Alaska: Land’s End

Der Alaska HWY hat uns wieder.

Wir fahren die restlichen Kilometer bis zu seinem offiziellen Ende in Delta Junktion.

Von hier bis Fairbanks ist die offizielle Bezeichnung Richardson HWY, aber das interessiert wohl keinen so wirklich, also endet der Alaska HWY in Fairbanks. So auch für uns, für uns die nördlichste Stadt dieser Reise: N 64°51.470’ / W 147°41.328’. Auf dem Weg dorthin überqueren wir einige Flusslandschaften,

teils mit interessanten Brückenbewohnern

und wir haben es ja kaum zu hoffen gewagt: Elchen!

Tags drauf geht es zum Infocenter. Dort treffen wir die beiden Schweizer wieder. Sie warten auf ein UPS-Päckchen mit einem neuen Teleobjektiv, damit sie bestens gerüstet in den Denali-Park starten können.

Auch wir erkundigen uns über die Besichtigungsmöglichkeiten dieses außergewöhnlichen Parks. Wir kommen aber zu dem Schluss, dass der höchste Berg, der Mc Kenley und sein Park nicht so wichtig sein können, dass ich die Strapazen einer 8 stündigen Busfahrt mit einem ausrangierten Schulbus auf mich nehmen will. In den Prospekten wird zwar vollmundig das „Wildlife-Viewing“ angekündigt, aber garantieren kann doch keiner, dass man tatsächlich all jene wilden Tiere vor die Linse bekommt, die in diesem Park leben sollen.

Also machen wir uns nach einem Putz- und Flicktag (Wäsche waschen, Auto reinigen, Bericht ins Netz stellen, etc.) auf einem ziemlich krautigen Campingplatz auf den Weg gen Süden. Im Reiseführer wurde ein Viewing-point am Highway als guter Nachtstandplatz angepriesen. Von hier sei der Mc Kinley in den Abend- und auch Morgenstunden besonders fotogen. Leider ist der dazugehörigen Campground geschlossen. So übernachten wir unmittelbar an der Straße, nicht gerade prickelnd. Aber für eine Weiterfahrt bis zum nächsten Campground sind wir beide viel zu müde. Die Fotos fielen am Abend eher mäßig aus.

 

Viertel vor 6, ich schrecke hoch, wollten wir nicht den Mc Kinley fotografieren … Trainingshose an (wir sind in den Bergen), Kamera schnappen und raus. Sir Mc Kinley hüllt sich vornehm in seine Morgengewänder, ein paar näher gelegene Gipfel erröten sanft beim Anblick des Tages.

Da wir nicht hoffen können, dass sich seine Majestät auch noch höchstpersönlich zeigen wird, geht’s nach ausgiebigem Frühstück weiter. So erreichen wir am Spätnachmittag Anchorage, die größte Stadt in Alaska, aber nicht der Regierungssitz des Staates Alaska. Das ist nämlich Juneau – wer hätte das gedacht -, eine Stadt, die nur auf dem Luft- oder Wasserweg erreichbar ist!

Heute haben wir keine Lust unseren Herd anzuwerfen. Nein, wir haben einen richtigen Hieb auf Pizza, auf eine leckere Pizza, auf eine italienische Pizza! Ob es das wohl hier in den Staaten gibt? An der Tourinfo wird uns „Uncle Joe“ wärmstens empfohlen. Und ja, es gibt sie wirklich und tatsächlich hier in den USA! Sie können nicht nur Hawai-Pizza backen mit Ananas und all so’n Zeugs, was da nicht drauf gehört. Ja, es ist eine richtige Pizza mit dünnem, knackigem Boden, Salami, Peperoni, Oliven etc. Dazu passt ganz italienisch „bira rosso“.

Der nächste Morgen begrüßt uns mit grauem Himmel und Regen. Ich bin völlig erschlagen, mag gar nicht aufstehen, ich friere (!!!!!). Rita besorgt im Supermarkt Zutaten für eine Hühnersuppe bzw. Chicken Stew. Die wärmt nicht nur wunderbar auf, sondern mobilisiert auch die Lebensgeister (Rezept siehe Kochen unterwegs). Nur den Regen vertreibt diese köstliche Suppe leider nicht.

Trotzdem starten wir zur Kenai-Halbinsel.

Es regnet weiter, die Berge verschwinden in den Wolken. Es stürmt, obwohl der Sturm von vorne kommt, habe ich gut zu tun, das WoMo auf der Straße zu halten. Links geht es steil bergan, rechts, Ritas Seite, geht es zum Wasser steil bergab. Das richtige Wetter für die Alaskaner, ihrem liebsten Hobby nachzugehen.

Natürlich geht das alles nur mit der richtigen Kleidung.

In einem dunklen Tann finden wir ein Waldcamp. Der anvisierte Campground ist leider völlig ausgebucht. Zu allem Überfluss stellen wir fest, dass unser LT leckt. Diese Feststellung hebt keineswegs die Stimmung. Wir müssen in Homer, unser Ziel für den morgigen Tag, einen Mechaniker finden. Aber die Stadt ist ziemlich klein (5.400 EW), ob es da wohl so etwas gibt? Bei unserer Nachmittagspause treffen wir Sullie und Dan. Sie leben in Homer und verbringen das Wochenende in Ninilchik auf einem Government-Campground. Sie empfehlen uns Gus, der kenne sich mit VW aus, sie würden ihren Westfalia (VW-Bus) dort auch hinbringen. Das hört sich gut an. Aber es ist erst Samstag und am Wochenende hat die Werkstatt natürlich zu. Also quartieren wir uns auf dem „Oceanview RV-Park“ in Homer ein,mit Blick auf den Hausgletscher

und direkt am Strand gelegen.

Auch der Sonntag ist wieder ein total verregneter Tag. Bei solch einem Wetter wird einem wieder einmal bewusst, wie gut es ist, wenn man in seinem Reisegefährt nicht nur fahren, sondern auch halbwegs angenehm wohnen kann. Aber trotz dieses Dauerregens feiern wir nach 11 ½ Wochen und 13.000 km die Wendemarke unserer diesjährigen Reise gebührend mit Champagner. Unsere Wendemarke ist „Land’s End“ in Homer, Alaska (N 59°36.018’ / W 151°24.519’).

Montagmorgen suchen und finden wir Gus und seine Werkstatt.

Leider kann er jetzt nichts für uns tun. Dienstagmorgen um 8:00 habe er einen Termin für uns. Nun gut, dann müssen wir uns die Zeit mit Sightseeing im Dauerregen vertreiben. Wir fahren nach Homer Spit, die Attraktion der kleinen Stadt. Es ist eine 7 km lange schmale Sandzunge, die wie ein Finger ins Meer ragt.

Sie ist vollgepackt mit RV-Parks, Campgrounds, Giftschops, Adventureläden usw, halt alles was ein ordentlicher Tourist so braucht.

Ein Overnightstanding ist selbstverständlich ausgeschlossen, die Parkzeit für Möwen ist begrenzt.

Die Liegezeiten für Schiffe scheinen unbegrenzt.

Natürlich gibt es auch eine Hafenanlage. Wo allerdings all die dazugehörigen Schiffseigner leben ist uns ein Rätzel.

Zu Mittag leisten wir uns dann noch etwas Besonderes: „Buffalo Round Sirlon Tip Staek“ oder schlicht Büffel-Lende mit Schmorgemüse, einfach köstlich.

Nachmittags ist genügend Zeit, die Downtown von Homer zu besichtigen.

Dienstagmorgen in der Werkstatt von Gus: es sei kein Ölverlust, das ist die gute Nachricht! Ein Kühlerschlauch sei defekt, und zwar leider an einer denkbar ungünstigen, weil unzugänglichen Stelle, unter und hinter dem Zylinderkopf. Das könne man nicht reparieren, den müssten wir bei VW in Anchorage bestellen, also knappe 400 km! Mit 5 l Kühlwasserkonzentrat eingedeckt machen wir uns auf den Weg.

Bei Anchor Point erreichen wir bei N 59°48.070’ / W 151°50.433’ den westlichsten, auf einer Straße erreichbaren Punkt der USA.

Ein kleiner Abstecher zu der Orthodoxen Kirche

in dem malerischen, aber ein bisschen dem morbiden Charme verfallenen Ninilchik

beschert uns unverhofft die Bekanntschaft mit einem jungen Elchbullen.

Da wir keinen weiteren übermäßigen Kühlwasserverlust feststellen und auch selber ein offensichtliches Leck nicht finden können, nehmen wir an, dass sich der Mitarbeiter bei Gus möglicherweise getäuscht haben könnte. Vielleicht hatten wir auch zu wenig Kühlerkonzentrat beigegeben, sodass der Siedepunkt zu niedrig und die Kühlerflüssigkeit werweißwohin verdampft ist.

Jedenfalls fahren wir dann doch nicht direkt nach Anchorage, sondern zunächst nach Seward, Ausgangspunkt für Schiffstouren durch den Blying Sound und zu den Eisbergen des Kenai Fjord National Park.

 

 

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1 Antwort zu Alaska: Land’s End

  1. Kanalratte sagt:

    Whow, spannend!! sieht aber auch ein bisschen so aus wie aktuell bei uns . Nasskalt , hier aber ohne Elche .
    Tolle Bergbilder, super der Gletscher. Die letzten Gletscher in Hannover sind allerdings schon lange geschmolzen . Die Berge haben wir dann auch schon beseitigt.Die Schiffsbilder fand ich ungewöhnlich,..Schiffsfriedhof?, Tidenhafen. ?
    Dann mußte ich aber doch lachen bei der Suche nach des Rätsels Lösung. Nix für ungut. Also dann jetzt Rückweg?. Ich hoffe, mit eurem Kühler ist es nichts schlimmes. Denkt aber auch bitte an die Bremsflüssigkeit.Wie alt ist die schon??(Ich denke immer noch an die Episode am Ätna, (oder war es der Vesuv???)
    Na vielleicht beschert euch der Rückweg noch die eine oder andere heiße Quelle zur Rekreation.Dass man in diesem ganzen riesigen Land einfach nicht frei campen kann , finde ich weiterhin megamerkwürdig.Aber die Stimmung ist toll. Erinnert mich an unsere Nordkap.Tour, nur viel imposanter.Hier alles easy, Samstag ab nach Rhodos…mir ist kalt.
    Eine ereignis -und eindrucksvolle Weiterreise…wünscht Euch eure CHANNEL RAT

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