El Chaco

2011-07-29
Nachdem wir lecker zu Mittag gegessen haben, wollen wir doch noch ein Stück der über 700 km langen Strecke durch den Chaco fahren, in Tartagal, einem Provinzstädtchen, einkaufen und tanken. Aber ich glaub ich bin in Bolivien: „No hay diesel“. Auch das Sortiment und die Frische im Supermarkt ist alles andere als argentinisch! Aber es gibt Milka-Schokolade! Die erste seit über einem halben Jahr, schweineteuer aber lecker!

2011-07-30
Unser Übernachtungsplatz an einer stillgelegten Fabrikanlage mit Security lädt nicht zum längeren Verweilen ein. Also machen wir uns frühzeitig auf den Weg, auf den Weg durch den Chaco. Der Chaco (guarani: Große Ebene für die Jagd) im Grenzgebiet Bolivien, Paraguay, Argentinien, war zunächst eine riesige Senke von 1000 x 1000 km, die durch Auffaltungen der Anden entstand. Nach und nach füllte sie sich mit Sedimenten und ist heute eine Tiefebene mit sehr unterschiedlichen Vegetationszonen. Im trockenen Chaco, durch den wir auf bolivianischer Seite gefahren sind, gibt es immer noch ausgedehnte, undurchdringliche Buschwälder mit Dornengestrüpp und baumhohen Kandelaberkakteen.

Dementsprechend artenreich ist auch die Fauna. Den Übergangsbereich zum feuchten Chaco bildet der Zentralchaco, in dem ausgedehnte Weiden Viehwirtschaft möglich machen. Hier (vor allem in Paraguay) haben sich dann auch die deutschsprachigen Menoniten in Kolonien niedergelassen und das Land urbar gemacht. Der feuchte Chaco wird vor allem durch die beiden Flüsse Paraguay und Pilcomayo und deren Wasserstände beherrscht. Feuchtbiotope und kleine Seen bieten einer Vielzahl von Vögeln Nahrung und Brutstätten.
Entlang unserer Strecke öffnen sich immer wieder Palmsavannen, sie werden größtenteils als Weidefläche genutzt.

Überall sieht man rechts und links der Ruta Zufahrten zu den Finkas und Estancias.

Ein sehr charakteristischer Baum in den trockenen Bereichen des Chaco ist der Flaschenbaum, der in seinem verdickten Stamm Wasser speichern kann. Seine eigenwillige Form ist weithin sichtbar,

und je trockener die Gegend, desto dicker ist der Flaschenbauch. Im August beginnen die kleinen grünen Blätter zu sprießen und gleichzeitig öffnen sich die Fruchtkapseln, aus denen baumwollähnliche Samenbällchen fallen.
Neben Weidevieh sehen wir immer wieder einzelne oder auch Gruppen von wilden Schweinen, die entlang der Ruta ihren Rüssel in die Graßnarbe bohren. Es sind Nabelschweine, Pekaris.

Es ist ein trüber Tag, Wolkenverhangen, aber trocken. Eigentlich das richtige Wetter, um „Strecke zu machen“.

Es gibt auch keine Sehenswürdigkeiten, die einen längeren Stopp nahe legen. Lothar fühlt sich fitt, also fahren wir durch bis Juarez. Hier bietet der ACA Stellplätze für WoMos an einem Picknickplatz mit Grillstelle unter schattigen Bäumen kostenlos an. Warme Duschen gibt es auf Anfrage. (S 23°54,251’ / W 061°50,498’)

2011-07-31
Es ist regnerisch, es ist kalt (< 20°), die Scheibenwischer im Dauereinsatz. Rechts und links Sumpf und undurchdringliches Buschwerk. Wir sichten den ersten Jaribu und Kardinalsvögel.

In den Ortschaften versinkt alles im Schlamm und in brauner Brühe, auch auf den Asphalt- und Betonstraßen.

Aber in Pirané finden wir dann doch an einem 20 m langen Betongehweg einen Platz für die Nacht, natürlich an der Plaza, wo sonst. Das erste argentinische Steak, das wir morgens in einer Metzgerei erstanden haben, ist leider zäh wie Leder, es war tiefgefroren, und wir haben ihm zum Auftauen wohl nicht genügend Zeit gegönnt.

2011-08-01

Bei regnerischem und kaltem Wetter erreichen wir Formosa, die Hauptstadt des gleichnamigen Departments. Sie liegt am Rio Paraguay. Was liegt da für uns näher, als unsern Nachtstandplatz an der Uferpromenade mit Aussicht auf Paraguay auf der anderen Seite des Flusses zu beziehen?

2011-08-02
Nach eingehendem Studium der Reiseliteratur, des Kartenmaterials und Betrachtung unseres Reisezeitkontingentes beschließen wir, nicht über Paraguay nach Brasilien einzureisen. Den für uns interessanten Teil, den Chaco, können wir wegen der Straßenverhältnisse und des momentanen Regenwetters leider nicht erkunden, die weitere Strecke durch Paraguay erscheint uns nicht so interessant wie „Misiones“ auf argentinischer Seite. Also geht es weiter Richtung Süden, Richtung Resistencia. Im „Parque 2 Febrero“ nahe der Innenstadt gibt es einen guten Campingplatz.

2011-08-03 bis 08-04
Es ist ein schöner Park mit altem Baumbestand. In dem weitläufigen Gelände sind Skaterbahn, Schwimmbad, Freilichttheater, Picknickbänke mit Grillanlagen und vieles mehr eingerichtet. Unser Standplatz ist direkt an einem kleinen See.

Rechts neben uns leben einige Bauarbeiter einer Pfahl- und Tunnelbaufirma in ihren Wohnwagen. Sie fahren bei Dunkelheit zu ihrer Baustelle und kommen bei Dunkelheit wieder. Links lebt ein Trüppchen obdachloser junger Leute in Igluzelten. Einer der Jungs hat sich offensichtlich eine neue Behausung organisiert. Das Zelt ist größer, in der Mitte kann er fast stehen. Fein säuberlich vergrößert er die Aufstellfläche mit Lehmziegeln, die irgendwo am Rande des Parks lagern, alles wird abgefegt und das neue Heim kann errichtet werden. Offensichtlich ein äußerst reinlicher Mensch, auch innen wird gefegt, vorher aber die Schuhe ausziehen. Mit Stolz betrachtet er sein Werk. Genug für heute. Er gesellt sich zu den anderen. Unermüdlich üben sie das Jonglieren mit Bällen und Keulen. Zwischendrin wuselt ein kleines Kind, vielleicht 1 ½ Jahre alt. Genau beobachtet es, was die Großen machen und beginnt mit den ersten Übungen zum perfekten Jongleur.
Sie kommen aus unterschiedlichen Ländern: Argentinien, Uruguay, Paraguay. Sie erzählen, dass sie irgendwann weiterreisen wollen, alle zusammen, nach Bolivien, vielleicht im Sommer. Sie schauen dich mit glasigen Augen an, sie trinken viel billigen Fusel, billigen Wein, essen mal einen Schokoriegel, mal irgendeine undefinierbare Suppe. Sie sind freundlich, sie sind friedlich, keine Randale. Abends schnappen sie sich ihre Bälle, ihre Keulen, ein paar gebastelte Ketten und Armbänder und ziehen los, ziehen los in die Straßen und Kneipen von Resistencia, ihren kargen Lebensunterhalt verdienen.

Für uns steht an, endlich den Bericht bis zur argentinischen Grenze fertig zu schreiben, die Bilder zu sichten und eine Auswahl zu treffen und gegenüber bei der YPF-Tanke ins Netz zu stellen. Morgen geht’s dann weiter nach Misiones, Zentrum des „Jesuiten-Staates“, der mit der „Sociedad Jesú“ eine zu damaliger Zeit (1588 – 1767) utopistische Gesellschaftsorm verwirklichte.

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3 Antworten zu El Chaco

  1. kanalratte sagt:

    Na, da seid ihr ja wieder. Rolf hat gestern noch mit mir telefoniert, um zu fragen, ob ich was von euch gehört habe. War wohl auch etwas beunruhigt. Natürlich bewegt ihr euch im W.lan freien Raum und natürlich habt ihr Urlaub, aber wir stehen natürlich alle noch etwas unter dem Eindruck der vergangenen Krise… und dann nix mehr hören, war etwas spannend,
    Na, wie dem auch sei, schön , dass ihr jetzt wieder im unterenSauerstoffgürtel angekommen seid. Eine neue faszinierende Welt zeigt ihr uns da wieder.Die Bilder atmen aber immer noch viel Einsamkeit. Ich finde das schön, solange der Wagen keine Mucken macht. Naja, ihr habt ja immer ein Schneckenhaus dabei…aber dennoch. Ich halte euch die Daumen für eine entspannte schöne und gemütliche neue Etappe. Ich werde jetzt erst mal ein Eis essen gehen.Ich habe 7 Tage Urlaub, will aber Ritas neues „Appartement“ in der Fischerstrasse fertigmachen. Es wird eine niedliche kleine Sperrmüllwohnung. ..Was die Leute alles so wegschmeissen.. ein bisschen Auge und es passt. Da bin ich so wie du Lothar.Bisher.: Küche mit Schränken, Herd , Kühl -und Gefrierschrank etc, Bad, Alibertschrank , 2 Sofas ,Schränke, Lampen Stühle, runder Esstisch etc , etc –0 Euro, nur den Kleiderschrank und einen Fernsehschrank holen wir vom POCO. Aber es sieht nicht schlecht aus. Wir bauen jetzt auch das Dachgeschoss in Garbsen aus, damit zum Nikolaus die ganze Bagage bei uns pennen kann, und natürlich für unseren Nachwuchs. Der bekommt jetzt Ritas Zimmer, deswegen haben wir uns zu einer Zweitwohnung in Remscheid entschlossen. Irgendwie kommen wir da doch nicht richtig weg.Samstag bauen wir das Veluxfenster ein. So, Segeln gut , heute sehr schwül, 29 Grad, Gewitter liegt in der Luft, nix passiert. Bin rausgedümpelt, habe gebadet und ordentlich die Seele baumeln lassen. War schön, bei der Rückkehr wieder was von euch zu lesen.
    Bis zum nächsten Blog
    Gute Weiterreise
    Eure Kanalratte

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr 2,
    wie schön, dass wir nun doch noch ganz knapp vor unserer Tour gen Osten ein Lebenszeichen von euch bekommen haben. Wir hatten schon Walters Telefonnummer parat gelegt, um nachzufragen, ob er vielleicht was weiß, oder ob er vielleicht einen kennt, der was weiß … – ;-). Aber da seid ihr ja nun wieder und auch wenn ihr bei uns für die noch unbeschriebene Zeit vom 5. bis zum 24.8. noch genügend Neugier geweckt habt, denken wir doch, dass es euch beiden zumindest am 24. August, dem Eintragsdatum des letzten Blogs wohl ganz gut ging.

    Wir haben inzwischen das argentinische Misiones auf der Landkarte gesucht und einen Landzipfel, der sich zwischen Paraguay und Brasilien quetscht auch gefunden. Wir sind natürlich auf weitere Reiseerlebnisse gespannt, denn diese Region ist ja nicht nur wegen der Jesuitenreduktionen interessant. Mal sehen 😉 …. Klimamäßig sind wir wahrscheinlich momentan auf dem gleichen Level, denn z.Zt. ist es bei uns subtropisch schwül warm. Entsprechend anstrengend war auch das Packen des WoMo. Morgen geht es los, aber heute schicken wir euch noch einmal ganz liebe Grüße – und ein „do zobaczenia wkrótce” / das heißt „bis bald” und stammt vom Google-Übersetzer, also so ziemlich ohne Gewähr!
    Macht‘s gut! Gerhild und Harald vom Niederrhein

  3. Freddy Ninasivincha sagt:

    Hallo Rita und Lothar,
    Mein Name ist Freddy, ich bin ein Peruaner der im Juni wegen Arbeit in Sankt Augustin, Deutschland war. Dort habe ich in ALT GmbH den Informatiker Michael kennengelernt, der mir ueber die Reise seiner Schwester und ihre Mann durch Suedamerika erzahelt hat. Das hat mich sehr interessiert und habe mich gefreut, dass es Leute gibt dass sich an unseren Land interessieren. Also nun, muss ich sagen dass ich bloss Euch begruessen wollte; gleichzeitig wuensche ich Euch eine wunderschoene und problemlose Weiterreise. Shoene Gruesse aus Lima, Peru.
    Freddy

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