Halifax: Erste Erfahrungen

Der Flug von Düsseldorf nach Halifax war wenig spektakulär. Eigentlich lief alles nach Plan. Bis auf die Tatsache, dass für Lothar ab Frankfurt kein Sitzplatz reserviert, die Maschine aber ausgebucht war! Mein Herumwitzeln, er bekäme einen ganzen Tragflügel für sich alleine, dort hätte er jede Menge Beinfreiheit und frische Luft, konnte ihn nicht wirklich aufheitern. Natürlich bekam er im Flieger dann doch noch einen Platz und zwar neben mir, am Fenster, in einer 2er-Reihe, wie gebucht!

Zu nachmittäglicher Tea-time landeten wir in Halifax, ein kleiner beschaulicher Flughafen.

Diverse Kontrollen waren entgegen anderer Berichterstattung relativ schnell durchschritten, und wir standen in strahlendem Sonnenschein am Taxistand. Der freundliche Taxifahrer brachte uns für stolze 65 C$ ohne erkennbare Umwege direkt zu unserem Hotel: Waveley Inn, Downtown Halifax.

 

Weil das alles so hervorragend geklappt hat, haben wir uns dann mit einem lecker Bierchen für stolze 7.50 C$ / 18 oz., im schottischen Pub, gleich nebenan, belohnt.

Da man ja mit so einem kleinen Bierchen seinen unbändigen Durst nicht wirklich löschen kann, kauften wir im nahegelegenen liquer-shop noch ein kleines sixpack des köstlichen Gertsensaftes für stolze 19 C$ + Tax, d.h. das 0,3er Fläschchen für 3 €, d.h. pro Schluck 1 € 🙂 L.

Nach himmlischer Nachtruhe im Himmelbett,

einem typischen kanadischen Frühstück mit Bohnen, Eiern, Bacon, Bratkartoffeln, Pancakes, Toast, machten wir uns auf zum Schiffsspediteur, nur ein paar Straßen weiter den Hügel hinauf. Die Rezeption war voll mit Reisenden, die ihr WoMo auslösen wollten. Aber alles ging sehr rasch, ein Pärchen nach dem anderen verließ nach 10 bis 15 Minuten strahlend die Agentur. Nur ein Pärchen kam etwas verzweifelt vom Abfertigungsschreibtisch, ihr Fahrzeug musste erneut gereinigt werden, obwohl ein offizielles Reinigungszertifikat vom Unikai in Hamburg vorlag. Eine Reinigung in Halifax kostet zwischen 500 und 1000 C$ je nach Größe. Eigentlich ist diese Begebenheit für unsere Reise ohne Belang, für die anderen ein Riesenpech, dachten wir.

Schließlich waren auch wir an der Reihe, ausgerüstet mit Buchungspapieren und Fotokopien von Reisepass und Fahrzeugschein. Ohne Umschweife kam die freundliche Schiffsagentin sogleich zur Sache:

„Ihr Fahrzeug wird nicht ausgeliefert, es konnte vom Zoll nicht kontrolliert werden, da die Schlüssel fehlen.“ In diesem Moment hatten wir erst mal Sendepause und waren sprachlos.

Klar, entsprechend der Weisung im Hamburger Hafen wurde nur der Zünd- und Führerhausschlüssel an die Spedition übergeben. Immerhin sollten wir ja sogar die Wohnkabine gegen das Führerhaus diebstahlsicher abschotten. Gerne wären wir bereit gewesen, gemeinsam mit dem Zoll die Wohnkabine zu inspizieren. Nein, das ginge gar nicht, wir müssten die Schlüssel für die Wohnkabine zum Zoll bringen, dieser würde dann die Kontrolle durchführen lassen, unsere Anwesenheit sei nicht erforderlich und auch nicht möglich. Sehr eigenartig! Eine Überprüfung würde im Laufe des Nachmittags vorgenommen. Erhalt der Einfuhrpapiere: „tomorrow at 9:00 am …“.

Was willst du da machen, da bist du hilflos ausgeliefert, da kannste nur gute Mine zu bösem Spiel machen! Also auf zum Zoll, ein paar Straßen den Hügel wieder hinunter, Schlüssel abgeben und Rest des Tages relaxen: eine weitere Nacht im Hotel buchen, im Thai-Restaurant essen gehen,

Bierchen in der ortsansässige Brauerei Keith’s trinken,

Seefahrermuseum besichtigen (ein bisschen Bildung kann nicht schaden),

am historischen Kai entlang bummeln

und das alles natürlich selbst für Lothar zu Fuß!!! Eine weitere Nacht mit himmlischer Ruhe war vorprogrammiert, allerdings ohne Himmelbett, wir mussten in ein anderes Zimmer umziehen. Kostenpunkt dieser nicht geplanten Programmpunkte insgesamt stolze 250 C$.

Donnerstagmorgen nach himmlischem Schlaf, Frühstück wie gestern, suchten wir die nette Dame vom Spediteur erneut auf. Obwohl wir uns für 9:00 verabredet hatten, erhielten wir erst kurz vor 10:00 neue Informationen. Leider sei die Zollprüfung bisher noch nicht erfolgt. Warum könne sie, die eigentlich immer noch ganz nette Schiffsagentin, auch nicht sagen, irgendwie seien die Schlüssel wohl nicht auffindbar, sie wisse auch nichts genaues, vielleicht bekämen wir unser WoMo erst morgen.

Wie bitte, nun war es mit unserer in Südamerika erlernten Gelassenheit doch endgültig vorbei. Betont ruhig, aber sehr bestimmt forderte Lothar die Auslieferung unseres Fahrzeugs und zwar für heute vor 12:00 Uhr, weil: um 12:00 schließe der Hafen !!! Der Auftritt zeigte Wirkung. Die nette Schiffsagentin wollte gleich noch einmal telefonisch nachfragen. Wir könnten zum Hotel zurück, später anrufen und nach dem Ergebnis fragen. Das war uns alles etwas zu windig. Nein, wir warten hier, bis die Angelegenheit geklärt ist! Es kann aber eine Stunde dauern! Egal, wir holen uns einen Kaffee und warten hier!

Gerade als wir mit unserem Kaffee zurückkamen, verließ unsere nette Schiffsagentin die Agentur, um ihre Vormittagspause zu genießen. Nun erfuhren wir aber so zufällig zwischen Tür und Angel „alles ist gut, sie können zum Zoll gehen, erhalten dort die Einfuhrstempel, nehmen sich dann ein Taxi zum Containerhafen und holen ihr Fahrzeug ab, ist’s very easy!“ Sprach’s als sei alles von Anfang völlig in Ordnung gewesen und entschand.

Es war kurz vor 11:00, verdammt knapp die Zeit. Wir beschlossen, ich gehe zum Zoll, Lothar zum Hotel, räumt das Zimmer und ruft ein Taxi. Doch diese Arbeitsteilung stellte sich als nicht funktionstauglich heraus. Nur der Fahrzeugeigner, sprich Halter, kann diese wichtige Einfuhrerklärung in Empfang nehmen. Schit! Die Uhr tickte, ich also im Schweinsgalopp zum Hotel, Lothar auf dem Herz schonensten (möglichst ohne Steigungen) und schnellsten Weg zum Zoll zerren, ihn völlig fertig auf die Bank dirigieren, mich mit der unfreundlichen Zollbeamtin anlegen bis zu dem Punkt, dass ich alle vorgelegten Papiere einsammelte und noch einmal mit seidenweichem Ton und strahlendem Lächeln ohne irgend welche Papiere hinzulegen von vorne begann, ich ließ mich um jedes einzelne Stück Papier bitten. Nun war die unfreundliche Zollbeamtin zufrieden, so schien es zumindest, jedenfalls spulte sie ihr Programm ab. Schließlich fragte sie nach dem Fahrzeughalter, ich deutete auf Lothar und antwortete brav „my husband“. Sie schaute kurz auf und haute die Stempel auf die Papiere. Ich glaubte es kaum, für diesen Mini-Augenblick musste ich Lothar bis an seine gesundheitlichen Grenzen hetzen.

Aber Rache kann ja so süß sein: Ich fragte nach unseren nachgereichten Schlüssel. Völlig ahnungslos und verwirrt schaute die unfreundliche Zollbeamtin aus der Wäsche und wollte mich schon wieder anbellen. Aber da kam sogleich der Kollege, der die Schlüssel in Empfang genommen hatte, herbeigeeilt und plauderte freundlich und gelassen mit uns und wollte uns sogar ein Taxi zum Hafen rufen. So geht’s auch! Das ging dann runter wie reinstes Öl. Den Taxiservice mussten wir leider ablehnen. Das Gepäck war noch im Hotel und bezahlen mussten wir auch noch.

Wir versuchten es noch mal mit der Arbeitsteilung, Lothar hielt die Stellung am Zoll und ich spurtete zurück zum Hotel, checkte aus, fuhr mit dem Taxi zum Zoll und sammelte Lothar ein. 11:45 Uhr erreichten wir den Hafen, jeder erhielt eine Warnweste, nebst Besucherkärtchen zum Anheften und ab ging es mit dem Escortservice zum Auslieferungsterminal.

Von unserem 3.Oldie war jedoch weit und breit keine Spur. Nach etlichen Telefonaten und langem Palaver mit einer Kollegin hatte dann der freundliche Auslieferungs-Chef endlich auch für unser Anliegen ein Ohr. Ein Blick auf die Uhr, es war inzwischen nach 12:00, wir erwarteten, dass der Gute uns auf morgen vertrösten würde. Aber weit gefehlt. In seinem Truck fuhren wir nun eine 1/4 Stunde lang hin und her und kreuz und quer durch den Hafen, suchten hier und suchten dort, aber nirgends war unser 3.Oldie zu sehen, ganz schön seltsam, uns beschlich ein klammes Gefühl! Ein weiterer Versuch und da stand er nun mitten in einer riesigen Pfütze zwischen Altcontainern und abgewrackten Fahrzeugen, wie auf einem Schrottplatz, allerdings äußerlich völlig in Ordnung, alle Transportsiegel an Fenster und Türen unversehrt!

Gottliebstutz, dann konnte eine Inneninspektion also doch gar nicht stattgefunden haben – oder ?! Aber die Inspektionsplakette des Zolls klebte an der Windschutzscheibe.

Wie soll man das verstehen? Was für ein Ding ist hier eigentlich abgelaufen?

Egal, nur einfach schnell hier weg war die Devise. Wir baten den freundlichen Auslieferungs-Chef um den Zündschlüssel. „Der steckt“. Tat er aber nicht! Die in Südamerika erworbene Gelassenheit wurde erneut einer harten Prüfung unterzogen. Schließlich fuhr der nette Auslieferungs-Chef von dannen und kam tatsächlich mit unserem Schlüssel zurück.

Die Erklärung für die verzögerte Auslieferung stand auf einem der vielen Anhänger geschrieben: „Gefunden im Peugeot???“ War dieser Peugeot vielleicht das WoMo des anderen Pärchens, das erneut gereinigt werden musste?! Seltsame Dinge liefen hier ab!

Aber egal, nur schnell hier weg. Rein in unseren LT, er springt auch brav und freudig an, nix wie raus aus den Auslieferungsterminals, Warnwesten und Besucherkärtchen abgeben, Seesäcke an Bord nehmen und auf ins kanadische Abenteuer!

Denkste auch nur. Im Affenzahn raste ein Jeep auf uns zu, die Fahrertür flog auf, ein Mann wie ein Bär schwang sich hinaus und schnauzte: „Ihr könnt das Fahrzeug nicht mitnehmen, es ist Mittagspause, morgen könnt ihr wiederkommen und dann bekommt ihr das Motorhome!“ Wir versuchten contenance zu bewahren und erläuterten, dass der freundliche Auslieferungs-Chef uns das Fahrzeug ausgehändigt hätte, und dass alle Formalitäten erfüllt worden seien. Natürlich glaubte er kein Wort. Ein Anruf beim freundlichen Auslieferungs-Chef konnte die Situation dann aber klären, und wir konnten tatsächlich das Hafengelände (trotz lunch hour) mit unserem 3. Oldie verlassen!

Das Kanadische Abenteuer kann beginnen.

 

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2 Antworten zu Halifax: Erste Erfahrungen

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr 2,
    nach dem Lesen eurer ersten reichlich aufregenden Erfahrungen in Kanada haben wir uns trotz der fortgeschrittenen Uhrzeit doch noch einen Whisky genehmigt. Dabei müssen wir eigentlich sparsam damit umgehen, denn Hochprozentiges ist in Frankreich reichlich teuer.
    Wir hoffen, dass der weitere Verlauf eurer Reise euch deutlich weniger Ärger bringt, damit Seele und Sinne zu ihrem Recht kommen. Ein bisschen Abenteuer – ja auch, passt gut auf euch auf – bon voyage et surtout bonne santé!
    Gerhild und Harald

  2. Kanalratte sagt:

    Hi ihr Lieben!

    Na das ist doch schon mal was.Aber ich dachte ihr hättet 40Grad? Na, die haben wir hier in etwa verbunden mal wieder mit übelsten Hitzegewittern und dem einen oder anderen kleinenTornado. Schade dass ihr den Bären nicht erwischt habt, aber Hummer ist ja auch schon was nettes. Sieht aber alles ganz nett aus. Also Biggetalsperre…? Naja.

    Bin gespannt, wie’s weitergeht. Bleibe am Ball Gehe jetzt aber erstmal im Kanal schwimmen. Saluti dalla germania , tante belle cose .Ciao und unfallfreie Weiterrreise

    eure Kanalratte

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