San José de Maipo bis Vicuña (Valle de Elqui)

Sábado, 2011-02-26
Weil es uns hier auf der parkähnlichen Campinganlage so gut gefiel, selbst die Wege wurden morgens in aller Frühe geharkt(!), haben wir uns gestern noch einen Tag ohne Kilometer gegönnt, Berichte für den Blog geschrieben und in aller Ruhe gegrillt. Heute zog es uns denn doch weiter, der Pazifik ruft! Den Weg mitten durch Santiago finden wir dank der Ruta 5 problemlos. Rechts und links der Strecke nach Calera und darüber hinaus bis ans Meer erstreckt sich land- und waldwirtschaftliche Nutzung. In Pichicuy, einem kleinen, idyllischen Fischerdörfchen, bekommen wir einen Standplatz für die Nacht – natürlich unmittelbar an der Mole mit Panoramablick auf’s Meer und das Treiben der Fischer, die ihre Boote mittels Kran über Nacht auf Land hieven. Wir fühlen uns wohl, hören die Brandungswellen rauschen und riechen Tang, Fisch und Meer.

Domingo, 2011-02-27
Frühmorgens sitzt Rita schon auf ihrem Ausguck auf dem Beifahrersessel und schaut den Fischern bei ihrer Arbeit zu. Sie haben auch Fische gefangen, aber mengenmäßig der weitaus größere Anteil der Beute besteht aus Tang, der an Land zum Trocknen ausgelegt wird. Uns interessiert das natürlich, und wir schlendern ein bisschen zwischen den feilgebotenen Fischen und Krebsen. U. a. gibt es „gallos“, ob das wohl mit Knurrhahn zu übersetzen ist? Für uns sind sie zu groß und wir kaufen 4 Doraden für 1.000 Pts (1.50 €).

Zurück am Auto können wir einem Chilenen mit Diesel aus unserer Reserve aushelfen. Dann machen wir uns auf den Weg nach Norden, den Pazifik immer links im Blick. Mittags erreichen wir den Playa Chigualoko, 100 m von der autobahnähnlich ausgebauten Ruta 5: blaugrünes Meer und 2-m-Wellen, die 100 m vor dem Strand brechen und mit weißen Schaumkronen in 5 – 6 Reihen hintereinander an den Strand rollen. Ein toller Platz, auch als Nachtstandort für Durchreisende unbedingt zu empfehlen (S 31°45,315’; W 071°30,671’).

Einem Chilenen kann ich helfen, seinen LKW wieder flott zu kriegen. Der Motor tat keinen Mucks, mit Starthilfekabel funktionierte es auch nicht, also habe ich ihn an den Haken genommen und siehe da, der Motor sprang an. Verständliche Freude auf beiden Seiten.
Weiter geht die Fahrt durch Wüste und Steppe, Palmen, Kakteen und Agaven beherrschen zunehmend das Straßen- und Landschaftsbild.
Am späten Nachmittag nehmen wir südlich Coquimbo eine Seitenstraße zum Meer und erreichen Tongoy an der Bahía Guanaquero. Die Stadt selbst ist „touristisch überformt“, aber hinter dem Rummel der Playa kommen wir auf eine ruhige Straße bei S 30°15,060’; W 071°29,729’. Hier können wir den Abend mit Blick auf’s Meer genießen.

Lunes, 2011-02-28
Auf Empfehlung von Burkhard verlassen wir bei La Serena die Ruta 5 und fahren in das Valle Elqui, eins der fruchtbarsten Täler Chiles. Hier wird Gemüse, Obst, Oliven und vor allem Wein angebaut. Diese Gegend verdankt ihre Fruchtbarkeit dem Rio Elqui, der kurz vor Vicuña zu einem großen See aufgestaut ist.

An der Touristeninformation von Vicuña erfahren wir, dass es im Ort und 6 km östlich der Stadt einen Campingplatz gibt. Der im Ort zeichnet sich aus durch Staub, Müll und keine Spur von Schatten. Die zweite Möglichkeit ist vom Grundsatz eine sehr schöne Anlage mit überdachten Sitzplätzen und Grill je Stellplatz, Pool, Fitness-Bereich, Spielplatz etc. direkt am Rio Elqui in wunderschöner Landschaft,


leider ist er nur wenig gepflegt. Und die erhofften warmen Duschen gibt es auch nicht. Schließlich scheine ja die Sonne, so die Señora des Platzes. Egal, wir haben keine Lust weiterzusuchen und bleiben. Es gibt den letzten Mate mit Matte.

Martes, 2011-03-01
Gestern Abend haben wir leider vergessen, unsere Tabletten zu nehmen, Lothar geht’s daher gar nicht gut. Deshalb lassen wir es ganz langsam angehen. Zunächst muss die Wolle vom Kopf und aus dem Gesicht. Dann besichtigen wir eine Pisco-Brennerei, direkt gegenüber dem Campingplatz, ein kleiner Familienbetrieb. Dank eines netten Mädels, das in Chile und demnächst in Bolivien ihr soziales Jahr bei der deutschen Missionsgesellschaft macht, erhalten wir eine gute Übersetzung über den Produktionsablauf. Entgegen aller bisher gehörten Behauptungen ist Pisco weder ein Gin- noch ein Trester-Schnaps. Nein, es ist ein Traubenbrand aus weißen Weintrauben! Übrigens seeehr lecker.

Im Städtchen ergattern wir nicht nur Eintrittskarten für das Observatorium Mamalluca – üblicherweise muss man sich wochenlang vorher bei den Observatorien in dieser Gegend anmelden – nein, wir kriegen auch herrlich frisches Obst und Gemüse, neben dem üblichen auch Aloe vera, Mango, Papaya, Melone und Pepino dulche. Mal schau’n was man da so draus machen kann!

Keine Angst, wir sind nicht zu reinen Vegetariern geworden, nein wir haben auch noch ein frisch gegrilltes Hähnchen ergattert, das super lecker und saftig geschmeckt hat.

Es war natürlich viel zu groß, also gab es abends Hühnersalat mit frischer Mango und für morgen ist auch noch was übrig.
Pünktlich um 20:15 holt uns ein Minibus ab und bringt uns zum Observatorium. Begleitet von einem sehr interessanten Vortag auf Englisch können wir Sterne beobachten, die man mit bloßem Auge nun wirklich nicht sehen kann. Eine wirklich lohnende Unternehmung. Kurz vor Mitternacht sind wir wieder auf unserem Campingplatz. (Hinweis für astrologisch Interessierte: www.stellarium.com)

Nach einsamer Pampa, patagonischen Winden, arktischer Kälte, kaltem Regenwald, deutsch-chilenischem Voralpenland und tosenden Wellen des Pazifics geht es morgen in die Wüste, in die Atacama-Wüste von Chile, der trockensten Wüste der Welt.

Dieser Beitrag wurde unter Chile, Reiseberichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu San José de Maipo bis Vicuña (Valle de Elqui)

  1. Brigitte sagt:

    Hallo Ihr Beiden ,
    dann seid aber ganz schön vorsichtig ich denke Ihr Zwei habt genug zu trinken eingepackt. Ich bin von Euren Bildern wieder ganz begeistert. Letzt Woche habe ich bei Carls gearbeitet und der wollte auch gleich wissen wo Ihr seid ich habe ihm dann gleich Euren Link gegeben und er hatte den ganzen morgen zu tun. Herr Hoffmann habe ich von Eurer kleinen Computerpanne erzählt er war ganz traurig und meinte das können wir aber gar nicht gebrauchen. So Schluß für heute bis zum nächsten Mal.
    Brigitte

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Queridos “huevos del campo” ;-),
    ihr habt ja sooo recht, Valparaiso ist zwar nicht viel größer als Mönchengladbach, aber das suburbane Umland dafür um den Faktor fünf (das hatten wir übersehen) und – wie die Reportagen beweisen – für das Auge reist es sich außerhalb solcher Agglomerationen wohl angenehmer – sogar in der Wüste….

    Wir haben ein „?“ gefunden und hier ist unsere Antwort: bei dem so hübsch aufgehängten Fischen handelt sich um Pflugnasen- oder Elefantennasenchimären (Callorhinchus), einer Gattung der Knorpelfische (Chondrichthyes). Der Fisch lebt nur auf der Südhemisphäre und heißt in Chile Pejegallo. Wenn ihr außerhalb der Atacama-Wüste mal wieder Appetit auf Fisch bekommt und ihn gerne anreden möchtet, ist dieser Link: http://viarural.cl/alimentos/pescados-y-mariscos/ eine gute Adresse, jeder heimische Fisch ist hier bebildert und beschrieben. Knurrhähne sind zwar ähnlich hübsch, gehören aber zu den Knochenfischen. (Wir lernen hier auch gerade was dazu!). Passt gut auf Euch auf, wir schicken liebe Grüße in die Wüste. Sicher ist der Blick in den Sternenhimmel dort auch ohne Observatorium beeindruckend. Gerhild und Harald

  3. Kanalratte sagt:

    Na ihr zwei!

    Sieht ja ganz schön nach Fresstour aus.Ich wäre übrigens mit Sicherheit auch ständig auf der Pirsch, getreu meinem genetischen Auftrag als Jäger und Sammler.
    Freeten is jet heerliches. Die Glöckchenparade härtte ich gerne mir euch durchprobiert. Im Urlaub wird man ja bekanntermassen nicht voll. Übrigens , was ist 4×6….?.
    Antwort.: Anstrengend! Auch das rheinische 7 Gängemenue……
    (1 Frikadelle, 6 Kölsch) Nunja, so kleine Gimmiks aus dem hiesigen Karneval.
    Hannover hat übrigens sensationell die Bayern aus dem DFB Pokal gehauen und auch champions legue etc. wackelt jetzt. Wir waren am Stadion als die 96-er die Lederhosen mit 3 :1 abgeledert haben. Hannover steht wieder am 3. Tabellenplatz hinter Leverkusen.(Franz freut sich)
    Am Sonntag habe ich eine schöne Mopedtour bei strahlendem Sonnenschein, aber -3 Grad gemacht . war 4 Stunden in der Lüneburger Heide ,Nienburg, Husum und habe dann noch einen absolut einsamen traumhaft schönen Badesee gefunden, mit riesen Sandstrand, Kein Haus weit und breit, nur Sand und Naturwald. In der Nähe ein großes Moor.Ein See wie in Finnland geklaut. Ein Badetag ist schon fest gebucht.

    Obwohl ich mir immer wieder fasziniert eure Bilder anschaue, ist mir bewußt geworden, was ich für einen Dussel mit Hannover gehabt habe. Heute abend sind wir dann ins Kaffe Tiefgang gegondelt und haben unseren jahresersten sundowner zu uns genommen. Kalt , aber schön und sonnig. Es liegen auch schon wieder etliche Schiffe im Hafen. Na, ich muß noch einen Monat warten. Aber dann……..!Also jetzt in die dröge Atacamawüste? Hab da letztens mal eine Doku drüber gesehen. Ist wohl nicht nur trocken, sondern geht auch ganz schön hoch. Also , nehmt reichlich Schluck mit ihr durstigen Kehlchen. Euer Knochenknurpselknorpelkopfbeulenstintling hat mich übrigens köstlich amüsiert. Wie bekifft war denn da wohl der klassifizierende Zoologe? Scheißegal. essbar!!!

    Also Schnuckelhäschen.Ab in die Wüste und macht kein‘ Scheiß. Reservereifen intakt?
    Na, auf die nächsten Bilder bin ich gespannt. Ich schaue immer noch mal auf Skype, ob sich da was tut. Na, vielleicht irgendwann ausserhalb der Wüste.

    Gruß an Gerhild und Harald über diesen Kommentar.Hi ihr zwei! Eure Kommentare sind nicht nur knuffig, sondern auch gebildet. Ich muß dagegen aufpassen, dass ich nicht in die Spam Rubrik abgleite. Wir müssen auch mal skypen.Möchte euch näher kennenlernen.
    Bis denne Yours sincerely channel rat

    • Gisela Krischnak sagt:

      Wir hörten hier von einem stärkeren Erdbeben in Chile. Meldet Euch bald wieder, damit wir ein Lebenszeichen von Euch haben. Wir denken an Euch: Gisela , Rainer& Gitta

  4. Harald sagt:

    Hola, buenos días amigos en Sudamérica,

    Hoy escribo yo (Harald) porque Gerhild esta en la casa de su madre en Unna. Gerhild normalmente siempre esta escribiendo las frases para vosotros. Tambien esta muy ocupada con ver al globo y atlas por averiguar donde etaís en Sudamerica. Antes no era muy interesante para nosotros los detailes de unos países allí. Pero ahora es otra cosa. Somos muy fascinados por las fotos muy espectacularias. Por eso quisiera hacer el mismo viaje en cochecama y para vivir los aventuras, observando a los animales y a la natura. Vuestras fotos son muy bonitas y informativas. Con mucho gusto leemos siempre los comentarios de la “rata de canal”. Pero creo que Walter no nos conece. Nos encontramos en la casa de Franz. Allí era con su mujer y su hijo. Para Walter: Aber ich glaube, daß er uns nicht kennt. Wir haben uns bei Franz getroffen. Er war dort mit seiner Frau und seinem Sohn. Os deseo el viaje seguiente muy interesado y por favor no olvidaís dar fotos y noticias de allí cuando tenís bastante tiempo y posibilidades.
    Adiós hasta pronto.
    Vuestro Harald.

  5. Gerhild sagt:

    dpa 12:55 Freitag, 11. März 2011 / Tsunami-Warnung für Südamerikas Westküste

    Buenos Aires – Nach dem Megabeben in Japan haben die Behörden in Ecuador, Peru und Chile Tsunami-Alarm ausgelöst. In Chile wurden in den Medien auf die Minute genaue Berechnungen für das Eintreffen der Flutwelle an der langen Küste des Landes veröffentlicht. Demnach wird der Tsunami am Samstag um 4.00 Uhr deutscher Zeit 1) zuerst den Norden Chiles erreichen. Die Behörden und die Menschen werden aufgerufen, sich auf die möglichen Folgen der Flutwelle vorzubereiten. In Ecuador und Peru dürfte die Flutwelle noch etwas früher eintreffen.

    1) das ist in Chile heute, Freitag gegen 0:00

    Wir hoffen, Ihr seid sicher und noch auf den Höhen der Atacama. Liebe Grüße aus Deutschland G.

  6. Klaus und Christa Otten sagt:

    Hallo Ihr drei Weltenbummler !
    Wir verfolgen Euch immer auf Euerer Reise, habt ja viel schon erlebt . Wir möchten
    uns noch bei Rita für unsere Vergesslichkeit Endschuldigen ,wir hatten große Probleme
    mit Klaus seiner Mutter,aber jetzt geht es ihr wieder besser.
    Liebe Rita und lieber Lohtar wir hoffen das Ihr von dem Erdbeben von Japan nicht
    soviel mitbekommen habt und das es Euch gut geht .
    Viele grüße von Klaus und Christa

Schreibe einen Kommentar