Südbrasiliens Küsten

2011-10-19
Gestern sind wir wegen des vielen Regens aus Blumenau geflüchtet. Warmer weicher Sandstrand war unser Ziel. Doch was kriegen wir hier im Balneario Camboriú geboten,

trübes Oktoberwetter, nassen kalten Sand und Hochhäuser wie an der Copacabana in Rio de Janeiro. Für die Nacht war es egal, aber für einen längeren Aufenthalt nicht wirklich schön. Nachdem wir die Piraten-Ausflugsschiffe noch fotografisch festgehalten haben,

geht’s dann auch gleich weiter, die Küstenstraße entlang.

Endlose Sandstrände, einsame Badebuchten

tun sich immer wieder auf, aber von Sonne und Wärme keine Spur. In einem kleinen Ort führt eine Stichstraße bis unmittelbar an den Strand, ein schönes Plätzchen um Mittagessen zu kochen. Bei dem Usselswetter ist eine Hühnersuppe mit Gemüse genau das Richtige, zum großen Leidwesen des Wirtes im gegenüberliegenden Strandrestaurant. Immer wieder schleicht er mit seiner Speisekarte an unserem Auto vorbei. Aber wir lassen uns auch nicht durch seinen traurigen Dackelblick erweichen. Kurz bevor wir uns wieder auf die Räder schwingen wollen, begrüßt uns noch ein Reporter. Er suchte wohl noch nach Material für einen Artikel. Natürlich stellt er die üblichen Fragen, die wir mit den üblichen Antworten quittieren. Zum Schluss möchte er noch ein Foto machen und zieht von dannen. Die Küstenstraße endet nach wenigen km, sodass wir wieder auf die Autopista BR 101 zurück müssen.
Florianapolis ist mit seinen umliegenden Orten und Städten zu einer großen Wirtschaftsregion zusammengewachsen, also wieder eine jener Megastädte, die wir wie gewohnt links liegen lassen. Aber bald dahinter begeben wir uns wieder an die Küste. Mehre km einsamer Sandstrand mit Dünen zur Strandstraße sowohl nach Norden als auch nach Süden finden wir in Praia de Sonho,

geeignet um lange Strandwanderungen zu machen. Aber nach 50 m ist für Lothar der Spaß vorbei, der Therapiesessel ruft. Ein kleiner Parkplatz mit Picknickplatz

lädt für die Übernachtung ein. Der gegenüberliegende Campingplatz hat noch geschlossen. Man hört die Brandung des Atlantico und sieht die portugiesische Festung auf der vorgelagerten Insel von Florianapolis.

2011-10-20
Weiter geht es eine abenteuerliche aber wunderschöne Erd-, Lehm-, Geröllpiste entlang der Costanera. Enge und steile Kurven erfordern immer wieder zurückschalten in den 1. Gang. Riesige Sanddünen erfreuen hier die Sandsurfer. Bei einem Fotostopp werden uns sogleich ein paar Bretter zum Testen angeboten.

Wir lehnen jedoch ab, warum wohl? 🙂 Schließlich erreichen wir Garopaba, der Beginn der Walküste von Santa Catarina. Aber Wale sind hier nicht zu sehen, lediglich ein paar Surfer, die wohl ihre Mittagspause nutzen, ihrem Sport nach zu gehen.
Also geht es weiter entlang der Küste nach Imbituba, ein beschauliches, sauber-adrettes Städtchen. Hier finden wir ein „Lan-House“ für unseren Blogeintrag, eine „Farmácia“ für Lothars „Entspannungsspritze“ und einen Supermarkt für’s leibliche Wohl. Nur Camarãos finden wir nicht. Auch einen Campingplatz gibt es in diesem Städtchen nicht. Also fahren wir wieder zur Praia da Vila. Dort hatten wir bei der Ankunft in dieser Stadt einen guten Übernachtungsplatz entdeckt.

2011-10-21
Frühstücksfernsehen: um 7:00 Uhr sind die ersten besessenen Kiter schon mit ihren Brettern draußen auf und in den Wellen. Die Brandung ist hier schon recht ordentlich, das richtige für diese Wellenreiter.

Offensichtlich mögen die Wale, die in dieser Bucht um diese Jahreszeit ihre Jungen aufziehen, diese Brandung so gar nicht. Es ist nicht ein winziges Stückchen Rücken- oder Schwanzflosse zu entdecken. Aber es muss sie geben, denn zur Walbeobachtung sind eigens Plattformen mit Sitzmöglichkeiten installiert.

Aber mal ehrlich, würden wir mit unseren Babys in solch tosende Fluten gehen? Nein, und auch ohne Babys lädt das Wetter nicht zum Baden in den Wellen, zum Ahlen am Strand ein. Es ist lausig kalt, ein scharfer Wind weht uns um die Ohren, der Sand ist nass und kalt, die Sonne nur hin und wieder zu sehen. Wir fahren weiter, auf der Suche nach besserem Wetter, Sonne, warmem und weichem Sand und Camarãos.

2011-10-22
Auch weiter südlich wird das Wetter keinen Deut besser, vorbei an bunt angestrichenen Häusern,

über Straßen „vom Winde verweht“,

durch Fischerdörfer.

wunderschöne einsame Badestrände, aber viel zu kalt, um sie genießen zu können.

Strandwanderungen sind aus bekannten Gründen auch nicht angesagt. Die Küste von Rio Grande do Sul verspricht keine Highlights, die man unbedingt gesehen haben muss. Warum nicht noch mal die geplante Route verlassen? Was spricht dagegen, uns auf zu machen und gen Termas de Arapey im Nordwesten von Uruguay zu fahren. Dort soll es warme Bäder geben, einen Campingplatz zum Wohlfühlen.
Unsere Informationen über Uruguay sind mager, sehr mager. Es gibt keinen brauchbaren Reiseführer, die Infos im www sind sehr dürftig. Also, was soll’s, fahren wir doch erst einmal zu den Termas. Fahren wir doch erst einmal schlappe 1000 km, um ein bisschen warmes Wasser und vielleicht auch einen Hauch von Sonne zu finden. Die Camarãos haben wir inzwischen sowieso schon abgeschrieben 🙁 , aber das werden wir zuhause nachholen!!!
Also weg von der Küste, wieder quer durch Brasilien, entlang an endlosen Feldern, Weiden und Reisfelder so weit das Auge reicht.

Übernachtet wird natürlich wieder an irgendwelchen Postos, also fühlen wir uns wieder für einige 100 km und einige Tage unter Trucker „zuhause“.

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4 Antworten zu Südbrasiliens Küsten

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    man sieht es beim Aufsuchen der Orte im Atlas – der Weg führt langsam aber stetig zurück an den Ausgangspunkt eurer Reise, nach Argentinien, nach Buenos Aires. Hier kann noch ein kleiner Umweg gemacht werden und da eine kleine Änderung der Reiseroute. Es klingt lohnenswert (auch für den Rücken), das älteste Thermalbad von Uruguay aufzusuchen, wo laut Wikipedia 400.000 Liter/h von bis zu 42 °Celsius warmen Wassers den 750 bis 1300 m tiefen unterirdischen Wasserspeichern des Acuifero Guarani entweichen – und die Hinweise des AA für Uruguay sind auch relativ moderat, wenn man nicht gerade nach Montevideo fährt, aber das liegt ja an der kühlen 😉 Küste und ihr könnt es so ganz gut umfahren.
    Harald und ich haben in den letzten Wochen schon öfter überlegt, wie es euch wohl am Ende dieses langen Weges – rechtsdrehend um einen großen Teil des südamerikanischen Kontinents herum – gehen mag. Wenn die Reise zu Ende geht, die so lange und intensiv von euch vorbereitet wurde und die Euch so viele Eindrücke und Begegnungen gebracht hat und bei der ihr ein Leben geführt habt, dass so sehr von unser aller Alltag verschieden ist. Wir beide sind da durchaus unterschiedlicher Meinung und wir sind neugierig, was ihr empfindet.
    Aber ob ihr nun froh oder wehmütig oder beides seid, wenn der Alltag irgendwann wieder einkehrt, kommt mit der Erinnerung auch die Einsicht Friedrich Schillers:
    „Der eigentliche und ungeschmälerte Genuss einer Reise beginnt erst in dem Augenblick, in dem wir uns ihrer als etwas Vergangenem erinnern“.
    Zugegeben, zu seiner Zeit war das Reisen sicher um einiges beschwerlicher als heute und das erklärt wohl zum Teil seine Aussage. Wir meinen aber, wie so vieles von ihm, passt auch dieses Zitat hier ganz gut, denn die Unbequemlichkeiten und Beschwerlichkeiten, die Sorgen und auch Ängste werdet ihr irgendwann zurückdrängen können und die vielen Einsichten, die besonderen Erlebnisse und Berührungen, die ihr beide gemeinsam in einem anderen Teil unserer Welt erfahren durftet, bleiben euch dann als der eigentliche „Genuss“, um dessentwillen ihr gereist seid.
    Wir wünschen Euch einen guten Weg zum Hafen von Buenos Aires! Liebe Grüße, Gerhild und Harald
    PS: Ihr merkt, wir sind ein wenig wehmütig, Novemberstimmung eben. Wir reisen selbst gern, sind ja auch virtuell immer ein bisschen mit euch gereist und werden das auch später mit eurem Frachtschiff tun, auch wenn ich (Gerhild) schrecklich schnell seekrank bin 😉

    • Kanalratte sagt:

      Welch ein Genuß an Poesi und Prosa!
      Wollt ihr eine Littera-tour machen? Habe irgendwie noch nicht so richtig gecheckt ,dass ihr auch auf Tour gehen wollt? Da müssen wir bei einem Glühwein aber nochmal darüber schnacken!

      Liebe Grüße
      eure Kanalratte
      (alias.:Channel Rat, alias.:rattus rattus canalis non domesticus )

  2. Lothar sagt:

    „Habe irgendwie noch nicht so richtig gecheckt ,dass ihr auch auf Tour gehen wollt?“ Das verstehe ich so nicht auf Anhieb. Bitte erkläre dich! Lothar

  3. Kanalratte sagt:

    hi!

    Habe wohlmal wieder was verbaselt. sollte eine Antwort auf Harald und Gerhilds kommentar sein. ich dachte die würden das als Kommentarantwort kriegen..

    Gehts dir wieder besser? Habe meinen Dachgeschossausbau beendet . Nächste Woche Teppiche verlegen und dann jöööö.
    Sieht gut aus, und endlich haben wir es oben warm, dank Dachisolierung. Waraber ein langer Weg.

    sonnig-kalte grüße aus Hannover
    eure Kanalratte

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