Finnland – Sápmi

Finnland, Land der Seen, Land der Mücken. Von beidem stellen wir zunächst nichts fest. Die Landschaft hat sich grundlegend geändert. Dies aber schon auf den letzten Kilometern in Norwegen. Dort die schroffen, eiszeitlichen Felsformationen, kaum Bewuchs, hier weite Ebenen mit Mischwäldern, Heide- und Moorlandschaften, Wiesen. Von den berühmten finnischen Seen ist im Land der Samen zunächst nur wenig zu sehen.

Unser kurzbeschlossener Grenzübertritt stellt uns nun vor die Frage, wo tätigen wir unseren geplanten Wochenendeinkauf, wo gibt es hier einen Camping, der uns das bietet, was wir inzwischen einmal in der Woche schätzen gelernt haben. Die Reiseführer sagen dazu recht wenig aus, eigentlich gar nichts! Freie WoMo-Standplätze sind da lediglich im Angebot. In irgendeiner Karte finden wir schließlich das kleine Piktogramm „Zelt“, in Sevettijärvi. Zuvor kommen wir noch mitten in der Prärie an einem Supermarkt mit Tankstelle vorbei, die Preise nehmen wieder mitteleuropäische Dimensionen an, bezahlt wird in Euro.

Die Welt scheint in Ordnung … bis wir den Camping erreichen, idyllisch im Wald gelegen. Wir öffnen Türen und Fenster. Das WoMo ist in nullkommanix von innen schwarz, Lothar schlägt wie ein Berserker um sich, ich reiße das Stromkabel wieder aus der Steckdose, werfe alles ins Auto, schließe alle Luken, wir fliehen. Wir fliehen zunächst an einen See mit Sandstrand. Aber auch hier tummelt sich das Mückenvolk, d. h. tummeln sich die Mückenvölker. Wir sind in Finnland angekommen! Wie zur Bestätigung trabt ein Rentier am Ufer entlang.

Ein weiteres gleich auf der anderen Seite.

Uns verlangt schon nach ein bisschen Zivilisation, so mit Elektrik, WiFi, warmer Dusche, Waschmaschine etc. Zwei weitere Campings, die am Wegesrand angepriesen werden, fahren wir an. Man bedauert, WiFi nein! Waschmaschine, nein! ein Angelboot? gerne! eine Angellizenz? gerne!

Ein Blick in die Karte verrät, es ist nicht mehr weit bis nach Inari. Dort gibt es bestimmt einen Campingplatz, so wunderbar gelegen am westlichsten Zipfel des größten Sees von Finnland. Ja, hier gibt es einen Camping. Ja, man hat einen Standplatz für uns, obwohl es bereits nach 19:00 Uhr ist, zwar in der zweiten Reihe wie auf einem Parkplatz, dafür aber alles ein wenig aufgeweicht und matschig.

Egal, wir haben einen Platz mit Strom, WiFi, Waschmaschine, geräumigen Duschen. ‚Ne Mitternachtssonne gibt es hier auch.

Die Nacht ist laut und unruhig. Im und vor dem Campingrestaurant findet eine Hochzeit statt. Die Gäste nächtigen teils im Partyzelt, teils in den Ferienhütten.

Der neue Tag beginnt sonnig, in der ersten Reihe am Wasser wird ein Platz frei, wir setzen um. Nun können wir das Wochenende genießen.

Wir lassen uns die gute Laune auch nicht durch einen heftigen Schauer am Nachmittag verderben, der den ganzen Platz wieder unter Wasser setzt.

Wir sitzen schließlich im warmen und trockenen WoMo. Da geht es der Reisegruppe von Rotel-Tours erheblich schlechter. Bei Wind und Wetter draußen im Vorzelt des Busses und nachts in der eckigen Röhre, 14 Leute nebeneinander und 3 übereinander, da muss man sich und die Körpergeräusche des Nebenschläfers schon mögen!

Montagmorgen, ich will noch rasch den Bericht ins Netz stellen. Aber irgendwie funktioniert Lothars Laptop nicht. Ist ja alles kein Problem, bzw. lösen wir dieses später. Mein Laptop funktioniert tadellos, am Montagmorgen. Wir setzen die Reise fort.

In Takavaara lockt ein Goldmuseum, das Goldmuseum mit der umfassendsten Zusammenstellung der Goldgewinnung in aller Welt. Das müssen wir uns anschauen. In der Tat haben wir zwar schon viele Ausstellungen über Goldsuche, Goldwäsche etc. gesehen. Aber so umfassend wurde die Goldgewinnung rund um den Erdball noch nie dargestellt, angefangen in Ägypten vor 4.000 Jahren bis zum heutigen Tag, auch Deutschland ist hierbei vertreten.

Der erste Goldgräber wurde in Bronze gegossen,

den letzten habe ich bei einem Päuschen erwischt-:)

In Sodankylä soll eine der ältesten Holzkirchen Finnlands stehen. Dieses Städtchen liegt an unserer Route, dort könnte man sehr gut einen Stopp einlegen. Das Städtchen selbst ist nicht als reizvoll oder gar pittoresk zu bezeichnen, aber die kleine alte Kirche ist etwas ganz besonderes.

Im 17. JH errichtete man hier auf halber Strecke zwischen Inari und Kemijärvi diese kleine Kirche, um den Gläubigen die mühevolle Reise zum Kirchgang zu erleichtern. An großen Kirchenfesten versammelten sich sowohl Samen als auch Neusiedler zu gemeinsamen Gottesdiensten. Heute wird die alte Kirche nicht mehr regelmäßig genutzt, da bereits im 19. JH eine Steinkirche in unmittelbarer Nachbarschaft errichtet wurde.

Vor der nahegelegenen Touri-Info gibt es einen Nachtstandplatz und WiFi. Die Gelegenheit ist günstig, schnell ins Netz und die Mails auf meinem Laptop abfragen und testen, ob Lothars Rechner wieder funktioniert. Oh Schreck, oh Graus, nun gibt es auch auf meinem PC kein Outlook mehr. Eine Direktabfrage der Mails bei 1und1 funktioniert auch nicht. Mit unseren IT-Kenntnissen kommen wir nicht weiter. Hier ist externe Hilfe vom Backoffice gefragt. Während unser Backoffice im Hintergrund tüftelt, fahren wir weiter und erreichen den Polarkreis erneut.

In Norwegen gab es ja schon einen ziemlichen Touri-Rummel. Aber das, was hier in Rovaniemi dem Reisenden geboten wird, spottet jeder Beschreibung. Hier ist „das!“ Weihnachtsdorf, hier ist „die!“ Weihnachtsmannwerkstatt,

hier „das!“ Weihnachtspostamt, hier kannst du mitten im Sommer am 22. Juli deine Weihnachtspost schreiben!

Natürlich kannst du hier auch all deine Weihnachtseinkäufe gleich mit erledigen, begleitet von dezent gespielter Weihnachtsmusik, den ganzen lieben, langen Tag!

War es vielleicht der Weihnachtsmann, oder doch eher das eifrige Tun unseres Backoffice, wir sind wieder Online. Irgendwann am Vormittag kommt eine SMS von Christian. Alles müsste jetzt wieder funktionieren. Im Weihnachtspostamt gibt es natürlich auch WiFi und ich teste beide Laptops. Alles funktioniert wieder wie am Schnürchen! -:) Herzlichen Dank an Christian!

Wir verlassen das Weihnachtsdorf und den Walt Disney-Rummel. Rovaniemi hat noch anderes zu bieten. Direkt bei der Einfahrt in die Stadt sehen wir das lichtdurchflutete extravagante Gebäude des „Arktikums“, im Volksmund auch Zigarre genannt.

Das Gebäude an sich ist absolut sehenswert und architektonisch (dänische Architekten!) überaus beeindruckend; aber auch die präsentierten Ausstellungen gehören zu den besten ihrer Art. Das Arktikum ist ein Forschungszentrum und ein Museum mit Ausstellungen zu Lebensweisen, Sitten, Kulturen und Naturreligionen der Völker Sibiriens, Lapplands und der Inuit in Alaska, Grönland und Kanada. Bilder und Exponate verdeutlichen die Auswirkungen der Neuzeit auf die arktische Natur und das Leben der Ureinwohner. Themenausstellungen beleuchten die Geschichte Lapplands insbesondere von Rovaniemi aus vielerlei Blickwinkeln.

 

Wir verbringen wieder einen ganzen Vormittag im Museum, anschließend gibt es im Museumscafé „Lunch for two“ am Buffet mit „karjalanpaisti“ (karelischer Fleischtopf) und vielem mehr.

Wir haben nun genug museale Kunst genossen. Uns zieht es wieder an die See, an die Ostsee. Wir hoffen auf ein bisschen mehr Sonne und weniger Mücken. Die Straße ist gut ausgebaut, und wir erreichen nach einem kurzen Zwischenstopp an der alten Felssteinkirche, soll wohl die älteste in Finnland sein,

um 19.00 Uhr den Strand von Kemi. Der Bottnische Meerbusen empfängt uns mit leichter Brise, Sonnenschein und einem Nachtstandplatz direkt am Yachthafen.

Lothar ist froh, nun endlich seine „Beinwickel“ abnehmen zu können.

 

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2 Kommentare zu Finnland – Sápmi

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr 2,
    schön, dass ihr wieder im Blog seid! Jetzt also Kemi an der Ostsee – da habt ihr doch Schweden ganz außen vorgelassen – oder kommt das noch? Na, wir sind gespannt. Kemi liegt ja noch so ein bisschen im Schärengarten um Haparanda, so sieht es wenigstens auf der Karte aus und weniger Mücken als im (fast) menschenleeren Lappland sollte es da wohl auch geben. Die kommen ja wirklich durch jede Ritze. Ach ja, Lappland oder Sápmi – und nicht Sampi, wie Rita es so nett verdreht hat – das muss ich (Gerhild) doch jetzt auch noch mal loswerden :-).
    Da haben wir doch auf dem Foto vom Goldgräber (dem historischen, nicht dem letzten 😉 ) im Hintergrund auch eine Kerzenfichte entdeckt, die so heißt, weil sie mit dem schmalen kerzenartigen Wuchs von zu großer Schneelast verschont bleibt. Wir sind damals ein Stück im Urho-Kekkonen-Nationalpark gewandert, wo man die massenhaft sieht. Sicher hatten wir damals keine Mücken, weil es kalt war. Entweder man hat kalt oder man hat Mücken!

    Weiterhin gute Reise und schreibt fleißig (auch wenn wir wissen, dass das eine Menge Arbeit ist), wir lesen es als Dank 🙂 Liebe Grüße, Gerhild und Harald

  2. kanalratte sagt:

    Hi ihr Lieben !

    wir leben noch… wir waren in Urlaub in Italien, davor war irgendwie Funkstille . Ich hatte von Christa die Info, dass nix im Blog steht. Nun denn, freudige Überraschung.Steht doch was drin…. Nach unserem Urlaub musste ich noch 1 Woche Babysitten…meinen absolut pappnasigen 12 Jährigen Enkel..ein bisschen Testosteron einblasen….nee sowas von einer einfältigen Schlaftablette…Nun er kann nix dafür . Der Vater (Ritas Bruder) ist früh verstorben und die Mama so eine übersensible latent depressive Verhuschte..mit madonnenhaftem Jenseitsblick.. Nun, ich habe mein Bestes gegeben.Auf dem Schiff hat er sich gut gehalten, aber immer im Weg gesessen und saublöde Fragen gestellt…Ansonsten..frage ich mich, wieviel naiver kann ein 12 Jähriger denn noch sein…Sitzt den ganzen Tag faul rum und träumt vor sich hin…
    Nun, ich werde mich jetzt vom Knast aus melden. Bin mal wieder Strohwitwer. Viele Bilder wecken die Erinnerung an unsere Nordkaptour, die allerdings etwa 80 km vorher endete. Und ja …Finnland, Land der Mücken… warum sollte es euch besser ergehen ,als uns. Ich hatte erst gedacht, es wären dunkle Regenwolken…nein es waren Mückenwolken—-hi,hi…oh Scheisse…
    Nun kurz zu uns..Wir werden wohl wieder einen Wohnsitz in Italien haben..1 Dorf weiter haben wir zugeschlagen. Allerdings low budget. Als wir da unten waren, haben wir aber doch wieder gemerkt, dass Italien unsere 2. Heimat geworden ist.. Ich hatte meinen Doblo zum mini WOMO umgebaut. Wir haben excellent gepennt. Hatten sogar eine Campingdusche dabei.Es waren sehr glückliche Tage Ich freue mich jetzt wirklich auf mein Rentendasein im nächsten Jahr unter Palmen. Morgen wieder 1. Arbeitstag und ich bin schon etwas neidisch auf eure Tour ohne wesentliche Zeitvorgaben. Ich will das auch endlich haben…Es reicht..
    Also bis in Kürze..
    Eure Kanalratte

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