Rua Pampa do Gaucho

2011-10-23
Westwärts geht’s von Osorio an der Küste nach Uruguaiana an der argentinischen Grenze auf der „Rua Pampa do Gaucho“, der BR 290. Rechts und links sanfte Hügellandschaft mit Weiden, Getreidefeldern, Reisfeldern und kleinen Waldstücken,

alles schön grün und mit gelb leuchtenden Blütenfeldern durchsetzt, manchmal auch in Weiß und einem Hauch von Blau. Industriebauten gibt es lediglich als Siloanlagen und Getreidemühlen.

Entlang der Straße Händler, die ihre Waren feilbieten: Flechtwerk, Lederwaren, Felle naturgewachsen und auch als Fellteppiche. Leider können wir so großformatige „Mitbringsel“, die uns wirklich gefallen, nicht kaufen.

Dass die Brasilianer gerne grillen, wissen wir spätestens seit Campinas, aber hier unter den Gauchos, wird klar, es ist eine der Lieblingsbeschäftigungen und kommt gleich nach dem allgegenwärtigen Handy. Manch einem sieht man es auch äußerlich an.

Einer der Gauchos hat dann auch gleich einen Tipp, wo wir zu Mittag ein ordentliches „Rodizio de Carne“ bekommen. Dies ist nicht nur ein ganz normaler Grillteller. Nein, der „Churrasquero“ kommt immer wieder mit unterschiedlichen, über offenem Feuer gegarten Fleischsorten an den Tisch. Man zeigt auf das Stück, welches man haben möchte, und der Churrasquero schneidet das Teil sodann gekonnt vom Spieß.

In dieser Churrascaria waren es ca. 10 Sorten, von Innereien und Chouriço bis hin zum zartesten Filet, das ihr euch vorstellen könnt. Der Churrasquero kommt erst dann nicht mehr auf seiner Runde bei dem Gast vorbei, wenn dieser eindeutig bekundet hat, dass er nichts mehr möchte/wenn wirklich nichts mehr geht. Eine reiche Auswahl an Beilagen gibt es am Buffet, üppig und gekonnt verziert.

Und das Ganze für lumpige 8 € pro hungrigen Magen !!!

2011-10-24
Über Nacht gab es ein lang anhaltendes Gewitter mit ergiebigen Niederschlägen. Der Parkplatz des einsamen Posto mitten in der Pampa gleicht einer Seenlandschaft. Der Regen trommelt immer noch auf das Dach. Dunkel schwere Wolken treiben übers Land. Der Horizont ertrinkt in Dunst und Nebelschaden. Triefend nass steht das Vieh lethargisch in den versumpften Wiesen. Ab und zu mal ein Gehöft, immer mit „Santa …“ vorn im Namenszug, dann mal ein Posto und nur alle zig Kilometer mal eine kleine Ortschaft. Keine Gegend, die den auf Sensationen getrimmten Touristen anzieht, aber mit eigenem Reiz, wenn man sich darauf einlassen kann.

2011-10-25
Nach unserem Minimaleinkauf in Uruguania sind wir gestern noch nach Süden, Richtung Uruguay gefahren. Aber auch hier in Barra do Quarai, dem nun wirklich trostlosen Grenzstädtchen,

nichts als nur Regen. An meinen Therapiesessel gefesselt, erregen nicht nur die brasilianischen Schönheiten meine Aufmerksamkeit, nein, auch andere „Grazien“ lohnen durchaus ein zweimaliges Hinsehen.

Wir machen unser „carro“ grenzfähig, frisches Obst und Gemüse wird verarbeitet oder versteckt. Bei Santa Rita gibt es noch 2 süße Stückchen.

Die letzten Reais werden noch bei einem Dealer in einer Seitenstraße umgetauscht. So gerüstet steuern wir die Grenze an. Auf brasilianischer Seite geht dann auch alles völlig problemlos und mit viel Ruhe. Nach einer viertel Stunde können wir den Grenzfluss Rio Uruguay passieren.

Am anderen Ufer angekommen, erwartet uns eine Schar von Grenzern. Man ist sich nicht so ganz einig, ob wir und wo wir denn erst einmal parken sollen. Schließlich bedeutet man Rita mit den Papieren ins Kontrollhäuschen zu kommen. Ich erhalte Besuch von einer Grenzerin und einem Grenzer: Lebensmittelkontrolle! Dieser Kontrolle fallen zwei etwas angegammelte und sowieso geschmacklose Tomaten und eine kleine Leberwurst, Marke „geschmacksneutraler, fettiger Brotaufstrich“, zum Opfer. Sie waren als Bauernopfer eingeplant. Die leckeren Sachen entdecken sie nicht. 🙂
Derweil ist im Grenzhäuschen die Personenkontrolle schnell erledigt. Der Grenzer füllt die Formulare gleich selbst aus, Stempel in die Pässe und fertig. Nun aber noch die Papiere für die vorübergehende Einfuhr eines Fahrzeuges. Fein säuberlich malt ein weiterer Grenzer die Buchstaben und Ziffern in ein Formular, nicht ohne bei jeder Abfrage sich noch einmal bei Rita oder draußen am Auto zu vergewissern, ob die Daten in den Fahrzeugpapieren auch zutreffend sind.
Zeit genug für Rita, sich in dieser Amtsstube in Ruhe umzuschauen: Gemütliche Wohnstube eines Farmers, Essensdüfte eines leckeren Bratens durchziehen den Raum, auf dem Tresen für die Übergabe der Papiere liegt ein Fleischbrett nebst Fleischermesser und -gabel. Der Comandante, erkennbar an der schnieken Uniform und seinen Englischkenntnissen, kommt hin und wieder aus seiner Stube, greift sich das Fleischbesteck und verschwindet in einer weiteren Stube, aus der die leckeren Düfte kommen. Ist es nicht toll, hier kocht der Chef selber!
Irgendwann hat der Fahrzeug-Grenzer mit Hilfe des Comandante sein Werk vollendet und schreitet stolz zur Übergabe. Rita erhält die Papiere und eigentlich könnten wir jetzt fahren. Doch da ist auch noch die zwingend erforderliche Desinfektionsanlage, ähnlich einer Mini-Autowaschanlage, zu passieren mit Vor- und Hauptwäsche und anschließendem Weichspülgang. Ich frage mich nur, warum in der Zeit, in der ich auf Rita warte, ca. 30 Fahrzeuge, Pkws, Lkws, Motorräder, Busse, Taxis und Landmaschinen die Grenze passieren, ohne dass eine Desinfektion für nötig befunden wurde. Sind wir als Gringos besonders gefährliche Träger irgendwelcher Seuchen o. ä.?
Und dann sind wir in Uruguay eingereist, ein Land, über das wir wirklich nicht viel wissen. Es ist das drittkleinste Land in Südamerika, so groß wie ein kleiner Bundesstaat in Brasilien. Es war zweimal Fußballweltmeister und hat auch in der Qualifikation für 2014 gegen Bolivien gewonnen. Montevideo ist die Hauptstadt, knapp 50 % der Einwohner leben hier, der Rest des Landes ist ausgesprochen dünn besiedelt. Einige Thermalbäder sind die touristischen Highlights des Landes.
Strömender Regen begrüßt uns in diesem Land. Orte und Felder versinken in Wasser und Schlamm.

Bei solch einem Wetter erreichen wir die Termas de Arapey, und wenn wir schon keine Sonne haben freuen wir uns wenigstens auf warmes Wasser in den Thermalbecken. Zuvor gibt es aber erst einmal ein „Warmgetränk“.

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5 Antworten zu Rua Pampa do Gaucho

  1. Kanalratte sagt:

    Na,da habe ich ja gerade rechtzeitig reingeschaut.
    Im ersten Moment habe ich gedacht,ich sehe Bilder von Husum oder Heide Holstein. Irgendwie habt ihr im Moment wohl nicht gerade Copacabana-Wetter. Wieso ist das so kalt, müssste doch Frühling sein?Wie auch immer. ich sehe euch vor meinem geistigen Auge da unten rumkrosen und bin dann doch etwas wehmütig,dass ich hier noch so weiterwurschteln muß. Aber ich bin ja auch noch 4 Jahre jünger und habe mir das wohl noch nicht verdient. Dass Lothar weiterhin hartnäckig so miese Rückenprobleme hat, tut mir aufrichtig leid. Andererseits habt ihr ja auch eine gigantische Strecke bewältigt, die nicht so ganz stoßdämpferfreundlich war.Wie auch immer. Euer Blog ist ein echtes Highlight und Gerd Hoppe möchte sich von Marc eine illegale Raubkopie des gesamten Blogs anfertigen lassen. (Achtet auf die Urhebererechte!)
    Nun zeichnet sich auch langsam eure Rückkehr ab.Wenn das mit dem 10.12. wirklich klappen sollte, wird euch die gesamte Chaoscrew am Kai begrüßen wird.Ich habe nämlich zum Nikolaustreffen in Hannover (am 9.12. )eingeladen als Vertretung für die erneut hochschwangere Sandra. Das wäre natürlich der ultimative Gag, dann am Samstag nach Hamburg zu gurken, einen auf dem Weihnachtsmarkt zu saufen und euch wieder feuchtfröhlich in die Arme zu schließen.(Wenn denn Berlusconi Ferries mal pünklich ankämen)Wenn rechtzeitig Infos kämen, könnte man das Ganze notfallmäßig um 1 Woche schieben. Also reizvoll wäre das.
    Wir arbeiten dran
    Ganz liebe Grüße

    Eure Kanalratte

    • Gerhild & Harald sagt:

      Liebe Kanalratte, wir haben dich schon vermisst ;-).
      Also mit dem „Saufen“, das würde ja (nahtlos) an euer Nikolaustreffen anschließen können, aber für ein „in die Arme schließen“, da wäre momentan Sonntag, der 18.12. angesagt. (Siehe Kommentar von Mafratours – Hamburg oder Antwerpen). Grüße und nachträglich auch noch Glückwünsche zur „Großelternschaft“. Gerhild und Harald

      • Mafratours sagt:

        Der 18.12. ist der früheste Termin, wenn das Wetter und sonstige Risikofaktoren während der Überfahrt ideal sind! Das ist bei allen Reedereien so, nicht nur bei Grimaldi! Erfahrungsgemäß sollte man doch unter Berücksichtigung der Jahreszeit mit einigen Tagen Verspätung rechnen müssen. Der genaue Ankunftstermin ist ab dem 15.12.11 unter 040-78970710 zu erfragen. Am Kai abholen geht nicht, denn das Gelände ist für Besucher gesperrt. Das ist nur diesseitig des Zolls möglich. Die genaue Adresse mit Routenplaner ist unter > http://www.mafratours.eu/kontrolle-des-abfahrtsdatums-und-hafenadressen/ < ersichtlich.

  2. Mafratours sagt:

    Unter folgendem Link ist eine Grafik mit
    den einzelnen Anlaufhäfen der Rückreise
    zu sehen: http://up.picr.de/8758636tpn.jpg

  3. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Oldies,

    … bald ist es nun wirklich soweit! Wir haben aus gegebenem Anlass den „Marinetraffic“-Link ausprobiert und waren erfolgreich! Die Grande Africa liegt seit kurzer Zeit im Hafen von Montevideo und bis nach Buenos Aires ist das ja nun nur noch ein Katzensprung 😉

    Wir hoffen, dass alles rund um das „Boarding“ problemlos klappt, wünschen Euch eine gute Überfahrt und natürlich „Mast- und Schotbruch“! Liebe Grüße von Gerhild und Harald

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