7 Wochen reisen – 4 Wochen zahlen

So oder so ähnlich könnte es in einem Werbespot zu unserer Schiffsreise heißen, natürlich das ganze „all inclusive“. Einige Dinge sollte der geneigte Leser jedoch vor Antritt einer solchen Reise wissen:
7 Wochen gute italienische Küche wie bei Mama Leone mit viel Pasta (2 mal täglich) in allen Variationen, Erbsen-, Bohnen- und Linsensuppe immer mit viel Pastaeinlage, Fisch zu jeder Mahlzeit, Rinder-Steaks so dünn wie Zeitungspapier, mit oder ohne Mehl- oder mit Eierpanade, Schmorfleisch, natürlich vom Rind, mit einem Hauch von Wurzelgemüse, Sonntagshühnchen, Gemüse selten und auch für Zahnlose geeignet, aber immer auch Obst, auch zur Mitnahme in die Kabine für den kleinen Appetit zwischendurch.
7 Wochen Espresso, sowohl nach jeder Mahlzeit als auch nachmittags um 16:00 Uhr.
7 Wochen 1 Karaffe Rotwein mit viel Eiswürfel zu jeder Malzeit, für besondere (nicht ständig nörgelnde) Gäste auch eine 2. Karaffe (Rest kann mit in die Kabine genommen werden).
7 Wochen 1 Flasche Mineralwasser ohne Kohlensäure zu jeder Mahlzeit.
7 Wochen immer frisch gebackene Brötchen und Zwiebelpizza zum Frühstück (ab 06:00 Uhr in der Früh verbreitet sich der Duft von frisch Gebackenem auf Ponte 8).
Bis hierhin hört sich das alles ziemlich gut an, der Gedanke an den „Italiener um die Ecke“ drängt sich einem unwillkürlich auf. Und was kann es Schöneres geben, als Meer, Sonne und gutes italienisches Essen? Eben Dolce Vita!
Aber irgendwann kam bei uns so ganz leise und heimlich der Wunsch auf, mal etwas ganz einfaches zu haben, mal in eine saure Gurke zu beißen, mal ein paar Kartoffeln zu essen, mal ein kühles Bier zu trinken oder seinen Durst bei Sonne pur, keinem Schatten an Deck und 35° in der Kabine mit einer Flasche Mineralwasser mit Kohlensäure zu löschen.
Nun denkt sich der ein oder andere, wie auch wir es getan haben, na, da kann man doch das Nötigste (und hier beschränkt es sich nicht nur auf „das Nötigste“, wie unsere Chaoscrew nun gleich wieder denkt!) im nächsten Hafen einkaufen. Leider war dies eine völlige Fehleinschätzung. Die Containerhäfen liegen alle, bis auf Dakar, weit ab von jeder Urbanisation. Einkaufsmöglichkeiten und auch Internetzugang sind nur mit Taxis erreichbar (außer in Tilbury), mancherorts ist dies relativ teuer, z. B.: Antwerpen 50 € eine Fahrt. Die Alternative, an Bord etwas kaufen zu können, wie mancher Reiseprospekt suggeriert, ist leider auch nicht möglich. Der Koch, Herr über sämtliche Lebensmittel und Getränke, hatte gerade mal eine Palette Bier für 7 Wochen und 28 Mann Besatzung und 12 Passagiere.
Unser Tipp: für solche Momente der einfachen oder auch besonderen Gelüste genügend Vorrat mitnehmen. Keine Angst vor dem Zoll, denen ist das wohl ziemlich egal, was so ein paar Wohnmobilisten in ihrem WoMo aus Deutschland mit auf’s Schiff nehmen, wir wurden jedenfalls in Hamburg überhaupt nicht kontrolliert.
Mit diesem Statement möchten wir uns ausdrücklich nicht mit in die Reihe der Nörgler in den Internetforen stellen, die die Versorgung und den Service bei Grimaldi für unzumutbar schlecht halten. Ganz im Gegenteil, den Service auf der Repubblica del Brasile empfanden wir als sehr gut. Entgegen der Reisebedingungen wurden die Kabinen täglich gereinigt, die Bettwäsche mindestens alle 14 Tage und die Handtücher wöchentlich bzw. nach Bedarf gewechselt. Die Crew war ausgesprochen freundlich und hilfsbereit.
Auch der Sicherheit wurde ein sehr hoher Stellenwert beigemessen, nicht nur was die seemännische Sicherheit angeht, sondern auch hinsichtlich der Sicherheit unserer WoMos bezüglich Beschädigungen und Diebstahl. In Freetown waren z. B. die Etagen, wo unsere WoMos standen, verriegelt und verrammelt und auch für uns nur in Begleitung von Schiffspersonal zugänglich.
Zur Verständigung an Bord war uns natürlich klar, dass auf einem Schiff der Reederei Grimaldi mit Sitz in Palermo italienisch gesprochen wird. Wir hatten allerdings gehofft, dass wir auf einem Schiff, dass in internationalen Gewässern mit internationaler Crew fährt, auch ganz gut mit Englisch klar kommen würden. Aber weit gefehlt, die Crew sprach samt und sonders, mit Ausnahme des Comandante und des First Mate, wenn überhaupt nur „Schiffsenglisch“, und dies war überwiegend nur sehr schwer zu verstehen. Bei wichtigen Dingen haben wir dann Hände und Füße dazu genommen oder sooft nachgefragt, bis wir eine halbwegs verständliche Antwort erhielten, bei unwichtigen Dingen haben wir einfach freundlich genickt und ein „si, si“ oder „ok“ von uns gegeben.
Unser Tipp: Wörterbücher auch in Englisch und Italienisch mitnehmen.
Das einzige, was aus unserer Sicht verbesserungswürdig ist, ist
a.) der Informationsfluss von Brücke zu den Passagieren über Änderungen des geplanten Zeitablaufes, Verspätungen, Liegezeiten vor Anker, Aufenthaltsdauer in den einzelnen Häfen, etc.
b.) die Technik der Klimaanlage, die ständig qua Selbsthilfe per Ausstopfen und Abdichten oder Öffnen der Lüftungsschlitze nachgeregelt werden musste.

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1 Antwort zu 7 Wochen reisen – 4 Wochen zahlen

  1. Schön zu lesen, daß Sie dann doch noch angekommen sind!
    Ja, das war eine ganz besondere Reise mit vielen kostenlosen Extraeinlagen 😉
    Oder sollen wir sagen „eine Seefahrt, die ist lustig“ ? Unberechenbar ist sie auf jeden Fall immer. Aber keine Bange, wir haben hier im Hintergrund alles im Auge behalten.

    Ich werde jetzt nur noch als stiller Mitleser interessiert den weiteren Reiseverlauf verfolgen, denn mein Gebiet (Schiff) ist ja jetzt abgehakt. Auf jeden Fall wünsche ich eine weitere schöne Reise und gesunde Wiederkehr!

    Wenn es so weit für die Rückreise ist, dann einfach nur rechtzeitig eine Mail an uns senden und wir regeln alles.

    Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in 2011 wünscht die Crew von Mafratours!

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