El Calafate – Los Antigues

Domingo, 2010-01-23
El Ovejero, wieder mal ein Campingplatz, auf dem man sich wohl fühlen kann und die Möglichkeit – Sonntag hin, Sonntag her – „Große Wäsche“ zu machen. Mittags flattert die Wäsche im Wind und crack – eine der Leinen ist gerissen und ein Teil der Wäsche braucht einen erneuten Waschgang. Später kommen Doris und Holger aus Frankfurt zu Besuch, und wir tauschen wie üblich Reisetipps und Informationen.

Lunes, 2010-01-24
Kurz vor Mittag fahren wir zur Gomeria schräg gegenüber und versuchen unser Glück mit der Reparatur unseres platten Reifens. Und tatsächlich, sie wollen’s reparieren, „pero no ahora, volve a las tres!“ Sie wollen erst mal 3 Stunden Mittagspause machen.
Na, egal, wir nutzen die Zeit zum Einkaufen und Shoppen: Flip-flops aus Brasilien für Rita, Ledergürtel aus Argentinien für mich und ein Mategefäß aus Kürbis für uns beide.
Kurz nach drei sind wir wieder bei der Gomeria, der Reifen ist repariert und aufgepumpt. Er kommt erst mal auf die Reserveradhalterung, wir wollen endlich los, uns einen Standplatz für die nächste Nacht suchen, denn morgen soll es sehr früh losgehen.
Am Punta Bandera werden wir fündig, nahe der Schiffsanlegestelle finden wir ein Plätzchen mit herrlichem Ausblick auf den Lago Argentino.

Martes, 2010-01-25
Um 08:00 machen wir uns auf den Weg zum Schiffsanleger und siehe da, wir sind nicht die Ersten. Eine Menge Volk verteilt sich auf verschiedene Schiffe, wir kommen auf den Katamaran „Quo Vadis“, und ergattern einen hervorragenden Fensterplatz in dem Salon gleich vorn auf Backbord. Um 08:30 geht’s mit voller (?) Kraft voraus.

Die imposante Gletscherwelt des Nationalparks Los Glaciares mit schwimmenden Eisbergen, teilweise in leuchtend schimmerndem Blau, erwartet uns. Immer wieder müssen wir raus auf Deck, um dem Naturschauspiel noch ein bisschen näher zu sein.

Die Fahrt geht zunächst in den nordwestlichen Arm des Sees zum Upsala-Gletscher. Eisproben werden entnommen und fachmännisch verkostet.

Dann geht es weiter an verschiedenen Eisformationen vorbei nach Süden zum Perito-Moreno-Gletscher, dessen Gletscherzunge sich 60 m hoch und 4 km breit aus dem Lago erhebt. Dieser Gletscher ist eine Besonderheit, da er einer der ganz wenigen Gletscher weltweit ist, die noch wachsen, weil das Eis schneller nachfließt, als es am unteren Ende abtauen kann.

Kurz nach 17:00 – die Zeit ist vergangen wie im Fluge – erreichen wir höchst zufrieden mit diesem Ausflug die Anlegestelle Punta Bandera und machen uns auf den Rückweg nach El Calafate.
Wir übernachten diesmal vor dem Campingplatz, weil wir morgen noch mal bei der Gomeria wegen des reparierten Reifens nachfragen wollen. Der Reifen scheint die Luft nicht zu halten und hat nur noch 3,5 bar.

Miércoles, 2010-01-26
Morgens hat der Reifen immer noch 3,5 bar und wir vermuten, dass wir den Mechanico falsch verstanden haben. Möglicherweise hat er auf unsere Nachfrage, wie viel Druck er auf den Reifen gegeben hat, tres-cinco (3,5) gesagt, und wir haben nur cinco (5) gehört/verstanden. Mit unserer neu erworbenen Pumpe wird der Reifen auf die vorgeschriebenen 4,5 bar aufgepumpt, und dann geht’s weiter Richtung Norden.
Mittagsstopp am Rio La Leona. Es gibt „Cebollas con Quesa fundido con Quesa azul del Rio La Leona“, eine neue Kreation von Rita zur Verwertung vom allem, was einem so aus dem Kühlschank entgegen gepoltert kommt – aber lecker!

Ich habe ein bisschen Blech zwischen den Kieseln gefunden, was gleich vor Ort gerichtet wird, um es als Windschutz oder Abdeckung beim Asado gebrauchen zu können. Bei dem ständigen Wind hat unser kleiner Mini-Grill doch so seine Schwachstellen.

Dann sind wir wieder auf der Strecke und links von uns erstreckt sich der Lago Viedma. Als wir nach links von der Ruta 40 abbiegen, sehen wir schon aus der Ferne unser nächstes Ziel, den Fitzroy, auf dessen spitzen Zacken sich nicht einmal der Schnee zu halten scheint. Er ist zwar nur 3.405 m hoch, wegen seiner anspruchsvollen Kletterrouten gleichwohl ein Traumziel für Bergsteiger aus aller Welt. Alle paar Kilometer gibt es einen Mirador (Aussichtspunkt), mit herrlichem Ausblick auf den Lago Viedma und die Sierra. Wir stehen mal wieder da und fotografieren, da kommt ein Bus, die Leute steigen aus und – fotografieren nicht den Fitzroy, sondern uns mit unserem 3. Oldie. Es sind Deutsche aus dem „Kohlenpott“.

Abends finden wir einen Standplatz in El Chaltén auf dem Campingplatz El Refugio am Fuße des Fitzroy. Wir sind die einzigen Camper, aber auf der talseits gelegenen Wiese campieren eine Menge Backpacker mit ihren Igluzelten in Gelb, Orange und Rot, die sicherlich in dieser Bergregion wandern und klettern wollen. Leider hat sich der Himmel im Laufe des Nachmittags zugezogen, und der Fitzroy hat sich schamhaft mit Wolken verhüllt. Es regnet ein bisschen, aber immerhin: es sind nur Wassertropfen, keine Schnee- oder Eiskristalle J. Wir grillen, und das erste Blech kommt als Deckel zum Einsatz, um die Wärme zu halten. Weitere Verbesserungen wabern mir schon durch den Kopf.

Juves, 2010-01-27
Die gesamte Bergwelt ist visuell auf die Tallagen reduziert. Das grandiose Panorama des Fitzroy und der gesamten Sierra mit den bizarr schroffen Gipfeln gibt es leider nur auf Postkarten zu bewundern. Es macht wohl auch keinen Sinn, auf besseres Wetter zu warten und so machen uns auf den Weg. Am Ortausgang treffen wir auf ein junges deutsches Paar, das nach einer bestimmten Kletterwand sucht, sie seien gleich zurück um Reiseinfos zu bekommen. Nach einer Stunde Warten hinterlassen wir unsere Blog-Adresse und machen uns auf den Weg.

Die Ruta 40 hat uns wieder, wir rumpeln und rappeln uns Richtung Norden. Für die herbe Schönheit einer kargen Landschaft wie dieser muss man als normaler Durchschnittseuropäer sicherlich erstmal eine Sympathie entwickeln. Aber dann lässt es einen nicht mehr los, man will mehr davon. An der Straßenkreuzung Tres Lagos gibt es eine Tankstelle, und wir tanken sicherheitshalber wieder voll. Man weiß hier nicht so genau, ob die nächste Tanke auch Diesel hat, oder ob man ein paar Tage auf die nächste Lieferung warten muss.
Nach –zig Kilometern Schotter, Ruta natural, sin o con mejoras,

machen wir eine Kaffeepause an einer Straßenbaustelle. Es ist schon später Nachmittag und die Überlegung steht im Raum: sollen wir uns hier für die Nacht einrichten? Nach Abwägung der Für und Wider entscheiden wir uns denn doch fürs Weiterfahren und werden belohnt mit einem Standplatz auf der Estancia La Siberia am Lago Cardiel. Einfach, aber sauber, für 25 Pesos/Pers. incl. warmer Dusche und Strom ab 21:00, da kann man nicht meckern. Eine echte Alternative zu der allseits empfohlenen Estancia Angostura, die etwas nördlich 5 km abseits der Straße liegt.

Viernes, 2010-01-28
Zurück auf der Ruta 40 gibt’s erst mal wieder Schotter wie gewohnt. Dann, entlang des nördlichen Ufers der Rio Chico, welch ein Wunder: Asphalt! Die Freude währt lange 50 Kilometer, dann gibt’s wieder den gewohnten Schotter. Aber es hilft nix, wir müssen durch, auch wenn die hinteren Radläufe schon ziemlich gezeichnet sind und auch der linke Scheinwerfer jetzt seine Macke weg hat. Ich wird mich bei Gelegenheit drum kümmern müssen.
Mittags testen wir eine neue Kreation: es gibt Kürbis-Kartoffel-Eintopf, geschärft mit einem ordentlichen Schuss meiner Lieblingssauce aus Pimientos.

Beim Kochen stellen wir fest, dass unser Wasserwerk spinnt. Die Pumpe zieht Luft, aber wieso? Der Tank kann doch nicht schon wieder leer sein?! Auch dieses Problem wird zunächst vertagt auf: mañana!
Die Weiterfahrt geht durch Steppe, geht durch Steppe, geht durch Steppe, soweit das Auge reicht. Dann plötzlich Teich und kleine Seen mit Ufervegetation, sogar Schilf und Ein Paar Enten mit ihren Küken. Das haben wir hier jetzt nicht so wirklich erwartet.

Wir versuchen, ein Stück auf der fertigen, aber noch nicht freigegebenen Straße zu fahren. Die erste Etappe gelingt prima bis zu einer Baukolonne, die uns freundlich aber bestimmt wieder auf die Baustellenumgehungspiste verweist. Einige Zeit später – wir sind mutig geworden – versuchen wir es noch mal. Diesmal müssen wir zurück, weil der Übergang am Ende der fertigen Strecke zur altbekannten Schotterpiste nur noch für hochbeinige Allradfahrzeuge geeignet ist. Aber was soll’s, den Versuch war es wert.
Wir tanken an der Straßenkreuzung Bajo Caracoles und bekommen dort auch Wasser. Bei der Gelegenheit entdecken wir, dass sich der Schlauch am Eingangsstutzen zum Wassertank gelöst hat. Dadurch hatten wir bei dem Geschuckel wohl einiges an Wasser verloren.
Dann zurück auf die Piste und weitere 50 km Ruta natural.
Am späten Nachmittag erreichen wir tief eingeschnittene Canyons, die Vorboten unseres nächsten Highlights, die weltberühmte „Cueva de los Manos“ (Höhle der Hände) in der Schlucht des Rio Pinturas.

Unseren Nachtstandplatz finden wir in der letzten Spitzkehre oberhalb der Ranger-Station des Weltkulturerbes der UNESCO mit tollem Blick in den Canyon des Rio Pinturas, der einen geradezu lieblichen Eindruck macht mit seinen begrünten und baumbestandenden Ufern. Man kann sich sehr gut vorstellen, dass dies ein idealer Platz zum Siedeln war.

Sábado, 2010-01-29
Unser Standplatz in der Spitzkehre erweist sich als ideal: nachdem wir gestern abend noch die untergehende Sonne genießen durften, weckt sie uns heute morgen zu einem Frühstück mit dem vorläufig mal wieder letztem Schwarzbrot aus der Dose (wir hätten mehr davon mitnehmen sollen).
Dann geht’s zur Besichtigung. Eine sehr freundliche Führerin haben wir morgens um 10:00 eine Stunde ganz für uns alleine, die uns in einem Mix aus Spanisch und Englisch (sogar mit einzelnen Brocken Deutsch) alles Wesentliche erläutert und verständlich macht.

Hier haben in der Zeit von 9.500 v. Chr. bis 1.000 n. Chr. die indianischen Ureinwohner gelebt und zahlreiche Wandmalereien hinterlassen, die zu den ältesten Zeugnissen menschlichen Lebens in Südamerika gehören. Zu sehen sind Tiere und Jagdszenen sowie Negativabbildungen von Händen mit verschiedenen mineralischen Farben, die teilweise in Wasser aufgelöst und mit einem Rohr auf die Wand geblasen wurden. Wer mehr darüber wissen will, wird im Netz eine Menge darüber finden, es wird sich sicherlich lohnen.

Auf dem asphaltierten Platz vor der Station kann ich eine unterwegs gefundene Schauchschelle auf den Wasserschlauch setzen, vielleicht hilft’s, den Wasserverlust einzudämmen. Dann geht’s die Schotter-Stichstraße zurück zur Ruta 40. Unterwegs treffen wir auf Gürteltiere, die sich sogar fotografieren und (von mir) streicheln lassen.

Zur Mittagspause an der Auffahrt zur Ruta 40 gibt’s Spaghetti, nein, nicht mit wie üblich mit Tomatentunke, sondern mit Zwiebel, Zucchini und Knoblauch, Abwechslung ist die Devise in unserer Bordküche.
Am späten Nachmittag wieder voll tanken, diesmal in Perito Moreno. Die YPF-Tanke, zu der wir meistens fahren, hat keinen Diesel mehr und verweist uns an die Konkurrenz Petrobras. Dort werden wir auch hervorragend bedient und bekommen in der Cafeteria den Zugangscode zum WiFi. Wir checken die Mails und schauen nach den aktuellen Wechselkursen Euro, Dollar, argentinische und chilenische Pesos. Schließlich sind wir mal wieder kurz vor der Grenze.
Dann geht’s weiter nach Los Antiguos am südlichen Gestade des Lago Buenos Aires, der auf der chilenischen Seite Lago General Carrera heißt.
Kurz vor Los Antiguos machen wir einen Stopp am See. Diese Wellen, diese Wolken muss man einfach mal auf sich wirken lassen.

In Los Antiguos landen wir auf Empfehlung der Touristen-Information Perito Moreno auf dem Camping Municipál, direkt am Ortseingang am Ufer des Lago. Der letzte freie Platz mit Parrillo ist unser; unsere Nachbarn: ein deutsches Paar aus dem Schabenländle, Sonja und Werner, nach eigener Aussage Weltenbummler und Ralf aus Neuss, der sich mit einem Pkw-Kombi aufgemacht hat, ein Vierteljahr durch Argentinien zu reisen. Ansonsten gibt es Argentinier und Chilenen, die hier zur Zeit der Obsternte (insbesondere Kirschen) in ihren Zelten wohnen.

Auf dem Platz wird es am Abend ziemlich schnell frisch und windig, und wir verziehen uns in unsere Karossen.

Domingo, 2010-01-30
Ob der preiswerten Unterkunft (10 Pesos fürs Auto, je 5 pro Person, die weiteren Nächte nur noch je 5 Pesos pro Person bei einem Kurs von 5,5 Pesos = 1 Euro) beschließen wir, noch ein bisschen zu bleiben. Angesagt sind kleinere Reparaturen, größere Wäsche, Auto innen und außen reinigen und ansonsten Smaltalk und Mate (habe ich heute ordnungsgemäß gewässert und eingeweiht). Abends gibt’s bei Nachbars (die haben den besseren Parrillo) Gegrilltes. Das Stück, das Rita gestern erstanden hatte, entpuppt sich dabei als Lammkrone.

Lunes, 2010-01-31
Unsere Nachbarn ziehen weiter nach Süden, wo wir herkommen, wozu wir vielleicht ein paar nützliche Tipps geben konnten. Rita macht weiter in Sachen Wäsche und Reinigung der Fahrerkabine, und ich sitze am PC, um euch auf dem Laufenden zu halten.
Gleich wird Rita noch die Bilder zuordnen. Darum beneide ich sie nicht; die Entscheidung, welche Bilder wir ins Netz stellen, würde mir sehr schwer fallen. Dann werden wir ins Städtchen fahren und zusehen, dass wir eine Verbindung zum www bekommen.
Morgen werden wir über die Grenze nach Chile fahren und uns um den Lago herum nach Norden wenden. Aber davon das nächste Mal mehr.

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1 Antwort zu El Calafate – Los Antigues

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hei viajeros ,

    tja – so ist das, wenn man recht regelmäßig mit einem tollen Blogeintrag von Euch verwöhnt wird: sobald die Regelmäßigkeit ein bisschen unterbrochen wird, macht man sich Sorgen, ob wohl alles im grünen Bereich ist und ob die Ruta 40, so ihr sie denn benutzen müsst, gnädig mit Euch und vor allem mit Eurem 3. Oldie ist.

    Jetzt nach dem vollständigen Hochladen Eures letzten, wieder mal wunderbaren Eintrages zur Reise von Calafate nach Los Antiguos, wissen wir ja nun auch noch, dass es bei den gepanzerten Nebengelenktieren irgendwo eine Stelle geben muss, die man streicheln kann :-), dass die Stichstra-sse euch unbeschadet wieder zur Ruta 40 und nach Los Antiguos geführt hat und dass ihr ein paar Putz- und Flicktage eingelegt habt – was immer mal sein muss, damit die vielen Reiseeindrücke im Kopf sortiert werden können. Für die Sesselpupser (Zitat W. T. 😉 ) haben wir einen ergänzenden Link zu Argentinien gefunden, den wir hier gerne mal einfügen wollen: http://www.welcomeargentina.com/losantiguos/fotografias.html

    Wikipedia teilt uns mit, dass Gürteltiere sehr nützliche Schädlingsbekämpfer mit Supernase und Klebezunge sind und so ist es nur logisch, dass ihr statt Gürteltierfleisch doch lieber Lammkrone auf den Grill gelegt habt (auch wenn manche Südamerikaner wohl anders darüber denken). Liebe Grüße und einen weiterhin guten Weg rechtsdrehend durch Südamerika! Gerhild und Harald

    PS: Gerade sehen wir, dass wir gleich mit Euch „weiterreisen“ können – hasta pronto!

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