Die letzten Meilen und wieder zu Hause

Nachdem man uns so unsanft aus dem Shenondoah-Nationalpark verjagt hat, hatten wir auch keine Lust, am anderen Tag noch einmal hinzufahren, noch einmal 15 $ Eintritt zu bezahlen, nur um auch die letzten Kilometer des legendären Skyline-Drives – des nördlichsten Zipfels des Blue-Ridge-Mountain HWY – abzufahren. Also geht die Reise über die Landstraße westlich der Blue Rigde Mountains. Unser Kartenmaterial verspricht uns eine weltberühmte Höhle. Ist doch auch ganz nett, hatten wir auf dieser Reise noch nicht im Programm.

Aber: ein Parkplatz für über 1.000 Fahrzeuge mit eigener Tankstelle, die Eingangsgebäude im Walt Disney Stil, und dann die Eintrittspreise, ja, sind wir denn Rockefeller! Wir nehmen reiß aus.

In Front Royal treffen wir einen super freundlichen älteren Herrn in der Tour-Info. Er empfiehlt, in den Shenondoah State Park, gleich um die Ecke, zu fahren. Dort gebe es einen Camping Round Year. Es sei wunderschön dort. Nun wir fahren hin.

Wunderschön mag dieser Platz im Sommer und im frühen Herbst sein, aber nicht jetzt. Die Sonne strahlt zwar vom azurblauen Himmel, aber es ist lausig kalt. Die Plätze für unseren kleinen Van absolut überdimensioniert.

Die Duschen zwar lauwarm, das Showerhouse aber lausig kalt. WiFi gibt es hier im Bush natürlich auch nicht. Das könnten wir natürlich  im Info-Center der Stadt nutzen. Aber die Gebühr mit 37 $ ist irgendwie nicht so ganz adäquat!

Trotz aller Meckerei schmeißen wir hier zum letzten Mal auf dieser Reise den Grill an, denn jeder Camp-Platz hat einen eigenen Grillpit! Wir verbrennen all unser gesammeltes Holz, grillen perfekte Steaks und bereiten im Dutsch Oven noch ein perfektes Gulasch für morgen.

Durchgefroren bis auf die Knochen machen wir uns am nächsten Tag wieder auf den Weg, wollen den netten Herrn von gestern fragen, wo wir ein preiswertes Hotel finden. Wir wollen nicht mehr frieren! Wir wollen ein warmes Bett, eine warme Dusche! Leider ist der nette Herr heute nicht im Dienst. Seine nette Kollegin benennt uns ein Hotel. Leider liegt dieses so gar nicht auf unserer Strecke nach Washington. Also begeben wir uns auf den Freeway gen Osten. Dort besteht am ehesten die Chance, ein Hotel oder Motel zu finden.

Erst nach fast 60 km sehen wir am Straßenrand den ersten Hinweis auf Lodging. Unser Garmin nennt uns ein Motel. Aber nur auf Umwegen ist dorthin zu gelangen. Eine riesige Baustelle in einem Kleeblatt verschiedener Highways versperrt den Weg. Schluss endlich und nach mehreren Anläufen kommen wir dort an.

Ein Zimmer für 2 Personen, ok. Wie lange? Für 1 Nacht. Sorry, wir vermieten nur wöchentlich oder monatlich.

Ein freundlicher junger Mann möchte uns gerne helfen. Gleich um die Ecke sei ein Hotel, habt ihr GPS? Es ist dann ganz einfach, dort hin zu kommen. Kostet ungefähr 110 $ plus Tax. Wir sind begeistert, aber noch so eine kalte Nacht im Gelände? Die freundliche Rezeptions-Lady kommt dazu: „Ich bringe euch zu Best Western, es ist nicht weit und es ist billiger. Folgt mir.“ Sprach’s, klemmt sich hinter ihr Lenkrad und fährt los. 8 km weiter stehen wir vorm Hotel. Die Lady sagt good bye und braust wieder von dannen.

Nun ja, das Hotel hat offensichtlich schon bessere Zeiten erlebt, inzwischen ein bisschen heruntergekommen. Aber egal, Hauptsache ein warmes Zimmer, ein warmes Bett, eine warme Dusche.

Ein Zimmer für zwei Personen. 1 oder 2 Betten? 1 Bett kingsize würde reichen. 99 $ plus Tax.

UPS! Soll’n wir nicht doch noch mal die Zähne zusammen beißen?! Außerdem sind wir in der Stadt, da ist es bekanntlich um einiges wärmer, als draußen im Gelände. Also auf zum nächsten Schnellrestaurant.

Völlig unbehelligt und gar nicht so arg kalt verbringen wir hier die Nacht. Tags drauf können wir ausgeruht und nach gutem Frühstück die „Hauptstadt der Welt“, sorry, der USA erobern. Wir fahren keine 20 km und befinden uns im typischen Hexenkessel der amerikanischen Verkehrsspaghettiknoten. Nein, keine ernstzunehmenden Staus wegen des hohen Verkehrsaufkommens, man kann immer stracks durchfahren. 6 Fahrspuren in jede Richtung und in 3 bis 4 Etagen übereinander, Abfahrten sowohl zur Rechten, als auch zur Linken. Und nun stelle man sich vor, man kommt in eine Großstadt wie Washington! Da bist du einfach nur froh, wenn du einen GPS und eine konkrete Adresse hast. Und die hatten wir!

Cherry Hill Park, ein Camping, ein Camping mit allem was das Camperherz so begehren kann. Für uns mit WiFi, mit Laundry, mit warmer Dusche im warmen Showerhouse, mit Sauna, mit Whirlpool und für die Sommergäste mit zwei Pools, eben ein Good Sam Platz. Natürlich gibt es so viel Luxus nicht um sonst. 50 $ incl. Tax und Rabatte für ADAC. Egal wie, das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Und das genialste ist, es gibt ein Shuttle zur Metro,

mit der man unmittelbar die Downtown und damit die wichtigsten Sehenswürdigkeiten erreichen kann.

Leider stehen die letzten Tage erneut unter dem Zeichen von Asklepios, dem ägyptischen als auch griechischen Gott der Heilkunst. Lothar erfreut sich zum 3. Male an einer ausgewachsenen Vereiterung im linken Unterkiefer. Ein heimischer Dentist wird aufgesucht, mit diabolischer Freude klimpert er immer wieder wie zufällig auf den Resten von 4/7 herum, die unter einer 3er-Krone versteckt sind. Auf die Frage, was zu tun sei, kommt prompt: „Extrahieren!“, was die feinere Umschreibung für Rausreissen ist. Auf unsere Fragen nach Alternativen die lapidare Antwort: Antibiotika und schwere Schmerzmittel. Wir entscheiden uns trotz schlechten Gewissens (wegen des ständigen Antibiotikakonsums) für Variante 2. Den Rest des Tages verbringt Lothar vollgepumpt mit Schmerzmittel zwischen Wachen und Dämmern im Bett. An Sightseeing ist heute absolut nicht mehr zu denken.

Wir buchen eine weitere Nacht und für den nächsten Tag eine „Hopp on – Hopp off – Tour“.  Eine wirklich feine Sache. Nach festgelegter Route fährt ein Tourbus

den ganzen Tag die wichtigsten Sehenswürdigkeiten an. Man steigt aus, macht seine Besichtigung und Fotos und steigt in den nächsten Tourbus wieder ein.

Wie man sieht, alles ganz schön monumental. Dies muss natürlich besonders geschützt werden.

So geschützt und vor den hohen Zäunen des Weißen Hauses darf dann auch eine Minidemo stattfinden.

Vor allem für Lothar war so die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten möglich. Im Bus konnte er sich dann immer wieder ausruhen. Während der Fahrt sieht man dann auch immer wieder Bettler und Obdachlose, die von dem großen Kuchen des Tourismus auch  ein paar Cent abhaben wollen.

Am nächsten Tag sind noch die letzten Meilen auf diesem Kontinent auf eigener Achse zu fahren: auf der Fahrt nach Baltimore. Zunächst steuern wir auch hier Downtown an. Eigentlich wollten wir irgendwo am „Innerhabor“, am Inneren Hafen parken und noch ein bisschen Sightseeing machen. Aber die Parkdauer ist auf 30 Minuten beschränkt. Auf dem großen Parkplatz gegenüber möchte man gerne 10 $ pro Stunde kassieren. Wir beschließen, das Motel, das wir für die beiden letzten Nächte bereits gebucht haben, schon heute aufzusuchen und die Verweildauer im Hafen auf 30 Minuten plus X zu begrenzen.

Gerne können wir schon jetzt das Zimmer beziehen. Es gibt bei 3 Übernachtungen noch einmal 10 % Rabatt. Na, das ist ja super. Froh gelaunt beziehen wir unser kleines Apartment mit vorgelagertem Parkplatz. Ein ganz typisch amerikanisches Motel, so wie man es aus Filmen kennt.

Es war eine gute Entscheidung! Lothar fühlt sich nicht so wirklich gut, abgeschlagen und müde fällt er ins Bett. Immer wieder versucht er sich am Aufrödeln des LTs zu beteiligen,

muss aber dann doch immer wieder nach kurzer Zeit abbrechen. Es wird höchste Zeit, dass wir nach Hause kommen!

Schließlich ist alles für die Verschiffung vorbereitet. Donnerstagmorgen 8:30 Uhr, wir sind beim Spediteur, wir treffen Kurt Müller, einen Chemiker, der für das Pentagon geforscht hat, nun im Ruhestand, nun Reiseführer, nun Schiffsüberführhelfer. Dank Kurt Müller sind schnell alle Formalitäten beim Spediteur erledigt, unser LT durch den Zoll gebracht. Heide Müller, seine Frau, bringt uns nach Washington Dulles. (An dieser Stelle noch einmal: Ganz herzlichen Dank an den Müller und die Müllerin!) Von dort geht unser Flieger nach Hause, nach Düsseldorf. Wir haben noch viel Zeit bis zum Einchecken und noch mehr Zeit, bis unser Flieger schließlich amerikanischen Boden verlässt.

Die letzten Reste aus der LT-Bordküche werden verspeist,

die letzten Coins  in irisches Bier im Flughafenpub umgesetzt.

Irgendwann ist es dann soweit, wir nehmen Platz in einer Maschine der KLM.

Für uns eine völlig neue Erfahrung, Linie sind wir noch nicht geflogen. Wir haben Raum auf unseren Plätzen, die Knie sind da wo sie eigentlich sein sollen und nicht unter dem Kinn! Sofort nach Verstauen des Bordgepäcks erhalten wir ein Getränk, für Lothar megawichtig. Nach dem Abendessen gibt es Kaffee (holländischen! der schmeckt!) und einen Cognac. Während des 7 ½-stündigen Fluges werden wir kontinuierlich mit Säften, Tee und Mineralwasser versorgt, leise und diskret, auf Wunsch gibt es Bier und Wein. Es war der angenehmste Langstreckenflug, den wir je hatten.

Amsterdam,

leider müssen wir zum Weiterflug mit dem Cityhopper

bis zum anderen Ende des Flughafens! Aber es ist genügend Zeit, wir brauchen nicht zu hetzen. Kaum sind wir oben über den Wolken,

da setzt der Pilot auch schon wieder zum Landeflug an, eben hoppen von Amsterdam nach Düsseldorf. Wir sammeln unser Gepäck ein und treten durch die Tür in die „Arivel-Halle“. Viele Leute stehen dort, warten auf ihre Freunde, warten auf ihre Familie. Und wer steht gleich vorne, mittig vor der Empfangsempore und reißt die Arme hoch? Unsere Jungs! Beide haben’s irgendwie möglich gemacht und sind da, holen ihre Oldies ab! Wir sind glücklich, diese beiden Goldstücke in die Arme nehmen zu können.

Zuhause gibt es einen Sekt, wie bei Hampens Tradition, und super leckere Bratkartoffen aus frischen bergischen Kartoffeln! Einfach lecker! Wir sind wieder daheim!

Was nun folgt ist nicht wirklich lustig, gehört aber zur Berichterstattung auch irgendwie dazu. Kaum eine Woche in Remscheid, muss ich Lothar wieder ins Krankenhaus bringen. Blutzuckerwerte und Nierenwerte jenseits von gut und böse, wie unser Hausdoc sehr drastisch formulierte: “kurz vorm Koma, kurz vorm Exitus“. Aber wir, Lothar und ich, haben beschlossen, wir lassen uns nicht unterkriegen! Wir haben schon wieder Pläne! Irgendwann geht unsere Weltreise weiter! Wir melden uns!

Wir danken all unseren Lesern für ihr Interesse an unserer Reise, an unseren Erlebnissen.
Wir danken all unseren Lesern für ihre Kommentare, manche kurz und knapp, manche sehr belesen und geistreich, manche witzig, manche bott und direkt, manche aus tiefster Seele. Wir haben uns über jeden Beitrag sehr gefreut.

Wir danken allen, die uns beherbergt haben, uns in Notsituationen weitergeholfen haben, uns regelrecht adoptiert haben.

Wir danken allen, die uns – jeder auf seine Weise – diese Reise so wertvoll gemacht haben.

Wir wünschen all unseren Lesern eine wunderschöne, ruhige und besinnliche Adventszeit. Lasst euch nicht durch den allgemeinen Weihnachtsstress anstecken. Lasst die Geschenke einfach in den Läden stehen und macht euch stattdessen einen schönen Tag, eine schöne Zeit mit euren Lieben, nehmt euch Zeit für einander!

Wir wünschen all unseren Lesern ein gutes Neues Jahr. Mögen eure Wünsche und Pläne in Erfüllung gehen. Vor allem bleibt alle schön gesund!

Herzliche Grüße aus dem Bergischen

Rita und Lothar und LT28,
die 3oldiesontour

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Country Roads

Via Interstate begeben wir uns raus aus dem Verkehrschaos von St. Louis. Aber nach 80 Meilen haben wir erst mal genug mit immer gerade aus bis Übermorgen. McDonald lädt ein zur Nachtruhe.

Früh morgens starten wir. 80 Meilen Freeway stehen noch an, und dann geht es über Landstraßen, um DIE Country Roads zu erreichen, die von John Denver besungen wurden. Bis dahin gibt es aber noch das ein oder andere zu besichtigen.

Rockford, ein kleines skurriles Städtchen mit einer perfekten Riverfront am Ohio für unsere Mittagspause.

Kaum stehen die Räder still, kommen zwei ältere Herren, und das übliche Gespräch woher, wohin nimmt seinen Lauf. Und dann berichten die beiden mit stolz geschwellter Brust, dass Präsident Lincoln mit einem Boot von Kentucky gekommen sei und hier gelebt habe. Damit haben wir wohl das wichtigste über diesen Ort erfahren.

In Cloverport gibt es dann auf dem Dorfanger an der Riverfront auch ein nettes Plätzchen für die Nacht.

Extra für Walter: große Schubverbände (3 x 5 Lastkähne) kämpfen sich stromaufwärts. Das beruhigende Wummern und Stampfen der Schiffsmotoren ist mal etwas anderes, als das durchdringende Pfeifen der Lokomotiven.

Auch Fort Knox, ja, DAS Fort Knox, liegt auf unserer Strecke. Wahrscheinlich haben wir uns durch unser auffällig langsames „Heranpirschen“ über den HWY 31 W mit eingelegtem Fotostop schon verdächtig gemacht und Alarmstufe Gelb ausgelöst.

Bei der Zufahrt zur Einlasskontrolle kommt dann auch gleich ein auf „wichtig“ kostümierter Sicherheitsbeamter quer über 4 Fahrbahnen auf uns zu und will unsere Kamera sehen. Er verlangt, dass ich vor seinen Augen alle Bilder lösche, auf denen Fort Knox zu erkennen sei. Nun kenne ich meine Kamera etwas besser als der und kann ein paar Bilder retten. Sodann werden wir durchgewunken und kommen den Sicherheitszäunen und der seit James Bond weltberühmten Auffahrt des weltberühmten Sicherheitsbunkers auf Steinwurfweite nahe. An der Besichtigung der inneren Schatzkammern können wir nicht teilnehmen, versuchen uns aber vorzustellen, dass dort mehr als 4,5 Tausend Tonnen Gold liegen – es gelingt uns nicht so wirklich.

Ein längerer Aufenthalt zwischen den Sicherheitszäunen war eh nicht geplant, da Rita kurz vorher auf dem HWY noch eine alarmierende Äußerung losgeworden ist: „Du ich finde, der Motor hört sich wieder so komisch an, so als würden wir wieder nur auf 5 Pötten laufen!“ Kann doch nicht sein, ist doch alles neu und dicht! Aber Kontrolle ist besser.

Nächster Waldweg rechts rein, und das eingeübte Prozedere wird abgespult. Und wir wollen es nicht glauben, die Leitung zum 3. Zylinder ist an der Überwurfmutter undicht. Munter und lustig sprudelt der Diesel, als wäre dies seine vornehmste Aufgabe. Weiter Anziehen geht auch nicht, jedenfalls traue ich mich nicht (nach ganz fest kommt ganz lose). Kurzerhand wird diese Leitung gegen die ausgetauscht, die uns der Ford-Mechaniker gebastelt hat. Und nun ist alles wieder dicht und gut. Es kann weiter gehen.

Mittags landen wir – natürlich rein zufällig – in Bardstown, der Hauptstadt des amerikanischen Wiskeys. Immerhin 5 Destillen zieren den Stadtplan und laden zur Besichtigung ein. Wir entscheiden uns erst mal für ein kräftigendes Mittagessen als Grundlage. Sicher ist sicher.

Wir wählen für eine Besichtigung die Heaven Hills Destilleries, wo sie einen typischen Kentucky Bourbon mit mind. 50 %  Maisanteil herstellen. Riesige Lagergebäude bezeugen den hohen Umsatz des Hochprozenters (2010 waren es 6 Mio barrel).

Immerhin muss das Getränk min. 6 Jahre in Eichenholzfässern reifen, bis es Geschmack und Farbe angenommen hat (ja, ja, der „Straight“ braucht nur 2 Jahre, aber wer trinkt den schon ;-). Anhand von Schautafeln lernen wir einiges dazu, angefangen von der Mixtur der Maissorten und der übrigen Getreide bis hin zum Verschneiden der blended Wiskeys, bei der über 80 Wiskeys in verschiedenen Mixturen gemischt werden.

Den Produktionsprozess selbst bekommen wir leider nicht zu Gesicht, siehe dazu aber: http://www.whisky.de/archiv/usa/heavenhi/brenn.htm.) Natürlich gibt es auch einen Fingerhut voll zum Probieren, das ist natürlich schnell auf der heißen Zunge verdunstet.

Als nächstes steht der Besuch von Pleasant Hill auf dem Programm, die größte sorgfältig restaurierte Siedlung der Shaker. Die Shaker waren eine tief religiöse Glaubensgemeinschaft ehelos lebender Brüder und Schwestern, deren Schütteltanz als Gebetsform vielerlei Spott ausgesetzt war. Anders als die Amish People sind sie jedoch dem technischen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen und betrachten Erfindungen als ein Geschenk Gottes. Im 19. Jh. bauten sie für ihre Mitglieder große mehrgeschossige Wohngebäude aus Ziegelstein, was damals sehr ungewöhnlich war. Die strenge Geometrie der Fassadengestaltung kommt so ohne jeglichen Schnickschnack und Firlefanz aus und ist wie auch die Möbel auf Funktionalität und Nützlichkeit ausgerichtet..

Trotz aller Strenge und Kühle der Gebäude fühlen sich die Viecherle ganz offensichtlich sehr wohl im Museumsdorf.

Auf dem Weg zum „Natural Bridge State Resort Park“ durchqueren wir „Bluegrass Country“, die Heimat der Vollblütler. Auf großen Rangen werden hier die besten Pferde gezüchtet und trainiert. Die mit weißen Zäunen umgebenen Gestüte erlauben eine Besichtigung nicht. Aber wie schon so oft, wirken die „Herrenhäuser“ aus einiger Entfernung noch prächtiger.

Am Freitagmorgen, 8. November haben wir das erste Eis innen an unserer Windschutzscheibe, das bedeutet, draußen haben wir ein paar Grad unter Null. Unsere morgendlichen Arbeiten am PC verlegen wir nach McDonald, die heiße Schokolade ist und tut gut, über die Kalorien reden wir später.

Nachmittags will Rita eine Flasche Rum für einen steifen Grog kaufen und erkundigt sich nach einem Licourshop. „We are a dry county“ so die entrüstete Antwort einer älteren Dame im Visitor-Center. Allerdings sei kurz hinter der Grenze – zum nächsten County, innerhalb desselben Staates (Anm. des Autors) – so ein Laden. Wir fahren die 10 km bis zum Nachbarcounty und finden tatsächlich den Laden. Ein bisschen fühlen wir uns wie in der Prohibitionszeit, als wir die Räuberhöhle betreten.

Zurück im „Natural Bridge State Resort Park“ finden wir auf dem dortigen RV-Campingpark ein sonniges Plätzchen, 29 $ ohne WiFi, ohne Laundry aber mit warmer Dusche im beheizten Showerhouse.

Morgen wollen wir eine kleine Wanderung zu den „Natural Arch“ machen. Mitten im Daniel Boon National Forest spannt sich einsam auf einer Bergkuppe „The Natural Bridge“, mit einer lichten Weite von 24 m und 20 m hoch. Der ADAC verspricht hierzu „einen gelungenen Outdoor-Tag“.

Urzeitliche Flüsse haben in diesem Gebiet ehemals Sand und Geröll abgelagert. Es entstanden die typischen Sandsteinschichten unterschiedlicher Festigkeit. Diese Sedimente waren durch Jahrmillionen den Erosionskräften ausgesetzt, die dramatische Klippen, Höhlen und Brücken geformt haben. Auf dem einstündigen Weg aufwärts gibt es immer wieder Verschnaufpausen in den „Shelters“, Schutzhütten.

Die „Natural Bridge“ war ursprünglich eine Höhle, deren Hinterwand durch Frost und/oder Erdbeben zunächst abgesprengt und dann nach und nach abgetragen wurde. Ein tiefer Spalt auf der Vorderseite veranschaulicht die Kräfte, die hier am Werke waren. Ich kann mich gerade so eben durchzwängen, immer die Angst im Nacken, ich bleibe stecken. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass mindestens die Hälfte der US amerikanischen Bevölkerung hier nicht durch kommt.

Und immerhin komme ich durch diesen Flaschenhals oben auf die Brücke.

Am Spätnachmittag des 11.11. erreichen wir den Blue Ridge Parkway, eine der schönsten Panoramastraßen der USA. Sonnenlichtdurchflutete Mischwälder im herbstlichen Rot und Gold und eine schmale 2-spurige Straße, die sich in ständigem Auf und Ab über die Bergkuppen windet. Immer wieder Ausblicke nach rechts und links, bis sich die Berge in der Ferne im lichten Blau verlieren, blue ridge mountains eben.

Zwei Tage verbringen wir hier, bis uns ein Ranger am Abend darauf aufmerksam macht, dass der Park um 6:00 pm geschlossen wird und wir unverzüglich diesen zu verlassen haben. Schade eigentlich. Aber was hilft es. In der Dunkelheit machen wir uns bis zum nächsten Ausgang auf den Weg und betten uns noch mal beim Schnellrestaurant mit WiFi-Anschluss in Elkton zur Ruhe.

Die letzte Woche ist angebrochen, Zeit „The Capitol of USA“ zu besichtigen und das WoMo für die Verschiffung zu rüsten. Am 21.11. geht unser Flieger von Washington via Amsterdam nach Düsseldorf.

 

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On the road again

4:00 Uhr Dienstagmorgen, das Handy klingelt! Die erlösende SMS aus Deutschland: „Die Ersatzteile sind da und werden gleich von UPS abgeholt. …“ Na, da kann man sich doch ganz beruhigt noch mal auf die andere Seite drehen und ein bisschen dösen, bis der Morgen in einem durchaus lebensbejahenden Mausgrau erscheint! Herzlichen Dank an Christian und die Firma Schlessmann! Man kann sich wie immer auf sie verlassen!

Leider haben wir noch einen weiteren Schaden zu verzeichnen, nein, nicht am LT. Gestern ist an meiner Brille ein Nasenpad abgebrochen. Dummerweise ist dies schon meine Ersatzbrille. Die normale habe ich gleich in den ersten Wochen zerdeppert, hab mich nämlich draufgesetzt. „Irreparabel“, sagte die Optikerin. Nach gestrigem Vorchecken versuchen wir es erneut bei dem Optiker, der uns vom Walmart Infodienst empfohlen wurde. Nein, das Nasenpad könne man nicht reparieren, das Gestell verfärbe sich dann und überhaupt, nein, nein. Natürlich lassen wir dies nicht gelten, Farbe egal, Hauptsache man kann die Lesehilfe wieder auf die Nase setzen, ohne sich zu verletzen. Und siehe da, auf einmal ist die ganze Belegschaft eingebunden. Schließlich kommt der Chef mit einem (überdimensionierten) Nasensattel, sieht nicht sehr elegant aus, aber es passt. Der Versuch, zu bezahlen, wird wieder einmal erfolgreich abgewehrt. Stattdessen beste Wünsche für die weitere Fahrt und herzliche Umarmungen zum Abschied.

Wir verfolgen unser Päckchen via Internet. Donnerstagmorgen soll es bis 9:30 Uhr geliefert werden. Rechtzeitig beziehen wir Position am Camping-Office (saisonal ist es nicht ständig besetzt). 9:25 Uhr braust ein brauner Lieferwagen an uns vorbei Richtung Wohnhaus von Angie und Dennis. … ein brauner Lieferwagen??? kann ja wohl nur unser UPS gewesen sein. Während wir noch überlegen, braust der braune Lieferwagen schon wieder zurück und verschwindet auf dem Highway.

Es war UPS, er hat unser Päckchen gebracht. Dennis ist genauso gespannt wie wir, ob alles geliefert wurde und ob es das richtige ist. Nach gemeinsamer in Augenscheinnahme scheint dies der Fall zu sein.

Flugs fahren wir zurück zu unserem Campsite. Mit geübtem Schwung wird das Herz unseres LTs freigelegt. Mit geübten Handgriffen werden die alten Leitungen ausgebaut, mit geübten Handgriffen werden die funkelniegelnagelneuen Leitungen eingebaut.

Nur eine funkelt nicht so wie die anderen. Ist wohl die aus Bayern, denn eine musste im Süden unserer Republik organisiert werden. Aber egal, alle Leitungen passen, alle Leitungen sind dicht, der Motor hat wieder seinen feinen typischen LT-Klang!

Wir sind happy. Wir können die Reise fortsetzen. Wir rödeln alles auf, die Wäsche wird noch einmal gewaschen, wir selbst geduscht, letzte Bilder in der Herbstsonne geschossen.

Wir verabschieden uns von Angie und Dennis. Sie waren das beste Camping-Host-Couple auf unserer bisherigen Reise zwischen Halifax, Alaska und Missouri.

Falls irgendwer dort vorbeifahren will, hier die Adresse: 6591 HWY 2, Nebraska City, NE 68410, Otoe County, Tele: (402) 873-6866, www.victorianacresrvpark.com . Bitte bestellt herzliche Grüße von uns.

Wir nehmen Kurs auf Kansas City via Interstate 29, „alle 75 Pferdchen wiehern vor Freude und ich lasse die Peitsche knallen“, so Lothars Logbucheintrag. Interstates sind normalerweise ziemlich langweilige Straßen und Strecken. Aber nun malt die Sonne mit intensiven, kräftigen Herbstfarben die Landschaft. Es ist ein Farbenrausch von hellgelb bis dunkelbraun, von purpurrot bis goldgelb.

In Kansas City beziehen wir wieder – wie so häufig in Großstädten – einen Platz beim Supermarkt. Pünktlich um 6:00 pm verabschiedet sich die Sonne blutrot hinter den Fassadentürmchen von Walmart.

Eigentlich wollten wir hier in Kansas City, KC genannt, eine Werksbesichtigung bei Harley Davidson machen. Doch leider werden am Wochenende keine Werksführungen angeboten und wir haben Samstag. Also geht es weiter nach Jefferson City, „the Capitol of Missouri“, benannt nach Thomas Jefferson, dem 3. amerikanischen Präsidenten, heute mit ca. 45.000 EW.

Früh am Sonntagmorgen beginnen wir unsere kleine Sightseeingtour durch die beschaulich wirkende Stadt. Das Capitol, fertiggestellt 1917, beherbergt u. a. das Unterhaus, die Legislative von Missouri. Es liegt eingebettet in die Downtown am Missouri River. So früh am Morgen ist es noch fast menschenleer und nur der Frühnebel steigt vom Fluss herauf und verleiht der Szenerie etwas mystisches.

Nicht weit entfernt hat der Governor seine bescheidene Unterkunft. Die unterste Etage kann man besichtigen, wenn man denn zur rechten Zeit kommt. Wir sind am Sonntagmorgen nicht zur rechten Zeit, finden das Anwesen aber auch von außen schon ganz lohnend.

Die Bolivar-Street-Bridge, erstmalig erbaut 1895/96, war für die damaligen Geschäftsleute und Landbesitzer ein ehrgeiziges Projekt, und diente der Entwicklung von Jefferson City. Sie konnte um 90° gedreht werden, um den Schifffahrtsverkehr zu ermöglichen.

1955 und 1991 wurden die Nachfolger als Southbound- und Northbound-Bridges eröffnet und inzwischen durch eigene Spuren für Fußgänger und Radfahrer ergänzt.

Unser Ziel heute ist St. Louis. Auf dem „normalen“ Highway 50 eine beschauliche Fahrt durch die wunderschöne Herbstlandschaft. Irgendwann bei Union stoßen wir auf die Interstate 44, die ab hier die Trasse der Route 66 aufnimmt. Ja, ja, die Route 66, die Mutter aller Straßen! Der Traum eines jeden Bikers, der auch mit nur 250 Kubik seine Meilen gefressen hat! Von Chicago bis nach Santa Monica! Aufbruchsstimmung nach den Kriegsjahren! Aber das war einmal. Die Mutter aller Straßen ist begradigt und entschärft. In diesem Teilabschnitt ist daraus ein 6-spuriger Freeway geworden, mit Abfahrten sowohl zur rechten als auch zur linken Seite, ein in die Länge gezogener Hexenkessel. Da kommt uns der „Route 66 Statepark“ mit seinem Museum für einen Zwischenstopp gerade recht.

Aber weiter geht es, inzwischen kurz vor 5:00 pm, es wird gleich dunkel. Viel Zeit zum Suchen eines Nachtstandplatzes bleibt da nicht. Also steuern wir direkt auf den Cahokia RV Parque zu, ein Good Sam Platz. Bei einem Orientierungsstopp werden wir sogleich von einem Amerikaner, offensichtlich deutschen Ursprungs, mit einer russischen Deutschlehrerin verheiratet, angesprochen und auf Deutsch völlig zugetextet. Er gibt an, der erste Aussteller auf der Kölner Eisenwarenmesse gewesen zu sein, der eine russische Firma vertritt. Uns schwirrt der Kopf, als sich der Gute dann endlich von uns verabschiedet und uns einen schönen Aufenthalt in St. Louis wünscht.

Tags drauf begeben wir uns auf Sightseeingtour durch St. Louis am Mississippi, die klassische Grenze zwischen dem Osten und dem Westen der USA. Logischerweise steht hier dann auch das Tor zum Westen, „The Gateway Arch“. Von hier aus begann alles, von hier aus wurde der Westen besiedelt. Pierre Laclede gründete einst die Siedlung am Fluss, und dort wo seine bescheidene Hütte einmal stand, steht nun dieser Koloss von Stahlbogen, 192 Meter hoch.

Um diesem Highlight ein wenig näher zu kommen, taumeln wir nach den Regieanweisungen unseres GPS durch die vielspurigen, in mehreren Etagen befindlichen Spaghettiknoten, bis massive Baustellen uns total aus dem Takt, aus dem Rhythmus und schließlich aus der Fassung geraten lassen. Mehrfache erneute Versuche bringen auch nur mittelmäßige Perspektiven. (Die tollste Perspektive war trotz der ganzen Baustellen die von der Interstate-Brücke über den Mississippi mit dem Bogen vor der Skyline der Downtown. Leider hatten wir nicht so schnell die Kamera zur Hand, also bedient euch bitte bei Google 😉  ).

Wanderungen durch den Park schließen wir aus bekannten Gründen aus.

Wir fahren weiter gen Osten: Blue Ridge Mountain, West Virginia, Country Roads!

 

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Nebraska: Hoffnung auf Hilfe für unseren 3. Oldy

Irgendwie haben wir das Gefühl, dass wir nach wie vor auf nur 5 Pötten fahren. Sollte da ….. ? Nö, nach Diesel riecht es nicht. Sicherheitshalber baue ich die Leitung aus und siehe da, die letzte Schweißaktion zur Abdichtung einer undichten Dieselleitung war in zweifacher Hinsicht erfolgreich: außen dicht, innen dicht. Der Gute hat im Übereifer nicht nur außen einen dicken Klumpen draufgeschweißt, sondern das Röhrchen auch innen zugebraten. Was tun? Ich versuche, die Leitung mit viel Mühe wieder aufzubohren.

 

Ergebnis: ein abgebrochener 2 mm Bohrer, ein stumpfer 2,5 mm Bohrer und ein Loch in der Wandung unmittelbar hinter der Krümmung.

 

In Akron finden wir einen Service, der es zur Abwechslung mal wieder mit Hartlot versucht, und das erfolgreich. Nach weiteren 60 km machen wir Feierabend für heute, freuen uns, dass immer noch alles dicht zu sein scheint und feiern andächtig die 22.000 km seit Halifax.

Am nächsten Morgen: die Sonne scheint, das Herze lacht. Die Ärmel aufgekrempelt und ran an die Arbeit. Erst mal rücken wir der Markise zu Leibe, deren Halterungsschrauben uns schon so oft geärgert haben. Und dann kommt auch noch das Oberlicht dran. 2 Lagen feste durchsichtige Plane mit viel „paket tape, clear“, mit dem wir schon an der Windschutzscheibe so gute Erfahrungen gemacht haben, sollen den Undichtigkeiten „vorläufig endgültig“ abhelfen.

Zufrieden betrachten wir unser Werk und schreiten zu Mahle: es gibt kräftige Hühnersuppe mit Gemüseeinlage. Gerade das richtige bei dem schneidend kalten Wind.

Beim allnachmittäglichen Klöchen entleeren auf dem Feld riecht es wieder so verdächtig nach Diesel. Das kann doch wohl nicht wahr sein! Ich hasse diesen Geruch, er verspricht so gar nichts Gutes. Und richtig, unterm Auto tropft es. Wir fahren bis zum nächsten Ort und dann das übliche Prozedere, inzwischen mit geübtem Schwung: Beifahrersitz raus, Motorraumhaube raus, und die Ahnung bestätigt sich: die zuletzt kaputt reparierte Leitung ist nun komplett abgerissen. Der geneigte Leser weiß natürlich schon genau, was jetzt geschieht. Richtig, Amputation! 17-er Schlüssel und Verschlussmuttern liegen schon vorne am Motor bereit; alles ist nur noch Minutensache. Dann Krisensitzung. Wir beschließen, so kann das nicht weiter gehen.

Bei McDonald in Blair, unserem Nachtstandplatz, treffen wir Dave und Carol, ein hilfsbereites älteres Pärchen aus der Stadt. Dave empfiehlt, morgen früh (samstags!) zum FORD-Service zu fahren. Das werden wir tun, aber gleichzeitig auch Christian um Hilfe bitten, die Leitungen in good old Germany zu besorgen und uns zuzuschicken.

Bei FORD kann man uns tatsächlich helfen. Etwas mitleidig beguckt der Mechanico vom Dienst die zusammengebratenen Schweißauswüchse an unserer Dieselleitung und meint, das machen wir am besten neu. Ich glaube, ich höre nicht recht. Leider hat er keine Diesel- sondern nur dünnwandigere Bremsleitung vom laufenden Meter, aber bis nach Hause wird’s hoffentlich halten. Immerhin hat er die nötigen Tools, um die Rohre zu biegen und die Endstücke auf Form zu pressen. Schlussendlich passt das neue Teil und alles scheint dicht. Wir wollen bezahlen, doch hier wirft sich der Geschäftsführer in die Brust und erklärt mit breitem Grinsen: „Oh no, it is free. Two original Germans come here with an original german Volkswagen, stranded here in Blair and came to my Ford-Service, oh no, ist realy free.“

Auch wir sind mal wieder glücklich, dass wir die Reise fortsetzen können. Es geht weiter nach Südosten durch endlos scheinende Hügellandschaften mit Rinderweiden, Mais- und Weizenfeldern. Darüber spannt sich ein unglaublich weiter Himmel, irgendwo habe ich gelesen: 100 Meilen in jede Richtung. Irgendwie passend zu diesen Dimensionen begleiten uns immer wieder Güterzüge mit hunderten von Waggons und schweren Lokomotiven.

Den Tipp des McDonald-Managers aus Blair im Kopf, in Omaha finden wir alles, Werkstätten, Campingplätze, Touristeninformation, etc., ließ uns zunächst Omaha als nächstes Ziel sinnvoll erscheinen. Doch dann, angesichts dieser Megametropole, ergreifen wir aufgrund unserer Megapolisphobie die Flucht. Erneutes Roadmapstudium und siehe da, Nebraska City bietet sich an. 3 kleine Tannen als Symbol leiten uns auf den RV-Park- and Campground „Victorian Acres“. Eine sehr großzügige, eigentümergeführte und eigentümergepflegte Anlage mit sauberen Sanitäreinrichtungen und Laundry und WiFi auf allen Plätzen.

Die amerikanisch-liebevolle Ausstattung im Detail geht manchmal ein bisschen ins Kitschige, aber so sind sie. Für 30 $ die Nacht mieten wir uns ein.

Eine Woche ist vergangen. Nach langen Tagen des bangen Wartens auf Information, ob Christian die original Dieselleitungen mit den speziellen Durchmessern, Wandungsstärken, Biegungen, Überwurfmuttern für so einen Oldy wird besorgen können, kam endlich die erlösende Nachricht, nun warten wir auf die Ankunft des UPS-Päckchens.

Inzwischen haben wir nur noch 2/3 der Gebühr zu bezahlen brauchen und seit gestern stehen wir „for free“. Dennis und Angie, die sympathischen Eigentümer, nehmen Anteil am Geschehen, kommen täglich vorbei und fragen, was denn mit den Ersatzteilen sei.

Im Städtchen gibt’s nichts wesentliches, was es zu besuchen gilt. So räumen wir auf bei gleichzeitiger Grundreinigung aller Winkel und Ecken. Draußen haben sich wieder ein paar Rostecken gebildet, die zu behandeln sind, kurzum Arbeiten, um unseren Oldy winterfest zu machen. Wenn wir nach Hause kommen, wird dafür keine Zeit und wohl auch nicht die richtige Witterung sein. Auch die Polster sehen nach fast 2 Jahren Dauergebrauch (Süd- und Nordamerika) ein wenig mitgenommen aus. Gott sei Dank haben wir ein kleines Stück passenden Stoff, sodass Rita in Handarbeit Flicken aufsetzen kann, bis der Stoff aufgebraucht ist.

Natürlich werden auch neue Rezepte ausprobiert und verkostet. Nachmittags gibt es Zeit zum Entspannen in der herrlichen Herbstsonne

und abends trifft man sich beim Canaster.

Über allem aber steht die Hoffnung, dass die Dieselleitungen bald unbeschadet ankommen und dass es die Richtigen sind.

 

 

 

 

 

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Wintereinbruch und US-Shutdown

Auf der Flucht vor dem Regen fahren wir dem Winter direkt in die weit geöffneten Arme.

Auf unserem Weg zum Yellowstone-Park statten wir auch Idaho einen kurzen Besuch ab. Aber von hier gibt es nichts Wichtiges zu berichten.

Den nächsten Tag in Montana unterwegs, ändert sich die Landschaft schnell: steile nackte Felsen begrenzen den HWY, dann wieder öffnet sich der Blick für die Weite bis hin zu den mit Schnee und Eis bedeckten Gipfeln der Rocky Mountains.

Auch das Wetter ändert sich, aber nicht wie der Wetterbericht es versprochen hat. In Butte auf ca. 1600 m hat es geschneit, Schnee auf Dächern und Wiesen.

Die Temperaturen sind rapide gesunken. Die Heizung läuft nachts im Dauerbetrieb. Trotzdem erreichen wir nur – aber immerhin angenehme – 19°in unserem WoMo.

Aber den Yellowstone-Park wollen wir trotzdem nicht auslassen. An der Parkinformation heißt es: teilweise sind die Straßen im Park wegen starken Schneefalls gesperrt, auf den anderen ist Winterausrüstung erforderlich. Die haben wir, einschließlich Schneeketten. Aber Lothar fühlt sich überhaupt nicht gut. Wir beschließen, auf einem Campingplatz in Gardiner, Montana, am Nordeingang zum Park auf besseres Wetter zu warten. Wir finden wieder einen schönen Platz, der dem „Good Sam“ angehört. (Unsere Erfahrungen mit diesen Campingplätzen sind sehr gut.)

Auch der nächste Tag verheißt noch keine Wetterbesserung. Es stürmt und regnet im Tal auf 1680 m und schneit in den Bergen, im Park. Putz- und Flicktage sind angesagt und Brotbacken. Mit irgendetwas Leckerem muss man sich schließlich für so ein Sauwetter entschädigen: frisches Brot mit selbstgemachtem Liptauer-Käse.

Dienstagmorgen, endlich werden wir wieder mal durch Sonnenstrahlen geweckt.

Auf geht es in die Berge, auf geht es in den Park! durch dieses Tor!

Es ist der 1. Oktober, eigentlich nichts besonderes, oder? Doch, es ist etwas Besonderes. Die große Politik nimmt Einfluss auf unsere Reise durch die USA: „Shutdown“! Viele der nationalen Einrichtungen sind geschlossen oder laufen auf Sparflamme, so auch alle Nationalparks und staatlichen Museen. Der Yellowstone-Park ist geschlossen! Eine Öffnung nicht absehbar. Hier warten, bis die hohen Herren dem Kindergartenalter entwachsen sind, macht keinen Sinn. Schade, schade, schade, wir hätten euch so gerne Fotos von den irren Farbspielen der Geysire im Park gezeigt! So müsst ihr’s halt in Wikipedia nachblättern. Wir können euch lediglich ein paar Fotos der Stadt Gardiner

und der Umgebung bieten.

Die Info Lady empfiehlt, nach Cody, Wyoming, zu fahren. Durch den Yellowstone-Park eine Fahrt von wenigen Stunden, nun aber eine 2-Tagesreise. Wir umrunden den Park weiträumig und erreichen Mittwochmittag die Heimatstadt vom weltbekannten Buffalo Bill. Ein nach ihm benanntes Museum steht an erster Stelle der Highlights dieser Stadt

Und es ist wirklich ein grandioses Centrum mit 5 Museen. Eineinhalb Tage verbringen wir hier.

Wir erfahren viel über das Leben, die Ideen und das Wirken dieses außergewöhnlichen Mannes, der den amerikanischen Traum verkörpert, wie man es vom kleinen „Kuhjungen“ bis zum gefeierten Weltstar bringt.

Wir bekommen hier auch Einblick in das Leben der Natives (so nennt man hier inzwischen die „Indianer“) in diesem Teil der USA.

In diesem Teil, das bedeutet Plains- (Prärie-) Indianer, und das bedeutet Sioux-Stämme.

Auch die Sammlung von über 5.000 firearms – also Lang- und Kurzwaffen – verschiedener Jahrhunderte, ist überaus beeindruckend. Wir sind beide gewiss keine Waffennarren, aber die Schönheit von Formgebung und meisterlicher Beherrschung der Kombination der unterschiedlichen Materialien sind teilweise echt grandios.

Die Abteilung „Westernart“ war für uns nicht so überwältigend.

Abends, nachdem wir im Liquor-Shop

noch einen Gute-Nacht-Trunk gekauft haben, nehmen wir wieder Quartier beim bekannten Supermarkt. Die Nacht wird allerdings ziemlich unruhig: Schneefall, ab 1:00 Uhr Schneeräumer im Dauereinsatz. Um 9:00 Uhr müssen wir dann hurtig unseren Parkplatz verlassen, da wir mit Schneebergen umzingelt werden.

Die Batterie tut sich ziemlich schwer. Aber unser Lieblingssupermarkt hat ja auch eine Autowerkstatt. Das Ergebnis der Überprüfung: Wir hatten nur ein paar Schrauben locker, ansonsten alles ok. Kostenpunkt dieser Serviceleistung: nullkommanix! Gute und sichere Fahrt wünscht uns: „Bob“.

Auf schneebedeckter und glatter Fahrbahn eiern wir zurück zur Interstate, zurück nach Montana.

Weiter geht es, grobe Richtung Südosten. Wir wollen raus aus den Bergen, wir wollen ein bisschen Sonne, wir wollen ein bisschen Wärme!

Bei Crow Agency finden wir ein sonniges Plätzchen für einen kurzen Stopp. Eigentlich wollten wir die Nationale Gedenkstätte besichtigen, aber natürlich ist auch sie geschlossen.

Hier auf den Battlefields am Little Bighorn River haben die Stämme der Sioux 1876 die US-Armee unter General Custer besiegt. Der sollte die widerrechtliche Landnahme durch die Weißen gegen die Rechte der Indianer durchsetzen. Der Rechtsstreit schwärt noch immer, wir können die Indianer verstehen, die sich hier betrogen fühlen.

Aber die „Traiding Post“ ist offen. Hier herrscht in der Saison sicherlich ein ziemliches Treiben und Gedränge.

In Sheridan, wieder Wyoming, machen wir zunächst Halt an der Touristen-Information, die erfreulicherweise ihren Dienst noch nicht „saisonal eingestellt“ hat. Die sehr eloquente Lady rät uns von einer Weiterfahrt nach Rapid City zum derzeitigen Zeitpunkt entschieden ab: „Dort kommt kein Mensch herein oder heraus. Ein schrecklicher Wintersturm hat die Stadt völlig abgeriegelt. Auch die Interstate ist geschlossen!“ Logisch, dass wir in Sheridan bleiben wollen. Aber alle Campings sind inzwischen saisonal geschlossen, bis auf den KOA. Der allerdings ist eine absolute Zumutung. Man kann sein Fahrzeug nur schwimmender Weise verlassen oder erreichen, Internet und Laundry funktionieren nicht. Kostenpunkt der Übernachtung auf diesem „Vorzugsplatz“ 30 $! Wir ziehen es vor, dann doch wieder zu „unserem“ Supermarkt zu fahren.

Unsere tägliche Motorkontrolle ist niederschmetternd. Kühlwasser ok, aber eine weitere Dieselleitung ist perforiert. Langsam haben wir die Nase voll! Es ist ja wieder Wochenende! Keine Werkstatt offen, kein Heizungsinstallationsbetrieb kann uns helfen. Also verbringen wir wieder ein Wochenende auf dem schönsten Parkplatz des besten Supermarktes der USA.

Montagmorgen, direkt gegenüber ist eine Fordwerkstatt. Eigentlich ist die Reparatur der Dieselleitung ja völlig unabhängig vom Fahrzeughersteller. Wir fahren auf die andere Seite des HWY und erläutern unser Problem. Bis in die Chefetage ist man bemüht, uns irgendwie weiterzuhelfen. Man telefoniert hin, man telefoniert her. Schließlich findet sich ein eigener Mitarbeiter, der die Leitung hartlötet. Wir zahlen die scheinbar üblichen 120 $ und können unsere Reise fortsetzen. Inzwischen sind die Wintersturmschäden auf der Interstate beseitigt und einer Fahrt nach Rapid City steht nichts mehr im Wege.

Auf dem Weg dorthin machen wir noch einen Abstecher über den „Spirit Highway“, den „Devils Tower Scenic Bypass“. Mitten aus der ebenen Prärie erhebt sich hier ein Kollos von rundem Tafelberg vulkanischen Ursprungs, gleich einem gigantischen Baumstumpf.

Der Legende nach spielten hier Kinder, als ein Bär sie bedrohte. Die Kinder fürchteten sich und rannten um ihr Leben auf einen großen Baumstumpf zu. Der Baumstumpf sprach zu ihnen, sie sollten auf ihn hinaufklettern. Als alle Kinder oben waren, wuchs dieser Baumstumpf so hoch in den Himmel, dass der Bär sie nicht mehr erreichen konnte. Vor Wut kratzte er tiefe Rillen in den Baum. Eine schöne Legende, die auch die äußere Struktur zu erklären versucht.

Natürlich liegt der Devils Tower innerhalb eines Nationalparks, der natürlich derzeit geschlossen ist. Der Ranger bedauert sehr, uns nicht herein lassen zu dürfen, insbesondere weil wir extra aus Germany angereist sind. Er befürchtet, dass sich die Politiker noch sehr lange streiten werden, er habe gehört, es könne bis Weihnachten dauern. Nun so lange Zeit haben wir nicht. Also begnügen wir uns mit Fotos aus der Ferne. Aber auf Grund der Größe dieses Monumentes hat man ohnehin mit ein wenig Abstand die bessere Sicht auf die Dinge.

Auch erfahren wir vom Ranger, dass in den nächsten 2 Tagen das Wetter noch ok sei, dann, also am Wochenende, setze wieder Regen und Sturm ein und am Montag sei mit starkem Schneefall zu rechnen. Nun bis dahin sollten wir die Rocky Mountains verlassen haben.

Der Spirit Highway führt uns durch die zerklüftete Landschaft der nördlichen „Black Hills“.

Hier können wir auch einen echten Cowboy bei der Arbeit beobachten:

In Rapid City, inzwischen in South Dakota,  treffen wir allenthalben noch auf die Auswirkungen des heftigen Wintersturms: riesige Schneeberge überall, abgerissene Äste liegen noch kreuz und quer in den Straßen.

Die Wetterprognose des Rangers im Kopf, halten wir uns gar nicht lange in der Stadt selbst auf, sondern fahren durch hügelige Weidelandschaften in den Hauptteil der „Black Hills“, ein aus der Prärie sich erhebendes Gebirge, die höchste Erhebung zwischen den Rocky Mountains und den Alpen. Für die Lakota-, Cheyenne- und Arapaho-Indianer sind dies nach wie vor heilige Berge, da sie dort ihren Ursprung sehen. Gegen Wegerechte für die Weißen wurde ihnen dieses Land 1868 von der US-Regierung vertraglich als unantastbar zugesichert. Aber wie so häufig: Gold verdirbt den Charakter! Nach Goldfunden wurden die Indianer aus ihrem unantastbaren Besitz verdrängt und in Massakern wie z. B. „Woonded Knee 1890“ aufgerieben und schlussendlich vertrieben.

(Siehe auch: http://www.stern.de/reise/fernreisen/black-hills-in-south-dakota-kampf-um-the-great-sioux-land-598312.html)

Ein besonderes Monument ist das 1941 fertiggestellte „Mount Rushmore National Memorial“. Hier hat der Bildhauer John Gutzon de la Mothe Borglum die Köpfe der vier für ihn bedeutendsten Präsidenten der USA in 20 m hohen Halbskulpturen in den Felsen gesprengt und gemeißelt. George Washington, 1.Präsident und Vater der republikanischen Demokratie , den charismatischen Theodore Roosevelt mit seiner Vision von Amerikas Rolle in der Weltgemeinschaft, der Visionär und Philosoph Thomas Jefferson, Vater der „Declaration of Independence“, der Gründungsurkunde der USA, der von einer Nation von Ozean zu Ozean überzeugt war und schließlich Abraham Lincoln, der die Sezessionskriege glücklich für die Union der Nordstaaten entscheiden konnte und die Sklaverei abschaffte.

Ein gigantisches Monument. Leider liegt auch dieses innerhalb eines Nationalparks, und leider ist auch dieser geschlossen. Aber wie auch bei dem Devils Tower lassen sich die prächtigsten Fotos sowieso besser mit ein wenig Entfernung schießen.

Eigentlich finden wir es gar nicht so übel, der Touristenrummel ist ganz schön ausgebremst, wenn man sich das Eingangstor Keystone anschaut.

Hier möchten wir zur Saison und bei geöffnetem Park lieber nicht sein!

Übernacht wollen wir wieder bei unserem Supermarkt stehen, müssen aber mit Erstaunen feststellen, dass dies in dieser Stadt verboten ist. Aber es gibt einen Ausweichplatz bei einem Outdoor-Outfitter. Der bietet nicht nur RV-Parkplätze an, sondern ist sogar mit Dumpstation, Hunde-Ausführ-Platz und Pferdeställen ausgerüstet. Hier sieht man das städtische Verbot nicht so eng und wir quartieren uns ein.

Die Nacht wird ausgesprochen unruhig. Der angekündigte Sturm zerrt und rüttelt heftig an unserem LT. Selbst das Verholen hinter einen Megaliner der Wohnmobil-Industrie bringt nur wenig Ruhe. Dazu schüttet es aus allen Rohren. Wieder Wassereinbruch! Wieder ist das seitliche Dachfenster undicht! Wieder ist die Verschraubung der Markise undicht! Wir haben die Nase voll. Wir wollen raus aus den Bergen! Wir wollen in die Sonne! Wir wollen in die Wärme!

Also weiter geht es Richtung Südosten. Irgendwann kommt dann nachmittags doch die Sonne hinter den Wolken hervor. Wir haben bestes Wetter, um den „Bad Lands“ einen Besuch abzustatten. Natürlich ist dies auch wieder ein Nationalpark und natürlich ist dieser wieder geschlossen, mit Ausnahme einer ca. 10 km langen Straße, die Teil einer übergeordneten Landstraße ist. Wie wunderbar, dass wir auch hier fast alleine unterwegs sind.

Die Nacht verbringen wir auf einem saisonal geschlossenen Camping, der aber das Overnightstanding erlaubt. Der nächste Tag beginnt mit Sonne. Aber schnell ziehen wieder Wolken und Sturm auf. Wir haben nur einen Gedanken, raus aus den Bergen, bevor am Montag der dicke Schnee wieder kommt. Aber dem Regen und Sturm können wir doch nicht entkommen. Wir stellen uns lieber nicht vor, wie es wäre, wenn diese Wassermassen als Schnee herunterkämen! Außenbesichtigungen sind bei diesem Wetter schlicht undenkbar.

Aber in Mitchell gibt es noch einen ganz besonderen Palast, den „Corn-Palace“. Das Gebäude, eine Art Mehrzweckhalle, wird seit Ende des 19. JH jedes Jahr von Anfang September an mit Maiskolben und anderen getrockneten Feldfrüchten verziert. Jedes Jahr werden neue Motive entworfen, die Fassade neu dekoriert.

Ein solch bemerkenswertes Kunstwerk können wir trotz des Nieselregens doch nicht auslassen. Ein architektonisches Monster mit Zwiebeltürmchen und Minaretten wie aus dem zaristischen Russland. Ursprünglich sollte es die Vielfalt der Agrarproduktion präsentieren und Farmer ins Land locken. Inzwischen lockt es als größtes Vogelfutterhäuschen der Welt wohl mehr die Touristen und die Freizeitindustrie.

Über Sioux Falls erreichen wir bei strahlender Sonne schließlich Sioux City. Beide Städte haben keine besonderen Highlights zu bieten. Aber freuen wir uns trotzdem:. Wir sind dem Winterwetter entronnen, vorläufig; es ist Donnerstag, der 17. Oktober und der „US-Shutdown“ ist vorbei, vorläufig; die US-Haushaltskrise ist aufgeschoben, vorläufig; die Nationalparks sind wieder geöffnet, vorläufig! Aber auf unserer weiteren Route gibt es keine Nationalparks oder -monumente mehr, vorläufig. Wir haben Zeit, unseren kränkelnden 3. Oldie zu reparieren, zu pflegen, aufzupäppeln und Händchen zu halten.

 

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British Columbia: Flucht vor dem Sauwetter

Bei eher mäßigem Wetter, um nicht zu sagen saumäßigem Wetter kurven wir nun den „Selkirk Loop“ Richtung Südosten, Richtung USA entlang. Wie Gerhild richtig gegooggelt hat, handelt es sich um einen internationalen Rundkurs, grenzüberschreitend Südkanada –Nord-USA. Er gehört zu den 10 schönsten Zielen in den nördlichen Rocky Mountains, so die Werbung. Die Schönheit der Strecke versinkt jedoch im Regen, wird von Nebelschwaden und Wolken geschluckt.

Nordöstlich von Nelson erreichen wir die Fähre über den Kootenay Lake.

Nach 35 Minuten sind wir am anderen Ufer. Eine nennenswerte Urbanisation gibt es hier nicht. Aber einen super Übernachtungsplatz. Sommertags wird hier sicher ein riesiges Getümmel sein, hier am kleinen Yachthafen der Crawford Bay. Die Saison ist aber vorbei, und wir stehen hier ganz alleine, eine himmlische Ruhe.

Am nächsten Tag müht sich der junge Morgen, die Schatten der Nacht zu vertreiben. Die Fähre hat ihren Dienst wieder aufgenommen und taucht mit gedämpftem Geräusch aus den schweren Nebelschwaden auf.

Leider bessert sich das Wetter nicht wirklich. So erreichen wir bei schmuddligem Herbstwetter die kleine Stadt Creston, nur wenige Kilometer nördlich der Grenze zur USA. Auf einem kleinen Campingplatz „all year round“ quartieren wir uns für 2 Tage ein. Wir werden dort mit frischen Pflaumen, von der Chefin persönlich gepflückt, empfangen, lecker! Putz- und Flicktag ist angesagt, aber nicht nur. Die Stadt Creston hat auch eine der ältesten und größten Brauerei Kanadas zu bieten, die man besichtigen kann.

Wenn wir uns nun schon für die Verkostung von Bier, statt kanadischen Wein, entschieden haben, liegt es natürlich auch nahe, dass wir eine solche Führung wahrnehmen.

Wir sind einigermaßen erstaunt, dass einige namhafte, auch über die Grenzen Kanadas hinaus bekannte Biersorten genau aus dieser Brauerei kommen. Also ist es völlig wurscht, ob man nun das wahre Kootenays kauft oder irgend ein anders, wie zum Beispiel das international bekannte Budwiser. Es kommt alles aus den gleichen Großfässern,

und wird zum Schluss, je nach Marke, unterschiedlich geflavert. Zum Schluss gibt es noch ein frisch Gezapftes, 4 Marken werden angeboten.

Zurück auf dem Camping schauen wir noch mal den Wetterbericht an. Danach soll es in 3 bis 4 Tagen besser werden, vor allem im Yellowstone Park, welches unser nächstes großes Highlight sein soll. Für die Strecke dorthin brauchen wir eben genau diese Zeit. Also beschließen wir: morgen früh geht es weiter Richtung Süden, Richtung USA, der Sonne entgegen.

Zuvor sind da jedoch noch die Grenzformalitäten zur erneuten Einreise in die USA zu erledigen. Wie alle wissen, war dies vom Yukon nach Alaska und zurück ohne jegliche Probleme. Wir sind also gespannt, wie es dieses mal läuft.

Wir werden in das Zollhaus gebeten. Eine Zollbeamtin fordert unseren Autoschlüssel, um das Auto zu untersuchen. Lothar möchte mitkommen und behilflich sein. Nein, dass machen wir selbst, ist die knappe Antwort.

Drei schwer bewaffnete Grenzbeamte rücken zum Einsatz aus: ein unbekanntes Fahrobjekt ist schärfstens hinsichtlich jedweder Schmuggelware zu kontrollieren. Nach einer halben Stunde werden im Triumpfmarsch vier kleine unschuldige Tomaten ins Hauptquartier getragen. „Die Einfuhr von Früchten in die USA ist nicht erlaubt!“ „Oh, die wollte ich gleich essen, ich habe mich schon so darauf gefreut,“ ist Lothars prompte Antwort. Und ehe Lothar sich versieht, schnippt der Grenzer ihm eine Tomate herüber. Mit breitem Grinsen fragt er einladend, ob ich auch eine möchte. „Klar!“ Und schon fliegt eine weitere Tomate über den Tresen.

Wir müssen noch ein Formular ausfüllen, dass wir keinerlei Obst und Gemüse im Gepäck haben, dann können wir fahren. Wir dürfen uns nun bis Februar 2014 in den USA aufhalten.

 

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British Columbia: Zu Gast bei Freunden

Unser Ziel ist die kleine Stadt Vernon im Okananga Tal. In der Nähe von Calgary trafen wir auf einem Campingplatz eine supernette Familie, die ebenfalls einen VW-Camper fährt. Da ja alle VW-Camper zu einer großen Familie gehören, haben sie uns eingeladen, sie in Vernon zu besuchen.

Vernon liegt ohnehin auf unserer geplanten Reiseroute, gerne haben wir die Einladung von Ron und Peggy, Garret und Nicki angenommen. Leider haben wir keine Adresse, nur eine Telefonnummer. Doch irgendwie sind wir zu blöd, eine Verbindung an einem öffentlichen Telefon herzustellen. Aber die Lady an der Touristen- und Weininformation in Penticton steht uns hilfreich zur Seite. Sie ermittelt zunächst einmal die Adresse und stellt dann eine Telefonverbindung für uns her. (Es ist ein Ferngespräch, da muss man eine 01 vorwählen!). Große Freude am anderen Ende der Leitung. Selbstverständlich sind wir herzlich willkommen. Peggy erwartet uns morgen Abend, also am Mittwoch, dann ist Ron von seiner Kurzreise zurück.

Nach einigem Suchen finden wir dann doch vor Dunkelheit Familie Dietz. Wie gute alte Freunde werden wir empfangen. Bei Blueberry-Pie mit Vanilleeis – mhm, sehr lecker – berichten wir von unseren Erlebnissen seit Calgary. Natürlich auch unsere „never ending story“ mit dem Kühlwasserverlust. „Da müsst ihr gleich morgen zu Jürgen, unserem VW-Mechaniker. Er ist der beste. Unsere Volkswagen (Ron: Westfalia und Garret: VW-Pritschenwagen) bringen wir auch immer zu ihm.“

Aber bevor wir zu Jürgen fahren wird noch echt amerikanisch gefrühstückt in einem „Country“. Dies ist ein Café oder ein Restaurant auf einer Farm. Familie Dietz ist hier gut bekannt. Für Nicki ist dieses Café ihr zweites Zuhause. Wir werden herzlich begrüßt. Serviert wird das „Special of the Day“.

Bei unserer weiteren Stadtrundfahrt darf natürlich ein Besuch beim „Farmers-Market“ nicht fehlen.

Kurz vor Mittag suchen wir die Werkstatt von „Jürgen Veigard Automotive“ auf. Der Name verrät, Jürgen ist auch Einwanderer und er stammt aus Lüdenscheid, gleich um die Ecke bei uns (global gesehen). Natürlich will er uns helfen. „Da gibt es so eine kleine Fehlkonstruktion an dem Motor-Stutzen, der den Kühlschlauch aufnimmt. Dort versteckt sich eine Dichtung, die alt und spröde und daher undicht ist. Da tröpfelt das Wasser insbesondere im kalten Zustand des Motors raus. Man kommt da nur sehr schlecht dran, deshalb wird sie auch so ungern gewechselt. Ich bestelle sie jetzt gleich, dann wird sie morgen Mittag geliefert und wir können sie einbauen.“ Ja, so einfach ist das oder doch nicht? Wir werden morgen sehen.

Es ist Lunch-time und ein paar Straßen weiter in der 48th Avenue 2103 gibt es „Helmuts Sausage Kitchen“, eine deutsche Metzgerei, die auch Mittagstisch anbietet. Es gibt Bratwurst mit Sauerkraut und Röstzwiebeln, das ganze ein bisschen amerikanisiert, in ein Brötchen gestopft, aber man kann’s ja wieder raus nehmen. Köstlich, die beste Bratwurst, die wir seit langem gegessen haben.

So gestärkt können wir das Nachmittagsprogramm in Angriff nehmen: Zunächst fahren wir noch zu einer Hausbaustelle. Dort errichtet Peggy’s Bruder ein neues Wohnhaus. Die Hausherrin, selbst Stadtplanerin, führt uns durch das Haus, das ihr Mann, Architekt, geplant hat.

Wir haben Gelegenheit, die doch sehr andere Bauweise zu betrachten. Wie sagte Ron – er ist als Pilot sehr oft nach Frankfurt geflogen und hat dann in Wiesbaden gewohnt – : „Bei euch werden die Häuser für eine Ewigkeit gebaut, bei uns maximal für 15 bis 20 Jahre, dann muss alles erneuert werden!“

Nun kommt aber der beste Teil unseres Programms: Boot fahren auf dem Kalamalka Lake! In ein paar Minuten sind wir an der Bootslip-Anlage, nachdem wir das Boot zuhause an den Haken genommen haben. In ein paar weiteren Minuten ist das Boot zu Wasser gelassen und schon geht es los.

Ein herrlicher Spätsommernachmittag zum Chillen. Später besuchen wir noch Nicki auf der Pferderange. Sie macht dort ein Praktikum und hofft dort eine dauerhafte Beschäftigung zu bekommen. Sie arbeitet gerne für und mit Tieren. Für sie ist es besonders schwer, einen Job oder eine Ausbildungsstelle zu bekommen, da sie ein Handicap hat.

 

Nachdem wir morgens noch einen weiteren Farmers-Market aufgesucht haben, Peggy braucht jede Menge Äpfel für ihrer „homemade appelpie“ als Präsente zum Thanksgiving Day, und Käse, richtigen Käse, beim Holländer, einem echten, gekauft haben,

 

sind wir mittags wieder in Jürgens-Automotive (Tel.: (01) 250-542-3599). Nach zwei Stunden gemeinsamer Arbeit – Jürgen, Lothar und Ron – ist die Dichtung ausgetauscht,

das Auto wieder aufgerödelt! Wir wollen bezahlen. Aber das lässt Jürgen nicht zu: „Einem Nachbarn muss man doch helfen! Grüßt mir Lüdenscheid, wenn ihr auf der Autobahn daran vorbei fahrt, hupt ein paar mal für mich!“ Also bleibt uns nur nochmals zu sagen: „Herzlichen Dank Jürgen“.

Bei Dietzens zuhause gibt es noch eine Dusche für Lothar, einen Lunch für uns alle und dann machen wir uns wieder auf den Weg. Obwohl morgen zwei große Familienfeste ins Haus stehen – eine Nichte heiratet, Peggy wird 60, Übernachtungsgäste sind zu bewirten – haben sich Ron und Peggy alle Zeit der Welt für uns genommen. Auf diesem Wege: „Nochmals herzlichen Dank für alles, insbesondere für eure Freundschaft!“

Bei eher mäßigem Wetter, um nicht zu sagen s..mäßigem Wetter kurven wir nun den „Selkirk Loop“ Richtung Südosten, Richtung USA entlang.

 

 

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Geröstetes und mariniertes Gemüse

Spitzpaprika
Zucchini
Auberginen
Zwiebel
Tomaten

Das Gemüse putzen und in Scheiben, größere Stücken oder Spälten schneiden. Alle Gemüsesorten portionsweise in Olivenöl bissfest rösten.

Mit Knoblauchsoße und Weißbrot ist es ein leckeres Mittagessen.

Mariniert lässt sich das gebratene Gemüse mehrere Tage im Kühlschrank aufheben.

Dazu  das geröstete Gemüse schichtweise in ein fest verschließbares Gefäß geben. Jede Lage mit gehackten Zwiebeln und Kapern bestreuen und mit Balsamiko di Modena (ital. Essig) beträufeln. Schmeckt super zu gegrilltem Fleisch.

 

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Pickeled cucumbas oder eingelegte Dillgurken

blitzschnell unterwegs gemacht


1 ltr. Wasser
0,1 ltr. Essig
2 EL Zucker
1,5 EL Salz
2 Zwiebeln
4 mittelgroße Gurken
4 – 6 Knoblauchzehen
1 Stck. Ingwer (haselnussgroß)
6 Wachholderbeeren
1 kleine Chilischote oder Chiliflaks
1 TL Senfkörner
1 Lorbeerblatt
frischen Dill

Aus Wasser, Essig, Zwiebelspälten und allen Gewürzen ein Sud kochen, ca. 10 Min. Gurken in Scheiben schneiden und in den Sud geben. Aufkochen und max. 5 Min. köcheln lassen. Alles in Schraubgläser füllen und sofort fest verschließen. Bereits nach 24 Std. schmecken sie super!

 

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British Columbia: Okanagan, The Wine Valley

Mit allen erdenklich guten Wünschen werden wir von Annie und Bob in Vancouver verabschiedet. Leider müssen wir an der nächsten Ecke schon wieder einen Kühlwassernachfüllstopp einlegen. Die reparierten Stellen sind alle trocken! Wo bleibt das Kühlwasser? Die Zylinderkopfdeckelschrauben sind zum Teil etwas feucht. Verschwindet hier das Wasser? Kann eigentlich nicht sein. Was sollte das Wasser dort noch kühlen. Leider fehlt uns das richtige Werkzeug: eine 10er Nuss mit extralanger Verlängerung. Aber ob wir ein solches Werkzeug hier erwerben können, ist noch die Frage. Bekanntlich arbeitet man in Amerika nicht im metrischen System. Man sieht, unsere Testreihe ist noch nicht zu Ende. Davon aber später mehr.

Wir fahren wieder eine landschaftlich reizvolle Straße, genau so, wie Bob es uns versprochen hat, zunächst am Fraser-River entlang und später durch die Cascade-Range. Einen Kaffeestopp legen wir am Berg Hope Slade ein. Hier ist vor einigen Jahren eine heftige Geröll-/Schlamm-/Eislawine abgegangen und hat ein ganzes Tal unter sich begraben.

Die Berge runter geht’s ganz munter,
nur die Berge rauf,
da verliert unser Oldie so manchen Schnauf.
Aber da müssen wir nun alle durch.

In Osoyoos muss man aufpassen, sonst ist man Schwupp di Wupp im USA-Land. Wir passen auf und kriegen die Linkskehre ins kanadische Wine-Valley. Schon lange kündigen große Tafeln an, dass wir nun das paradiesische Tal erreichen, in dem Obst und Gemüse im Überfluss gedeihen. Selbst in der Straßenkarte sind „Fruit-Stands“ am Straßenrand vermerkt. Wir hatten so die Vorstellung von kleinen Buden wie in Südamerika oder wie man sie auch bei uns schon mal sieht in der Spargel- und Erdbeerzeit. Was wir dann allerdings sehen, verschlägt uns doch die Sprache. Ein Frucht- und Gemüseladen reiht sich an den anderen. Obst und Gemüse werden nicht nur in Kisten angeboten, nein Containerweise. Da lacht und hüpft das Vegetarierherzchen, aber nicht nur das. Auch wir konnten uns nicht satt sehen an den prächtigen Früchten.

Was macht eine kluge Hausfrau? 1. Kauft sie keinesfalls hungrig ein, 2. kauft sie nur soviel ein, wie sie zum baldigen Verzehr lagern kann. Was machen Hampens? Sie gehen kurz vor dem Mittagessen, also hungrig, einkaufen, 2. Sie kaufen ein, als hätten sie einen Megaliner mit Megakühlschrank. Also heißt die Devise, Vegetarisches kommt auf den Tisch. Und ein Teil muss haltbar gemacht werden. Das Ergebnis steht unter „Kochen unterwegs“: „Eingelegte Gurken“ und „Geröstetes und mariniertes Gemüse“.

Auf der weiteren Strecke haben (mussten!) wir uns dann damit begnügt, die Früchte an Bäumen, Sträuchern und Reben zu fotografieren.

Die Besichtigung eines Weingutes haben wir uns schließlich verkniffen, da der kanadische Wein für unseren Gaumen nicht so wirklich lecker ist. Ein halbwegs trinkbarer Wein ist ab 60 / 70 / 80 $ und aufwärts (pro Flasche!) erhältlich. Da bleiben wir auf dieser Reise doch besser bei den regional wechselnden Biersorten.

In Penticton, eine Großstadt mitten im Valley,  haben wir Zeit und Gelegenheit, das oben beschriebene Werkzeug zu suchen. Wir werden tatsächlich bei einem großen Baumarkt fündig. Natürlich gibt es ein solches Tool nicht an einem Stück. Aber Jan, der Fachverkäufer, gibt sich redlich Mühe, uns ein entsprechendes Werkzeug zusammen zu stellen, schließlich kommen seine Vorfahren aus Holland, da ist man doch quasi Nachbar! Da muss man sich ja helfen! Das ist Logik! Und tatsächlich lassen sich alle Zylinderkopfschrauben noch ein bisschen nachziehen. Wahrscheinlich war auch dies eine der undichten Stellen. Am Ende der Reise werden wir unseren Motor so trocken gelegt haben, wie ich mir das für den Anfang gewünscht hätte. Frohgemut und gut gelaunt fahren wir das Okanaga-Valley weiter gen Norden, immer entlang des 135 km langen gleichnamigen Sees.

Und dann kommen wir nach Vernon, die Familie Dietz besuchen.

 

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