New Brunswick- Kings Landing

Leider haben wir gestern kein schönes Übernachtungsplätzchen am Fluss „Long Reach“ des „Fundy Coastal Drives“ gefunden. Der gesamte Uferbereich ist in Privatbesitz, Picknickplätze Fehlanzeige. Dieser Fluss zeichnet sich durch einen außerordentlichen Tiedenhub aus. Bei Hopewell Rocks, wo der Fluss ins Meer fliest, soll er bei Neumond 14 m betragen. Da wir gerade keinen Neumond hatten, haben wir uns die Besichtigung dort verkniffen. Gleichwohl können die Bilder im weiteren Verlauf des Flusses einen Eindruck über die sehr unterschiedlichen Wasserstände vermitteln.

Unser Nachtstandort war wieder sehr unromantisch aber praktisch bei Soby’s, einer Filiale der großen Lebensmittel-Supermärkte des gehobeneren Standards. Wir starten bei bergischem Landregen, ein Wetter zum Strecke machen, also rauf auf den TCH (Trans Canadian Highway).

Hinter Fredericton verlassen wir den Highway und verfolgen den „River Valley Scenic Drive“. Dank unseres Navigators „Garmin“ haben wir bisher immer alles gefunden, was wir gesucht haben, er funktioniert fehlerfrei und tadellos. Hier noch einmal herzlichen Dank an Katrin und Jan für die entsprechende Software.

Unser Ziel ist Prince William und dort das Museumsdorf „Kings Landing Historical Settlement“. Dieses „Living Museum“ wurde in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit historischen Häusern errichtet, die wegen des Stauseebaus am Saint John River weichen mussten. Da hier nicht nur Häuser, Hausrat und andere Alltagsgegenstände zusammen getragen wurden, sondern „real existierende Menschen“ das Leben des 18.und 19. Jahrhunderts nachempfinden und dem Besucher nahebringen, ist dieser Museumspark besonders lebendig und interessant.

Ursprünglich – und daher hat der Park seinen Namen – wurden die Häuser von Handwerkern und Farmern errichtet, die besonders königstreu und loyal waren, und von der Krone im späten 18. Jahrhundert Land zugewiesen bekommen haben. Die Häuser stammen aus verschiedenen Epochen

So treffen wir u. a. einen Schindelmacher, der uns in den Gebrauch des Zieheisens zur Herstellung der für Dächer und Hauswände so dringend benötigten Schindeln aus Zedernholz einweist.

Ein Schmied von altem Schrot und Korn erklärt uns die Herstellung von Eisenwaren der verschiedensten Art.

Beim örtlichen Richter in dem einzigen Steinhaus der Siedlung

spielen wir die uns angebotene Szene mit. Wir werden hereingebeten, obwohl seine Frau hochschwanger ist und stündlich ihr erstes Baby erwartet.

Ein skurriler Dialog entwickelt sich, als ich in der Stube versuche, die Fragen des Richters zu beantworten: wie wir hergekommen sind, was wir hier wollen und wie wir uns fortbewegen (Flugzeug und Auto waren seinerzeit natürlich unbekannt).

Ein absolut lohnenswerter Besuch, wir lassen die übrigen Bilder für sich sprechen:

Im Schnürchenregen kehren wir

pitschnass zurück zum WoMo. Der Park wird um 17:00 Uhr geschlossen, eine Übernachtung ist nicht möglich. Also geht’s weiter auf dem ScenicDrive.

Was auch nach Tagen und Wochen immer wieder auffällt, ist die Sauberkeit auf den Straßen und Plätzen und in den öffentlichen Räumen. Da liegt nichts rum, kein Müll, kein Papier, keine leeren Coladosen, keine Zigarettenkippen, nix. Und die Hundehaufen werden in mitgebrachten Plastiktüten entsorgt. Auch von Sprayern „verschönerte“ Hauswände, Mauern, Brücken, Fahrzeuge: Fehlanzeige. Ich glaube, das liegt nicht nur an den drakonischen Strafen, sondern auch an einer über Generationen gewachsenen (und immer noch erhaltenen) völlig anderen Grundeinstellung zum privaten und gemeinschaftlichen Eigentum.

Auf der Suche nach einem schönen Plätzchen für die Nacht kommen wir am späten Nachmittag nach, wer hätte das gedacht:

Am Yachthafen von Woodstock (N 46°08,410’ / W 067°34,765’) werden wir professionell eingewiesen von:

Auf dem Weg nach Grand Falls passieren wir die mit knapp 400 m längste überdachte Brücke der Welt. Von außen eher schlicht und unscheinbar, offenbart sie uns innen eine grundsolide und imposante Fachwerkkonstruktion.

Zu Mittag erreichen wir die „Grand-Falls“, die vorschriftsmäßig ein bisschen Gischt und Nebel verbreiten, ansonsten aber eher der Kategorie „C“ zuzuordnen sind.

Immerhin kann man, wenn man mutig genug ist, an einem Stahlseil hängend die Falls überqueren.

Wir nehmen davon Abstand – natürlich nur wegen des einsetzenden Nieselregens 😉 – und begucken uns das Ganze vom sicheren Ufer aus.

Da die Besichtigung wenig Zeit in Anspruch genommen hat beschließen wir, doch noch bis in die Provinz Quebec zu fahren und am Lac Témiscouata unser Nachtquartier zu suchen. Wir finden es – na, wo wohl – natürlich mal wieder am Yachthafen!

 

 

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1 Antwort zu New Brunswick- Kings Landing

  1. Jasmin EnChor sagt:

    Hallo Ihr drei Beiden,
    Ihr seit ja wieder unterwegs. Bin gerade durch Zufall mal wieder auf Eure Seite gestoßen und hab mich gefragt, wie es Euch denn so geht. Anscheinend sehr gut. Macht total Spaß, Eure Berichte und Bilder durchzuschauen. Ist wie ein kleiner Urlaub im alltäglichen Wahnsinn ;-).
    Wünsche Euch ganz viel Spaß und alles Gute auf Eurer der Tour!
    Gruß, Jasmin.

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