Alaska: Zurück in den Yukon

Das schöne Wetter des gestrigen Tourtages hält sich auch heute noch. Also machen wir noch einen Abstecher zum Exit Glasier, der fast bis an die Straße reicht. Aber leider doch nur fast, 2 km zu Fuß bis an den Gletscherrand sind nun mal zu viel. Also begnügen wir uns mit der Ausstellung im Info-center und den Bildern, die wir von der Straße aus machen können.

Abends nehmen wir wieder einen Platz bei Mal*mart. Liebgewonnener morgendlicher Einkauf und wir starten in Richtung Yukon. Allerdings nehmen wir den Glen HWY von Anchorage bis Tok. Von dort geht es wieder auf den Alaska HWY nach Whitehorse, das Teilstück, das wir auf der Hinfahrt mit dem „Top of the World“ umfahren haben. Damit haben wir nun den gesamten Alaska HWY be- und erfahren.

Aber auf dem Wege nach Tok kommen wir noch an einer Moschus Ochsen Farm vorbei. Natürlich legen wir hier einen Stopp ein und nehmen an der High-Noon-Führung teil. Die Farm rühmt sich, die einzige zu sein, die das Unterhaar der Moschusochsen zu feinster, weicher Wolle verarbeitet. Diese wolle soll 8mal wärmer als Schafswolle bei gleichem Gewicht sein. Angeblich ist dies ein privates Projekt zur Förderung von Kultur und Beschäftigung der Frist Nation. Ich bin mir da nicht so sicher, angesichts der Preise für Schals und Mützen.

Von den Strickerinnen der First Nation konnten wir keine Fotos machen, da die in ihren Reservaten leben und dort „Heimarbeit“ betreiben.

Leider hat uns bei Tok der Regen auch wieder eingeholt und es kommt zu einem nächtlichen Wassereinbruch. Offensichtlich ist nicht nur das seitliche Oberlicht sondern auch die Markisenaufhängung undicht. Eine große Pfütze steht auf der Schrankablage. Das Wasser ist offensichtlich von den Verschraubungen über die Ablage für Kleingeräte herunter getropft. Irgendwie ist dies unserem Garmin (Kleingerät) gar nicht gut bekommen. Er streikt. Wir legen ihn zum Trocknen auf die Heizung im Cockpit. Im Moment ist er auch nicht unbedingt von Nöten, es geht ohnehin immer gerade aus bis Übermorgen, bzw. erst einmal bis zur Grenze USA/Kanada. Dazu folgender Logbucheintrag von Lothar: „Nach 14.250 km Grenzübertritt AK-CA völlig problemlos – Garmin funktioniert wieder – die Sonne scheint – da lacht das Herz.“ Aber das war wohl nur ein Zwischenhoch. Wir übernachten auf einem Rest-Area-Platz, auf dem das Übernachtstehen ausdrücklich verboten ist. Aber der Regen ist inzwischen wieder so heftig, dass eine Weiterfahrt fast unmöglich erscheint. Später gesellen sich noch einige WoMos dazu, die wohl nur einen Vorturner gebraucht haben.Land unter auch noch am Morgen.

Bis Whitehorse sind es noch über 300 km. Für unsere Mittagspause kommt uns der Ort Heines Junktion gerade recht. Dieser kleine Ort zeichnet sich nicht nur durch das Straßen Dreieck zwischen Alaska HWY und Heines HWY aus, sondern ein Stopp lohnt sich insbesondere wegen der beiden kleinen Kirchen. Die katholische Kirche wurde aus einer alten Militärbaracke (Überbleibsel vom Bau des Alaska HWY) gebaut.

Auf der anderen Straßenseite steht die anglikanische Kirche. Sie ist nur unwesentlich größer.

Erst nach 20:00 erreichen wir Whitehorse und fahren dort wieder auf den großen Parkplatz, wo sie alle hinfahren. Bei Mitternachts-Kartoffelsuppe

warten wir wieder einmal auf Aurelia Borealis, das Nordlicht. Leider vergeblich. Aber wir wollen ja ein paar Tage hier bleiben, so haben wir auch in den nächsten Nächten die Chance, dieses einmalige Schauspiel zu erleben. Nur für Putz- und Flicktage ist es uns hier bei Herrn Wal*mart zu ungemütlich.

Wir fahren zum Hi-Country

dem besten Campingplatz, den wir zwischen Halifax und Anchorage gefunden haben. Schattige Plätze (jedoch ohne dunklen Tannen); perfekte Laundry, die Wäsche wird tatsächlich sauber; Computerraum und WiFi auf dem gesamten Platz; super saubere Dusch- und Toilettenhäuser mit täglich frischen Blumen auf den Waschtischen; Dumpstation; Autowaschplatz; und das ganze für sage und schreibe nur 30 $ incl. Tax. Also der richtige Ort, wo Langzeitreisende putzen und flicken können.

Offensichtlich ist die Campingplatz Chefin der Meinung, dass sich nach außen hin erkennbare Landsmannschaften gerne zusammenrotten. So quartiert sie rechts und links weitere deutschsprachige ein: Zwei herzerfrischend fröhliche Mädel aus dem Kanton Bern, Evelyn und Ursula, 2 Monaten im geborgten Camper unterwegs. Für sie ist es der letzte Tag, und sie bringen noch ihre Lebensmittelreste vorbei, da sie morgen den Camper wieder abliefern müssen. Auf der anderen Seite ein nettes deutsches Pärchen, das vor 1 Jahr eingewandert ist. Der Mann hat in Saskechewan aufgrund seiner Promotion einen guten Job bekommen. Zu später Stunde gibt es dann noch eine gemeinsame Besichtigung unserer Paläste auf 4 Rädern.

Nach ein paar Tagen ist alles repariert, geputzt und auskuriert. Nur noch schnell shopping im Superstore und los geht es in Richtung Steward/Homer –Gletschergebiet Canada/Alaska. Eigentlich sollte dieser Bericht hier enden.

Beim Start auf dem Supermarkt-Parkplatz leuchtet die Kühlwasserkontrollleuchte erneut auf! Wie das? Wir haben doch erst vor ein paar Kilometer nachgefüllt. Also wieder das ganze Programm: Beifahrersitz raus, Motorraum frei räumen, Motorhaube entfernen, Kühlwasser nachfüllen. Bisher kam die Haube gleich wieder drauf und wir fuhren los. Aber diesmal ist es anders. Lothar startet den Motor bei offener Haube. Wir trauen unseren Augen nicht, was wir nun sehen. Der Motor ist zu einem Springbrunnen mutiert, mit drei Fontänen, aber nicht wie jeder denkt Wasserfontänen, nein Diesel spritzt in alle Himmelsrichtungen! Oh, mein Gott, wir haben jetzt wirklich ein Problem.

Während wir fassungslos in den Motor starren, kommt ein Mann mittleren Alters so wie wir: „I am Dave from Inuvik!“. Der Gute steht uns hilfreich zur Seite und manchmal auch im Weg und vor den Füßen. Schließlich erfolgt die Abdichtung mit einem 2-Komponentenkleber, Daves Allzweckmittel bei der Autoreparatur, Durchtrocknungszeitzeit mindesten 6-8 Stunden, also Weiterfahrt erst morgen.

Für den Kühlwasserverlust hat Dave auch noch eine Idee: 1 Teelöffel groben Pfeffer in das Kühlwasser geben. Das verstopfe kleinere Undichtigkeiten und das machen sie in Inuvik immer so.

Sonntagmorgen, wir starten. Im Laufe des Tages stellen wir fest, dass die Klebestellen an den Dieselleitungen nicht gehalten haben, was wir alle gehofft hatten. Der Druck in den Leitungen war wohl doch zu groß. In Teslin kommt provisorisch noch eine weitere Lage 2-Komponentenkleber drauf. Durchtrocknungszeit wieder eine Nacht. Wir beschließen, der Not gehorchend, in Watson Lake, etwa noch 260 km, eine Werkstatt zu suchen. Bis dort hin müssen wir noch 2 mal Kühlwasser nachfüllen. Die sehr nette Info-Lady macht auch ohne große Umschweife gleich für Dienstagmorgen 9:00 Uhr einen Termin bei Chris, einem kleinen „Krauter“, irgendwo in einer Seitenstraße zum See.

„Das kann man nicht reparieren, ihr müsst zurück nach Whitehorse zur angesagten VW-Vertretung in dieser Region, mit einem Abschleppwagen“, ist seine Diagnose. Aber zuvor will er doch noch auf Drängen von Lothar bei VW in Whitehorse anrufen, ob sie das Ersatzteil überhaupt haben. Und es kommt, wie es kommen musste: Dort gibt es nicht nur kein Ersatzteil für unseren 3. Oldie, nein, man kennt diesen Fahrzeugtyp dort gar nicht!

Diese Auskunft motiviert unseren Chris dann doch, über die Möglichkeit einer Reparatur intensiver nachzudenken. Nach einer zugestandenen Reflexionsphase kann er sich vorsichtig dem Vorschlag nähern, die Löcher mit Hartlot zu schließen. Und siehe da, es geht. Die Leitungen werden ausgebaut, hartgelötet und wieder eingebaut.

Für den Kühlwasserverlust hat er allerdings auch keine Erklärung. Er fährt in die „Stadt“ und kauft ein Granulat,

das wohl ähnliche Wirkung haben soll wie Daves Pfeffer, nur ist es ungleich teurer. Wir zahlen 120 $ Cash, daraufhin schließt Chris seinen Laden für heute und wir machen uns endlich auf den Weg nach Steward.

 

Dieser Beitrag wurde unter Kanada, Nordamerika 2013, Reiseberichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar