Zurück nach La Paz

2011-07-05
Noch ein Tag im Clubhotel!
Mir ist / uns ist bewusst, dass ich mit Entlassung aus der Clinic nicht auf einmal wieder gesund bin, sondern nach wie vor schwer krank, und sicherlich noch ein bisschen mehr als zu Beginn unserer Abenteuerreise, aber wir werden daran arbeiten, zumindest den Ausgangsstatus wieder zu erreichen. Dementsprechend hat sich unsere geplante Reiseroute drastisch geändert. Wir werden – auch unter Berücksichtigung der zeitlichen Aspekte und der unkalkulierbaren politischen Wirren – den großen Schlenker durch die nordwestlichen Staaten nicht machen können, sondern langsam die Ostseite der Anden „abrutschen“, um über Paraguay nach Brasilien einzureisen. Aber davon später.
Jetzt müssen wir erstmal noch die restlichen Furosemid-Tabletten besorgen. Die Clinic-Farmácia hatte keine mehr. Auch die Stützstrümpfe, die der Fisio angeordnet hatte, müssen noch irgendwie aufgetrieben werden. Ist gar nicht so einfach, in Lothars Größe – die Peruaner sind mal ein bisschen kleiner und die Damenausführung mit Spitzen und Rüschen gefielen Lothar nicht so wirklich gut. Aber schließlich ist uns auch dies gelungen, zwar nicht in der gewünschte Länge bis zum Oberschenkel, aber dezent in schwarz und in XL.
Abends kommt der Fisio noch einmal vorbei und verpasst Lothar eine allerletzte Lymphdrainage und Massage des Brustkorbes einschließlich Atemübungen, natürlich privado. Lothar wird ihn vermissen!

2011-07-06
Rechnung im Hotel bezahlen und dann soll’s losgehen. Rita wollte um einen Preisnachlass fragen, da wir nun doch sehr lange dort gestanden haben, aber der Jefe hat uns von sich aus einen wirklich fairen Preis gemacht! Für die Zeit des Krankenhausaufenthaltes wurden nur 13°$ (~°8°€) pro Tag berechnet. Wir ziehen schließlich los und haben uns vorgenommen, wenn möglich auf dem Weg nach La Paz als erste Etappe Aguas Calientes zu erreichen („Warme Wasser“, ein Ort, an dem heiße Quellen mit Heilkräften natürliche Badebecken speisen, und an dem wir auf der Herfahrt schon einmal übernachtet haben). Ich muss doch mehrere Pausen machen als gedacht, und als wir endlich ankommen, ist es schon dunkel und unangenehm kalt. Wir ärgern uns nicht und verschieben das warme Bad auf morgen Vormittag, schmeißen stattdessen den Gasofen an.
Es ist stockdunkle Nacht, es klopft an der Beifahrertür, zwei total vermummte Gestalten erklären, sie seien die Security, und wenn wir über Nacht hier stehen wollen, müssen wir 10 US$ bezahlen. Ganz schön teuer, ohne jegliche Versorgung. Beim letzten Mal konnten wir umsonst hier campieren! Schließlich einigen wir uns auf 10 Soles. Die Vermummten trollen sich wieder. War wohl eher ein kleines Zubrot, von Bewachung keine Spur.

2011-07-07
Die Nacht war sehr kalt, aber wir haben unseren Gasofen auf kleinster Flamme laufen lassen. Auch die Wasserversorgung ist eingefroren, aber wir haben ja noch Wasserkanister im Auto. Also frühstücken und Klamotten packen zum Badeausflug in den Anden auf 4.000 m. Dann die herbe Enttäuschung: in den überdachten Familienbädern gibt’s entweder gar kein Wasser oder es ist kochend heiß.
Ohne das heiß ersehnte entspannende Badevergnügen machen wir uns auf den Weg, über einen Pass von 4.500 m,

um das nächste Problem zu lösen. Wir brauchen mal wieder dringend Gas für unseren Herd und die Gasheizung und demnächst wohl auch für den Kühlschrank. Aber in Juliaca, da soll es eine überregionale Station von Lima-Gas geben, und wir haben die Koordinaten :-).
Tatsächlich finden wir die Station auf Anhieb weit außerhalb der eigentlichen Stadt, doch wer hätte es gedacht, auch dort sieht man keine Möglichkeit, unseren Unterflurtank zu füllen, hatte aber den guten Rat, wir sollten es doch mal in Cusco versuchen :-(. Sehr witzig, dort sah man sich weder bei Lima-Gas, noch bei Llama-Gas, noch bei Repsol-Gas in der Lage, unseren Tank zu befüllen. Auch dem Jefe des Hotels war es leider nicht gelungen, irgendeine der Gesellschaften davon zu überzeugen, unseren Gasnotstand zu beheben.
Wir beschließen, nach Puno weiter zu fahren, und den in der Reiseliteratur empfohlenen Nachtstandplatz am Hotel „Sonesta Posada del Inka“ (S 15°49,437’; W 070°00,325’) zu testen. Und siehe da, nach zwei unangenehmen Erfahrungen heute denn dann doch noch ein positives Erlebnis: freundlicher Empfang, Elektrik fürs Auto, heiße Dusche für uns (die beste, die wir seit einem halben Jahr in Südamerika hatten) und sogar Wi-Fi-Zone incl. unserem Standplatz. Das alles für 20 US$, da kann man nicht meckern.

2011-07-08
Mit Schrecken habe ich heute früh bemerkt, dass wir für den bevorstehenden Grenzübertritt schlicht und einfach viel zu viel frische Verduras an Bord haben. Also steht für mich erst einmal Kochen auf dem Programm. Lothar stellt den Klinikbericht fertig und ins Netz. Bis Copacabana in Bolivien sind es noch rund 150 km.

Kaum haben wir Puno verlassen, Polizeikontrolle. Wir werden heraus gewunken, die übliche Prozedur: Wagenpapier, Führerschein, SOAT. Nix Schlimmes. Aber der Polizist hält alles fest in seinen Händen und textet Lothar zu. Hatten wir so etwas nicht schon einmal? Natürlich stellen wir uns erst einmal dumm und verstehen nichts. Schließlich wird der Schupo deutlicher, er hätte gerne ein paar $. Ich reiche ihm 5 $ raus, er grinst, rückt die Papiere raus und wünscht uns „buen viaje!“

16:30 Uhr peruanischer Zeit erreichen wir die Grenze, hoffentlich klappt das alles noch bevor die Grenzer ihren wohlverdienten Feierabend antreten. Ratzfatz sind die Formalitäten auf peruanischer Seite erledigt und wir kommen noch rechtzeitig bei dem bolivianischen Grenzposten (Zeitverschiebung 1 Std.) an. Fahrzeugeinfuhr, Personenkontrolle, Fahrzeughalter und Fahrzeugkontrolle. Als die letzte Ziffer in irgendeine Kladde eingetragen ist, macht mir einer der Polizisten klar, nun sei doch ein kleines Dankeschön fällig, „Una botella Soda o CocaCola“! Währenddessen wedelt mir der andere mit meinen Papieren vor der Nase herum, nicht bereit, sie mir auszuhändigen. „Uno momento, por favor!“, ich laufe in den kleinen Laden nebenan, erstehe für n’en Euro eine 1 ltr. Flasche Cola und schon habe ich alle meine Papiere. Die Schranke öffnet sich, und wir können einreisen! Übrigens, kain ainen hat sich nich’ nischt nich’, nich’ dafür interessiert, was wir im Fahrzeug mit uns führen.
In Copacabana finden wir direkt an der Uferpromenade des Titicaca-Sees einen Nachtstandplatz. Einschlafen irgendwann in der Nacht bei Meeresrauschen auf 3.800 m, das hat schon was.

2011-07-09
Beim Frühstück beschließen wir, einen Halbtagesausflug zur Isla del Sol zu machen. Sicherlich ist es diese Insel wert, sich dort längere Zeit aufzuhalten. Aber alle Unternehmungen sind mit Wanderungen und steilen Berganstiegen verbunden, und dies ist z. Zt. für mich unmöglich. Aber die Füße auf die Erde dieser mystischen Insel setzen (nach der Legende der Geburtsort der hellhäutigen Schöpfergottheit Wiracocha und des ersten Inca Manco Capac und dessen Frau und Schwester Mama Ocllo), und die berühmte „Escalera del Inka“ wenigstens von unten sehen, das möchte ich denn doch schon.
Hierhin führt uns unser nachmittäglicher Ausflug mit einem der vielen Motor-Catamarane. Hin und zurück für sage und schreibe umgerechnet 1,50 € (!!!)
Nach der obligatorischen musikalischen Einstimmung

geht es zunächst entlang der westlichen Küste der Peninsula de Copacabana, dann durch eine enge Durchfahrt auf die östliche Seite, und nach 1 1/2 Stunden sind wir da.

Wir haben ca. 1 Std. Aufenthalt, um die Inkatreppe mit Hunderten von Stufen hinaufzusteigen.

Danach geht’s weiter schräg zum Hang nach oben bis zu der Fuente del Inca, einem Quellbrunnen endet. Das verkneifen wir uns lieber, sitzen in der Sonne und betrachten das rege Treiben der Touristen und der Einheimischen.

Einem kleinen Mädchen kaufe ich eine kleine Okarina ab. Für das Bild, was ich dabei mache, will sie Geld; ganz schön geschäftstüchtig. Aber das kann ja nicht ausbleiben, bei derart touristisch geprägten Ortslagen.


2011-07-10
Bis La Paz sind es noch knappe 170 Km. Da können wir uns noch einen kleinen Promenadenbummel leisten

und für Lothars geschunden Hals ein paar Schals kaufen. Wenn man schon mal am Titicaca-See ist, muss man selbstverständlich auch die berühmte Forelle, La Trucha, in einem der vielen Fischbuden probieren. Köstlich!

Nach ca. 1 Std. erreichen wir die Seeenge bei Tiquina und lassen uns von einem der vielen Flöße übersetzen.

Ohne weitere ungewöhnliche Ereignisse erreichen wir El Alto, die Oberstadt von La Paz. Dann geht es nur noch im Schritttempo weiter. Aber dieses Mal finden wir die richtige Ausfahrt zur innerstädtischen Autobahn nach La Paz auf Anhieb. La Paz begrüßt uns wieder einmal mit Straßensperren, wir werden irgendwohin umgeleitet, unser Garmin streikt. Aber so ein alter Planer findet sich dann doch mit dem Ministadtplan zurecht und schließlich stehen wir bei Ernesto vor der Tür. Der ist natürlich nicht da, ist ja Sonntag. Also parken wir für die Nacht in der Querstraße darüber.

2011-07-11 bis 07-13
80:15: Ernesto hat uns schon erwartet. Flugs bekommen wir einen Reparaturplatz zugewiesen und sogleich macht sich Jaime an die Arbeit.

Neben uns steht ein Leidensgenosse, ein VW-Bus Westfalia. Die jungen Schweizer aus Genf haben ihn vor 2 Wochen zur Reparatur gegeben und sich dann auch auf eine Tour nach Cusco und Umgebung begeben, allerdings mit dem Touribus. Nun ist ihr Auto leider noch nicht fertig, es ist mehr zu reparieren, als gedacht. Also machen sich Celin und Alexandro auf den Weg, Downtown zu erobern.
Nach 4 Monaten hatte sich bei unserem Oldie doch noch die eine oder andere Macke eingestellt. Die Liste arbeitet Jaime nun ab. Beim Punkt Licht einstellen kommen die Fachleute zum Ergebnis, hier ist es nicht mit Einstellen getan, die Lampen sind durch Steinschlag völlig verhunzt. Neue Lampen müssen her! Aber bitte nicht wieder aus Deutschland bestellen und wieder 4 Monate warten! Nein, nein, Ernesto hat noch neue für einen Käfer, die passen wunderbar, müssen nur ein bisschen umgearbeitet werden, das Standlicht muss da irgendwie noch hinein. Und darum kümmert sich der Chef persönlich.
Schließlich ist am Mittwochabend alles fertig. Ach ja, da ist nur noch die Spur einzustellen. Bei der Reifentechnik um die Ecke geht das nicht, die Toreinfahrt ist zu niedrig, das geht nur in El Alto!

2011-07-14
Nach Rechnung begleichen (sage und schreibe 300 €), Eintrag ins Gästebuch der Werkstatt geht es wieder auf den El Alto. Und ihr habt es sicher schon vermutet: die Hauptachse ist wieder einseitig gesperrt, ein riesiger Karnevalsumzug! Nach gut 1 Std. erreichen wir die Werkstatt für Reifentechnik. Man hat uns schon erwartet. Also rein in die Halle, rauf auf die Messbühne, wir in Warteposition auf einem windigen Bänkchen. 1 Stunde soll es dauern. Nach Ablauf dieser Zeit kommt der Monteur und berichtet, dass leider der benötigte Inbusschlüssel fehlt, dieser sei erst zu besorgen, weitere Wartezeit 3 Stunden.
Das ist zu viel, wir regen uns ziemlich auf und machen das auch sehr deutlich. Schließlich dürfen wir in unserem LT warten, kochen eine heiße Brühe und spielen Karten. Welch ein Wunder, nach einer weiteren Stunde ist alles fertig, wir erhalten den Einstellungsbericht und die Rechnung. Das ging dann auf einmal doch sehr fix.
So! nun müssen wir müssen wir nur noch Gas tanken und endlich runter vom Berg. Aber auch in El Alto, wo es eine Gastankstelle nach der anderen gibt, war man nicht bereit, Gas in unseren Unterflurtank zu füllen. Aber Gott sei Dank haben wir ja zwei Gassysteme, außer dem großen Unterflurtank noch eine ganz normale graue Flasche, die wir inzwischen auch schon angeschlossen haben. Und wir hoffen, dass wir diese in einer normalen Gasabfüllstation mittels unseres Adapters für Südamerika gefüllt bekommen! Vielleicht in Cochabamba, dann sind wir den halben Berg schon mal runter.

 

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4 Antworten zu Zurück nach La Paz

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo liebe Oldies,

    nun, wo das Auto (ojalá!) wieder wie ein „Döpken“ läuft, musst du lieber Lothar eben auch noch ein bisschen „gewartet“ werden! Geht nur alles schön langsam an, dann wird das schon wieder. Nach dem Einstelldatum eures letzten Reiseberichtes zu urteilen, seid ihr inzwischen ja vielleicht schon in Cochabamba angekommen und damit ein paar Meter runter und mit ein bisschen mehr Sonne im Gesicht. Jedenfalls zeigt unsere Computer-Minianwendung dort seit ein paar Tagen beständig blauen Himmel und angenehm höhere Temperaturen als z.B. in La Paz, wo das Thermometer in der Nacht ja immer mal deutlich unter 0 Grad gerutscht ist. Schön, dass ihr eure Rückreise nach La Paz mit einem Abstecher zur Isla del Sol verbinden konntet und dass wir damit auch einen kleinen Einblick in das bunte Treiben auf dieser mystischen Insel bekommen haben.
    Buen viaje! Passt gut auf euch auf und lasst euch nicht ärgern 😉 ! Gerhild und Harald

  2. Gunda1955 sagt:

    Lieber Lothar, liebe Rita,
    passt auf Euch auf – ich habe ganz „vergessen“, Euch von Arne`s Hochzeit zu erzählen. Darum kommt gesund und munter zurück nach Remscheid, damit wir darauf anstossen können. Peter und ich werden auch beim Straßenfest für Euch mittrinken! „Einem Kameraden hilft man. Einem Kollegen misstraut man. Mit einem Freunde ist man albern.“ (Peter Bamm) Wir freuen uns darauf, wieder mit Euch albern sein zu dürfen.

  3. Kanalratte sagt:

    hallo ihr 2

    schön,dass ihr wieder auf Tour seid. Ich halte euch die Daumen. Schreibe noch mal aus dem Knast.Hier gibt es einfach keinen Sommer mehr.Es ist zum Ko…….. geniesst euren Trip , ihr verpasst hier nix.
    bis bald
    Eure Kanalratte

  4. Hallo Ihr 3,
    Haben unsere Urwaldschleife beendet, nach ein paar Tagen Samaipata sind wir wieder in Cochabamba. Nach dem ganzen auf und ab werden wir wohl bei Ernesto die Bremsen machen lassen.
    Wir hoffen Ihr kommt gut und sicher voran und habt eine gute Zeit in Brasilien.
    Viele Grüße
    Steffi, Andreas und der Hund

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