Yukon: Auf den Spuren der Goldgräber

Yukon Territory, 1 ½ mal so groß wie Deutschland, aber nur 31 Tausend Einwohner, (2/3 davon in Whitehorse), also gerade das richtige, wenn man sich in einsamen Gegenden so richtig wohl fühlt.

In Whitehorse stimmen wir uns auf unsere nächste Etappe durch den Yukon ein. Die Namensgebung geht auf die Stromschnellen des Yukon-Rivers an dieser Stelle zurück. Die aufschäumende Gischt erinnerte an die wehende Mähne eines Schimmels. Heute ist von diesen Stromschnellen seit dem Bau des großen Stausees Schwatka Lake nichts mehr zu sehen. Gleichwohl entwickelte sich im 19. Jahrhundert an dieser Stelle eine der wichtigsten Etappen der Goldsucher. Ab hier war der Yukon nämlich schiffbar, schiffbar für die großen, typisch amerikanischen Heck-Raddampfer.

Ein solcher „Sternwheeler“, die „SS Klondike II“, wurde in den 70. Jahren naturgetreu restauriert.

Die gewonnen Einblicke in die damalige Zeit des Goldrausches haben wir im Mac Bride Museum noch ein wenig ergänzt.

Hier haben wir auch alle jene wilden Tiere betrachten können, die uns durch Schilder am Straßenrand stets versprochen wurden, aber nie in Erscheinung traten.

So vorbereitet machen wir uns auf den Weg nach Dawson City, damals die Hauptstadt der Province Yukon. Heute ist diese Stadt nur noch eine Touristenattraktion. Ihre Hauptstadtfunktion hat sie nach dem Bau des Alaska HWY an Whitehorse abgeben müssen. Man erreicht diese legendäre Stadt über den Klondike HWY. Auf dem Weg dorthin kommen wir zu den Stromschnellen „Five Finger Rapids“. Dies war damals zu Zeiten der Raddampfer und davor die gefährlichste Stelle, die es zu umschiffen und überwinden galt. Die Schiffe hangelten sich an langen Trossen, die am Ufer gespannt waren, entlang.

Mit Blick auf die historisch bedeutsamen Felsen lassen wir den Tag ausklingen.

Nach einer weiteren Tagesetappe erreichen wir die Goldgräberstadt Dawson City, einer der bedeutendsten Orte während der Goldgräberzeit ab 1897. Abenteurer und Glücksritter bevölkerten die rasch auf 20.000 Menschen anwachsende Handelsmetropole und hausten oft nur in Behelfsbaracken und Zelten.

Heute erinnern überall in der Stadt schmuck restaurierte Holzhäuser an diese legendäre Zeit.

Ganz typisch auch die vielen Holztrottoires anstelle der üblichen Bürgersteige, die offensichtlich auch während der langen Frostperioden pflegeleichter sind.

An dem extra für Touristen angebotenen Gold-Panning, bei dem man – natürlich für einen entsprechenden Obolus – den vorher dem Sand in der Pfanne beigefügten Goldstaub wieder heraus waschen kann, haben wir nicht teilgenommen; das fanden wir dann doch ein bisschen zu albern.

Eine nur teilweise befestigte Straße führt hinaus nach Bonanza Creek, wo Ende des 19. Jahrhunderts alles begann. Goldnuggets wurden in den flachen Gewässern gefunden, und ratzfatz wurden von Gesellschaften Claims abgesteckt und vergeben. Eine kurze Zeit ging das Geschäft gut. Dann brachte die mühsame Handarbeit der Goldschürfer in ihren abgesteckten und sorgsam gehüteten Claims nicht mehr genug Ertrag ein, und die Goldgewinnung an den Gewässern wurde weitgehend mittels sog. „dredges“ industrialisiert. Die besterhaltene hat unser Interesse geweckt, sie steht im Bonanza Tal.

Dresges waren Schwimmbagger, mehrgeschossige Fabrikanlagen auf Schwimmpontons, die mit schweren Eimerketten alluviales Material aus dem frostigen Boden kratzten und an Bord hievten, wo es direkt in die Aufbereitungsanlage gelangte. (Die ausrangierten Eimer sieht man heute überall im Straßenbild und in den Vorgärten als dekorative Bestandteile der Außenarchitektur.)

Hauptbestandteile der Aufbereitung waren hier eine große Siebtrommel und diverse Förderbänder und Waschrinnen, in deren Matten sich das viel schwerere Gold verfing und so abgetrennt werden konnte. Über ein großes Transportband wurde das ausgewaschene Geröll wieder am Ufer abgesetzt. Die Landschaft sieht heute dementsprechend aus. Aber teilweise hat sich die Natur das Gelände auch ein wenig zurück erobert. Seen haben sich in den Baggerlöchern gebildet.

Diese Ungetüme aus der Zeit der Frühindustrialisierung krochen nur sehr langsam durch den Schlamm. Aber auch heute noch wird hier noch nach Gold gegraben, allerdings mit kleinerem flexiblerem Gerät.

Viele Reisende verfolgen von Dawson City aus den Dempster HWY nach Inuvik. Aufgrund der Witterungslage – Regen ist angekündigt – verzichten wir auf diese Strecke, die landschaftlich sehr schön sein soll und über den Polarkreis hinausgeht. Es ist eine Erd- und Schotterpiste, die bei Nässe zur glitschigen Schlitterstrecke wird. Allrad ist unbedingt erforderlich. Damit können wir nicht dienen.

Aber die Strecke über den Top of the Wold HWY verspricht ebenfalls sehr interessant zu werden. Zunächst überqueren wir den Yukon mit einer kleinen Fähre. Allerdings kommen wir gerade zur Mittagszeit, da ist Crew-Wechsel und wir müssen ein Weilchen warten, bis sich alle so zurechtgeruckelt haben. Die Zeit vergeht schneller mit Bilder machen.

Noch ca. 40 km fahren wir auf „gepaveder“ Straße, dann ist Erd- und Schotterpiste angesagt. Aber der Regen bleibt hier Gott sei Dank aus und wir können die Landschaft von hier oben, vom Top of the World betrachten.

Dies ist wohl auch der Grund für die Namensgebung, so zumindest die freundliche Dame im Infocenter.

An der Grenze geht alles bestens und wohl gelaunt von statten.

Was hatten wir doch wieder alles an schrecklichen Dingen gehört. Nein, der Grenzer machte seine Späßchen, weil der Computer so lange brauchte, wollte wissen, wie die Hauptstadt von Deutschland heißt usw. Er wollte keinen Blick in unser Fahrzeug werfen, um nach Schmuggelware, wie Schinken, Salami, Butter und Obst fanden. Alles ging sehr schnell und nach 10 Min. konnten wir weiterfahren und unsere Schmuggelware am nächsten Parkplatz wieder in den Kühlschrank räumen. Wir sind in Alaska!

Nun behindert eine riesige Baustelle die zügige Weiterfahrt. Gegen 18:00 Uhr erreichen wir dann den kleinen Goldgräberort Chicken.

Wie auch andere Städte rühmt sich dieser kleine Ort, eine Downtown zu haben.

3 Hütten aus der historischen Goldgräberzeit machen das Ortszentrum aus: Giftshop, Café, Liquorstore und natürlich ein Saloon. Betrieben werden diese Geschäfte von Susan und ihren Kindern, aber nur im Sommer, es ist ihre ganz eigene Goldgrube. Hier ist jeder Hahn im Korb. Ihren Parkplatz stellt sie für „Free Camping“ zur Verfügung. So wundert sich keiner, dass er später voll mit Wohnmobilen steht. Aber auch im Saloon und im Café ist kein Platz mehr frei.

Beim Bierchen im Saloon treffen wir auch Angela und Claudio aus der Schweiz. Auch sie sind auf einer längeren Reise. Sie haben sich eine Auszeit genommen, ihre Jobs gekündigt, nach Vancouver geflogen, Truck und Pickup gekauft und ins Abenteuer gestürzt. Daher auch der Name ihrer Website www.abenteuer-auszeit.ch . Für sie ist es zunächst ein 2-Jahresprojekt, vielleicht müssen sie dann erst einmal wieder Reisegeld verdienen, um ihre Reise fortzusetzen.

Am nächsten Abend treffen wir die beiden am Moon Lake wieder, einem warmen Badesee nördlich von Tok. Sie haben den gleichen Reiseführer und darin wird der See als besonders schöner Übernachtungsstandort angepriesen.

Bevor Lothar selbst die verschieden Sitzgelegenheiten mit Fußbad ausprobiert

gönnt er auch unserem 3. Oldie eine Abkühlung.

Mit diesem Bild verabschieden wir uns bis zum nächsten Bericht über die Erkundung des US-Staates Alaska bis zum „Lands End“.

 

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3 Antworten zu Yukon: Auf den Spuren der Goldgräber

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Here we are – back from the baltic sea shore!

    Hallo Rita, hallo Lothar, schön war’s an der Ostsee und sogar exklusiv sommerlich, sodass wir von den mit genommenen Fahrrädern reichlich Gebrauch machen konnten. Unser “ Lands end“ war Usedom mit den hübschen Badeorten zwischen Ahlbeck und Zinnowitz. Von dort haben wir uns dann über Rügen (mit Hiddensee), Stralsund, und die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst zurück „gepaved“. Weiße Strände und frischer Fisch in diversen Varianten – aber kein WiFi – und so hatten wir nach unserer Rückkehr allerlei zu lesen, einschließlich der vielfältigen Kommentare. Aus aktuellem Anlass haben wir dann auch gleich bei der Ma/Schwiegerma (93) nach ihrem Rezept für Reibeplätzchen gefragt und siehe da: sie macht und mag es exakt genauso puritanisch, alles andere seien Gemüsepuffer 😉

    Die virtuelle Nachverfolgung eurer Route auf dem Alaska Highway mit diversen Abzweigungen bis zum stimmungsvollen Schlussbild nördlich von Tok war gefühlt fast so lang wie eure Fahrt in echt, aber nun haben wir den Durchblick und könnten euch auch mit dem aktuellen Straßenzustandsbericht versorgen ;-), nämlich von hier: (http://511.alaska.gov/alaska511/mappingcomponent/index) , wenn nicht zwischen eurem Erleben und unserem Nacherleben naturgemäß eine gewisse Zeitspanne läge und ihr das deshalb immer alles schon wisst. Wir sind gespannt, ob ihr bis zum Ende des Alaska Highways fahrt (bzw. gefahren seid) oder wohin ihr euch alternativ oder eben danach wendet.

    Heute gibt es bei uns frischen Blattspinat und Kartoffeln der Sorte Gloria beides von unserem niederrheinischen Bio-Bauern und auch wenn die Mitteldeutsche Zeitung am 4. Juli gemeldet hat, dass die Kartoffeln wegen einer verspäteten Ernte deutlich teurer und die Preise so hoch wie seit Jahrzehnten nicht seien (50 Prozent mehr als vor einem Jahr), sind sie gegen eure Einkaufspreise in Watson Lake wohl immer noch moderat. Dafür kostet ein kg Blattspinat 6.99 € (das sind 9.58 C $), also haben wir heute ein echtes Luxusessen. Als Dessert trösten wir uns mit einem Linie Aquavit – unverfälscht, ohne weitere Zutaten, lieber Walter 😉 All das soll euch aber nicht den Mund wässrig machen, allenfalls Lust darauf, irgendwann mal wieder nach Old Germany zurück zu kommen. Weiterhin gute Reise euch beiden und bis später! Gerhild und Harald vom Niederrhein

  2. Kanalratte sagt:

    Hallo Freunde!

    Heute habe ich sehr sehnsüchtig eure Bildergalerie genossen. Hatte richtig Lust auf Goldwaschen. Habe früher sehr viel Goldgräberromane gelesen, natürlich auch Jack London. Davon lebt ja jetzt ein Großteil der Verbliebenen(Digger) Wenn sich auch die wahren Goldgruben eher als Kneipe oder Puff entlarven….Nein,im Ernst..Wunderschöne Bilder, die zum träumen animieren und jedes Klischee erfüllen. Also, da wäre ich jetzt wirklich gerne mal dabei. Hier großer Frust angesagt. Der Sommer ist vorbei, Völlig durchnäßt zockel ich mit meinem Moped von und zur Arbeit. (Welche aktuell absolute unterste Schublade darstellt) Am letzten Wochenende habe ich den LETZTEN Platz bei der Segelregatta gemacht. Hatte fest auf Gewitter und Starkwind gesetzt (fing auch gut an)und bin mit kleiner Fock und erstem Reff raus, wollte dann locker im Starkwind das übertakelte Feld aufrollen, da meine Kiste eine Menge Wind abkann. Gewitter verzog sich, Segelwechsel (alleine) im Regattafeld ging nicht, zum Schluß war Flaute. Ich bin drin hängengeblieben. Das Gewitter kam dann mit 1/2 Stunde Verzögerung in welcher ich nach Strich und Faden vom Klub verarscht worden bin, warum ich nicht besser gleich mit dem Badelaken gesegelt wäre.(Ist wieFormel .: 1 Slick oder Regenreifen ???..Wat willze maaachen)Und dann, naß und verfroren, eure Bilder..Gemein!!!!! na, ich gönne es euch.
    Seid also herzlich aus der nasskalten Heimat gegrüßt
    Eure Kanalratte

  3. Gerd sagt:

    Hallo Alaskaner !
    Bin immer über Eure Berichte erfreut. Super!!
    Über manche Kommentare auch. Die Kanalratte ist wohl nicht so Wetterfest, dafür aber sturmsicher. Ich wünsche Euch Dreien ein Pannenfreie Weiterfahrt. Gerd.

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