Norwegen – Polarkreis

Das Wochenende haben wir in Stilkestad auf dem gleichnamigen Camping verbracht. Putz- und Flicktag“ ist angesagt. Damit wir auch merken, dass Sonntag ist, gibt es zum Frühstück Lachs vom Feinsten, ekte Smør aufs brød und ein Gläschen Sekt. Die Sonne scheint auf den Frühstückstisch. Ich schwebe im 7. Frühstückshimmel!

Montagmorgen, es geht wieder auf die E 6. Nord-Norwegen begrüßt uns mit einer ganz besonderen Brücke. Sind wir aus Versehen in Amerika, USA, Kanada gelandet?

Unser Ziel ist zunächst Mosjøn. An und für sich wollen wir direkt am Freilichtmuseum oder an der Dolstad Kirke für die Nacht ein Plätzchen belegen.

Aber weit gefehlt, diese Parkplätze sind inzwischen zeitlich limitiert und für die Übernachtung völlig gesperrt. Also fahren wir ins Gewerbegebiet. Dort soll es ausreichend WoMo-Stellplätze für die Nacht geben. Wenig romantisch so direkt gegenüber eines riesigen Fabrikgeländes, aber unmittelbar am Fjord! Hier stehen wir hervorragend.

Es ist ein guter Ausgangspunkt, am frühen Morgen unsere Besichtigungstour durch die restaurierte Altstadt Sjøgata zu starten.

Es heißt, Sjøgata soll das längste zusammenhängende Holzbauviertel Norwegens sein. Am Ufer der Vefsna-Mündung stehen eine Reihe alter Lager-, Wohn- und Fischerhäuser aus dem 18. Und 19.  Jh. In den vergangenen Jahrhunderten sind hier die Produkte des Hinterlandes umgeschlagen worden. Es ist noch früh am Morgen und noch nichts los in den kleinen Gässchen. Heute beherbergen die schmuck renovierten Häuschen gepflegte Restaurants, Bars, Cafés, kleine Boutiquen.

In Mo i Rana gibt es die Mittagspause. Auch hier ein wunderschön restauriertes Altstadtviertel, herrlich in der Sonne gelegen.

Da möchte man ja direkt einziehen, oder?

Aber für uns geht es weiter. Langsam schrauben wir uns auf schmaler Fahrbahn die felsige Landschaft hinauf. Die Baumgrenze ist erstaunlich schnell überschritten. Nur Moose und Flechten gedeihen hier oben auf gut 1000 m Höhe noch. Die Landschaft gibt keine Hinweise, dass wir in Kürze den Polarkreis erreichen. Damit der Reisende nicht einfach darüber hinaus fährt ohne bemerkt zu haben, welch wichtige Linie dieser Welt er gerade quert, hat man hier ein imposantes Gebäude errichtet, an dem nun jeder Reisende einen Stopp einlegen soll, vorzugsweise verbunden mit der Einnahme eines kleinen, aber überteuerten Allerwelt-Imbisses. Selbstverständlich wird ihm auch hier die Gelegenheit gegeben, irgendetwas, was er nicht braucht, im Giftshop zu erstehen.

Der Polarkreis geht mitten durch das Gebäude, im Außenbereich sind mehrere Stellen besonders markiert, die sich als Fotopoints besonders eignen.

Auf dem Parkplatz herrscht ein ziemliches Gewusel und Gedränge, PKWs, Busse, WoMos, Gespanne und auch LKWs kommen und fahren. Für die Nacht sicher kein ruhiges Plätzchen. Aber es hätte schon was, hier am Polarkreis zu übernachten und eine helle Mitsommernacht zu erleben. Da trifft es sich ziemlich gut, dass es noch einen weiteren Parkplatz gibt, wohl angelegt als Übernachtungsstellplatz für WoMos. Dort richten wir uns für die Nacht ein, wie auch etliche andere.

Der Himmel klart im Laufe des Abends zunehmend auf, und Lothar kann die ersten Mitsommernachtsbilder einfangen, vom Polarkreis, 3.100 gefahrene km von daheim. Die Sonne selbst ist hier wegen der Berge zwar nicht zu sehen, aber sie färbt die paar einzelnen Wölkchen rosa und es ist so hell, dass man draußen Zeitung lesen könnte.

Die Lofoten auf eigener Achse, das hätte schon was. Natürlich wollen wir dieses Feeling nicht auslassen. Aber zweimal die Strecke absolvieren ist vielleicht auch blöd. Im Städtchen Fauske wollen wir uns daher über die möglichen Fährverbindungen zum Angler-Eldorado schlau machen. Die Lösung liegt schnell auf der Hand bzw. auf dem Salontisch. Die Verbindung zur Südspitze soll für unser über 6 m langes WoMo nur 150 € kosten. Das lohnt sich allemal! Das Schiff soll erst nachmittags um 16:30 h von Bodø ablege3n, nur ein Stündchen von Fauske entfernt.

Wir fahren einen Parkplatz am Fjord an und machen erst mal Mittagspause. Auf Wunsch einer einzelnen Dame gibt es Kartoffelsalat mit Würstchen. Hört sich nach einem einfachen Campingessen an, ist es aber nicht! Kartoffeln von Lothar am Vorabend handverlesen und in der Pelle gegart, abkühlen lassen, von Lothars zarter Hand gepellt, über Nacht weiter abkühlen lassen, aufpassen, dass keiner nix stiehlt nich nischt nich nich! Am nächsten Morgen in Scheiben geschnitten, Majo-light selbst hergestellt, Cornichons und Zwiebeln in feine Scheiben und kleine Stückchen geschnitten, alles vermengt, durchziehen lassen und gewartet! Gewartet auf Mittag! Und das ist jetzt! Lecker!

Wir fahren nach Bodø und reihen uns ein in die Schlage nach Moskenes, dem südliche Fährhafen auf den Lofoten. Nur wenige Autos wollen offensichtlich mit dieser Fähre zu den Lofoten. Das kommt uns seltsam vor. Ich erkundige mich im Fährbüro nach den genauen Modalitäten und erfahre, dass wir völlig veraltete Informationen bei der Touristeninfo in Fauske erhalten haben: die Fähre geht erst 17:30, sie kostet nicht 150 € sondern 180 €! Der Fährpreis werde später direkt am Fahrzeug einkassiert.

Wir warten also. Ca. 17:00 kommt dann eine Kassiererin in flotter Marineuniform, betrachtet abschätzend unseren Pössl, kommentiert 2 Personen, nennt den Fährpreis von 90 € und hält mir die Kreditkartenmaschine unter die Nase. Es war die auskunftsfreudige Dame von vorhin! Ich stelle keine Fragen, schiebe schnell die Kreditkarte ins schwarze Kästle und schon ist die Dame in flotter Marineuniform wieder weg.

17:30 wir stechen in See, 3 Std Richtung Nordwest, dann sind wir da: auf den Lofoten! Und am absoluten Ende das Örtchen „Ǻ“. Die Bilder dazu gibt´s im nächsten Bericht; also legt euch auf die Lauer.

 

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Ein Kommentar zu Norwegen – Polarkreis

  1. Gerhild sagt:

    …da habt ihr doch schon mal den Link auf die Wetterprognose des norw. meteorol. Instituts, die manchmal ganz nützlich ist: http://www.yr.no/sted/Norge/Finnmark/Nordkapp/Nordkapp/langtidsvarsel.html
    Ha det, Gerhild

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