Punta Arenas – Calafate

Lunes, 2011-01-17
Ines läuft im Schlafanzug durchs Haus, versucht gleichzeitig zu frühstücken, die Weiterreise des bulgarischen Teams zu organisieren, ihrer „Maria“, die hier Louisa heißt, Anweisungen für die Hausarbeit zugeben, usw. Und eigentlich müsste sie ja schon längst in der „Zona Franca“ sein, denn in ihrer Firma wird heute nicht mehr gestreikt. Schließlich kommt sie doch auf den Weg mit den Worten „until midday“. Wir wundern uns ein wenig, es ist ja schon 11:30 Uhr?! Aber hier herrschen wohl andere Vorstellungen von den Tageszeiten. Um 21:30 taucht sie wieder auf, völlig fertig mit der Welt, braucht erst einmal eine Zigarette und ein Glas vino tinto, von dem guten Rojo, den ihr der spanische Kapitän des Antarktisschiffes gestern aus Spanien mitgebracht hat. Es wird wieder ein feucht fröhlicher Abend mit leckerem Brot, diesmal gebacken von Roman (das Rezept will er mir leider nicht verraten) und einer bulgarischen Spezialität aus Auberginen, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch und noch ein paar Inkredenzien, hergestellt vom bulgarischen Chefkoch Doc Markus. Natürlich gibt es auch wieder jede Menge Asado und Pisco, und natürlich wird es auch wieder sehr spät.

Martes, 2011-01-18
Neue Nachrichten von der Streikfront: Angeblich sind die Konflikte beigelegt, die Straßensperren von Pta. Areas und Pto. Natales sollen aufgehoben sein. Diese Nachrichten kommen aber über div. priv. Kanäle. Eine offizielle Bestätigung steht noch aus. Wenn dieses zutrifft, werden unsere Bulgaren heute noch nach Rio Gallegos fahren und eine weitere Truppe von Antarktisforschern trifft im Austausch hier bei Ines ein.
Und so isses auch! Chefkoch Doc Markus ist mitten in der Zubereitung des Abendessens, das Telefon klingelt, in einer viertel Stunde ist Crewwechsel! Und schon steht die 2. Gruppe Forscher auf der Matte: bulgarisches Chaos, Teil 2!

Miércoles, 2011-01-19
Die Straßen sind wieder frei! Wir können endlich unsere Reise gen Norden fortsetzen! 15:00 Uhr on the road again! Puerto Natales ist unser Ziel. 19:30 Uhr gabeln wir zwei Backpakers auf, mitten in der Pampa, weit und breit kein Haus oder sonst irgendetwas,  was den beiden für die Nacht als Unterschlupf dienen könnte. Auch sie wollen nach Natales. Dort suchen sie ein bestimmtes, billiges Hostel, haben aber keine Ahnung, wo es sein könnte. Unser Reise-Knogh-How bietet 2 solcher Läden an. Leider können wir keines so wirklich finden, das Navi dreht bei dem Einbahnsystem total durch. Schließlich lassen wir die beiden auf eigenen Wunsch an einem zentralen Platz raus (sie wollen einen Freund in dieser Stadt anrufen) und finden unser Nachtplätzchen, natürlich mal wieder an einem Ufer: es ist der Fjord Almirante Montt.

Juves, 2011-01-20
Die örtliche Touri-Info hat uns einen Rundweg durch den National Park Torre del Paine empfohlen, da wir anschließend weiter nach El Calafate fahren wollen. Dies war ein guter Tipp. Also beginnt unsere Parkbesichtigung im Südwesten, die Straßen sind natürlich Schotter-, Erd- oder Geröllpisten;

aber die Landschaft ist gigantisch,

da lohnen sich Gerumpel und Geschepper. Am Lago Grey sind wir mal wieder am Ende einer Straße angekommen, und es fängt an zu regnen! Na, der wird ja gleich vorbei sein. Nein, weit gefehlt, es scheint sich einzuregnen, nebliggrau und wolkenverhangen der Himmel, die bergische Heimat lässt grüßen. Bewundernswert, wie all die Touristen, die hier in Kleinbussen angekarrt werden, tapfer und unverdrossen durch den Regen stapfen.

Muss wohl sehr interessant sein, was es hier zu besichtigen gibt. Wir beschließen, morgen früh  alles zu erkunden, wir haben Zeit. Wir machen die Schotten dicht und spielen Canaster, es reicht, wenn wir den Regen auf Dach trommeln hören, wir müssen’s uns ja nicht auch noch stundenlang ansehen.

Viernes, 2011-01-21
Der Regen hat irgendwann in der Nacht aufgehört, früh um 08:00 Uhr bestaunen wir, was die Touris gestern angetrieben hat, im Regen durch die Landschaft zu stapfen. Mir fehlen jetzt einfach die Worte, das zu beschreiben, was wir dort sehen konnten, deshalb einfach nur ein paar Bilder, die für sich sprechen!

Unser Rundweg führte uns weiter an tollen Seen vor beeindruckenden Berglandschaften vorbei, auch die Cascada Paine gab es zu bewundern.

Bilder

Und ehe wir uns versahen, waren wieder aus dem Park herausgefahren und standen vor dem Grenzposten Chile nach Argentinien. Nun denn, dann stehen wir eben hier und das inzwischen eingeübte Procedere nimmt seinen Lauf: Abkochen von restlichem Frischgemüse und Frischfleisch und „abtuppern“. Gleich morgen früh wollen wir über die Grenze.
Nachts zerrt der Wind aus Leibeskräften an unserem Motor-Home. Wir überlegen, wo wir die Tabletten gegen die Seekrankheit gelassen haben, ergeben uns aber dann in unser Schicksal und werden unsanft in den Schlaf geschüttelt.

Sábado, 2011-01-22
Nach einer Nacht – nicht gerührt, sondern geschüttelt – gibt’s zur Belohnung ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück mit den letzten frischen Eiern, denn auch an dieser Grenze müssen wieder alle frischen Lebensmittel drastisch reduziert werden, der Rest wandert in die einschlägigen Schapps. Das WoMo wird aufgerödelt und ab geht’s.
Aber bitte schön doch nicht so hurtig. Ich trage den Müllbeutel weg, auf dem Rückweg sehe ich, dass das rechte Hinterrad irgendwie nicht gut aussieht. „Ich glaube wir haben ein Problem!“ „Ne, nich’ doch!“ „Doch, wir haben uns einen Platten eingefangen!“ Tatsächlich, der Schluffen sieht etwas lustlos aus und lässt sich demonstrativ hängen. Also steht unser erster Reifenwechsel an und ich hoffe, dass wir bald eine Gomería finden, die statt des eingefahrenen Nagels einen Gummipfropf einsetzen kann. Immerhin, der Himmel ist gnädig mit uns, er schickt nur vereinzelt ein paar Tropfen, der Wind ist auch nicht mehr so heftig wie in der Nacht: der richtige Augenblick, den Reifen zu wechseln.
Aber dann geht es weiter, alle Grenzformalitäten nur 1 Stunde, vorläufig noch ganz anständige Schotterpiste, Tanken irgendwo im Nichts, dann die Schotterpiste nach El Calafate. Und das war dann wirklich das Übelste, was wir bisher an nicht asphaltierter Strecke erlebt haben! Dies war keine Schotterpiste, keine Erdpiste, keine Geröllpiste, keine Wellblechpiste, dies war eine Kraterlandschaft! Und das 70 lange Kilometer bei heftigsten Seiten- und Gegenwind.. Das sind dann so Momente, wo man ein bisschen (aber nur ein bisschen) neidisch wird auf Allrad, höhere Bodenfreiheit, weniger Windanfälligkeit und ein bisschen mehr als 75 PS.

Aber wir haben’s geschafft und sitzen nun in unserem WoMo an einem Bachlauf mitten in Calafate, haben warme Duschen 50 m weiter, und ja, uns geht’s gut!

Demnächst werden wir euch berichten von unseren ganz privaten Eindrücken aus dem Nationalpark Los Glaciares, dem berühmten Fitz Roy und unserer voraussichtlich strapaziösen Fahrt über die berüchtigte Ruta 40 nach Norden (mehrere 100 km Schotter durch jede Menge Landschaft ohne irgendwelche nennenswerte Urbanisation).

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5 Antworten zu Punta Arenas – Calafate

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Liebe Rita, lieber Lothar,
    ……estupendo, formidable, maravilloso, fenomenal – großartig….! Bevor wir schlafen gehen, gucken wir manchmal noch in Euren Blog und gestern haben wir dann Euren lebhaften Bericht vom Abschied aus Punta Arenas und vor allem vom Nationalpark Torres del Paine mit den beeindruckenden Fotos gefunden. Wir schicken Euch heute interkontinentale Grüße zum Lago Argentino nach Calafate und sind dabei ein ganz klein bisschen neidisch auf das, was ihr alles mit Hilfe Eures 3. Oldies von diesem Teil unserer Welt zu sehen bekommt. Das wiegt die kleinen (gefühlten) Schwachstellen doch ziemlich auf oder lässt sie zumindest wieder stark in den Hintergrund treten. Aber klar, eine Goméria sollte schon zügig den Reservereifen wieder auf Vordermann bringen. Das Verfahren mit dem Gummipfropfen haben wir auch schon erfolgreich durchführen lassen.

    Der Nationalpark Los Glaciares mit dem Perito Moreno und dem Cerro Fitzroy ist wahrscheinlich mindestens ebenso spektakulär wie die Reise durch den Torres del Paine und wir sind schon riesig gespannt. Macht´ s gut (pero respetaís sus hígados de vez en cuando 😉 ) Gerhild & Harald

  2. Gudrun und Harald Stengel sagt:

    Hallo Lothar, hallo Rita,
    ich freue mich immer Dienstags gegen 18 Uhr Eure Reiseberichte zu lesen (dann mach ich Pause am Schreibtisch).
    Ihr schreibt so anschaulich, daß ich das Gefühl habe dabei zu sein. Toll!!!!!!! Aber um „Schotterpisten“ zu fahren hättet ihr nicht nach Südamerika aufbrechen müssen, einige der Straßen hier nähern sich rasant diesem Zustand. Ich wünsche Euch eine gute Weiterfahrt (vergeßt das Berichten nicht).
    Viele liebe Grüße
    Gudrun

  3. kanalratte sagt:

    Hallo ihr zwei !
    Remscheid ,vertreten durch Erich und mich, hat im DOKO hochhaus verloren. Peter hatt alle guten eingesackt.(102) Hannover 96 hat auch verloren, steht aber auf einem erstaunlichen 3. Tabellenplatz. Hier draußen sieht es so ähnlich aus wie bei euch , und der Winter legt noch mal zu. Die letzten Eisberge auf dem Kanal sind allerdings pulverisiert.Wieder kreischt die Heizung bei gefühlten sonnigen 10 Grad minus.Irgend wie sah das bei euch auch etwas windig aus und die weit geöffneten Arme unserer „Früshippe Rita“ beim ersten Sonnenbad suggerierten mir zuvorauch eher Remscheider Temperaturen. Whatever. Was kann einen Remscheider schon erschüttern ??? (OK, kein Schnaps mehr da ,issen Argument, aber dann höchstens noch .:Lokuspapier is alle!)
    Ansonsten wiedermal ein gelungener Blog und herrliche Bilder.So allmählich geht es aber jetzt wohl Richtung Äquator. Solltet ihr jetzt von weiteren Strassenblockaden verschont werden ,wünsche ich euch für die nächste Etappe immer einen millimeter Gummi unter der Felge.(PS besorg dir Pannenspray!)
    Herzliche Grüße Eure Channel Rat

  4. Verena Spitzhüttl sagt:

    Hallo Rita und Lothar,
    Wahnsinn, was Ihr so alles erlebt!!!Sehr spannend und anschaulich geschrieben mit grandiosen Fotos.
    Wie langweilig ist es doch im Gegensatz dazu in Kölle, obwohl es hier sehr lebendig ist.
    Bin seit fast 1 Jahr übrigens Oma(Dina) und Mark studiert in Dortmund.Auf jobsuche bin ich auch immer noch..
    Hoffentlich kommt Ihr auch pünktlich zurück, hab nämlich für den Rita-Saubeutel schon einen eventuellen job in Remscheid.
    Bleibt bloß gesund und fit, bis zum nächsten „Kontakt“, liebste Grüße von Nena

  5. Jürgen sagt:

    Kurze Mitteilung bez. Fehler: Euer letzte Bericht (31.1.) hat nicht ganz hochgeladen – unterbrochen mitten in einem Wort!! Versucht’s nochmal. (Könnt diese Nachricht dann löschen)

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