Cusco und Machu Picchu

Lunes, 2011-05-09
Obwohl dieser Platz, La Quita Lala, einen so schrecklich traurigen Eindruck macht, bleiben wir schließlich doch noch einen Tag und eine weitere Nacht. Wir dürfen das Privatbad der Señora mit benutzen und Strom bekommen wir schließlich auch. Gelegenheit, eine Woche Untätigkeit an unserem Reisetagebuch aufzuholen. Da gibt es viel zu tun! Spätnachmittags füttern wir dann noch die Hühner mit unseren Gemüseabfällen.

Martes, 2011-05-10
Nun aber auf zum bewachten Parkplatz in der Innenstadt: „Playa de Estacionamiento“. Ist es nicht ein wunderschöner Name für einen Autohof! Er liegt in der Calle Saphi, 3 Blocks von der Plaza entfernt, S 13°30,816’ / W 071°58,918’. 15 Sol / 24 h, keine Versorgungsmöglichkeiten, aber sicher und ab 21:00 ruhig, weil dann das Tor abgeschlossen wird! Gleich in der Nähe gibt es auch div. Lavanderías. Auf geht es zum ersten Erkundungsgang. An der Plaza Regocijo entdecken wir nicht nur ein WiFi-Café, sondern auch eine Pizzaría mit andinischer Lifemusik.

Der Solist ist so gut, dass wir gleich mal 2 CDs kaufen. Das war ein guter Auftakt für uns in dieser Stadt. Bei unserem weiteren Rundgang besichtigen wir selbstverständlich auch die berühmteste Mauer von Cusco in der Calle Hatum Rumiyoc, eine alte Mauer aus der Zeit der Inkas.

Es ist schon faszinierend, wie passgenau diese riesigen Steine bearbeitet wurden. Die Hauptattraktion ist ein 12-eckiger Mauerstein, exakt in das Mauerwerk eingefügt.

Diese Verzahnungen haben Jahrhunderte lang den Erdbeben in dieser tektonisch aktiven Zone getrotzt.

Natürlich führt kein Weg an der Plaza de Armas vorbei, auf Quechua: „Huacaypata“, Platz der Tränen. Zur Zeit der Inkaherrschaft war dieser Platz in der Regierungshauptstadt Cusco (Quechua: Qosqo = Nabel = Zentrum des Riesenreiches Tawantinsuyo, das sich um 1500 von Mittel-Chile bis nach Kolumbien erstreckte) der eigentliche Nabel der Welt. Die mit Goldplatten und -blechen belegten und verzierten Tempel der Inkaherrscher gibt es zwar nicht mehr, aber es ist immer noch die Plaza Major. Hier trafen die 4 Hauptstraßen aus den 4 Teil-Reichen der Inkas zusammen: Antisuyu, Collasuyu, Contisuyu und Chinchaysuyu.

Schließlich buchen wir noch eine 2-tägige Tour nach Machu Picchu für Donnerstag und Freitag bei „Heidi Travel E.I.R.L.“. Heidi [ɛ´idi], die hochschwangere Chefin der Agentur, will uns auch noch behilflich sein, eine Versicherungsagentur für die SOAT zu finden. Gleich macht sie sich mit uns auf den Weg. 3 Agenturen haben wir abgeklappert. Jedoch leider völlig erfolglos. Wir werden wohl doch morgen zur „La Positiva“ gehen müssen, der Dirección der Versicherung aus Juliaca, auch wenn sie etwas weiter draußen liegen soll.

Miércules, 2011-05-11
Im gestern entdeckten WiFi-Café checken wir wieder Mails. Leider keine Nachricht über unser verloren gegangenes Päckchen! Also Bericht ins Netz stellen. Nach 2 Stunden und entsprechenden Getränken wechseln wir die Kaschem und leisten uns wieder eine warme Mahlzeit in der Pizzaria an der Plaza. Auch unser Amigo von gestern ist wieder da und macht Musik mit 2 Compañeros.

So, nun muss aber endlich das Problem der SOAT geklärt werden! Wir machen uns auf den Weg zur „La Positvia“. 17:30: es ist endlich vollbracht! Paola, die Chefin der Dirección hat uns geholfen. Nach rund 600 km in Peru sind wir endlich im Besitz der erforderlichen SOAT! Der Kommentar von Paola zur unterschriebenen, aber noch nicht bezahlten Versicherungspolice aus Juliaca: „Die braucht ihr eigentlich gar nicht, obligatorio ist einzig und allein die SOAT.“ Also für alle diejenigen, die von Bolivien aus einreisen, versucht es erst gar nicht unterwegs in irgendeiner Agentur, fahrt hübsch vorsichtig, geht gleich zu Paola, da wird euch geholfen! Leider haben wir keine Positionsangabe, da wir mit Taxi unterwegs waren, aber die Adresse: La Positiva Seguros „Cusco“, Dirección Urb., Magisterio G-4 – Cusco, Calle Alfredo Yepez, Tele: 084-224931 / 974957836. Ein Taxi von unserem bewachten Parkplatz bis dort hin kostet 4 Soles (´nen €). Ach ja, und so muss das Ding aussehen und nicht anders!

Nun aber nix wie in den „MEGA-Supermercados“ (liegt gleich vorne an der Hauptstraße „Av. de la Cultura“), mit dem Taxi zurück und Sekt auf den Tisch. Damit feiern wir auch gleich noch Lothars Pensionierung zum 1. Mai und Muttertag.

Juves, 2011-05-12
Um 08:45 treffen wir uns an der Agentur von Heidi, um über Pisaq und Ollantaytambo den touristischen Höhepunkt Perus anzusteuern: Machu Picchu. Zunächst aber geht es in einem komfortablen Großbus auf gewundenen Straßen bergauf bergab über zig Kilometer vorbei an diversen Ruinen aus der Inkazeit. Fotografieren aus dem fahrenden Bus unmöglich, das werden wir uns wohl noch mal auf eigener Achse in Ruhe zu Gemüte führen. In Pisac geht’s (natürlich) erst mal auf den Markt. Wir können es nicht lassen und kaufen einen kleinen, in gedeckten rot-baun-grün Tönen gehaltenen Teppich für unser WoMo.

Danach besichtigen wir den Ruinenkomplex über der Stadt auf einem schmalen Bergvorsprung. Nach Cusco war dies wohl eine der bedeutendsten Festungs- und Stadtanlagen der Inkas mit allem, was dazu gehört: Verteidigungsmauern mit Toren und Bastionen, Häuser, Paläste, Tempel und ein riesiger Friedhof.

Nachmittags erreichen wir die Tempelburg Ollantaytambo. Der steile Treppen-Aufstieg über künstlich angelegten Terrassen verlangt dann doch die ein oder andere Verschnaufpause, wohl kaschiert mit einem Fototermin oder den ausführlichen englischen Erläuterungen unseres Guides. Wir bekommen einen sehr lebendigen Eindruck von der Bauweise der Häuser, der Straßen und Kanalsysteme, der Mauern und der landwirtschaftlich genutzten Terrassen. An einem nicht vollendeten Tempel bestaunen wir die riesigen Blöcke des Fundaments (bis zu 50 Tonnen), die entgegen der üblichen Bauweise nicht unmittelbar aneinandergesetzt, sondern deren Zwischenräume mit passgenauen Fugensteinen ausgefüllt sind.

Zurück aus den imposanten Ruinen genießen wir das Treiben an der Plaza im Lichte der letzten Sonnenstrahlen. Um 18:30 besteigen wir den Zug nach Aguas Calientes, dem Ausgangsort für die Tour nach Machu Picchu. Dort werden wir von Willy, unserem dortigen Guide in Empfang genommen und zu Fuß bis zu unserem Hotel begleitet. Völlig geschafft sinken wir in unserem Zimmer auf die feucht-muffigen Betten. Gut, dass wir noch ein Fläschchen Bier eingekauft hatten.

Viernes, 2011-05-13
06:00: das Frühstück ist peruanisch-spartanisch: süßes Brötchen mit übler Margarine und einem Hauch süßer Marmelade, Neskaffee, Mate.

Aber wir haben ja Großes im Sinn. Als kleiner Junge habe ich das Buch „Sonnenkönige im Inkareich“ gelesen, und seitdem hat mich diese Kultur und insbesondere das mystisch-magische Machu Picchu nie losgelassen. Während in Cusco die Regierung und die Oberste Verwaltung des Riesenreiches saß, war M. P. (aufgebaut auf den Fundamenten präinkaischer Kulturen, wie man heute weiß) der Sitz der Priester und Gelehrten einschließlich der erforderlichen Gefolgschaft zur autarken Selbstversorgung und Verteidigung.

Durch die noch etwas verschlafenen Straßen und Gassen erreichen wir zu Fuß das Busterminal. Hier herrscht schon etwas mehr Betriebsamkeit. Alle 5 Minuten fährt ein Bus ab und bringt in einer halbstündigen Fahrt Touristen aus aller Herren Länder an die heiligen Stätten.
Ich habe den Eindruck, der Busfahrer empfindet es als seine Pflicht, in den zahllosen Serpentinen ja kein Schlagloch auszulassen, also auch hier fotografieren während der Fahrt durch den frühen Morgen unmöglich, obwohl auch die Anfahrt durch das Tal des Rio Urubamba schon spektakuläre Ausblicke bietet.

Natürlich sind wir in M.P. nicht die ersten, aber wir sind froh, dass wir so früh aufgebrochen sind. Der Ausblick auf einen Großteil der Gesamtanlage ist fantastisch. Nebelschwaden verdecken teilweise die Inkastadt und den dahinter aufragenden Waynapicchu, lassen einzelne Sonnenstrahlen durch. Da kann man sich gut in die vergangenen Zeiten versetzen und seinen Gedanken und seiner Fantasie freien Lauf lassen. Das empfehle ich auch dem interessierten Leser beim Betrachten der folgenden Bilder.

Zurück in Aguas Calientes strecken wir unsere müden Beine unter den Mittagstisch im Inti-House. Es gibt Alpaca-Steak – sehr, sehr lecker! Dann müssen wir natürlich auch noch zur Therme, wozu haben wir uns schließlich Badeklamotten gekauft.

Wir dösen so im angenehm warmen Wasser vor uns hin, plötzlich hängt Ritas roter Rucksack nicht mehr dort, wo sie ihn hin gehangen hat. Große Aufregung! Schließlich stellen wir fest, dass die Aufsicht ihn einkassiert hat, da das Mitnehmen von Utensilien auf Badelatschen und Handtuch beschränkt sei. Wir trinken noch einen Cappuchino und seilen uns dann ab Richtung City. Dort hangeln wir uns – schon ziemlich müde – von Parkbank zu Parkbank, von Restaurant zu Artesanías und zurück. Erkenntnis: wir hätten gut einen früheren Zug zurück buchen können als erst um 21:00. Die Rückfahrt im Zug war nix für Bandscheibengeschädigte – ich wäre gern auf ein Rodeo-Pferd umgestiegen – aber erstaunlicherweise fielen die Waggons immer wieder in die Gleise zurück.

Todmüde versuchen wir in Ollantaytambo einen Minibus zu ergattern, der uns nach Cusco zurückbringt. Das ist gar nicht so einfach, wir sind da wohl zu zart besaitet. Endlich haben wir so ein Teil erwischt und stellen uns brav an zum Einsteigen, da überrollt uns eine vierköpfige Familienwalze und belegt die „Komfortplätze“. Ein Durchsteigen für uns auf die hinteren Ränge so gut wie unmöglich. Großes Palaver, bis sich Oma bereit erklärt, noch mal auszusteigen, um den Weg nach hinten frei zu machen. Noch mal großes Palaver, weil Rita zu dick sei und die doppelt so dicke Tochter nicht neben ihrem Vater Platz nehmen will, der überflüssigerweise auch noch sein Gepäck neben sich auf der Sitzbank gestapelt hat. Nach ausführlicher Diskussion darf die Tochter neben dem Fahrer Platz nehmen und es geht endlich los. Gerumpel und Gepumpel über 2 Stunden, dann sind wir endlich wieder in Cusco. Wir werden an der Plaza abgesetzt, obwohl wir laut Vertrag bis zu unserer Playa del Estacionamiente hätten gebracht werden sollen. Es ist ja nicht weit, aber wir nehmen ein Taxi, weil wir hundemüde sind. Immerhin können wir unsere Reisebegleiterin noch überreden, bei unserem Parkplatzbesitzer anzurufen, damit der uns das Tor öffnet. Die unverschämte Forderung des Taxifahrers von 5 Soles für 1 km begleichen wir unter lautstarkem Protest, aber entschieden mit 2 Soles. Dann stehen wir vor dem Tor – nichts rührt sich – dann, endlich, unser Parkplatzbesitzer, Pudelmütze tief ins Gesicht gezogen, dicker Schal über beide Ohren – die Schlüssel drehen sich in diversen Schlössern – wir sind drin.

Obwohl körperlich total erschlagen, wirbeln die Gedanken noch regelrecht umeinander und wir entschließen uns zu einem Absacker, um das Erlebte der letzten Stunden und Tage ein bisschen zu sortieren.

Unser Tipp nach den Erfahrungen, die wir gemacht haben (und teilweise im Vorgriff auf die, die wir in den nächsten Tagen noch machen): macht zuerst eine Rundreise durch Cusco und Umgebung auf eigener Achse. Dazu kauft man sinnvollerweise das „Boleto Turístico Del Cusco“ (130 Soles), mit dem man die wesentlichsten Sehenswürdigkeiten in und um Cusco herum abgedeckt hat. Wenn man nicht hetzen will, sollte man dafür 4 – 5 Tage einkalkulieren. Als krönenden Abschluss sollte man dann eine 2-Tages-Tour nach Machu Picchu unternehmen. Auf jeden Fall direkt nachmittags nach Aguas Calientes fahren, damit man noch was von der Landschaft hat und sich am späten Nachmittag noch ein Bad in den oberhalb der Stadt gelegenen Thermen gönnen kann. Am nächsten Tag so früh wie möglich mit dem Bus ca. ½ Stunde nach Machu Pichu, 2 ½ stündige Führung, ein bisschen Verweilen, mittags zurück nach Aguas Calientes zum almuerzo, evtl. noch mal ein Bad in den Thermen, und dann nachmittags zurück mit dem Zug nach Ollantaytambo und Umsteigen in den Minibus nach Cusco.

 

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2 Antworten zu Cusco und Machu Picchu

  1. Kanalratte sagt:

    hi folks!
    voll spannend diesmal! und wirklich gelungene Bilder, bei denen man wirklich schonmal die Seele baumeln lassen kann. Habe ich doch erst vor 2 Wochen eine Reportage über MP gesehen,allerdings auch mit bedenklichen Kommentaren zur schleichenden Zerstörung dieses Kulturerbes durch den Hypertourismus. Ähnlich wie Pompei. dennoch nachvollziehbar, dass man es selbst einmal sehen will.(man steht ja auch nicht im Stau, man ist der Stau)
    Ich hoffe, die Strapatzen fordern nicht zuviel Tribut. Kurze News von hier. Heute hat es zum ersten Mal seit 6 Wochen geregnet. Das Wochenende war grandios und wir hatten Sandra , Michi, Peter, Sabine, Hannelore und Rolf zu Gast. Haben 3 Tage gefeiert und gesoffen . Mein Keller ist leer und ich hatte schon reichlich gebunkert.Bis 2.oo war es T-Shirtwarm und wir haben es genossen.Wir haben einen Nachttörn auf unserer Badewanne gedreht, am Sonntag war dann nur wenig Wind un es war sehr schwül. Hanne hat ihre Bemühungen, abzunehmen, mit 3 Eiskaffeund 2 Erdbeertortenstücken megamäßig korrumpiert , wo ich dann bei einer Tasse Spargelsuppe dann doch etwas gestaunt habe.Insgesamt haben wir viel Spass gehabt und viel gelacht. Natürlich haben wir auch versucht, euch zu erreichen, waren aber irgendwie doch zu abgedreht. Deshalb hiermit ein Nach(t)gruß.
    Wir haben viel an euch gedacht. Eigentlich hätten euch die Skype-Ohren klingeln müssen.Ich freue mich für euch über eure tollen Eindrücke. Aber hier werden bereits Wetten abgeschlossen, wieviel Zeit ihr noch dranhängt. Ist doch eigentlich auch Mumpe, wann ihr wieder abdüst.Ihr habt doch keine drückenden Verpflichtungen und das Leben geht da unten ja auch weiter.Irgendwie faszinierend.
    Freue mich auf den nächsten Blog. Bleibt gesund.

    Liebe Grüße
    Channel-Rat

  2. Barbara Wetzel sagt:

    Hallo Ihr 2!
    ich hoffe, ich habe korrekt verstanden, wie man Euch schreibt und Ihr könnt „mich lesen“. Lo siento mucho que no he escrito hasta ahora!!! Anja hat eine Info. geschrieben, wie es geht. Die Seite ist einfach wunderbar, in der Aufmachung durch euren Sohn, wie die Befüllung durch euch. Da packt mich wieder die Sehnsucht, selber nochmal ins Ausland zu gehen. Ist doch schon zu zu lange her für meine Seele, dass ich so was gemacht habe. Ich hoffe, dass ich noch einen passenden Mann finde, der zu solcher Tour mit mir bereit ist. Herzliche Glückwunsch an Euch, dass Ihr zusammen finden durftet vor Jahren! Macht weiterhin so umfangreiche Erfahrungen, schöne Bilder und dass der Schutzengel Euch nie verlassen möge!!!
    Kurz zu Wuppertal: es geht ein Gewitter auf uns hernieder und Wuppertal freut sich. Könnt Ihr euch vorstellen, dass es so was gibt? Endlich keinen Garten wässern und keinen Staub schlucken…. Bussi Bussi, Muchos Besitos — von Barbara aus dem EnChor (Alt)

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