Nova Scotia: die ersten 1000 km

Eilens verlassen wir den Containerhafen von Halifax in Richtung Dartmouth. Dort soll’s einen Campingplatz geben. Auf dem Wege dorthin versorgen wir uns schon mal mit dem „Wichtigsten“: Brot und irgendetwas obendrauf und natürlich ein bisschen für den Grill. Das „Nötigste“ können wir in diesem Supermarkt leider nicht erstehen, da jegliche Art von Alkoholika, auch das Grundnahrungsmittel Bier, ausschließlich in Liqueur-Shops verkauft werden. Nun gut, wir werden’s überleben.

Der Campingplatz, an einem See auf einem kleinen Hügel gelegen, ist offensichtlich auch für andere der erste Anlaufpunkt nach der Wohnmobilübernahme im Hafen, gut geeignet, alles an seinen angestammten Platz im WoMo zu räumen und sich häuslich einzurichten. Bei Inbetriebnahme des Kühlschranks verabschiedet sich leider der Umwandler. Aber Dank unseres Nachbarn Jürgen aus Mühlheim (ihm war das gleiche Missgeschick vor ein paar Tagen passiert) und unseres GPS erstehen wir nur wenige Kilometer entfernt ein neues Gerät, diesmal mit etwas mehr Kapazität, sodass das Teil nicht gleich wieder in die Knie geht.

Samstagmorgen ist alles fein und fertig gerödelt und wir können gen Norden, gen Cape Breton starten. Zu unserem vollständigen Glück fehlt uns nur noch ein bisschen Diesel und Gas. Manch einer erinnert sich noch, welche Probleme uns die Energieversorgung in Südamerika bereitet hat. Mal schauen, wie es denn hier im hohen Norden funktioniert.

Laut Seabridge soll es beides nahe des Campingplatzes geben, an der „IRVING“-Tankstelle. Doch die netten Mädels bedauern, sie hätten weder Diesel noch Propan. Aber einen Kilometer weiter, dort gäbe es sicher Diesel, dort könne man uns auch erklären, wo wir Propan bekämen. Also auf zur nächsten „Gas-Station“ (= Tankstelle). Tatsächlich erhalten wir Diesel und die gewünschte Information, wo die nächste Propangasstation ist: „Canadien Tire“, N 44°41,575’ / W 063°30,068’. Zu unserem Glück und entgegen anders lautenden Berichten ist der freundliche alte Daddy auch gerne bereit, zunächst einmal unsere deutsche Reserveflasche zu füllen, und das mit dem mitgebrachten Adapter!

Leider muss Lothar feststellen, dass an der Unterfluranlage irgendetwas undicht ist: es zischt und faucht, die Rohre vereisen und es stinkt nach Gas. Dies kann unser Glück aber nicht wirklich trüben, schließlich liegt die undichte Stelle zwischen dem Hauptabsperrhahn und dem Sperrhahn für den Tank, sodass wir die Reparatur – wie auch immer – auf später verschieben (Südamerika lässt grüßen). Auf jeden Fall können wir den Tank füllen,

nachdem wir ihn entlüftet haben, und wir haben vorläufig Gas über die 5 Liter Reserveflasche – ist das nix ?!

Wohl gelaunt, weil wir unser kleines Pflichtprogramm so schnell erledigen konnten, begeben wir uns auf den „Marine Drive“, die Küstenstraße von Nova Scotia am Atlantik. Für die erste Nacht on Tour finden wir in Tangier ein feines Plätzchen am Denkmal zu Ehren Prinz Alfred, Sohn von Queen Viktoria, der hier an Land gegangen und von den Honoratioren begrüßt worden ist.

Entsprechend der Bedeutung dieses Platzes haben wir zuvor beim königlichen Hoflieferant der Queen leckeren Räucherlachs erstanden.

Sonntagmorgen – Nebel liegt gespenstisch über der ganzen Bucht.

Nach einem typisch amerikanischen Frühstück, Speck und Spiegeleier, begibt sich Lothar unverzüglich an die Reparatur der Gasanlage, und das mit Erfolg! Zur Belohnung gibt es dann einen Grog, schließlich ist „Usselswetter“, und ich hatte ein Fläschchen Rum heimlich, still und leise ins Land geschmuggelt.

Langsam lichtet sich der Nebel und wir können ein paar hartgesottene Kanadier bei ihrem Lieblingswassersport beobachten.

Dann geht es weiter, und in den Abendstunden erreichen wir den östlichsten Zipfel des Festlandes von Nova Scotia, Cap Canso. Wir fahren soweit, bis uns eine Kieselgeröllfläche den endgültigen Endpunkt des Weges verdeutlicht. (N 45°19,299’ / W 060°57,864’)

Die Nacht ist lausig kalt (draußen um die Null Grad) und sehr windig. Früh starten wir zur Insel Cape Breton, die laut Reiseliteratur durch seine „wildromantische und felsige Küste“ besteche. Nun ja, der Schreiber dieser Worte war wohl nie an europäischen Küsten unterwegs, wie zum Beispiel Amalphi! Auf Empfehlung von 2 Düsseldorfern, die wir unterwegs am Supermarkt getroffen haben, steuern wir zunächst das Städtchen Baddeck an. Sogleich finden wir auch ein hervorragendes Nachtstandplätzchen an der wohl gestalteten Promenade.

Doch bei näherem Hinsehen entdecken wir das Schild „No Overnightstanding“. Schade eigentlich, aber selbst für uns zweifelsfrei und eindeutig formuliert, zumindest in diesem Sinnzusammenhang. Also verholen wir uns – na wohin wohl – natürlich in den Yachthafen! Die freundliche Bedienung im Clubhaus erklärt nach stummer Rücksprache mit einem Kanadier auf’m Barhocker: „for one night it’s no problem!“ Artig bestellen wir uns ein Bierchen, sozusagen als Dankeschön.

Die Nacht ist kalt und nass. 5:30: Wassereinbruch an den Dachseitenfenstern, die Nacht ist vorbei, Handtücher und Lappen austeilen, tröstende Hühnersuppe schlürfen.

Da uns die Küstenformation mangels Reliefenergie nicht wirklich reizt – man stelle sich das Sauerland am Biggesee und die dortigen „Steilküsten“ vor, einschließlich der dortigen Vegetation, Mischwald mit Kiefern, Tannen, Fichten, Birken, Felsenbirne, Esche, Eiche und hin und wieder auch ein Ahorn – und wir den „bergischer Landregen“ schon genügend von zuhause kennen, beschließen wir, uns den Aufenthalt im „Cape Breton Highland National Park“, zu verkneifen, d. h. den „Cabot Trail“ nicht zu fahren.

Landschaftsbilder im Regen finden wir nicht so prickelnd, daher ein paar Fotos zu typischen Einfamilienhäuschen.

Wir begeben uns unverzüglich Richtung „Sunrise Trail“ – Nomen est omen! Je weiter wir gen Westen kommen, desto weniger Regen und Wolken drücken auf’s Gemüt. Gegen Abend erreichen wir Antigonish an der Nord-Altlantikküste. Gleich hinter der Abfahrt von der Transcanadien ist die Touristeninfo. Sehr freundlich sind sie auch hier, aber besondere Tipps haben sie leider nicht. Dafür gibt es eine kleine Showeinlage einer schottischen Kinderfolkloregruppe.

Wir haben keine Lust, noch nach einem romantischen Abendplätzchen am Meer zu suchen. Also bleiben wir hier. Dies hat einen ungeheuren Vorteil! Der Supermarket ist auch gleich am Platz! Und was noch viel genialer ist, dort gibt es frischen „Lobster boilt“, das Stück für nur 10 $. Mit diesem frischen Fang geht’s wieder auf den „Sunrise-Trail“. Stilgerecht verspeisen wir das edle Stück unterwegs in einem kleinen Fischerhafen:

Nach einer Woche Kaltdusche und „Lappwaschungen“ wollen wir uns doch endlich noch mal eine warme Dusche gönnen und fahren den „Seafoam Campground“ an, ein skurriler Dauercampingplatz, aber mit WiFi, Waschmaschine

mit hungrigem Raben

und direkt am Meer gelegen.

Und weil’s so gemütlich ist und auch der Jetlag seinen Tribut fordert, leisten wir uns noch eine weitere Nacht für satte 42 $. Doch dann zieht es uns weiter gen Westen, gen New Brunswick. Auf dem Weg dorthin sehen wir – erstaunlicherweise mitten am helllichten Tage – die ersten Schwarzbären. Eine Bärenmama leitet ihr Junges mit leichten Klapsen auf den Rücken über die Straße. Wir sind so verblüfft, dass wir leider nicht rechtzeitig die Kamera im Anschlag haben.

Bei wunderbarem Sonnenschein verlassen wir den „Sunrise-Trail“, bei Amherst, Nova Scotia,

und begeben uns auf den „Fundy Coastal Drive“ in New Brunswick.

 

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1 Antwort zu Nova Scotia: die ersten 1000 km

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2,
    während vor euch noch viele Kilometer und Reiseeindrücke liegen, geht unsere Reise in die Normandie und Bretagne langsam zu Ende. Eines haben wir aber gemeinsam – Usselswetter und bergischen Landregen haben auch wir und blauer Himmel ist auf unseren Fotos mehr als selten. Nach einem sonnigerem Tag am Pointe du Van am Cap Sizun (auch ein „Cap Breton“ 😉 und damit wieder eine kleine Gemeinsamkeit) hatten wir in Quimper nächtliche Sturzbäche und ich habe schon befürchtet, dass wir morgens im Wasser stehen. Heute zu Füßen des Mont Saint Michel hatten wir Gelegenheit eure neuen Reiseberichte gelesen und wir haben euch u.a. auch um den Lobster beneidet. Unsere Langustinen heute waren eher mager!
    Herzliche Grüße nach Westen senden euch Gerhild und Harald

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