise machen wir ein Lagerfeuer ohne zu kochen, zu braten oder zu grillen, und Mücken gibt’s auch nicht mehr, einfach nur so, just for fun.

Ohne weitere Ausfälle erreichen wir langsam, aber sicher Prince Rupert

und begeben uns nach einer überraschend ruhigen Nacht am Zubringer früh am Morgen um 5:00 Uhr an den Schiffsanleger.

Pünktlich um 7:30 startet die Fähre. 15 Std. sind wir nun unterwegs. Leider ist die Passage nicht so spektakulär, wie in Reiseberichten und Reiseführern dargestellt. Trotzdem hier ein paar Eindrücke

 

Der ein oder andere Passagier hat wohl deshalb die Zeit für ein Nickerchen genutzt.

Spätabends erreichen wir Vancouver Island, erreichen wir Port Hardy. Gleich hinter dem Fähranleger gibt es eine Rest-Area, aber: no Overnightstanding! Kein Mensch hält sich daran. Ruckzuck stehen hier 5 bis 6 WoMos. Am Morgen verabschieden wir uns von Ursel und Heinz, sie fahren gen Süden, wir versuchen unser Motorproblem in Port Hardy zu regeln.

 

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1 Antwort zu British Columbia: Fjorde und Gletscher

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hei Ihr 2,
    wie er so da steht – malerisch vor dem Gletscherpanorama – glaubt man nicht, dass euer 3. Oldie so zickig sein kann! Und dann hat man ihm auch noch einen Topf abklemmen müssen 🙁 Wir hoffen, dass ihr in Port Hardy endlich eine dauerhaftere Hilfe bekommen habt, denn bis zum Ende eurer Reise soll ja der unverzichtbare Dritte im Bunde noch ein bisschen was leisten!

    Mit viel Interesse haben wir eure Reise zurück in den Yukon und durch die Fjord- und Gletscherwelt von Westkanada verfolgt. Viele Erlebnisse und Erfahrungen machen uns Lust aufs Weiterlesen und so haben wir z.B. auch einen exzellenten Artikel über die First Nations in Wikipedia gefunden. Schade, dass ihr in Whitehorse die Aurora borealis verpasst habt, aber das ist sicher eine der schwierigsten Dinge bei der Durchführung einer Reise – immer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. So kann man nur nachträglich beim Geophysikalischen Institut in Fairbanks nachsehen, wann man das Polarlicht mit welcher Intensität denn hätte sehen können: (http://www.gi.alaska.edu/AuroraForecast/Alaska/2013/09/29) Zur Not klappt es ja mal in Nordnorwegen 😉 Für mich (Gerhild) ist solch ein Erlebnis ein irgendwann vielleicht doch noch realisierbarer Traum.
    Auch die Inside Passage von Prince Rupert nach Port Hardy war für uns schön anzusehen. Vielleicht liegt es daran, dass wir dafür nicht so früh aufstehen mussten wie ihr 😉 Wer weiß, wie lange diese grandiose Fjord- und Inselwelt noch so erhalten bleibt, denn wenn das kanadische Unternehmen Enbridge das Projekt „Northern Gateway Pipelines“ doch realisieren darf, wird über ein Doppelröhrensystem Öl aus Alberta über fast 1200 Kilometer bis zum Pazifik transportiert werden, um vom kleinen Hafen Kitimat aus mit Supertankern nach Asien zu gelangen, das heißt, die Tanker würden mitten durch die Gewässer des Great Bear Regenwalds fahren. Was ein Pipelinebruch oder eine Schiffshavarie in diesem Ökosystem anrichten würde, dafür braucht man nicht viel Fantasie. Es ist wohl so, wenn Geld eine Rolle spielt, wird die Frage, ob man etwas wirklich tun sollte verdrängt.

    Bei uns scheint heute eine milde Herbstsonne und wir haben beschlossen, den Feiertag am Donnerstag, den 3. Oktober zum Grillen im kleinen Kreis zu nutzen. Euch senden wir liebe Grüße vom Niederrhein und wünschen eine erlebnis- und erfahrungsreiche aber weitgehend problemfreie Weiterreise.
    Gerhild und Harald

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