British Columbia / Yukon: Alaska Highway

Der Beginn, d. h. Kilometer „0“ dieses legendären Highways, liegt in Dawson Creek, das im März 1942 von einem kleinen beschaulichen Agrardorf von 500 Einwohnern zu einer (Zelt-) Stadt von 10.000 Einwohnern heranwuchs.

Schon zu Zeiten des Goldrausches hegten die US-Amerikaner den Wunsch, eine Überlandverbindung nach Alaska herzustellen. Dr. George Mercer Dawson suchte 1879 eine Trasse für die Eisenbahn durch die Rockies und führte eine Entwicklungsgesellschaft durch dieses Tal. Doch die Kandier fürchteten ein unkontrolliertes Eindringen der Nachbarn. Der 2. Weltkrieg verschaffte durch den Angriff der Japaner auf Pearl Harbour schließlich den US-Amerikanern das nötige Argument, eine Straße durch Kanada nach Alaska zu bauen, den Alaska-Highway, zunächst Alcan-HWY genannt. Er wurde von zwei Seiten begonnen und schon nach etwa 9 Monaten eingeweiht. Weder Menschen noch Maschinen wurden geschont, 11.000 Soldaten und 16.000 Zivilisten gaben ihr Letztes. Die Realisierung wurde als Heldentat gefeiert.

Von Dawson Creek aus führt der HWY über 2.450 km nach Nordwesten, nach Delta Junction, Alaska. Über 2.450 km Wald, über 2.450 km Berge rauf und runter, und überall Wald. Nur an wenigen Stellen wird dieser kanadische Wald durch mehr oder weniger große oder kleine Ansiedlungen unterbrochen.

Charlie Lake ist solch eine. Hier finden wir am gleichnamigen See auch einen Campingplatz des Rotary Clubs mit allen wünschenswerten Einrichtungen. Ich probiere das erste Mal unser Dreibein über dem 10 € Grill vom Baumarkt aus und bin von der Handhabung und vom Ergebnis positiv überrascht und beeindruckt. So einfach kann perfektes Grillen mit gesammelten Stöckchen sein.

Allerdings hat die WiFi-Nutzung auf diesem Platz so seine Tücken. Immer wieder versucht Rita unseren letzten Bericht – wir sind zu dem Zeitpunkt schon sehr ins Hintertreffen geraten – ins Netz zu stellen. Leider ist das mal wieder mit größeren Komplikationen verbunden, bis sie endlich einen Zugang bekommt. Und dann dauert es irrsinnig lange, bis jedes einzelne Bild hochgeladen ist. Der Vormittag ist damit abgehakt und wir kommen erst mittags vom Platz. Wir fahren bergauf, bergab durch die schier endlosen Wälder mit Fichten, Tannen und Birken. Es fällt auf, dass hier nur noch ganz wenige Camper unterwegs sind. Hier gibt es vorwiegend Trucks und überschwere Gigaliner mit bis zu 14 (!) Achsen. Ab und zu gibt es auch wilde Schilderwälder an Ausfahrten von rough & dirty Roads, bestenfalls zermatschte Waldwegen,

die zu Förderanlagen für Gas und Öl führen. Manchmal schimmert eine kleinere Anlage bis zum HWY durch.

Meistens wird man jedoch durch Warnschilder gestoppt.

Da es natürlich auch Arbeiter braucht auf diesen Förderanlagen, gibt es entlang des HWYs Camps. Behelfswohnanlagen als reine Zweckbauten in Leichtbauweise, deren Aufenthaltsqualität gegen Null tendiert. So sieht es jedenfalls der mitteleuropäisch geprägte Durchreisende.

Verlassene Cafes und Tankstellen säumen unseren Weg.

Und immer wieder Baustellen, Baustellen, Baustellen.

Na klar, die Straßen hier im Norden befahrbar zu halten, ist für die Tiefbauer eine echte Herausforderung. Bei 9 Monaten Winter und den entsprechenden Frostschäden und 3 Monaten Sommer, in denen alles wieder repariert werden muss, da heißt es reinklotzen.

Irgendwo am HWY sieht das begleitende Gewässer so aus, als hätten sich bepelzte Nager und Baumeister in den Kopf gesetzt, denselben umzuleiten

Wir kehren ein „in“ Pink Mountain, eine Tankstelle mit Restaurant und Pub, nix pink, nix montain, als Standort für die Nacht aber ausreichend und auf jeden Fall besser als irgendwo auf der Strecke „Alaska HWY, 130 miles“.

Laut Reiseführer soll es westlich von Fort Nelson landschaftlich interessanter werden. Hier durchquert der Alaska HWY die Ausläufer der Rocky Mountains. Aber ein schönes Plätzchen zum längeren Verweilen finden wir auch hier nicht. Alles wie gehabt, entweder „privat properly“, „Government Park“ oder „Government Area“. Es wird spät und später. Schließlich quartieren wir uns am Summit Lake auf dem Government Campground ein. Ein schöner ebener Platz am See in den Bergen, gerade so, wie sich der oben erwähnte europäische Reisende einen Nachtstandplatz in Kanada halt vorstellt, nur nicht wirklich wild.

Während wir uns noch über unseren Nachtstandplatz freuen, rangiert ein WoMo mit deutschem Kennzeichen 2 Plätze weiter ein. Kurz um kommt Günter vorbei. Er und seine Frau Ilka sind aus …, man wird es kaum glauben, nein, nicht aus Remscheid, aber aus Wipperfürth. Na, so klein ist die Welt! Eigentlich wollten die beiden ihren Ruhestand auf einem Weingut in Namibia verbringen, haben sich dann doch für den Unruhezustand und eine Reise um den Globus entschieden, ein 10-Jahres-Projekt, wie sie sagen. Natürlich gibt es viel zu plaudern.

Und auch am anderen Morgen noch. So kommen wir erst viel später los, als geplant. Wer weiß für was das gut ist. Wir fahren so richtig durchs Gebirge, schroffe Felswände ragen neben uns auf, imposante Flusslandschaften begleiten unseren Weg.

Da läuft plötzlich vor uns eine größere Schar ziegenartiger Hornträger der großen Gruppe der Paarhufer mit ihren Jungen über die Straße.

Für die Mittagspause finden wir ein super schönes Plätzchen bei HWY-km 700 am Muncho Lake. Hier wären wir bei zeitigem Start am frühen Morgen doch glatt vorbei gefahren.

Heute ist wohl unser Wildlifeday. Auf einem Geröllfeld entdecken wir ein Caribu mit seinem Jungen.

Caribus sind die nordamerikanischen Rener. Caribu und Rener sind die einzigen Hirscharten, bei denen auch die Weibchen ein (kleines) Geweih tragen. Am frühen Abend treffen wir dann auch noch auf eine Gruppe von wisentähnlichen Wald-Bisons, die sich völlig unbeeindruckt von unserem aufdringlichen Interesse ihrer Abendmahlzeit hingibt.

Und hier nebenbei noch was für die Schlaumeier und Besserwisser: der Unterschied zwischen Geweih und Horn besteht u. a. darin, dass das Gehörn ein Leben lang mit dem Tier wächst, das Geweih jedoch im Jahresrhythmus abgestoßen wird und erneut wächst.

Weiter geht es vorbei an türkisfarbenen Seen. Eigentlich war in Hot Springs schon die Mittagspause geplant und uneigentlich eignen sich die warmen bis heißen Quellen auch zum Übernachten. Genüsslich aalen wir uns nach einem kurzen Spaziergang im warmen Wasser.

Aber offensichtlich empfinden auch die Mücken dies hier als ein angenehmes Verweilklima. Man kann sich nach dem wunderbaren Bad im warmen Wasser gar nicht schnell genug abtrocknen und in eine Ganzkörperpersenning schlüpfen, bevor man völlig zerstochen ist. Vom Scheitel bis zur Sohle einsprühen mit „OFF – Deep Woods“, das Moskitos angeblich 8 Stunden fernhalten soll, liegt uns nicht so sehr – es klebt! Gleichwohl ist das das Beste, was wir bisher gefunden haben. Ein anderes Mückenspray, das wir gekauft haben, ist dagegen mit äußerster Vorsicht zu verwenden – es löst den Autolack und lässt die Farben unserer Flaggenparade weinen. Also, ein gemütlicher Abend am Lagerfeuer im kanadischen Wald wird das wohl leider nicht.

Der nächste Tag ist ganz schön trüb und regnerisch, also verzichten wir auf ein morgendliches Bad in den warmen Quellen und die anschließende Mückenattacke und begeben uns wieder auf den Alaska HWY, der wieder seine typische Gestalt angenommen hat, also wenig pittoresk, mehr Wald im Nebel- und Regenschleier und nochmals Wald.

Irgendwann erreichen wir Watson Lake, angeblich die zweitgrößte Stadt der Provinz Yukon und mit allen Dienstleistungen ausgestattet, die ein Tourist benötigt. Zumindest wirb diese Stadt damit. Da fangen wir doch gleich mal im Supermarkt an: Frisches Gemüse ja, aber Wahnsinnspreise, ein Blumenkohl 8 $, nun gut, dann essen wir eben Kartoffeln, es gibt ja so leckere Gerichte mit Kartoffeln, z. B. Kartoffelplätzchen (siehe Kochen unterwegs). Siegessicher greift Rita in das Regal – und zuckt erschrocken zurück: 4 lb (keine 2 kg) kosten 9.98 $. Es ist nicht zu glauben. Wir beschließen: es gibt erst einmal Dosenfutter! Nächster Versuch Liquor Store, wenigstens ein Fläschchen Bier könnte es zum Abend geben. Nein, auch hier wenig Glück. In ganz Kanada sind die Liquor Stores bis 10 pm geöffnet, nur in dieser reizenden Stadt nicht. Die beiden Verkäuferinnen wollen pünktlich um 6 pm Feierabend machen und können leider die Wünsche von ein paar Touris nicht mehr erfüllen. WiFi gibt es nur im Recreation-Center, das hat aber schon geschlossen, Overnightstanding ist nur auf dem Government Campground 15 km außerhalb möglich. Nun haben wir aber die Nase voll und fahren erst einmal an den See zum Übernachten.

Die größte Attraktion von Watson Lake wollen wir uns dann doch nicht entgehen lassen und fahren am anderen Morgen noch einmal zurück: zum Signpost Forest.

Beim Bau des Alaska HWY hat ein heimwehkranker Soldat hier ein Schild seines Heimatortes Danville, Illinois aufgestellt, viele Arbeiter und Trucker folgten seinem Beispiel. Inzwischen haben sich viele zigtausend Touristen, natürlich auch aus Deutschland, mit einem Schild ihres Heimatortes oder einem Nummernschild verewigt. Wir bewahren vornehme Zurückhaltung.

Von nun an schlängelt sich der Alaska HWY entlang der Provinzgrenze zwischen British Columbia und Yukon und verläuft mal hüben, mal drüben, aber weiterhin durch kanadischen Wald mit Tannen, Fichten und Birken. Bei Rancheria finden wir einen kleinen Wasserfall, obwohl ca. 1 km entfernt, schaffe ich den Weg hin und zurück, ohne Schlapp zu machen.

4 km nördlich der einzigen Ortschaft Teslin zwischen Watson Lake und Whitehorse führt uns diese Brücke, die älteste Brücke des Alaska HWY

zur Indianer Siedlung Tlingit. Hier findet ein großes Pow Wow statt, ein Fest der Begegnungen der vielen verschiedenen Stämme der Alaska Natives, der First Nations in Kanada und Alaska, zu dem sich die Angehörigen aus nah und fern alle paar Jahre treffen. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen und lassen mal wieder die Bilder für sich sprechen:

Es ist ein sehr schöner Abschluss dieser langen Etappe. Denn in Whitehorse wollen wir den legendären Alaska HWY verlassen und uns auf die Spuren der Goldsucher im Yukon begeben.

 

 

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1 Antwort zu British Columbia / Yukon: Alaska Highway

  1. Kanalratte sagt:

    Hallo erstmal wieder nach längerer Abstinenz!
    Zunächst kurz von uns berichtet. Wir konnten euren Blog jetzt längere Zeit nicht besuchen, da wir im Urlaub in Italien waren. Von dort allerherzlichste Grüße und Gesundheit für die Weiterreise. Alle (nach wie vor leicht chaotischen Italiener, allen voran Rita Maria)sind sehr beeindruckt von dem was ich erzählen und präsentieren konnte.. aber auch ..sono matti ,tutte due. ..Nunja, die Italos sind nicht ganz so abenteuerlustig bis auf Alvise und Maria Grazia, die es mit ihrem Camper immerhin bis Jordanien geschafft haben. Leider ist Elvis sehr krank und sie mussten das Wohnmobil verkaufen. Er darf nicht mehr fahren. Das Haus wollen sie auch vekaufen. An alle , die diese Zeilen lesen..: ein superschönes markegianisches Bauernhaus im Villen-Fincastil mit 3 Hektar Land und grandiosem Bergpanorama 20 Minuten von den schönen Adriastränden entfernt. Wert 750 000 soll für 370 000 Eu weggehen. Ein Jammer.Wir haben wunderschöne Tage bei ihnen verbracht. Aber auch sie hatten uns 1 Woche in Deutschland besucht und waren begeistert.

    Weitere Grüße von Gerd dem Rest der Gurkentruppe,die ich anläßlich Sabines Geburtstag nochmal getroffen habe, Marc, und !!! Harald Schmalohr… !!! Er hat seinen Wasserwandertörn Berlin-Paris-Berlin mit seinem schnuckeligen 8 Meterschiffchen gestern beendet. Ich habe ihn in der Marina Rasche abgeholt und wir haben uns bei mir noch einen netten Männerabend mit Spotanmusiksession Keybord-E-Gitarre gegönnt. Am Donnerstag habe ich ihn dann 1 Tag bis Braunschweig begleitet und die in Frankreich gebunkerten Weine getestet. Das Schiff ist dann etwas eierig über den Kanal gegondelt, was aber am nicht ganz perfekten Trimm des Ruders gelegen haben mag. Nunja,..wir haben so unseren Spass gehabt.Insbesonders mit den hübschen Mädels vom Ruderclub Peine, , die uns mit ihrem 4-er ohne Steuer(mann)frau locker abgehängt haben. Hübsche Gewächse und sehr fröhlich. (Und wir beide über 60!..), also, was solls, Rotwein hat auch was.

    Leider habe ich mich ab hier verhaspelt, weiterer Kommentar n 10 Zeilen tiefer.

    Ab Montag muß ich wieder arbeiten, habe deshalb erstmal sehnsuchtsvoll eure Berichte inhaliert. Ihr macht ja doch eine tolle Tour, wenngleich mich der Krankenhausbericht etwas in Rage gebracht hat. Das ist ja wirklich Supernepp.. nicht zu fassen.Also , da möchte ich nicht krank werden. Insofern wäre für mich das Thema Amerika/Kanada erledigt. Wie machen das die Leute da blos, teilweise ohne Versicherung?? Muß denn alles industrialisiert werden??
    Also da haben es die Karibus, Moose und das andere Viechzeug optisch scheinbar besser. Ich hoffe, dass euch die wirklich wildromatische Landschaft letztlich etwas für die medizinische Ineffizienz entschädigt.

    Haralds Mama (86 Jahre)hat uns in Braunschweig mit dem Auto abgeholt. Fit wie ein Teufel, superlocker. Dennoch war ich erleichtert, als Harald das Steuer übernahm. Es kam dann zu einer unfreiwilligen Stadtbesichtigung der sehr schönen Innenstadt von Braunschweig, da die Hauptverkehrswege wegen Bauarbeiten gesperrt waren, aber niemand es für möglich gehalten hat, auch nur irgendwelche Umleitungs oder Hinweisschilder aufzustellen.So sind wir zirka eine gefühlte Stunde durch die Stadt getaumelt, bis ich, nachdem ich so quasi alles gesehen hatte, (vom Schloss bis Oper, Parks Stadthalle und so weiter) dann doch noch irgendwie bis zum Bahnhof vorgedrungen bin. Auch ’ne Art Abenteuertour im „Großstadtjungel“. Was hatte ich Kohldampf, als ich wieder zuhause war.Hatte Gott sei Dank noch ein Chop suey im Kühlschrank was verglichen mit euren Preisen für 2Dollar80 hervorragend geschmeckt hat.
    Mann..Die haben ja Hammerpreise am Polarkreis. Haben die Kartoffeln aus den Nuggets rausgewaschen oder was? Kann ja wohl nicht angehen.
    Nun, es sieht so aus, dass ihr jetzt in frostigere Regionen vordringt. Schafft ihr noch den Indian Summer?Als ich eure Bergbilder und die Gletscher sah ,mußte ich auch automatisch an unseren Nachtstopp auf dem Gotthard-Pass denken.Nur dass wir mit einem Opel Combo mit Luftmatratze unterwegs waren. Haben aber 2 Nächte prima darin gepennt. Morgens haben wir auf 2000m eine Schweitzer! Bratwust!! gegessen. Diese unterscheidet sich von einer Deutschen Bratwurst wie Wasser von nassen Wasser, hatte aber eine sehr dekorative Schweizer Miniflagge eingespiesst bekommen. Überraschenderweise erhielten wir dazu 2 Scheiben grobes Landbrot sowie 2 Cappucini für erstaunliche 2,60 EU. Also oane supaa fescheBrodzeiden..jo mai.
    So hier erstmal Schluß. Ich wünsche weiterhin viel Vergnügen im Lande der Superlative.
    Es grüßt euch herzlich aus Lilliput
    Eure Kanalratte

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