Salto del Laja bis San José

Lunes, 2011-02-21
Bevor der Tourirummel beginnt, besichtigen wir den Salto, immerhin der größte seiner Art in Chile. Nun ja, ganz nett, aber wenig Wasser zurzeit.

Also wieder auf die Autobahn, durchaus vergleichbar mit unseren deutschen Autobahnen. Aber hier tummeln sich nicht nur PKWs und LKWs wie bei uns, nein, man hat sich auch auf etwas exotischere Verkehrsteilnehmer einzustellen. Fußgänger, ganze Familien mit Kinderwagen, Hühner und Hunde, Fahrradfahrer, Trecker mit Anhänger, Pferdegespanne nutzen die Straße. Munter wird auch über die Mittelleitplanke geklettert, um z. B. einen der zahlreichen Verkaufsstände an der anderen Fahrbahnrichtung zu erreichen. An einem der Gemüsestände machen auch wir halt. Der Verkäufer ist z. Zt. auf der anderen Seite und kommt eilends über die 4 Spuren gerannt.

Einem Tipp von Burkhard folgend verlassen wir bei Paral die Autobahn in Richtung Küste. Heute soll’s mal wieder warme Duschen auf einem Campingplatz geben, in Pelluhue. Doch dieser Ort ist 2010 arg vom Tsunamie mitgenommen worden, der Campingplatz ist völlig weggeschwemmt.

Auch in Chanco, wo der gute Käse herkommt (was Dank Gerhild inzwischen alle aufmerksamen Leser, die auch die Kommentare auf unsere Artikel lesen J, wissen) werden wir nicht fündig, Weiter geht’s nach der ornithologisch hoch interessanten Laguna Panuil, doch nach 4 km müssen wir aufgeben, auf diesem „Waldnaturpfad“ ist für uns nun wirklich kein Weiterkommen mehr, das ist nur noch was für Allradfahrzeuge.

Schließlich landen wir – etwas angespannt ob der Sucherei bei fortgeschrittener Tageszeit – bei S 35°35,012’, W 072°37,330’ in Lanco, einem kleinen Fischerdorf mit bunten Fischerbooten; hier wird tatsächlich noch aktiv Fischfang betrieben!

Das pitoreske Panorama: schwarzer Sand, hohe Wellen mit Brandung und vorgelagerte Felsen, auf denen sich Seelöwen tummeln, die größte chilenische Seelöwenkollonie überhaupt. Etwas weiter südlich befindet sich das Eldorado der Surfer, Röhrenwellen, wie man sie sich wünscht.

Abends lernen wir noch eine sehr nette chilenische Austauschschülerin aus Santiago kennen, die für ein Jahr in Dresden war und die deutsche Sprache perfekt beherrscht.

Martes, 2011-02-22
05:00 Uhr, das Handy schrillt, wir schrecken hoch, was ist passiert? Eine Geburtstagsmail von Brigitte, herzlichen Dank! Herzlichen Dank auch an alle, die ihre Glückwünsche per Mail, SMS, Blogeintrag oder Anruf bis ans andere Ende der Welt geschickt haben. Herzlichen Dank auch für das Geburtstagsständchen des „Knabenchores Oelmühle“. Leider war die Handyverbindung etwas suboptimal, sodass die sicherlich hervorragenden Stimmen nicht ihren vollen Sound offenbaren konnten.
Auch ohne warme Dusche auf einem Campingplatz war es ein wunderbarer Tag. Beim Geburtstags-Sekt-Frühstück haben wir den Fischern zugesehen, die mit ihren Booten die an dieser Stelle gemäßigten Brandungswellen passieren und auf den Strand preschten, dort wurden sie von einem Traktor für die nächste Fahrt wieder in Position gebracht.

Sie haben große Fische gefangen, deren Namen wir nicht kennen und die sogleich in Kisten von Händlern abgeholt werden. „Kleinzeug“ ist für die Möwen und Geier oder geht wieder ins Meer.

Später machen wir einen Strandspaziergang zur größten Seelöwenkollonie Chiles. Der Strand ist beherrscht von Möwen und Geiern.

Zur Belohnung gibt’s Pisco-Sour und für Rita ein kleines Geburtstagssträußchen aus dem Meer: rote Korallen.

Miercoles, 2011-02-23
Das große Sanddünenfeld von Putú, nördlich von Constitucion, wollen wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Irgendwie kommt so ein bisschen Sahara-Feeling auf.

Leider war der Boden an der Rotonda doch nicht so fest, wie uns ein Motorcrossfahrer versichert hatte (am kommenden Wochenende ist hier ein Cross-Meeting angesagt). Folge: wir steckten tief im Sand fest, unsere Bodenunterbauten liegen auf!

Sogleich kam aber unser Motorcrossfahrer mit seinem Sprinter, und wollte uns helfen: kein Problem, er zieht uns heraus. Aber denkste, auch er fährt sich im weichen, tiefen Sand fest.

Na, Gott sei Dank gab es noch einen Nissan-Allrad. Dessen Fahrer hat uns denn auch einen nach dem anderen mit geballter Kraft, verteilt auf vier Räder, herausgezogen.
Etwa 60 km vor Santiago haben wir uns für die Nacht eingerichtet, um nicht dem Feierabendverkehr dieser Megastadt ausgeliefert zu sein: eine Copec-Tankstelle, leider nicht mit dem Komfort, den wir vor zwei Tagen erleben konnten. Keine warmen Duschen, kein Schatten, kein Tagesmenü, dafür viel Lärm, viele Fliegen, viele LKWs, also alles in allem nicht wirklich erstrebenswert und prickelnd – wir quälen uns durch die Nacht.

Juve, 2011-02-24

Santiago steht auf dem Programm, dort soll’s die Lösungen für unsere Probleme geben!
PC, das Problem Outlook hat sich irgendwie von selbst erledigt, wie auch immer. In der WiFi-Zona von Copec klappte es auf einmal wieder („Meine magischen Hände!“ (Lothar)).
Nun ist nur noch das Problem Morfin zu lösen. Die Clinica Alemana in Santiago, die wir Dank unseres Navi und einer bei Copec erworbenen Stadtkarte relativ einfach gefunden haben, ist wirklich ein Highlight, angefangen vom Parkplatzwächter, der uns ein Plätzchen zwischen den Ambulanzwagen verschaffte, über eine supernette, deutschsprachige Rezeptionsdame bis hin zu Dr. Vogel, der uns eine kostenlose Privatkonsultation zukommen ließ mit den Worten: „Man muss sich doch gegenseitig helfen ….“ und schließlich die ebenfalls supernette Apothekerin in der Krankenhausapotheke, die uns das Medikament in der Farmácia des Krebszentrums von Chile bestellt hat. Herzlichen Dank an alle, die sich so viel Mühe gegeben haben, obwohl es wohl offensichtlich so gut wie unmöglich ist, in Chile für Privatpersonen, ganz besonders für Ausländer, die keinen Wohnsitz in Chile haben, an Morfin zur oralen Einnahme heranzukommen. Muchas, muchas grazias para ajudarme!

Obendrauf gab’s dann auch noch einen feudalen Campingplatz ca. 50 km südöstlich von Santiago kurz vor dem kleinen Städtchen San José de Maipo im gleichnamigen Cañon. Nicht ganz billig – vielleicht auch aufgrund der relativen Nähe zu Santiago -, aber das leisten wir uns jetzt einfach mal. Unter uns rauscht der Rio de Maipo und über uns funkeln die Sterne.

Hier gönnen wir uns ein bisschen Ruhe zum Werkeln (Lothar arbeitet die inzwischen ergänzte „To-Do-Liste“ ab), zum Wäsche waschen (Rita übt sich in den Aufgaben der Lavanderia) und zum Berichte schreiben (Lothar und Rita). Schließlich wollt ihr ja sicherlich wissen, was inzwischen alles passiert ist und was wir so getrieben haben.
Bei dieser Gelegenheit möchten wir uns ganz herzlich bedanken für das allgemeine und offenkundige Interesse an unseren „Notas del Viaje“ und ganz besonders natürlich bei all denjenigen, die nicht nur lesen, sondern sich darüber hinaus auch noch zu einem Kommentar entschließen können. Für diejenigen, die sich bisher nicht getraut haben:
Hallo, es ist gar nicht schwierig und es tut auch ganz bestimmt nicht weh, versprochen J!
Und wir freuen uns über jeden Kommentar von euch; zeigt er uns doch, dass ihr ein bisschen teilhabt an dieser für uns absolut tollen Reise und dass ihr interessiert seid an dem, was wir hier so treiben. Euer Feedback ist unsere Motivation, den Blog weiterzuführen!!!

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5 Antworten zu Salto del Laja bis San José

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr 2,
    der Name Eures letzten Standorts (San José de Maipo) hat es gerade bei uns „klingeln“ lassen. Trinken wir doch gerade einen schönen Rotwein (Carmenère Traube) von De Martino aus Isla de Maipo – beim Blick auf Google Maps gar nicht so weit von Euch – und so stoßen wir jetzt auf Euer Wohl an. Offensichtlich seid ihr ja gerade in einer sehr bekannten Weingegend.
    Liebe Grüße und bis später – wir fassen uns ausnahmsweise mal kurz 😉
    Gerhild und Harald

  2. Kanalratte sagt:

    Hallo Ihr zwei!

    Na, schönen Geburtstag gefeiert? Dann geht es jetzt wohl nach Valparaiso? Hier seit 5 Tagen sonniges Wetter , wolkenloser Himmel bei minus 6 Grad. Z.Zt ist Cebit. Schalke hat gestern sensationell Bayern aus dem DFB Pokal geschossen und Samstag spielt dann Hannover gegen die ermatteten aber jetzt richtig wütenden Bayuvaren. Ich fürchte , das gibt ein Gemetzel. Bei euren Bildern hatte ich wieder viele Flash-backs. Besonders die Küste erinnerte mich stark an Afrika. Es hat aber wirklich mächtig viel Landschaft da unten. Laut Google kommt ihr jetzt in urbanere Regionen. Schon der Name Valparaiso erinnert mich an jugendliche Fernwehschmerzen. Ab und zu mache ich zu euren Berichten mal so eine Website oder Webcam Seite auf, ist aber teilweise sehr dürftig.Eure Fotos und Berichte sind viel viel besser. Schön, dass der medikamentöse supplie doch noch so gut und günstig abgelaufen ist. Hatte schon Sorgen, dass Lothar auf dem Trockenen sitzt und einrostet.Ansonsten gibt es nicht soviel Neues zu berichten. Am Freitag ist DOKO und ich bin dabei. Arbeite mich langsam wieder in die vorderen Ränge.-In 4 Wochen lasse ich mein Schiff wieder ins Wasser habe 1 Woche Urlaub für dringend anstehende Reparaturen angesetzt.Viel mehr ist mir ja im Moment nicht geblieben. Mutter hält sich so leidlich, aber man muß halt immer um sie herum sein. Sie ist jetzt fast blind.Vamos a ver/faciamo vedere
    Insofern sind eure Lebenszeichen immer willkommener Anlass , mal etwas zu träumen.
    So das war es erstmal. Bis zum nächsten Lebenszeichen gute Fahrt und Gesundheit

    Eure Kanalratte Walter
    (Anstaltsschamane JVA Hannover)

    • Lothar sagt:

      Hallo Walter,
      auch für dich hier mal eine „Extrawurst“: Ihr geht fehl in der Annahme, dass es uns nach Valparaiso gezogen hat. Es erinnert zwar vom Namen her an „das paradiesische Tal“, ist aber die viertgrößte Stadt Chiles, und Großstädte nehmen wir nur in Kauf, wenn es unbedingt nötig ist; ansonsten sind wir eher Landeier und erfreuen uns an dem, was uns die vielfältige Landschaft bietet. Alles andere wäre einem nächsten Anruf oder einem privaten Mail vorbehalten. Nur soviel: gestern haben wir 3.400 m Höhe in der Atacama geknackt, und ich hatte damit keinerlei Probleme.
      Viele liebe Grüße
      Lothar & Rita

  3. Gerhild & Harald sagt:

    Hola viajeros,

    Alaaf oder Helau ! – während hier bei Minusgraden aber blauem Himmel und Sonnenschein die 5. Jahreszeit gefeiert wird, habt ihr wahrscheinlich was Besseres im Sinn (für diese Bemerkung entschuldigen wir uns sofort bei allen Jecken). Wir nehmen mal die Vorlage des Anstalts-Schamanen auf und tippen, dass ihr inzwischen auf dem Weg nach Valparaiso, dem paradiesischen Tal seid oder gar bereits treppauf- treppab über die 50 Hügel dieser Stadt hüpft. Sicher ein Ort, in dem es sich lohnt, ein bisschen länger zu verweilen.
    Wir sind schon gespannt auf den nächsten bebilderten Bericht, denn auch bei Eurer letzten Etappe vom Salto del Laja nach San José habt ihr es mal wieder wunderbar geschafft, viele besondere Stimmungen in Wort und Bild festzuhalten. Schön – da träumen auch wir gerne mit, lieber Walter.

    Wir wünschen Euch beiden einen guten Weg und immer genug Bodenfreiheit unter dem Chassis. Es gibt noch viel Sand auf Eurer Route 😉 Liebe Grüße! Gerhild und Harald

    PS: Wir wissen nicht, wie viele Nachrichten aus dem Rest der Welt Euch erreichen, aber wenn Ihr mal einen günstigen WiFi Zugang habt, ist die Deutsche Welle sicher eine gute Adresse:
    http://www.dw-world.de/dw/0,,265,00.html zum Übern auch in Spanisch: http://www.dw-world.de/dw/0,,653,00.html?id=653

  4. Uwe sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    eure Reiseberichte begeistern mich immer wieder. Ich finde es sehr gut, dass ihr nicht nur von schöner Landschaft und netten Menschen erzählt, sondern ebenso vom geplatzen Wasserschlauch, der eingedrückten Hecktür und dem Feststecken im Sand. So entsteht ein realistisches Bild.

    Besonders beeindruckt hat mich die Beschreibung der Schwierigkeiten, das lebensnotwendige Medikament zu bekommen. Umso mehr freut es mich, dass es dann endlich geklappt hat.

    Alles Gute euch beiden auf der Tour in die Wüste.
    Mit herzlichen Grüßen
    Uwe

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