Alberta: Icefields Parkway

Wir lassen Calgary und unsere teuer erworbenen Erkenntnisse über das kanadische Gesundheitssystem hinter uns und hoffen, dass sich Lothars Herzprobleme auch später noch reparieren lassen. Meine Zahnschmerzen gehören inzwischen der Vergangenheit an.

Kurz hinter Calgary erheben sich die teils mit Schnee bedeckten Rocky Mountains. Mit den sanften Hügeln davor mutet es tatsächlich ein wenig wie das Schweizer Voralpenland an. Dies hatte uns ein Kanadier auch schon so erzählt, der bereits einige Male in Europa und insbesondere im Land der Eidgenossen unterwegs war.

Mittags erreichen wir Canmore, einen kleinen Ort noch außerhalb der Nationalparks. Die den Namen umspielende Werbung: „do more, play more, live more“ sagt uns eigentlich schon alles. Man könnte glauben, man befände sich in irgendeinem prominenten Schweizer Skiort.

Der Campingplatz ist leider nicht so heimelig, da er überwiegend von RVs (Recreation Vehicle = WoMo) aufgesucht wird. Aber er hat alle Einrichtungen, die wir nun nach 1 Woche Wal*Mart dringend brauchen. Also suchen wir nicht weiter nach dem perfekten Platz.

Unser erster Stopp im Nationalpark von Banff ist Lake Louise, laut Werbung der meist fotografierte See Amerikas. Dies scheint offensichtlich zu stimmen. Menschenmassen der unterschiedlichsten Nationalitäten ergießen sich aus Reisebussen, Kleinbussen, PKW und natürlich aus RVs, ein richtiges Getümmel.

Der See wird gespeist von dem 7 km entfernten Victoria-Gletscher, der im Sommer milchigweißes Wasser spendet, im Winter tiefblaues. Das kommt daher, dass das Gletscherschmelzwasser im Sommer gröberes Steinmehl enthält, das das Licht anders bricht als die kleinsten Partikel, die im Winter vom Regen und von der Schneeschmelze gelöst werden, und dann das Wasser eben grün oder tiefblau erscheinen lassen.

Lake Louise im Regen auf 1731 m Höhe, trotzdem schön anzuschauen, ein Bergsee mit türkis-weißem Wasser, darüber die beeindruckende Bergkulisse.

Die Romantik wird nur durch die massive Bausubstanz der 5 Sterne Hotelanlagenkonstruktion „Fairmont Chateau Lake Louise“ geschmälert.

Hier steigen die etwas betuchteren Gäste ab und werden selbstverständlich vom alpin gekleideten Portier persönlich empfangen und begrüßt.

Ebenfalls alpin bekleidete Pagen kümmern sich beflissen ums Gepäck.

Die Atmosphäre unten im Dorf erinnert uns stark an Saas Fee. Für uns nicht der rechte Ort, den Rest des Tages zu verbringen, also geht es noch ein gutes Stück weiter auf dem 230 km langen Icefields Parkway.

Bei Rampert Creek finden wir wieder einen einsamen, im Wald gelegenen Campground.

Vielleicht treffen wir hier mal auf einen echten Moose oder auch Bear, das nötige (Lock-) Bier haben wir sicherheitshalber schon mal eingekauft.

Am nächsten Tag schaut die Sonne wieder durch die Wolken. Da erscheinen die Berge und Gletscher doch sofort in einem ganz anderen Licht.

Noch am Vormittag erreichen wir die Columbia Icefields, einem der mit 325 qkm größten und massivsten Gletschergebiete Nordamerikas. Insgesamt sind es acht Einzelgletscher, von denen 3 vom Highway aus zu sehen sind. An einen der Gletscher kann man ganz dicht heranfahren. Demzufolge ist auch hier wieder dichtes Gedränge angesagt. Aber der Weg zum Gletscherfeld geht steil an, zu steil, dass Lothar ihn in immerhin 2000 m Höhe ohne Schaden laufen könnte.

Es gibt auch anderes an diesem Parkway, was leichter erreichbar ist. Einige wirklich interessante Wasserfälle faszinieren uns immer wieder, z. B. die Sunwapta Falls

oder die Athabasca Falls. Fälle, wo sich die Flüsschen mit wilder Kraft schäumend durch die engen Schluchten zwängen, die sie sich im Laufe der Zeit in den Fels gefräst haben.

Zwischendurch begegnen wir weiteren „wilden“ Tieren: kanadische Bergziegen, die friedlich am Wegesrand grasen und schließlich die Felsen hinaufklettern, um uns aus sicherer Entfernung von oben zu beäugen.

In Jasper angekommen, entpuppt sich dieser Ort entgegen der Beschreibungen nicht als gemütlicher Ferienort, in dem man unbedingt verweilen muss. Touris ohne Ende, der einzige Lebensmittelladen voll mit Wohnmobilisten und teuer dazu. Wir tanken, kaufen das wichtigste, das nötigste haben wir noch an Bord und flüchten aus dieser Stadt.

Und keiner wird es glauben, am Hwy 16 sichten wir um 17:30 Uhr am Talebot Lake 2 echte Elks. Nein, dass sind keine Elche, das sind kanadische Hirsche, auch unter der Bezeichnung Wapiti – insbesondere im französisch sprechenden Kanada – bekannt. Sie sind etwas größer als unsere Rothirsche daheim, aber kleiner als Elche.

Die lassen sich durch nichts, auch nicht durch wild fotografierende Touris aus der Ruhe bringen. Sie äßen einfach weiter. Man könnte den Eindruck gewinnen, die stehen im diplomatischen Staatsdienst, um die Besucher zu bespaßen. Egal, dies ist ein schöner Abschluss des Tages, und später finden wir uns wieder auf Wal*marts Campground ein.

Eine große Etappe zum Alaska Highway müssen wir noch nehmen. Über 500 km sind es. 500 km Wald, 500 km Hügel rauf, 500 km Hügel runter und immer noch Wald, endlos Wald, ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns in den nächsten Tagen, Wochen erwartet. 500 km auf dem Bighorn Hwy bis Dawson Creek, dort beginnt der berühmte Alaska Highway. Es ist der Traum eines jeden Kanadiers, diesen Highway einmal im Leben zu befahren und das Allergrößte: darauf auch noch bis nach Alaska zu kommen. Wir gehen das jetzt an.

 

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2 Antworten zu Alberta: Icefields Parkway

  1. Hallo

    Herzlichen Dank für eure Berichte, wir lesen fleissig mit und hoffen doch sehr, dass wir nie auf das kanadische Gesundheitssystem angewiesen sein werden.

    Weiterhin gute Fahrt, viel Spass und gute Gesundheit!

    Liebe Grüsse aus dem Denali Nationalpark

    Angela und Claudio

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2,
    da haben wir euch doch mal auf „602 NP Jasper“ beide zusammen im Bild! Schön sind eure Fotos vom Banff Nationalpark – das eine oder andere Motiv erinnert uns auch ein wenig an Norwegen und wahrscheinlich ist ein „moose“ ebenso scheu wie der skandinavische „elg“ und beide verstecken sich vor den „Touris“ 🙂 .
    In Norwegen ist mittlerweile der Längenverlust mancher Gletscher dramatisch und wahrscheinlich bleiben auch die Rocky Mountains vom Gletscherschwund nicht unberührt.
    Morgen fahren wir mit unserem WoMo gen Osten und da ihr euch westwärts bewegt, könnten wir uns theoretisch irgendwann und irgendwo treffen, wenn unsere Reise nicht auf Usedom erst mal enden würde. Wir wollen dann noch Rügen und den Darß besuchen und nach der dann ca. 3-wöchigen Reise wird sich wahrscheinlich hier der Sommer langsam verabschieden. Z. Zt. haben wir noch 30 Grad und das ist zumindest zum Packen nicht die beste Temperatur. Euren Reisebericht zum Start auf dem Alaska Highway bei Dawson Creek können wir dann hoffentlich auf einem gut ausgestatteten Campingplatz an der Ostsee lesen. Bis dahin –oder auch vorher 😉 liebe Grüße von uns und weiterhin gute Fahrt! Gerhild und Harald

    PS: Ob man vom „Moosehead“ wohl einen „dicken“ Kopf bekommt? Ihr werdet es sicher inzwischen wissen!

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