Dakar – Freetown

Jueves, 2010-11-25

Nach dem Frühstück machen wir uns auf in die City von Dakar: unser erster Step auf afrikanischem Boden.



Mit Hilfe eines „unabweisbaren Dauerbegleiters“, der sich an unsere Fersen geheftet hatte*, finden wir auch eine Internetstube, in der wir mit unserem eigenen Laptop ins Netz kommen. Leider hat das mit der Verschickung unserer Mails nicht mehr vollständig geklappt, da irgendwann unser Akku den Geist aufgegeben hat.

(* Bouba, www.b_sow@yahoo.fr )

Immerhin hat Rita unsere Texte und ein paar unserer letzten Bilder im Blog unterbringen können. Und wir konnten die vielen Kommentare zu unserer Reise lesen. Habt alle herzlichen Dank für eure lieben Wünsche.
An dieser Stelle möchten wir uns auch endlich einmal ausdrücklich für den hervorragenden Service bedanken, den uns Mafra-Tours angedeihen lässt. Das, was wir von dort an laufenden Informationen per SMS, Mail und jetzt auch über unseren Blog bekommen, ist weitaus besser als das, mit dem sich unsere deutschsprachigen Mitreisenden, die bei zwei anderen deutschen Agenturen gebucht haben, begnügen müssen. Danke auch für den aktuellen Hinweis auf die Standorte der AIS-Transmitter, deren Informationen von einem größeren Teil unserer Blog-Freunde regelmäßig genutzt werden.
Dakar ist sehr staubig und heiß, die Gassen voll mit Menschen, Autos unterschiedlichster Art (Rostlauben, schicke Geländewagen, LKWs), Mopeds, Fahrräder, alles wuselt durcheinander, jedoch ohne europäische Hektik, begleitet von allen Gerüchen und Abgasen dieser Welt. Lothar war froh, als er sich in unserer Kabine unter unsere private Kaltluftdusche stellen konnte.
Nachmittags serviert uns ein besonders gutgelaunter Pio Espresso, frisch gepressten Orangensaft, eisgekühltes Zitronenwasser und last not least, seine offensichtlich große Liebe aus Griechenland (zumindest zweidimensional).

Abends mache ich ein bisschen Musik an der Reling. Es ist schon Wochen her (gefühlt Monate), dass ich eine Gitarre in der Hand hatte, und ich muss mich erst mal wieder ein bisschen eingewöhnen. Und dann, man glaubt es kaum, aber um 20:00 legen wir tatsächlich ab, Kurs auf Freetown, das sind mit dem Schiff knapp 1.000 km.

Viernes, 2010-11-26

Über dem Meer liegt der Morgennebel, aber ein Schritt nach draußen belehrt uns, das wir in tropischen Gewässern fahren. Also muss eine Kühlmöglichkeit für unsere Getränke her. Ein bisschen Palettenholz, Reste von Sektverschlüssen für die Haken und 2 Stück Bindfaden aus der Hosentasche – und fertig ist das Kühl-Hängeregal.

Das Mittagessen in der – angeblich klimatisierten – Offiziersmesse gerät zunehmend zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Wir flüchten und nehmen ein Bad im Fahrtwind, bei 2o kn durchaus erfrischend.
16:30 Position: N 09°38’, W 016°50’, Kurs: 140°, noch ca. 350 km bis Freetown, d. h., wenn nichts dazwischen kommt, kommen wir in den frühen Morgenstunden an. Da es dort offensichtlich an Fahrern mangelt, haben wir zwei Fahrer aus Dakar mitgenommen, die helfen sollen, die schweren Maschinen und Hunderte von alten Autos für den afrikanischen Markt, die zum Teil gar nicht mehr selbst fahrfähig sind, von Bord zu schaffen.
22:50 Inzwischen tuckern wir gemächlich aber stetig mit 30 km/h gen Osten, die Gürtelschnalle des Orion fest im Blick. Sternenklarer Himmel, aber wo ist unser Mond?

Sábado, 2010-11-27
In der Morgendämmerung – auch der Mond ist wieder da – laufen wir ein in die ausgedehnte Bucht bei Freetown, in die mehrere Flüsse münden. Die ersten Sonnenstrahlen schälen zunächst nur Landschaftskonturen und grobe Umrisse von Gebäuden und Bäumen aus dem grauen Nebel. Doch sehr schnell werden auch Einzelheiten erkennbar, einschließlich einer ansehnlichen Flotte von kleinen Einbaum-Fischerbooten, jeweils mit einem Afrikaner besetzt, die, nur mit einem Stechpaddel bewaffnet, mehrere Meilen vor der Küste zum Fischen fahren.

Vor dem Hafen gehen wir erst mal wieder vor Anker auf Pos. N 08°30,055’, W 013°13,661’. Die Temperaturen erinnern sich daran, dass sie in diesen Breiten bereits am frühen Morgen schweißtreibend zu sein haben. Verbunden mit der sehr hoher Luftfeuchtigkeit lassen sie uns an den Frühstückstisch flüchten, da sind es gefühlt immerhin unter 30°C.
Mittags stellt sich heraus, dass die prognostizierten 2 Stunden Wartezeit umgerechnet werden müssen. Hier bedeutet das: mindestens 2 Stunden auf der nach oben offenen afrikanischen Zeitskala. Wir warten und schauen einem afrikanischen Segler hinterher.

Nachmittags kommt die Info, dass der mittlere der drei Plätze an der Pier frei wird. Unser Comandante lässt es sich nicht nehmen, sein Schiff mit Bug- und Heckstrahlruder selber in die enge Lücke hineinzuzirkeln.


Nachdem das bravourös geschafft ist, brauchen wir jetzt ja nur noch das Aus- und Einladen abzuwarten. Ich vertiefe mich wieder in Che Guevaras Motorcycle Diaries, muss man gelesen haben. Immer wieder zwischendurch ein Blick auf die Ladevorgänge: mit wildem Gestikulieren, begleitet von lautstarkem Geschnatter empfangen ca. 50 Afrikaner jedes Auto, das vom schiffseigenen Kran vom Oberdeck auf die Pier gehievt wird – zunächst noch relativ behäbig, dann aber zunehmend rasanter (auf eine Beule mehr oder weniger kommt es nicht an).

Domingo, 2010-11-28
Nun sind wir schon seit einem Monat auf diesem Schiff. Der heutige Morgen präsentiert sich uns ohne Dunst über dem Festland. Klar und deutlich sind die Behausungen der Freetowner zu erkennen. Entsprechend der Topografie zieht sich die Bebauung von der Küste mit den Slumvierteln den Berg in die besseren Wohnviertel hinauf. Die Sonne lässt die Temperaturen schon früh morgens so hoch klettern, dass wir es vorziehen, in unserer Kabine zu bleiben, die inzwischen aufgrund der Außentemperaturen keine wirkliche Kühlkammer mehr ist, aber unser Überleben sichert. In der Ferne spielen Einheimische trotz der Bruthitze in der Mittagssonne seit Stunden Fußball – unvorstellbar.
Mit Donnerhall und Erschütterungen, die das Schiff erbeben lassen, verlädt ein Grobmotoriker am Joystick leere Container an zwei Stahlseilen aufs Oberdeck. Dabei nimmt er fast jede Bande mit, die sich ihm bietet. Einer der Arbeiter trägt einen weißen Schutzhelm, aber wohl eher gegen die Sonneneinstrahlung.

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