Alberta: Badlands, Hoodoos und Dinosaurier

Als die Franzosen durch Zentralkanada reisten, um auch den Westen zu besiedeln, mussten sie feststellen, dass dies ein sehr extremer Landstrich der Neuen Welt ist: kaum Tiere, die in ihre Fallen gingen, kaum Pflanzen, die man zu einem köstlich Mal verarbeiten konnte und furchtbar wenig Wasser. Bitter stellten sie fest: „Ein schreckliches Land zum Durchreisen!“

Der Begriff Badlands war geboren. Hatten doch die Franzosen nicht erkannt, was unter der Erde alles im Verborgenen liegt, so zum Beispiel Öl. Auf den Weiden sind immer seltener Rinder anzutreffen, statt dessen Ölpumpen.

Auch touristisch lässt sich dieses Badland wunderbar nutzen. Auf dem Campground „Rolling Hills“ bekommen wir jedenfalls nur noch „the very last site“.

Es ist eine schöne, wohl geordnete Anlage mit riesigen Parzellen, Elektroanschluss bis 50 Ampere an jedem Platz, Plumpsklos, ein Duschhaus 15 Min entfernt von unserem „very last“ Platz und eine Laundry, ebenfalls soweit. Deshalb quartieren wir uns tags drauf um. Das Wochenende ist vorüber, die Kanadier abgereist, und wir haben die große Auswahl. Bei der Essenszubereitung bleiben wir nicht unbeobachtet, ratzfatz haben sich mehrere Möven eingestellt, um ihren Anteil einzufordern.

Möven? Wo ist hier das Meer? Weit und breit kein Ozean in Sicht! Liegt das vielleicht daran, dass bei aller Trockenheit, die wir hier erleben, die Prärie eben halt doch von großen Seen und Flusslandschaften mitgeprägt ist?

Leider bleiben wir auch auf dieser Reise von einem Windschutzscheibenschaden nicht verschont. Sind wir doch immerhin schon 20 km „bad graveled road“ zum very last Platz gefahren. Auch dieses Mal will man uns sogleich eine neue Scheibe verkaufen. Auch dieses Mal entscheiden wir uns für die preiswertere und unmittelbar auszuführende Variante. Mittels eines „clear packet tape“, eines durchsichtigen Paket-Klebebandes, erworben bei Canadian Tire (Baumarkt), wird der Riss schlicht zugeklebt. Zwar hatte der Riss schon Feuchtigkeit gezogen, aber das Tape hält supergut, obwohl der Scheibenwischer zum Teil darübergeht.

Zum Trost gibt es heute Abend gebeizten Lachs mit Bannock, alles home-made.

Es ist übrigens nicht das Bannock nach dem Rezept der Feldküche von Fort Walsh. Der Zimt hätte zum Lachs nicht so wirklich gepasst. Die Rezepte findet ihr auf unserer Website unter dem Menüpunkt „Kochen unterwegs“.

Die eigentliche touristische Attraktion dieser Badlands ist der „Dinosaur Provincial Park“. Er ist ein „UNESCO Wold Hertiage Site“ und einer der ergiebigsten Fundstellen für Dinosaurierskelette. Hier hat man 150 vollständig erhaltene Skelette ausgegraben und dabei über 30 Dinosaurierarten entdeckt.

Der Weg dort hin ist schon ziemlich pittoresk. Mitten in der Prärie sieht der Flusslauf des Red Deer River aus, als wäre die Erde hier einfach eingesunken und weggesackt. Steile Wände umschließen ein sonnendurchglühtes Tal.

Aber diese Steinwüste lebt!

Wir machen eine Rundfahrt durch den Park, es ist unerträglich heiß, ein längerer Aufenthalt oder gar eine Wanderung unmöglich.

Also machen wir uns auf den Weg nach Drumheller, der Dinosaurierstadt schlechthin. Wieder geht es durch endlose Weiden und Brachen.

Aber wir haben wenigstens ein bisschen Fahrtwind. Wir erreichen Dorothy, einen kleinen Ort mit vielleicht 5 Häusern, einer kleinen Kirche und einem Feuerwehrhaus mit Festwiese. Hier ist ein offizieller Picknickplatz ausgewiesen, kein Schild „No Overnightstanding“! Perfekt, hier bleiben wir. Es dauert auch nicht lange, da kommt ein älterer Mann auf ein Schwätzchen. Er plaudert über’s Wetter und seinen Ort. Heute sei eine Hochzeit gewesen. Die Kirche sei offen, wir könnten jederzeit dort hinein. In „seiner Town“ wohnen 3 Familien. Auf unsere ungläubige Nachfrage, wirklich nur 3 Familien, erklärte er – und das klingt in unseren Ohren etwas abfällig -, auf der anderen Straßenseite (Hwy) gibt es noch zwei. Dann wünscht er noch einen netten Abend und radelt von dannen.

Auf dem Weg nach Drumheller folgen wir dem Red Deer River gen Westen. Weiterhin wird das Flusstal von interessanten Sandsteinformationen gesäumt. Bei East Coulee findet man wohl die beeindruckensten, die Hoodoos, eigenwillig geformte Sand- und Schlammsteintürmchen, die ihre Entstehung einzelnen härteren Steinplatten verdanken, die sie seit der letzten Eiszeit vor Erosion geschützt haben.

Als weitere touristische Attraktion ist die 117 m lange Star Mine Suspension Bridge, die 1930 gebaute Hängebrücke bei Rosedale aufgeführt. Hier genügt ein kurzer Fotostopp – Lothar wagt sich auf das schwingende Etwas, während Rita den Zu- und Ausgang sichert.

und wir erreichen um die Mittagszeit bei brütender Hitze die Stadt Drumheller mit ihrem Dino-Center und dem weltgrößten Dinosauriermodel.

Aber all dies sieht doch sehr nach Walt Disney aus. Das Royal Tyrrell Museum hingegen liegt einige Kilometer außerhalb und ist absolut lohnenswert, trotz Megahitze, ein Muss für jeden paläontologisch Interessierten. Wir kennen kein anderes Museum, das sich derart professionell und umfassend mit diesem Thema beschäftigt. Einfach fantastisch.

Wir tauchen ein in eine Welt, die uns mit Exponaten von vor rund 500 Mio. Jahren bis zur Eiszeit beeindruckt. Das Schwergewicht liegt auf der Zeit vor 60 bis 70 Mio. Jahren, als sich die Bearpaw Sea, ein Inlandsee, vom Golf von Mexiko bis zur Arktis erstreckte, und die Region um Drumheller sich im Bereich der Küstenlinie befand. Es war (noch!) wärmer als heute (kaum vorstellbar), und urzeitliche Geschöpfe bevölkerten Luft, Wasser und Land, wir lassen Bilder sprechen:

Obwohl wir von Hitze und Informationen ziemlich erschlagen sind, fahren wir noch die 70 km nach Beiseker. Dort gibt es einen kleinen, gemütlichen, kommunalen Campground mit einem lustigen „Staff“. Auf dem Platz neben uns campiert eine Familie im VW-Westfalia. VW-Campingbus-Fahrer in Canada sind wie eine große Familie. Wir verbringen einen lustigen Abend mit Ron, Peggy, Garret & Nicole. Sie heißen alle Dietz. Klingt ziemlich deutsch, ist auch kein Wunder, Rons Vater ist mit seinen Eltern von Deutschland nach Kanada ausgewandert. Sie wohnen nun in Vernon, eine Weinstadt in BC. Wenn uns unser Weg dorthin führt, werden wir sicherlich einen Stopp bei den vieren einlegen.

Und bevor wir uns nun aufmachen, das kanadische Gesundheitswesen in Calgary zu testen, gibt es noch Abschiedsfotos der VW-Family.

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2 Antworten zu Alberta: Badlands, Hoodoos und Dinosaurier

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2,
    toll was die Natur mit Hilfe von Wind und Wetter hier modelliert hat! Besonders die Hoodoos haben uns beeindruckt und mit der Evolution und Systematik der Dinosaurier könnte man sich sicherlich mehr als tagelang beschäftigen (hoffentlich war es wenigstens im Museum etwas kühler).

    Offensichtlich liegen die Temperaturen in den von euch bereisten Gebieten in diesem Jahr auch deutlich höher als normal. Auch hier ist es wieder ähnlich heiß wie bei euch (heute 34, morgen dann 37 Grad) und das lähmt eben doch ein bisschen die Aktivität.
    Es gibt wohl nicht nur „gefühlt“ deutlich mehr extreme Wetterlagen und wir hoffen, dass sich auch in Calgary, das Ende Juni von einem dramatischen Hochwasser heimgesucht wurde, die Lage wieder einigermaßen normalisiert hat. – Euer letzter Satz zum Test des Gesundheitssystems in Calgary hat uns doch ein bisschen beunruhigt. Wir hoffen, es ist kein Härtetest und Calgary ist ja wegen der Größe sowieso nichts für Landeier 😉 Macht‘s gut und passt gut auf euch auf! Gerhild und Harald

  2. Kanalratte sagt:

    Yes.. das ist jetzt wirklich megageil, so ganz meine Welt. habe sofort den nächsten Trip in unseren Jurassic parc in Münchehagen gebucht. In etwa gleich, mit hervorragenden Exponaten.Die Landschaft ist der Hammer. Sieht aber ziemlich heiß aus. Armer Lothar
    Hast aber sicher versucht, auf den pancakes Spiegeleier zu braten, wie ich die kenne. Apropos, das können wir hier im Moment auch. Zwischen den einzelnen Badegängen im Kanal flüchte ich in den Schatten meiner Markise und mache…nix. Einmal totales relaxen. Zu Segeln ist es zu heiß, werde heute abend mal rausfahren. Rita ist im Saarland und ich lasse es mir mal so richtig schmeerig gut gehen.Euch weiter eine gute Fahrt
    es grüßt the great Waldo Pepper channel rat.

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