Bahias Küsten

2011-08-22
Wir können abends noch mit der Fähre auf die Insel Itaparica übersetzen. Die 4 Stunden Wartezeit müssen wir leider in Kauf nehmen, aber langes Warten ist in Südamerika nichts Ungewöhnliches. In dem kleinen Örtchen Vera Cruz finden wir in stockdunkler Nacht dann auch noch einen Standplatz am Stadtstrand Mar Grande.

2011-08-23
Rita holt sich ihren vormittäglichen Frust im Internetstübchen: laut, heiß, totale Enge, weil ganze Familien sich zum skypen ausbreiten und herumrempeln, Bildschirm verzerrt und nichts lesbar, Mails schreiben und Artikel in unseren Blog einsetzen nicht möglich, sie gibt entnervt auf.
Wir suchen und finden den in der Literatur angegebenen Campingplatz. Das Teil ist verlassen und aufgegeben. Also auch nix.
Wir beschließen, uns in einem Restaurant mit einem Scampi-Essen wieder aufzurichten und bestellen 2 x Camaroes.

Auf dem Bild lacht sie noch, aber leider ging auch das gründlich in die Hose. Scampis auf kreolische Art mit Bohnen, Mais und geröstetem Maniokmehl und zu allem Überfluss alles auch noch mit Koriander durch und durch gewürzt: einfach nur zum Gruseln. Es war superteuer, aber wir müssen es leider stehen lassen.

2011-08-24
Eigentlich wollten wir ja nur eine kurze Mittagspause am Hafen machen, Fleisch braten zu Kartoffeln und Möhren. Mitten drin gibt unser Gasherd seinen Geist auf. Was ist los? Der Unterflurtank zeigt 60 %, aber kein Gas kommt. Ich gehe mal wieder mit der Reserveflasche ans Netz, um wenigstens unser Mittagessen zu retten. Alles andere später.
Rita versucht mal wieder einen Adapter zur Befüllung der Reserveflasche zu organisieren, auf bewährte Art mit vorbereitetem Zettel auf portugisisch. Währenddessen probiere ich noch mal heimlich, Gas vom Tank zu bekommen, und siehe da, es funktioniert. Wenn’s morgen früh noch funktioniert, sind wir erst mal wieder über’n Berg.

2011-08-25
Das Gas funktioniert auch heute Morgen und große Freude nun auch bei Rita.
Bei Camumu verlassen wir die Costa do Dendê (Palmölküste, Palmöl ist neben Kokosmilch wichtigster Bestandteil der bahianischen Küche)

und erreichen die Costa do Cacau. Entlang der Straße weiterhin Palmen, Palmen, Palmen und Bambus, Bambus, Bambus. Und auch blühen diese eigenartigen Gewächse auf den Dächern der Häuser.
In der Hafenstadt Ilhéus soll es ein Kakao-Museum geben, das wir uns nicht entgehen lassen wollen. Aber, auch hier Fehlanzeige, das Museum ist geschlossen.
Im Schnürchenregen fahren wir weiter und hoffen auf Una, bedeutende Kakao-Produktionsstätte. So ein bisschen Phenylethylamin als Seelentröster wäre jetzt schon ganz schön, wussten doch die alten Maya in Mexiko schon vor über 2.000 Jahren den Kakao zu schätzen.
Im Secretaria de Turismo erfragen wir allerdings erst einmal die örtlichen Übernachtungsmöglichkeiten. Das einzige Acampamento in der Umgebung (9 km) hat geschlossen, aber der freundliche Info-Mann ist sehr hilfsbereit und ruft dort an, berichtet, dass zwei Deutsche hier stehen und dringend Unterkunft und Duschen brauchen (riechen wir etwa schon wieder etwas streng?). Und siehe da, das „Maanahim“

wird für uns geöffnet. Kurze Zeit später winkt uns Walter durch sein großes Tor, und wir werden herzlich empfangen, „aleluia“. Seine Frau Vasti führt uns über den ausgedehnten Grundbesitz und erklärt uns Einrichtungen, Tiere und Pflanzen. Sie gibt sich richtig Mühe und so verstehen wir auch einen Teil.
Irgendwie haben wir das Gefühl, wieder einmal adoptiert zu werden. Jedenfalls werden wir zum Abendessen eingeladen, an dem auch Edilson und seine Tochter Jalusa teilnehmen. Edi kann Englisch und hilft uns enorm bei den Verständigungsproblemen.

Dabei erfahren wir auch, dass hier alle sehr in der reformierten Kirche engagiert sind. Eine große, offene Halle auf dem Grundstück wird auch für Gottesdienste genutzt.
Dann endlich – whow – eine warme Dusche, runterkommen bei einem Absacker und ab in die Kojen.

2011-08-26
Wir haben unlimitiert Wasser zur Verfügung und 2 Waschmaschinen, leichte Brise und die Sonne lacht. Das bedeutet: es ist Wäschetag. Große Wäsche auf bahianisch bedeutet: 3 min waschen, 45 min weichspülen und dann auf den Stacheldraht damit – kein Kommentar.

Derweil mache ich mit Edilson und Jalusa noch mal einen Rundgang über das gesamte Gelände und lerne Tiere und Pflanzen ein zweites Mal kennen: u.a. Schildkröten, Papageien,


Mango- und Kakaobäume. Zwei Kakaofrüchte bekommen wir geschenkt.

Bilder

Dann werden wir zum Almoço (span: Almuerzo) eingeladen. Natürlich gibt es auch gekochte Mandioca und Farofa (geröstetes Farinha = Maniokmehl), was uns nicht so wirklich zusagt. Dafür sind wir immer noch nicht lange genug hier. Lecker aber als Erfrischungsgetränk: eiskaltes Água de Côco von den jungen Nüssen, die hier überall von den Palmen fallen. Übrigens, nach dem Austrinken des Água kann man die Nuss mit der Machete aufschlagen und die schon an der Schale abgesetzte Substanz auslöffeln. Je nach Reifegrad der Nuss ist sie unterschiedlich fest und dick.

2011-08-27
Heute werden die Kakao-Früchte geschlachtet, d.h. in der Mitte aufgeschlagen. Zum Vorschein kommen -zig Kakao-Bohnen, eingebettet in ein weißes Gewebe. Das kann man ablutschen; man hat nicht viel zwischen den Zähnen, aber es ist erfrischend süß-sauer wie „Nimm Zwei“. Rita verzichtet, ihr ist die ganze Sache zu schlickig.

Masa, Edilsons Frau, ist mit Sohn Hugo dazu gekommen und kreiert Kuchen aus Mandioca. Nach anfänglichem Zögern – er ist schließlich aus Maniokmehl – finden wir das sogar ganz lecker, wer hätte das gedacht.
Nebenbei hören wir, dass Walter und Vasti ihren Campground verkaufen wollen. Wirklich schade, wer weiß, in welche Hände dieses Paradies dann fällt und ob es überhaupt für das „fahrende Volk“ auch weiterhin zur Verfügung steht.
Kaufinteressenten wenden sich an: walterevasti@hotmail.com
Position des Grundstücks: S 15° 22,217’; W 39° 00,100’

2011-08-28
Wir reißen uns los – zwei, drei Tage an einem Ort und die Straße ruft.

Wir sind schon eine Weile unterwegs, da sehe ich aus den Augenwinkeln einen Verkaufsstand mit „Cacau“ und Schokolade. Hier kommen wir dann doch noch zum Zuge mit unseren Gelüsten. Wir kaufen aus der Eigenproduktion des kleinen Kakaobauern einmal das gesamte Sortiment, und der Opa strahlt über’s ganze Gesicht. Der Wagen rollt schon, da kommt er noch mal angelaufen, um uns noch ein paar Pralinen zu schenken.

2011-09-29
Heute fahren wir entlang der Costa do Descoberta, der Entdeckerküste. Am 22. April 1500 soll Pedro Âlvares Cabral, der Entdecker Brasiliens, hier zum ersten Mal brasilianischen Boden betreten haben. (Diese Annahme ist naturgemäß nicht unumstritten.) Skurrile Felsen und bunte Häuser am Straßenrand.

Mittags pausieren wir am Strand von Caravelas in praller Sonne. Die Schattenplätze sind mit unserem WoMo leider nicht anfahrbar. Während Rita Fleisch brät, mache ich einen kleinen Strandspaziergang vorbei an träge dahin dümpelnden Fischerbooten und finde ein paar kleine Seeungeheuer.

Unseren Nachtstandplatz finden wir mal wieder am Ende einer anfangs nicht viel versprechenden Straße hinter einem großen, offenen, weißen Tor. Offensichtlich gibt es hier über die geschlossene Pousada „Deck“ einen öffentlichen Zugang zur Flussmündung. Ein paar Leute kommen und gehen, grüßen freundlich und stören sich an unserer Anwesenheit nicht.

2011-09-30
Am Vormittag statten wir dem Hafen von Alcobaca noch einen kurzen Besuch ab

und finden doch tatsächlich einen Laden, bei dem wir ein Kilo große, frische Camarãos kaufen können, nicht gerade billig, aber man gönnt sich ja sonst nix :-).
Zurück auf der BR 101 entdecken wir neben einer Tanke ein schattiges Plätzchen, das uns für die Mittagspause gerade recht ist. Natürlich gibt es die gerade erstandenen Garnelen und natürlich nur gekocht mit Knobi-Majo.

Wir befürchten einen Eiweißschock und lassen immerhin 8 Stück für später.
Nach immerhin 380 km sind wir abends wieder an einer Tanke, diesmal bei „Rodo Rede“ zur Nachtruhe eingeladen. Sehr schönes, großes, sauberes Privat-Banhero für 3 R$.
Morgen werden wir bei Vitória die Küste zunächst verlassen, um in der Umgebung von Belo Horizonte dem Goldrausch Ende des 17. Jahrhunderts nachzugehen.

 

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1 Antwort zu Bahias Küsten

  1. Jan sagt:

    Hey, ich bin mal so frech und schreibe mal was auf deiner Seite. Sieht schick aus! Ich bin auch seit einige Zeit mit WordPress beschaeftigt verstehe aber noch nicht alle Funktionen. Dein Blog ist mir da immer eine willkommene Anregung. Weitermachen!

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