Québec: St. Lawrence–River, Route des Navigateurs

Der freundliche junge Mann in der Touristeninformation hatte uns empfohlen, die rechte Seite des St. Lawrence River gen Süden zu fahren und dort die Provinzstraße 132 zu nehmen und nicht den Highway. Dies war ein guter Hinweis. So folgen wir diesem gigantischen Fluss ab Rivière du Loup flussaufwärts. Laut Reiseführer soll er an manchen Stellen bis zu 200 km breit sein. Auf uns wirkt er eher wie ein Meer als ein fließendes Gewässer. Dabei erinnern wir uns, dass 1535 der Franzose Jaques Cartier als erster die Bedeutung des St. Lawrence River als wesentliche Erschließung des Inneren des nordamerikanischen Kontinents erkannte. Damit wurde auch der Grundstein für Neufrankreich gelegt.

Der kleine Fischerort Kamouraska wirbt mit Aalfang und Fischmarkt. Unter letzterem versteht man hier allerdings nur ein kleineres Fischgeschäft. Das erste Frühstück ist schon Stunden her :-)! Ein zweites mit leckerem geräucherten Aal und Lachs und superfrischem echten französischen Baguette am Flussufer lassen wir uns dann doch nicht entgehen. Dazu gibt es – ganz französisch – einen Weißwein.

Unser Nachtquartier ist ein Joggingpark in Lévis. Von hier aus sind es nur wenige Kilometer bis Québec-Stadt, wenn man die Fähre nimmt.

Québec, 1 halbe Million Einwohner, Weltkulturerbe, einzige Stadt Nordamerikas mit Altstadtkern. Der Name kommt von den First Nations und bedeutet: „wo der Fluss sich verengt“, Kebek eben.

Were you ever in Québec
Stowing timber on the deck
Where there’s a king with a golden crown
Riding on a donkey

Hey ho! away we go
Donkey riding, donkey riding
Hey ho away we go
Riding on a donkey

…. ein Shanty, den ich (Lothar) vor Jahrzehnten bei Sepp Gregor gelernt habe, und jetzt stehe ich tatsächlich vor den Toren dieser wahrlich geschichtsträchtigen Stadt.

Québec wurde im 17. Jh. vom Franzosen Samuel Champlain gegründet und ist somit die älteste Stadt Nordamerikas. Obwohl die Stadt 150 Jahre später an die Engländer verloren ging, hat sie ihr französisches Flair bis heute erhalten. Mancher Reiseführer spricht sogar davon, es sei die französischste Stadt außerhalb Frankreichs. Chateau Frontenac mit seiner buchstäblich überragenden Lage über der Stadt und dem St.-Lorenz-Strom, das im 19. Jh von der „Canadian Pacific Railway“ als Hotel errichtet wurde, grüßt den Reisenden schon von weitem.

Unseren LT können wir in der Base-Ville, der Unterstadt, nicht weit vom „Funiculaire“, einem Schrägaufzug zur Haute-Ville, der Oberstadt, parken.

Wir lösen ein Park-Ticket und machen uns auf den Weg. Graue Feldsteinhäuser, kontinentale Sträßchen und Gassen prägen die Stadt.

Plötzlich, Überraschung, ein großformatiges Wandgemälde ziert die Brandwand einer mehrgeschossigen Häuserzeile. Sowohl inhaltlich als auch technisch eine überzeugende Leistung der lokalen Künstler. Die bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt werden in einer lebendigen Szenerie in die Kulissen der gebauten Umgebung eingebunden. Hier lohnt es sich zu verweilen, und immer mehr in dem Gemälde zu entdecken.

Allerdings hat auch hier inzwischen der unvermeidliche Touri-Rummel überhand genommen, und es könnte eine Stadt überall auf der Welt sein, die sich dem Massen-Tourismus verschrieben hat, eine Mischung aus Straßenmusikanten, Folklore und Business, sehr häufig reine „Tourist-Traps“.

Die Basilique-Cathèdrale Notre Dame, die älteste katholische Kirche nördlich von Mexiko, ist ein sehr prunkvoller Prachtbau.

Als lohnender Besuch wird in der Reiseliteratur die Galerie „Art Inuit Brousseau“ empfohlen. Ja, es ist ein Laden mit einem pittoresken Angebot, sehr edel, sehr teuer und leider vielfach aus China.

Da es wieder einmal regnet und es usselig kalt ist, fällt unser Rundgang relativ kurz aus. Ein letzter Blick von der Ober-auf die Unterstadt und wir schweben nach unten.

Wie gut, dass wir uns gestern schon ein Hühnersüppchen gekocht haben. Das wärmt jetzt herrlich auf. Für den Nachmittag steht die Besichtigung des „Musée de la Civilisation“ an, angeblich ein herausragendes Museum, das als einziges über den Lokalbezug von Québec City hinausgeht und auch auf andere Themen nationaler und internationaler Art eingeht. Wir konnten diese herausragende Stellung nicht feststellen und waren sehr enttäuscht. Ein völlig unkonzeptionelles Durcheinander von Exponaten ohne sich aufdrängende Beziehungen. Kein „roter Faden“, weder historisch noch inhaltlich erkennbare Zusammenhänge. Kleinere, unbedeutendere Museen haben da oft vielmehr zu bieten gehabt! Fazit: aus unserer Sicht nicht empfehlenswert! Obwohl Fotoverbot besteht, hat Lothar dann doch einige Fotos „aus der Hüfte geschossen“.

Zur Übernachtung wollen wir wieder auf die andere Flussseite und überqueren in strömendem Regen die Brückenanlage von Québec.

Am Morgen geht es dann weiter auf der „Route des Navigateurs“ am St. Laurenz-Strom entlang.

Unsere Mittagspause verbringen wir an der imposanten Brücke bei Trois Rivières.

Diese Konstruktion hätte das Stahlbauerherzchen von Papa Ernst höher schlagen lassen

Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich in Pierreville den sehr schön gelegenen Campingplatz „Ile du Fort“, eine schattige Anlage in einem lichten Mischwald, mit allem, was wir brauchen und zusätzlich einem Pool. Wir nutzen die komfortable Situation als „Putz- und Flicktag“. 13:00 ist Check-Out-Time. Mittagessen gibt es unterwegs, an einem schönen Picknickplatz direkt am Fluss.

Dann geht’s auf den Highway 30, ebenfalls eine Empfehlung von dem freundlichen jungen Mann in der Touristeninformation. Diese Strecke führt uns in hervorragender Weise um Montréal herum. (Wie ihr ja alle wisst, sind wir Landeier und keine Cityhopper) Kurz vor der Provinzgrenze zu Ontario sichten wir gegen 18:00 einen Parkplatz am Stadthafen, ein feines Plätzchen für die Nacht, dachten wir.

Leider entpuppt sich diese Fläche später als Privatbesitz, in der Saison wohl dazu benutzt, zahlungswillige Touries in die Ausflugsboote zu schaufeln. Eine zänkische Alte scheucht uns dann auch unter Androhung von Polizeieinsatz vom Platz.

Aber es gibt ja auch in Kanada Truckerstationen!

 

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3 Antworten zu Québec: St. Lawrence–River, Route des Navigateurs

  1. Kanalratte sagt:

    Hi! und Yes!!!! so habe ich mir das vorgestellt. Beim Anblick des Baguettes ist mir das Wasser im Munde zusammengelaufen. Die doch offensichtliche weiterhin lebendige französische Lebensart hat schon was. Wir haben das in Frankreich aus sehr angnehm empfunden. Und die Sauberkeit, ja , da sehne ich mich nach. Einfache bourgoise Lebenseinstellung mit Werten und Regeln. Pfui, wie spiessig, ja , ich alter Chaot steh drauf. Insofern sind eure Bilder eine Erholung. Allmählich läuft es ja so richtig an und ihr seht sehr zufrieden aus. Wenn ihr Regen habt, so denke ich ,macht das hier auch keinen großen Unterschied. Der deutsche Hochsommer dümpelt nasskalt bei 13-16 Grad vor sich hin. Am Wochenende habe ich eine Wutsegeltour gemacht.Steinhude bei 7 bft. war ein Novum für 2 Tage und das absolute Limit. Hatte danach 2 Tage „Rücken“ war naß und anstrengend, aber seeeehr sportlich. Rita hat am Samstag bei mir auf dem Schiff gepennt, weil wir uns einen „geschnapselt „hatten wegen der Kälte. War auch Prima. Dann am Morgen machte ich Kaffee, sie kommt in die >Horizontale und war binnen Sekunden kreidebleich und seekrank vom Schwell und Gegenschwell.Na, OK., es war wirklich heftige Welle für unseren Tümpel 1 Segellatte hat sich verabschiedet und das Rigg mußte ich hinterher nachspannen.Sonst nix neues. Am Wochenende bin ich in Kiel zur Windjammerparade und Kieler Woche und freue mich auf meine alte Wahlheimat. Euch vielen Dank für die netten und interessanten Stories. Macht weiter so, aber nur solange es Spaß macht. Bleibt gesund!

    Alles Liebe wünscht eure Kanalratte.
    PS. Bald ist unser 2. Enkelchen da!! Es kann sich nur um ein paar Tage handeln.Ich werde berichten.

  2. Wolfgang sagt:

    Danke für die guten Wünsche – schwelmstock ist leider – wie schon in 2012 – ins Wasser gefallen, aber es gibt schon wieder einen Nachfolgetermin.
    Toll, dass ihr wieder on Tour seid. Habe mal als Studi einen großen gelben Schulbus von Toronto nach Winnipeg überführt und eure Berichte lassen wieder Vieles aufleben. Viel Glück, viele schöne Erlebnisse, viele tolle Begegnungen und bleibt gesund.
    Wolfgang von Enchor (klingt fast adelig;))

  3. Gerhild & Harald sagt:

    Retour à la maison! Hallo Ihr 2,
    wir sind wieder daheim, die Wäsche ist gewaschen, das WoMo im „Depot“ und meine Ü90-Ma habe ich (Gerhild) auch schon besucht. Jetzt haben wir Zeit, eure Reiseberichte noch einmal in Ruhe zu lesen und auf der Landkarte zu suchen, wo ihr jetzt wohl sein könntet. Irgendwie sehen wir auf dem Weg nach Westen viele Seen und vermutlich gibt es dort auch unzählige lästige black flies – wir sind jedenfalls gespannt, auf welchem Weg ihr euch Alaska nähert. Aber sicher ist bis dahin noch viel Zeit und wir hoffen, dass es euch gut geht und unliebsame Überraschungen sich zurückhalten.

    Auf unserer Rückreise über Honfleur ist uns Monsieur Champlain begegnet. Eine Gedenktafel am alten Hafen erinnert daran, dass Champlain im Frühjahr 1608 mit der Don de Dieu von hier lossegelte, um am St. Lawrence Fluss die Stadt Quebec zu gründen. Wie ihr euch denken könnt, haben wir beim Lesen dieses Textes heftig an euch gedacht.
    Bleibt gesund und seid herzlich gegrüßt von den beiden Wahl-Niederrheinern
    Gerhild und Harald

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