Ontario: Loyalist Parkway – Niagara Falls

Denny’s Truckstation liegt direkt am Highway 401. Und dort kann man so manches „Giga-Fahrzeug“ bestaunen.

Schnell sind wir auf der Bahn gen Kingston. Unterwegs entdecken wir erstmals eine Art Autobahnraststätte. Wie sich später herausstellt, gib es diese Kette offensichtlich nur im Bereich Montreal und Toronto. Schade eigentlich, da man hier sehr gut ins Internet kommt.

Südlich Kingston kommen wir in das Gebiet der 1000 Inseln des Ontario See.

Wir verlassen den Highway und fahren den „Loyalist Parkway“, deutlich daran zu erkennen, dass fast alle Häuser und Gärten nicht nur die kanadische, sondern auch die britische Flagge gehisst haben.

Zurückzuführen ist dies schon auf den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Viele der „Loyalists“ flohen aus den USA hierher, weil ihnen von der britischen Krone Land versprochen wurde.

Unser Ziel, den „Little Lake on the Mountain“, erreichen wir mit der Fähre, die zwei der Hauptinseln des Ontario-Sees miteinander verbindet.

Nach wenigen Kilometern ist der „See im See“ erreicht. Tiefblau und friedlich liegt er mitten auf dem Berg.

Für die Mohawks, die First Nation in diesem Gebiet, war er der heiliger Platz „O-no-ke-no-ga“, Lake of the Gods. In der seinerzeit als bodenlos empfundenen Tiefe des Sees wohnten nach ihrer Vorstellung gute Götter: die drei Schwestern „Corn, Beans and Squash“ (Mais, Bohnen und Kürbis), für die halb agrarisch lebenden Mohawks die wesentlichsten Bestandteile der täglichen Nahrung.

Bis ins letzte Jahrhundert wurden die 3 Schwestern (unter Umgehung der ZuständigkeitsregelungenJ) auch um Glück beim Fischen und Jagen gebeten. Einmal im Jahr wurden zeremonielle Feuer am Ufer entzündet, geweihter Tabak wurde geraucht. Auf diese Art fühlten sie sich ihren Göttern nahe.

Geheimnisvolles und Legenden umgeben diesen See, jahrhundertelang war der Zulauf und der Ablauf ein Rätsel. Heute weiß man, dass der See von unterirdischen Quellen gespeist wird, und dass er natürlich einen – wenn auch nicht klar definierbaren – Boden hat, zwischen den einzelnen Felsblöcken geht es immer tiefer.

Auf der Besichtigungsplattform treffen wir auch Dianne und ihre 3 Kusinen, ein herrliches Quartett.

Sie sind auf einem gemeinsamen Ausflug zum Cottage ihrer Großeltern. Natürlich werden wir wieder wie so oft nach dem woher und wohin gefragt. Und wie jedes Mal sind auch diese Ladys erstaunt, wie das WoMo von Deutschland nach Kanada kommt. Wir erfahren auch, dass Dianne schon öfter in Deutschland war. Ihr Mann war bei der Army im „Blackwood“. Natürlich kennt sie auch Heidelberg. Beruflich war sie in Düsseldorf und Hannover. Sie liebt Deutschland. Ist es nicht schön:-)! Zum Abschied werden wir noch mit Weingutscheinen eingedeckt, die wir auf der Weiterfahrt durch Prince Edward County in den Wineries einlösen können. Davon nehmen wir jedoch Abstand, da der Kanadische Wein sehr „jung“ schmeckt, wie Dianne erklärt. Deutscher Wein sei deutlich besser und habe eine lange Tradition. Sie liebt auch den deutschen Wein:-)!

Am Picknickplatz des geheimnisvollen Sees steht kein ausdrückliches Übernachtungsverbot, also richten wir uns für’s Overnightstanding ein und genießen die Abendsonne mit Blick auf den Ontariosee mit einem passenden Getränk.

Geweckt werden wir früh um 5:30 Uhr von den ersten Anglern. Wir sind ihnen keineswegs böse, nein, so können wir den wunderbaren Sonnenaufgang erleben.

Weiter geht’s auf dem Loyalist Parkway mit diversen Stopps und Smaltalks mit Einheimischen auf ihren kleinen „Garagenmarkets“.

Irgendwann erreichen wir wieder den Highway. Rasch sind wir im Ballungsraum Toronto. Wer die Avus in Berlin als sehr betriebsam empfindet, sollte mal nach Toronto fahren! 8 Spuren in jede Richtung, alle 2 bis 3 km eine Verzweigung.

Aber die nette Dame unseres GPS führt uns sicher, wie an der Schnur gezogen, durch diese Spaghettiknoten. Grimsby, der erste Ort auf der Karte nach dem Ballungsraum Toronto, ist das Ziel für den Nachtstandplatz. Nach einigem Suchen finden wir dann auch ein geeignetes Plätzchen am Yachthafen und können ein paar Kanadagänse-Familien bei ihrem Sonntagabendspaziergang beobachten.

Bis Niagara-Falls sind es nur noch 50 km. 9:30 Uhr erreichen wir den Skylon Tower. Bei guter Sicht könnte es durchaus lohnend sein, mit dem Aufzug hinauf zu fahren; aber es nieselt!

Es sollte ein Highlight werden, doch zum Highlight fehlt uns das Sunlight. Und wenn es nicht nieselt, dann regnet es, wie fast  immer, wenn wir einen „Außentermin“ haben. Aber da müssen wir jetzt durch.

Und weil es so schön geregnet hat, sind wir um 12:45 Uhr auch schon wieder zurück. Nun ja, wie ihr auf den Bildern sehen könnt, sind die Fälle für nordamerikanische Verhältnisse durchaus beeindruckend, mit den Fällen von Iguasu kommen sie jedoch nicht mit.

Sie sind immerhin die spektakulärsten Wasserfälle Nordamerikas: 50 m hoch, fast 1 km breit und in Spitzenzeiten führen sie über 5.700 m³ Wasser in der Sekunde, also doch schon ganz gewaltig, nicht nur nett!. Die Irokesen nannten die Fälle „Donnerndes Wasser“. Besondere Bedeutung hatte für sie „Maid of the Mist“. „Jungfrauen der Gischt“ wurden regelmäßig an den American Falls in ein mit Früchten und Blumen gefülltes Kanu gesetzt und man übergab sie den Gewalten des Donnernden Wassers. Der Legende nach stürzte sich ein Irokesenhäuptling mit über die Klippen, als seine Tochter geopfert werden sollte.

Die Geschichte der Wasserfälle beginnt jedoch schon viel früher. Seit 12.000 Jahren hobelt der Niagara River jährlich 1 m von der Abbruchkante ab. In heutiger Zeit wird ein großer Teil des Wassers zur Energieerzeugung genutzt, sodass für die Abnutzung inzwischen 30 Jahre anzusetzen sind. Natürlich erfolgt die energetische Nutzung vor allem nachts und in der absoluten Nebensaison.

Es ist noch früh am Tag, und wir machen uns wieder auf den Weg Richtung Norden. In unserer Straßenkarte ist nahe Brantford ein sog. Conversation-Park eingezeichnet. In einer Flussbiegung des Grand River gelegen, bietet dieser Park eine Reihe von Freizeitaktivitäten wie Schwimmen, Kanu fahren, Wandern, Angeln, also alles Lieblingsaktivitäten der Kanadier. Neben den Picknickplätzen gibt es auch einen Campground. Wieder einmal müssen wir feststellen, dass die Plätze in den öffentlichen Parks sehr teuer sind. Selbst für Plätze ohne Service (also ohne Wasser und Strom) sind 32 $ zu bezahlen. Aber groß sind die einzelnen Parzellen! In Europa würden daraus bestimmt 3 Parzellen gemacht.

Und morgen wollen wir ins Land der Mennoniten und der Jesuiten fahren.

 

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3 Antworten zu Ontario: Loyalist Parkway – Niagara Falls

  1. Kanalratte sagt:

    Hallöle!

    War schon etwas beunruhigt, nichts von euch zu hören. Wollte schon zum Handy greifen.Aber nun seid ihr je wieder auf Sendung. Wäre doch eigentlich nett gewesen, Niagara falls auf euren Hochzeitstag zu legen.Sozusagen honeymoon falls -Klischee….

    Ihr seid ja doch schon ein ganz gutes Stück voran gekommen. Alle Achtung. Die Landschaft wirkt sehr heimisch- europäisch auf mich. Naja, ist ja auch so in etwa ein vergleichbarer Breitengrad. Allerdings scheinen die humanen Breitengrade , die ihr dokumentiert habt, etwas aus dem Ruder zu laufen.Sehr schöne Bilder mit erheblich entspannender Wirkung.Eigentlich solltet ihr auch mal angeln.! Hier in Deutschland nix Neues, allerdings endlich Hochsommer. Mein Meerchen ist schön warm und der Wind prima. Rita ist erstmals mit Spass an der Freude mitgesegelt.Sie macht sich!. Babytermin in 4 Tagen +-4tage . Ich bin ganz kribbelig.Dazu haben sich meine Italiener für 1 Woche Besuch Ende Juli angekündigt. Wird bestimmt prima mit „grande casino e cena con grappa a mezza notte““. Ich freue mich drauf.
    Alles liebe und a bientot
    (keine Ahnung , wie man da mit der Tastatur den accent grave und circonflex draufsetzt?Harald , hast du da ne‘ Idee?)
    Eure Kanalratte

    • Harald sagt:

      Hallo, lieber Walter

      Hier ist Harald und ich bin stolz darauf, dir an meinem umfangreichen Wissen der französischen Sprache (wann hat man schon mal Gelegenheit dazu) teilhaben zu lassen.
      Fangen wir ganz einfach an. Wie du richtig erkannt hast, müssen die Französen extra komische Zeichen haben, damit sie sich auch richtig verständlich machen können. Wir sind da ganz anders. Wie brauchen nur unsere Tüttelchen über dem A, dem U und dem O. Und schon ist alles ganz einfach.
      Aber um uns noch zusätzlich zu verwirren, befindet sich auf unserer Tastatur keines ihrer mit ihren Betonungszeichen versehenen Buchstaben.
      Aber unsereins läßt nicht so leicht locker. Also: alte Deutsche Eiche u.s.w.
      So, und nun endlich zu den Zeichen:

      accent aigu ´ befindet sich rechts neben dem ß, erst das Zeichen und dann den Buchstaben drücken. Du siehst zunächst noch nichts. Erst wenn du den entsprechenden Buchstaben drückst, erscheint der französische Buchstabe.
      Bei den anderen Betonungszeichen ist es genauso:
      also accent grave ` befindet sich ebenfalls rechts neben dem ß, allerdings mit Drücken der Umschalttaste (von klein-Schreibung auf groß-Schreibung).
      accent circonflex ^ befindet sich links neben der 1, alles andere wie gehabt.

      Lieber Walter, es freut mich, wenn ich dir aus der Patsche helfen konnte. Wir werden uns auf jeden Fall nicht von den Franzosen verwirren lassen, nicht wahr?

      Als dann bis zum nächsten Mal.

      Herzliche Grüße
      Harald.

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    schön ist euer neuer Bericht und natürlich sind die Fotos schön – wobei wir am Schnappschuss mit Tammy Dufresnes Reisewagen – hinten und seitlich sehr, sehr gut bestückt 😉 besonderen Spaß hatten. Ein Blick auf die virtuelle Karte zeigt uns sogar den Conversation Park in der Nähe von Brantfort am Grand River (oder haben wir uns da verirrt?). Jetzt rätseln wir ein bisschen, wo das Land der Mennoniten und Jesuiten liegt, d.h. wohin ihr euch inzwischen gewendet habt (oder doch noch Ontario?) – aber sicher werden wir es beim nächsten Eintrag wissen und können damit auch unsere mageren Kenntnisse in kanadischer oder nordamerikanischer Landeskunde wenigstens etwas verbessern. We hope to see you soon ;- oder eben auch – à bientôt et bon voyage! Gerhild und Harald

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