Saskatchewan: Fort Walsh

Saskatchewan – nein, das gehört nicht in den fernen Osten, wo sich Geishas im Kimono mit Trippelschritten vorwärts bewegen. Sask liegt in Zentral-Kanada, zum Teil auf dem 3 Milliarden Jahre alten kanadischen Schild, der seinerzeit entstanden ist, als sich Magma bis ein Kilometer unter der Erdoberfläche ergossen hat. Heute sind in das Granitgestein zahlreiche Seen, Flüsse und Sümpfe eingebettet. Der Name leitet sich her aus der Cree-Sprache: kisiskatchewan = schnell fließender Fluss.

Nach Überschreitung der Provinzgrenze sind wir eine weitere Stunde westlich. Vereinzelt trifft man auf Hutterer, die sich ähnlich wie Mennoniten und Amish-People eine ganz eigene traditionelle Welt in tiefer Religiosität bewahrt haben.

Abends gibt’s erstmalig Whisky on the Rocks mit Eis von Christine, das wir in der Thermoskanne mitgenommen haben. Oh, was ist das lecker nach so einem langen staubigen Tag durch die Prärie, Füße hoch und genießen! Später kommt dann noch unsere Außendusche zum Einsatz, das Wasser warm wie in der Pullewanne, und dann kann es Abend werden.

Nach einem weiteren Tag durch die Prärie, an dem nichts wirklich Berichtenswertes passiert, landen wir an einem Salzabbaugebiet.

Ein Bikerpärchen hatte es sich schon vor dem geschlossenen Kiosk gemütlich gemacht, fährt aber später dann doch weiter; hoffentlich haben wir sie nicht gestört.

Wir jedenfalls bleiben über Nacht und stellen uns neben den ebenfalls etwas in die Jahre gekommenen Shorebird Shuttle.

Über Nacht gut bewacht vom Trucker eines Gigaliners

geht’s am frühen Morgen weiter durch das Salzabbaugebiet

Ab und zu erinnern Gruppen von Rindern daran, dass dies einst das Weideland für Abermillionen „cattles“ und davor für Abermillionen „bisons“ war.

Wir folgen dem Old Forts Trail und landen nach freundlichen Hinweisen des Empfangskommitees in einem Campground für Reitersleut.

Am nächsten Morgen gilt unser Interesse dem Fort Walsh, einem wesentlichen Stützpunkt der 1873 gegründeten North-West Mounted Police. Diese Truppe sollte in den neu dazu gekommenen North West Territories für Recht und Ordnung sorgen. James Morrow Walsh war Kommandeur in diesem Fort und hat sich einen Namen gemacht durch seine Verhandlungen mit Sitting Bull, den er dazu bewegen konnte, mit seinen Leuten in die USA zurückzukehren.

Bevor wir zum eigentlichen Fort kommen, das etwas weiter unten im Tal liegt, besuchen wir das sehr interessante Museum. U. a. bekommen wir einen Einblick in die Geschichte der Ranches, die mit ihren Farmen heutigen industriellen Großunternehmen entsprechen.

Nach einer Stunde werden wir eingeladen zu einer persönlichen Führung durch das Fort. Gleich am Eingang werden wir in Empfang genommen von einer authentisch gekleideten jungen Frau, die uns sehr kompetent das gesamte Lager erklärt, angefangen von der wahrhaft prächtigen Residenz des gerade mal gut 30-jährigen Superintendenten

und der Unterkünfte der Offiziere (deutlich wohnlicher als bei den Jesuiten) bis hin zum Badehaus – 1 x pro Woche war Pflicht!

Unsere Guide erzählt uns auch, dass die NWMP ursprünglich alle möglichen Pferderassen und -färbungen hatten, bis der Nachfolger von Walsh, frisch aus England, seine dort bei der königlichen Reitergarde erworbene Stilsicherheit auch bei der NWMP durchsetzte: Pferde haben grundsätzlich schwarz zu sein, damit sie mit dem Rot der Reiterröcke eine intensive Harmonie ergeben.

Auch verschiedene Werkstätten bekommen wir zu sehen, u. a. Schmied und Zimmermann und Tischler, Gewerke, deren zum Teil vorsintflutartige Werkzeugkonstruktionen mich immer wieder aufs Neue faszinieren.

Aber auch ein Hospital für Pferde und eins für die Zweibeiner bekommen wir zu sehen.

Zum krönenden Abschluss kommen wir in die Feldküche, wo wir mit frisch gebackenen Bannacks versorgt werden.

Die Bannacks waren ja lecker, aber irgendwie verlangt unser Magen jetzt doch nach etwas Herzhaftem. Nach einem Blick in die Vorräte sind Bohnen mit Speck angesagt, aber bitteschön so, wie sie Rita auch mag:

Und weiter geht’s durch intensivgelbe Rapsfelder bei schweren Wolkengebilden, die den nächsten heftigen Regen ankündigen

Bevor wir uns den Badlands und den Dinosauriern von Alberta widmen, leisten wir uns in Medicine Hat noch einmal eine kostenlose Übernachtung mit Einkaufsmöglichkeiten bei Wal-Mart.

Davon weiß Rita folgendes zu berichten: Im Gang 3, International Food, gibt es neben Spaghetti, Ajvar und anderem auch „roten Fisch“. Alle Kaoskru-Mitglieder wissen, was das in einem auslöst. Also ein, zwei, nein, drei Dosen von dieser köstlichen Delikatesse in den Einkaufswagen und nix wie zur Kasse. Da hab ich doch gleich so ein Dejavue: Milka-Schokolade in Nordargentinien! Aber bitte nicht abschweifen. Also mit meinem „Schatz“ zum WoMo. Lothar kriegt glänzende Augen. Noch eine Dose vom streng rationierten Schwarzbrot aus heimischen Gefilden auf den Tisch und das Festessen kann beginnen. Es war einfach nur köstlich!

 

 

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3 Antworten zu Saskatchewan: Fort Walsh

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    Soviel Salz – wenn man bedenkt, wie viel man für das Frühstücksei braucht 😉 Sicher landet aber ein sehr großer Teil auf den Äckern unserer Welt als Düngemittel! Kanada soll wohl in der Provinz Saskatchewan über – mit dem aktuellen Stand der Technik – gewinnbare Vorräte von fast 10 Mrd. t K2O bzw. rund 60 % der Weltkalivorräte verfügen. Da die Kalivorkommen in Deutschland in 30-40 Jahren erschöpft sein werden, hat auch die global agierende K+S Gruppe aus Kassel in Saskatchewan – das Schreiben von diesem komischen Namen geht langsam immer flüssiger – durch Übernahme der Potash One Canada mehrere Abbaulizenzen erworben und bei Moose Jaw (südlich von Chaplin) kräftig investiert. Ihr seht, eure Reiseberichte regen zum „Surfen“ an.
    Zur Beobachtung der zahlreichen Watvögel, die am Chaplin Lake im Mai bzw. August/September brüten bzw. rasten, ward ihr wohl ein bisschen zu spät oder wie man es nimmt zu früh, man kann eben nicht immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Jetzt freuen wir uns auf die Badlands und die Fußabdrücke der Dinosaurier. Vielleicht verrät mir (Gerhild) inzwischen ja mal ein Mitglied der Kaos-Crew was das für ein roter Fisch ist. Liebe Grüße aus Germanien, morgen beginnt hier die nächste Hitzewelle! Gerhild und Harald

  2. Kanalratte sagt:

    verfluchte Hacke, habe da auf irgendeinen Knopf getippt mit meinen breiten Fingern ,un nu is mein Kommentar weg..Finde ihn einfach nicht mehr.Sollte er doch noch auftauchen ,hier nachfolgend das Doppelgemoppel

    War ein schön doofer Kommentar. Na dann also nochmal und Yippeeeeh.. jetzt wird es indianisch. ..Eure letzten Eindrücke sind wirklich jetzt ganz nach meinem kindlich memorierten Klischee und Geschmack. Bisschen Sheriff und Indianer und so…Aberdie Landschaft ist einmalig , wild und doch vertraut, als ob man schon mal dagewesen ist. Aber wahrscheinlich habe ich zuviel Wildwestfilme gesehen.Aber wo zum Teufel kommt das ganze Salz her? Vom Lake Kulinari ? Ihr sollt mich doch nicht immer mit euren Freßbilder quälen!!!!Sonst schick ich euch demnächst mal Bilder von Deutschlands schönsten Duschen. Ihr wißt doch, bei Kanalrattens gibt es nur ALDIDENTE!!( seufz) und dies pronto!!!

    In diesem Zusammenhang…

    .Lieber Harald..liebe Gerhild
    ROTER FISCH ist immanent -nutritiver Bestandteil der Bordküche unserer Chaos Crew und nichts anderes als Hering in Tomatensauce. Er sättigt hervorragend, ist haltbar, hilft gegen aufsteigende Kotzigkeit, will schwimmen und schreit quasi nach einem postprandialen Fettlöser, also alles in allem sehr bekömmlich. Hilft auch gegen den Kater vom Fettlöser des Vortages, womit sich der Circulus vitiosus schließt.Grundsätzlich somit von allen geschätzt, hat sich Lothar nur einmal geweigert Roten Fisch zu essen. Dies , weil ich Fisch und Sauce zu einer Paste zusammengeknatscht habe, damit sich die Tunke nicht immer spritzend, glitsch -und geruchsintensiv an Bord verteilt. Ich emfand seine Verweigerungshaltung für mich vorteilhaft und das Sytem als solches somit wiederholenswert, wurde bei Öffnen der nächsten Dose vom bekannt schnappfreudigen Deckel mit einer katapultartigen roten Saucekanonade auf Brust und Brille für meinen schnöden Egoismus bestraft.

    So, nu weisse Bescheid

    Euch allen weiterhin vergnügliche und spannende Stunden
    Bon voyage
    Eure Kanalratte

    • Gerhild sagt:

      Lieber Walter,
      die Pointe zur Fischfrage ist an sich schon schön, aber noch netter ist dein Kommentar dazu. Wir haben uns köstlich amüsiert! Auch uns ist es noch nie gelungen, eine ebensolche Dose ohne Sprenkel an Mensch und Umgebung zu öffnen. Grüße nach Hannover und den Rest der Welt. Gerhild

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