Gesundheit und Medizin

Impfungen
Wer auf Reisen den Kontakt mit den Menschen sucht, Wege abseits der üblichen Touristenpfade nicht scheut und auch mal in ländlichen Gegenden Station macht, der setzt sich immer einem gewissen gesundheitlichen Risiko aus. Damit das Risiko kalkulierbar bleibt, sind Impfungen gegen alle bekannten Krankheiten angeraten, ggf. Auffrischungen alter Impfungen. (i. d. R halten die Impfungen 10 Jahr vor.)Die Impfungen sollten frühzeitig vor Reiseantritt geplant werden, da nicht alle Impfungen gleichzeitig durchgeführt werden können und teilweise zwischen den einzelnen Impfungen Zeitabstände einzuhalten sind. Daher empfiehlt es sich, rechtzeitig Kontakt mit einem Reisemediziner, ggf. Tropenmediziner / Hausarzt aufzunehmen.

Folgende Impfungen werden vom Auswärtigen Amt empfohlen:

  • Diphtherie
  • FSME
  • Gelbfieber (Die Impfung muss von einer durch die Landesbehörden autorisierten Gelbfieber-Impfstelle vorgenommen werden, z. B. Gesundheitsamt, Tropeninstitut, etc.)
  • Hepatitis A
  • Hepatitis B
  • Tetanus
  • Tollwut
  • Typhus
  • Malaria (Auf Grund der Reisedauer ist eine Malariaprophylaxe nicht angeraten. Hier bietet sich für den Fall einer Erkrankung eine Stand-by-Medikation an.)
  • Keuchhusten (Pertussis)
  • Lungenentzündung

Leider werden nicht alle Impfungen durch die Krankenkassen abgedeckt. Unser Eigenanteil ist mit ca. 400 €/Pers. zu Buche geschlagen.

Reise-Apotheke
Um bei Verletzungen und Unfällen zumindest eine Erstversorgung sicherstellen zu können, ist eine entsprechende Reise-Apotheke bzw. ein Erste-Hilfe-Koffer auf der Reise unentbehrlich. Versteht sich von selbst, dass der Inhalt schnellstmöglich nach Verbrauch wieder aufgefüllt wird. Auch halten wir die Wiederholung des Erste-Hilfe-Kurs zur Auffrischung der Ersthelferkenntnisse für sinnvoll. Angeboten werden diese u. a. vom DRK oder den Johannitern.

Das Auswärtige Amt hat in seinem Gesundheitsdienst das Merkblatt „Vorschlag für eine Haus- bzw. Reiseapotheke in medizinisch schlecht versorgten Ländern“ veröffentlicht. Hier sind nicht nur die deutschen Medikamente aufgeführt, sondern auch die Bezeichnung der Wirksubstanzen, sodass man sich vor Ort ggf. weitere Medikamente beschaffen kann. Eine solche Reiseapotheke ist bei den Zollbehörden nicht deklarationspflichtig. Über diese Mindestausstattung der Reiseapotheke hinaus sind natürlich persönliche Medikamente mitzunehmen.

Persönliche Medikamente
Eigentlich sollte man auf eine solche Langzeitreise nur topfit und kerngesund gehen. Aber wir möchten allen, die gesundheitliche Probleme haben, Mut machen, trotz alledem nicht auf solch eine grandiose Reise zu verzichten. Bei vielen Krankheiten muss man nicht zwangsläufig nur „hinter dem Ofen sitzen“ und sich auf Lesen von Reiseberichten beschränken. Zweifelsohne sind hier einige Vorbereitungen zu treffen, die aufwändig und zeitraubend sind. Wir wollen an dieser Stelle aus unserer Erfahrung einige Tipps geben, die die Vorbereitung erleichtern können.

Wichtig ist, dass man den Arzt seines Vertrauens frühzeitig in diese Überlegungen einbezieht. So kann u. U. die Medikation umgestellt oder auch reduziert werden. Alle erforderlichen Medikamente sollte man aus Deutschland für den gesamten Zeitraum mitnehmen, auch wenn diese im Ausland häufig günstiger zu erhalten sind. Da den eigentlichen Wirkstoffen irgendwelche Zusatzstoffe beigemischt werden, erhält man im Ausland nicht immer das Originalmedikament, auf das der Körper eingestellt ist. Dies kann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen, die tunlichst zu vermeiden sind.

Bei der Medikamentenmitnahme ergeben sich zwei wichtige Aspekte, die der Organisation bedürfen:

Finanzierung
Da für Vorerkrankte eine reine Auslandskrankenversicherung nicht möglich ist – man wird dort schlicht und einfach gar nicht versichert – muss man unbedingt mit seiner normalen Krankenversicherung frühzeitig Kontakt aufnehmen, um die Vorabrezepte und deren Finanzierung abzuklären. Unsere Krankenversicherung (DBV) und auch die Beihilfe sahen überhaupt kein Problem in dieser Vorgehensweise. Die einzige Voraussetzung war, dass der Arzt diese Mengen für ein Jahr auch verschreibt. Bei unserer Apotheke haben wir die Medikamente dann vorbestellt, die quittierten Rezepte bei der Krankenkasse und der Beihilfe eingereicht und erstattet bekommen. Erst danach liefert die Apotheke die Medikamente bei gleichzeitiger Bezahlung aus. So konnten wir uns eine mehrere Wochen dauernde Vorfinanzierung (ca. 7.000 €) ersparen.

Einfuhr von Medikamenten
Bei einer so großen Menge an Medikamenten sind unbedingt die Einfuhrbestimmungen der jeweiligen Länder zu beachten. Da Lothar u. a. auch morphinpflichtig ist, habe ich mich mit den Botschaften der einzelnen Länder in Verbindung gesetzt und um Angaben in unserem speziellen Fall gebeten. Alle Botschaften haben binnen einer Woche ihre Bestimmungen hierzu mitgeteilt. (Herzlichen Dank für die prompte Bearbeitung.) Natürlich hat jedes Land andere Vorstellungen, wie zu verfahren ist. Es reicht von „nur“ ärztlicher Bescheinigung (Argentinien) bis hin zur Legalisierung (Chile und Brasilien), natürlich in Spanisch und Portugiesisch übersetzt.

Für die Mitnahme von Betäubungsmitteln bei Auslandsreisen (Morphin) gibt es eine offizielle „Bescheinigung für Länder außerhalb des Schengener Abkommens“. Diese kann im Internet beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte herunter geladen werden www.bfarm.de . Wichtig ist bei Betäubungsmitteln, dass der Arzt in Deutschland nur eine bestimmte Menge verschreiben darf. In unserem Fall reicht diese auf keinen Fall für den gesamten Reisezeitraum, sodass wir vor Ort Ärzte finden müssen, die bereit sind, Morphin zu verordnen.

Um diese Hürde leichter nehmen zu können, haben wir ein kollegiales Schreiben (übersetzt in spanisch und portugiesisch) von unserem Hausarzt erhalten, in dem er die besondere medizinische Situation schildert und die/den Kollegen/in bittet, Lothar das unbedingt notwendige Medikament zu verschreiben. Auch haben wir in unserer geplanten Reiseroute deutschsprachige Campingplätze, Hotels etc. vermerkt, um ggf. von dort Hilfe bei Sprachschwierigkeiten zu erhalten. (Unser Spanisch ist leider noch nicht so wirklich gut.J)

Für die „normalen“ Medikamente fand ich im Internet leider keine vorgefertigten Vordrucke für eine auslandstaugliche ärztliche Bescheinigung. Daher habe ich in Anlehnung an das Formular für Betäubungsmittel eine Bescheinigung selbst entwickelt und sie von einem befreundeten Arzt in Spanien (herzlichen Dank an Wolfgang) und einer befreundeten Ärztin in Brasilien (herzlichen Dank an Monika) übersetzen lassen. Auf Wunsch kann dieses Formular gerne als Word-Datei zur Verfügung gestellt werden.

Nun kommt der aufwendigste Teil. Die ärztliche Bescheinigung muss vom Gesundheitsamt beglaubigt werden. Danach wird diese beglaubigte Bescheinigung von der Bezirksregierung (in anderen Bundesländern kann dies eine andere Behörde sein, bitte beim Gesundheitsamt erfragen) mit einer Apostille (für Argentinien, Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Paraguay und Uruguay, alles Länder, die das Hager Abkommen unterschrieben haben) und mit einem Legalisierungsvermerk (für Chile und Brasilien) versehen. Die beiden Exemplare mit dem Legalisierungsvermerk müssen nun von den Konsulaten in Frankfurt (für NRW zuständig, dies kann in anderen Bundesländern ein anderes sein, siehe Auswärtiges Amt) “überbeglaubigt“ (das heißt wirklich so!) werden.

Natürlich verlangt jede Dienststelle eine entsprechende Gebühr für jede Ausfertigung. Daher haben wir uns dazu entschlossen, für die Staaten des Hager Abkommens nur eine gemeinsame Apostille anfertigen zu lassen. Lediglich für Chile und Brasilien mussten unbedingt getrennte Legalisierungen vorgenommen werden. Trotzdem hat uns der Spaß noch 230 € gekostet.

Sonstiges
Über spezielle Erkrankungen (Höhenkrankheit, Malaria etc.), die einen auf diesem Kontinent ereilen können, kann man sich sehr gut im Vorhinein auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes – Gesundheitsdienst – informieren und sie als Merkblätter herunter laden.

In manchen Situationen kann es wichtig sein, einen deutschsprachigen Arzt aufzusuchen. Auch hier hilft das Auswärtige Amt bzw. die diplomatische Vertretung im jeweiligen Land weiter. Folgenden Link im Internet eingeben: www. Hauptstadt des jeweiligen Landes.diplo.de, z. B. www.buenos-aires.diplo.de .

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