Buenos Aires bis Halbinsel Valdés

Buenos Aires, Juves, 2010-12-16

da stehen wir nun, es muss ein Standplatz für die Nacht her. In vielen Reiseberichten wurde der Stadtteil Puerto Madrin, unmittelbar südlich des Containerhafens, als gute Möglichkeit empfohlen. Ohne funktionierenden Garmin und ohne Stadtplan, aber mit vielen Einbahnstraßen gilt es diesen Stadtbezirk in der Rushhour zu finden. Dank einer guten Karte von Nelles, dem Reiseführer von Reise Know How und unserem Handpeilkompass kommen wir wieder mal unter Missachtung sämtlicher Verkehrsregeln auch an.
Abends stehen wir am Ostufer des „Dique No. 1“ unmittelbar am „Torre El Malecón“, genießen die relative Ruhe (die Großbaustelle auf der anderen Straßenseite macht uns nach 7 Wochen Dauerbeschallung durch Motorenlärm am Tag und Klimaanlage in der Nacht nicht wirklich kirre), und ertragen die immerhin noch 35°C der Abendsonne mit dem leckeren Champagner von Cousine Erika.
Bei der Suche nach diesem feinen Plätzchen hat Lothar eine kleine Eckkneipe entdeckt. Hier wollen wir ein leckeres kühles Bier trinken. Aber noch haben wir keine Argentischen Pesos. Leider akzeptiert der Wirt weder Dollar noch Euro, und Kreditkarte natürlich auch nicht. Doch nebenan ist das Spielkasino, dort könne man Geld tauschen. Also machen wir uns auf in diese feine Lasterhöhle, ein paar Euro oder Dollar zu tauschen. Dies geht aber nur mit Reisepass. Den hatten wir natürlich nicht mitgenommen. Also wieder zurück zum Auto und das ganze noch einmal. Schließlich haben wir unseren unbändigen Durst dann doch noch mit herrlich frischem Bier löschen können.

Viernes, 2010-12-17
Nach geruhsamem Frühstück mit leckerer Wurst auf Schwarzbrot aus heimischen Gefilden machen wir uns auf, Buenos Aires zu erleben. Aber zuvor müssen auch hier noch ein paar Notwendigkeiten erledigt werden: Kfz-Versicherung, Geld tauschen, Verproviantierung. Eigentlich kein Problem, wenn da nicht der Straßenverkehr (12 Spuren in einer Richtung und 20 Fahrer, die in der ersten Reihe stehen wollen) in Buenos Aires so seine Eigenarten hätte. Nach 6 Stunden sind alle Sollaufgaben erledigt. Völlig entnerft und total verschwitzt (bei 40° C im Auto kein Wunder) suchen wir uns wieder ein nettes Plätzchen in Puerto Madrin, diesmal wirklich sehr ruhig, nahe am Yachthafen. Todmüde fallen wir in unsere Kojen. Nachts um 23:30: Mückenalarm; aber auch das schreckt uns nicht wirklich. Wir erschlagen an die 100 Mücken und lassen die Spuren des Blutbades zur Abschreckung bis zum nächsten Morgen.

Pampa, Sábato, 2010-12-17
Nach den gestrigen Erlebnissen beschließen wir, den aufgeheizten Moloch Buenos Aires nicht näher zu erkunden und machen uns auf den Weg gen Süden. Ohne Garmin oder vernünftige Stadtkarte wieder mal eine ziemliche Herausforderung. Aber irgendwann haben wir die richtige Ausfahrt aus dieser Megastadt (150 km von NW nach SE) gefunden!
Pampa! Soweit das Auge reicht. Hunderte von Kilometern endlose Weideflächen, hier und da kleine Wäldchen, in denen sich kleine oder auch größere Estanzias befinden, Straße bis zum Horizont geradeaus, dann eine Rechts- oder Linkskurve und wieder -zig Kilometer geradeaus, am Straßenrand kleinere oder größere Sumpfgebiete mit Kranichen, Flamingos und Störchen,

hier und da kleinere Ansiedlungen. Wir machen Siesta an einem großen See bei San Miguel del Monte und erfreuen uns an der Vielzahl der Seevögel (für Ornitologen ein unbedingtes Muss) und an großen wilden Meerschweinchen(?).

Nur Gauchos sehen wir nicht; die sind offensichtlich ausgestorben. Dafür aber deren Rinderherden

und Heiligenhäuschen, die für die Fernfahrer und Reisenende aufgestellt sind, um Schutz für sie auf der Reise zu erbitten.

Abends in der Nähe von Azul ein Hinweisschild: Parque, Piscina, Camping. Nach 2 km Staub- und Schotterpiste (Vorgeschmack auf das, was uns noch erwartet) eine idyllisch gelegene, weitläufige Anlage unter Schatten spendenden Bäumen, Strom- und Wasseranschluss, steinerne Sitzplätze, Grillstellen, Feuerholz, unmittelbar an einem Flüsschen gelegen. Das ist der richtige Platz für uns!

Wir beschließen den Abend mit einem leckeren Bierchen und ihr werdet es nicht glauben: mit einem WARSTEINER, gekauft mitten in der Pampa in einem Mini-Mercado an der Straße.

Domingo, 2010-12-18
Schon in den letzten Tagen mussten wir den ein oder anderen Technikausfall registrieren. Es ist wohl an der Zeit, mal das ein oder andere durchzuchecken. Tja, nun hat nicht nur Ritas Handy den Geist aufgegebenen, nein, auch unser Wechselrichter (aus 12 Volt mach’ 220 Volt) ist im Eimer. Was tun? Wo bekommen wir einen neuen her? Just in diesem Moment kommt der Platzwart und möchte Übernachtungsgeld (4 €) kassieren. Natürlich möchte er auch noch ein bisschen plaudern, was sich bei unseren Spanischkenntnissen noch etwas schwierig gestaltet. Aber der Gute hält die „Konversation“ tapfer durch. Wir fassen Mut und erklären ihm unser Problem. Ja, heute an Domingo geht natürlich gar nichts, pero mañana, morgen will er uns auf einer Stadtkarte zeigen, wo wir ein solches Teil vielleicht kaufen können. Wir bezahlen für eine weitere Nacht 2 € und genießen den Tag auf dem großartigen Campground von Azul.
Nachmittags ist Baden im Schwimmbad angesagt, fantástico! Anschließend warme Dusche vom Feinsten, und das mitten in der Pampa! Eigentlich schade, dass mir bei dieser Gelegenheit eine Goldkrone (7. o. li.) untreu geworden ist. Ich hab sie aber eingefangen und erst mal im monedero verstaut, sozusagen als ultimatives Zahlungsmittel.

Lunes, 2010-12-19
Ein feines Städtchen ist dieses Azul! Wir haben Glück und können einen neuen Wechselrichter gleich im 2. Geschäft erstehen. Sen. Alvarez hat das Geschäft des Tages gemacht und sperrt seinen Laden ab, nachdem wir gegangen sind.
Unser Weg gen Süden führt uns durch die Sierra de la Ventana, eine interessante Berg- und Hügellandschaft. In gleichnamigem Städtchen finden wir auch einen Übernachtungsplatz unmittelbar vor der Touristeninfo.
Martes, 2010-12-20
Man glaubt es als normalgestrickter Mitteleuropäer nicht, aber zwischen den einzelnen Distrikten in Argentinien wie z. B. La Pampa und Patagonien wird kontrolliert, ob die Reisenden Obst, Gemüse, Fleisch und Wurst über die „Grenze“ schmuggeln. Wir werden rausgewunken, müssen unsere Äpfel und Nektarinen aufessen (wir erinnern uns an Brigitte und Dieter in Australien) und die Paprikas werden konfisziert. Fleisch und Salami dürfen wir behalten, mit der Maßgabe, das Fleisch bis zur nächsten Kontrolle in 100 km aufzuessen und die Salami bis in weiteren 150 km. Sind sie nicht nett, diese argentinischen Kontrolleure!

El Condor / Viedma, 2010-12-21/22
Die Drempel in der Straße zur Geschwindigkeitsreduzierung und die Hinweise auf max. 20 km/h sollte man wirklich ernst nehmen. Wir haben’s übersehen mit dem Ergebnis, dass sich unsere Reisebibliothek flächendeckend im gesamten WoMo verteilt hat und eins unserer abgezählten Schnapsgläser aus dem Regal geflogen und zu Bruch gegangen ist.
Vormittags haben wir 4 Stunden im Internet verbracht, um unsere Mails zu checken und unsere Berichte einzustellen. An dieser Stelle bitten wir alle, die uns freundlicherweise einen Kommentar zukommen lassen, und über den wir uns immer wieder ums Würstchen freuen, um Verständnis, dass wir nicht jedes Schreiben einzeln und persönlich beantworten können. Es ist halt was anderes, in einem fremden Land 1x pro Woche endlich mal wieder ins Netz zu kommen, als zu Hause, wo man mit seinem Rechner quasi den ganzen Tag online ist. Und noch eine herzliche Bitte: Wenn ihr uns per Mail direkt andrahtet, bitte keine großen Anhänge mit Bildern und Animationen. Leider ist das Internet in diesen Gefilden nur sehr schwach ausgelegt. Wir können max. 2 MB empfangen. Sind die Anhänge größer, werden auch die nachfolgenden Mails nicht empfangen. Vielen Dank für euer Verständnis.
Nachmittags sitzen wir dann wieder völlig entspannt in einem Café am Rio Negro. Auf den Wiesen am Fluss lagert und tummelt sich die einheimische Bevölkerung im Schatten der großen, alten Bäume. Jungs und Männer im 2./3. Frühling präsentieren ihr Ballgefühl dem staunenden Publikum. Segler, Motorbötchen, Kanufahrer, Schwimmer bevölkern das Wasser und wir feiern unseren heutigen Erfolg mit dem World Wide Web mit Sandwich und Cervesa fria.

Es ist alles so wunderbar entspannt, und wir beschließen, noch eine Nacht zu bleiben. Also: im Super-Mercado ein bisschen einkaufen (auch unseren Lieblings-Cachaça No. 51 haben wir gefunden), und dann finden wir auch noch einen tollen Platz unter der Puente Ferrocarretero, direkt am Nordufer des Rio Negro. Da sitzen wir nun und genießen die Abendsonne bei einer leichten, erfrischenden Brise. Es gibt Cordero (Lamm) mit Böhnchen, natürlich mit gehörig Zwiebeln und Knoblauch. So kann man’s aushalten.

Patagonien, 2010-12-23,
Endlose Weiten, endlose Straßen, rechts und links Wüstenvegetation. Zehntausende von Quadratkilometern ungenutztes Brachland. Es ist grüner als in der Pampa, trotzdem keine Rinderherden. Es gibt Büsche, aber nur knöchel- bis hüfthoch, und alle 100 km ein Baum. Wir machen eine kleine Mittagspause an einer einsamen Tankstelle mitten in der Wildnis. Rita steigt aus: „Es zischt!“ „Quatsch, was soll hier zischen?“ „Doch, es zischt!“ „Wo?“ „Weiß nich’.“ Zusammen finden wir eine undichte Rohrverbindung unter’m Auto an unserem Unterflur-Gastank. Zwei 17-er Maulschlüssel her, und schon ist das Hauptproblem gelöst. Aber beunruhigenderweise wir haben jetzt nur noch 5 % Gas im Tank. Hier ist es für den Kühlschrank, in Tierra del Fuego und später in den Anden für die Heizung unabdingbar. Rita fragt und findet heraus, das eine Tankstelle im 250 km entfernten Puerto Madryn Gas habe. Na prima, da wollten wir ja sowieso hin. Aber die Strecke zieht sich und geht mir wegen der Helligkeit schwer auf die Augen. Daher ein kleiner Zwischenstopp in Sierra Grande mit Kaffee und weihnachtlichem Gewürzspekulatius aus der Heimat bei 35° C im Schatten.
Leider müssen wir in Puerto Madrin feststellen, dass es zwar tatsächlich eine Gasabfüllstation gibt, aber für die Befüllung eines Unterflurtanks keine Möglichkeit besteht, vielleicht in Trelew. Na, prima das liegt auf der Strecke gen Süden. Also machen wir uns auf zur

Paninsula Valdes, 2010-12-24/25/26
ein Naturschutzpark für Wale, Seelöwen, Pinguine etc. Wir quartieren uns auf dem dortigen Campingplatz ein. Warm duschen und Elektroanschluss nach Tagen des „wild camping“ tut unbedingt not.
Nach leckerem Grillfleisch und einem Tässchen kühlen Bier klettern wir gegen 23:00 in unsere Kojen. Gerade eingeschlafen, werden wir um Mitternacht durch einen Mordslärm geweckt. Ein Feuerwerk im gesamten Ort. Es wird gefeiert: Es ist Weihnachten!
Erster Weihnachtsfeiertag läuft hier gar nichts, auch keine Wale-Watching-Tour, die soll’s erst wieder am 26. geben. Und dies war dann auch ein großartiges Erlebnis. Leider konnten wir nur eine Walmama (von angeblich 13) mit ihrem Baby beobachten:

Abends kommt ein Sandsturm auf, sodass wir uns mit unserem WoMo auf einen Felsen unmittelbar am Wasser verziehen. Dort treffen wir Ina und Peter aus Gütersloh. Auch sie brauchen Gas und wir beschließen, am nächsten Tag gemeinsam die Gasstation in Trelew zu suchen. Dies sollte als eine richtige Entscheidung heraus stellen, denn beide sind in Uruguay aufgewachsen und daher der spanischen Sprache wirklich mächtig.
Während wir da nun so in der ersten Reihe der Wale-Watching-Bucht sitzen und plaudern, kommen zwei weitere Walmamas mit ihren Babys sehr nahe ans Ufer und bieten uns eine Sondervorstellung, einfach nur toll! Die Sondervorstellung wird mit einem tollen Sonnenuntergang gekrönt.

Bild 2010-12-25 035-20 Sonnenuntergang

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6 Antworten zu Buenos Aires bis Halbinsel Valdés

  1. Hilmar sagt:

    Toll, dass hier regelmaessig soviel geschrieben wird.

  2. Verena Spitzhüttl sagt:

    Wenn auch verspätet, jedoch von ganzem Herzen alles Gute und ein feines, aufregendes Jahr 2011 wünscht euch Dreien Eure Nena(Saubeutel) aus Köln

  3. kanalratte sagt:

    und der 3.versuch.

    also wal zu abendessen und ganz ohne toast erscheint mir doch etwas absurdda hat sich ein intelligentes wesen wahrscheinlich nur mal die mobilen höhlenbewohner abschauen wollen,wohlwissend,für eien fototermin tun die alles.
    nein im ernst. tolles gadget.erlebt man wohl nur einmal im leben.

    sehnsuchtsvolle grüße euere kanalratte

  4. kanalratte sagt:

    also jetzt ist es amtlich .diese scheißmaschine frisst meine kommentare.
    habe euch probeweise 3 briefe geschickt, finde aber nur einen wieder. mein langer neujahrsgruß ist auch nicht aufzufinden. irgendwas mache ich falsch.auch wenn es lästig und unwichtig ist, seid doch so nett und mailt mir mal,wieviele kommentare ihr vom 4.1.2011 von mir bekommen habt

    liebe grüße
    walter

    • Lothar sagt:

      Lieber Walter, gen. Channelrat,
      natürlich kommen alle deine Kommentare bei uns an, und wenn wir sie frei geschaltet haben, erscheinen sie auch im Blog unter dem Artikel, zu dem du deinen Kommentar verfasst hast. Vom 04.01. haben wir von dir 4 Kommentare (17:27, 17:07, 16:36 und 16:30). Du siehst, die „Scheißmaschine“ verduddelt also nix :-). Ich hoffe, dass du deine Megagrippe inzwischen überwunden hast, ansonsten empfehle ich eine Kur mit Pisco, Cachaca und Grappa, soll Wunder wirken. Dank der Pharmaindustrie geht’s mir gut, darf nur nicht vergessen, regelmäßig die entsprechende Chemie einzuwerfen, sonst geht’s mir dreckig. Ansonsten geht’s uns Dank der liebevollen Aufnahme im Hause von Ines trotz des Generalstreiks (http://www.studiosus.com/Informationen/Reisesicherheit) in der gesamten Region Magallanes prima. Gestern kam noch eine Gruppe von 7 Bulgaren ins Haus, die 1 Monat in der Antarktis in ihrer Forschungsstation am Rezovo Creek gearbeitet haben. Superinteressantes, lustiges Volk, mit dem zusammen wir gestern Abend Asado auf dem hauseigenen Parrillo gemacht haben. Weitere Infos zu den letzten Tagen erscheinen in Kürze in unserem Fortsetzungsroman im Blog.

  5. Harald Schmalor sagt:

    Liebe Rita,
    zu deinem Geburtstag alles Liebe und Gute, bleibt schön gesund und fröhlich und erfreut uns weiterhin mit den tollen Berichten und Fotos. Reni und ich haben die Vision, mit dem Boot nach Paris zu fahren. An dieser Vision arbeiten wir und wenn es klappt, sollte es 2013 Realität werden. Unser Enkelchen, Lenja ist nun auch schon 1/2 Jahr alt und gaaaaaaaanz niedlich. Morgen werden wir es spazieren führen. Sagt einmal, habt ihr auch eine Skype Adresse? Falls ja, könnt ihr uns anwählen unter harry.und.reni
    Das wäre doch toll, wenn wir mal mit dem Rechner telefonieren könnten. Uns und dabei auch noch sehen.
    Liebe Grüße, bleibt schön gesund

    Harald und Reni

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