Norwegen – Wasserfälle, Gletscher, Skigebiete und vieles mehr

Es ist Sonntag, ein sonniger Sonntag. Wir testen unseren neuen Weber-Grill.

Gestern haben wir Nackensteaks erstanden und die sind heute dran. Es ist sehr windig und ich bin froh, dass wir einen Deckel für diesen Grill haben. Rita zählt 13 Stück Holzkohlebriketts ab, ganz nach Vorschrift, aber das Anzünden erweist sich bei diesem Wind schließlich doch als Männersache. Mit dem Gasbrenner zum Hartlöten gelingt es dann auch. Auf Niedrigtemperatur werden die Steaks einmalig, Johann Lafer hätte seine helle Freude gehabt. Leider habe ich mir in dem Fleisch schon wieder ein Stück vom Schneidezahn 1/1 (ist ja gerade erst vor Reiseantritt repariert worden) ausgebissen. Ärgerlich, aber nicht zu ändern, die Reparatur muss warten, bis wir wieder zuhause sind.

Den restlichen Tag verbringen wir mit „Herumdödeln“. Es ist wunderbar und entspannend!

Für die weitere Reise haben wir beschlossen, die Fjorde zu verlassen und uns anzuschauen, was Norwegen sonst noch so zu bieten hat.

Montagmorgen, wir verlassen den Hardangerfjord und begeben uns auf eine Tunnel- und Wasserfallstrecke. Den größten Wasserfall haben wir allerding schon vor ein paar Tagen auf dem Weg zu dem kleinen Campingplatz erlebt.

Doch weitere sollen noch folgen. Teils stürzen sie mit gewaltigem Getöse in die Tiefe, teils fließen sie sanft die steilen Felsen hinab wie Engelshaar am Weihnachtsbaum.

Auf dieser Strecke kommen wir unter anderem zu dem mit 24,5 km längsten Autotunnel der Welt.

Für mich ist es eine sehr anstrengende Fahrerei durch diesen Tunnel. LKW´s kommen mir entgegengedonnert, die mehr als ihre eigene Fahrspur benötigen, und die Fahrbahnrandstreifen könnten auch mal nachmarkiert werden. Zum Ende hin habe ich regelrecht Halluzinationen, ein Anhalten in einer der SOS Buchten kommt wegen der akustischen Belastung nicht in Betracht, ich muss es durchstehen. Rita versucht, mich durch ihr widernatürliches, permanentes Geplapper wach zu halten. Irgendwann ist es geschafft! Fotos gibt es natürlich keine! Es folgen noch etliche weitere Tunnel, aber nur ganz kurze mit max. 10 km. Bei Sognedal am gleichnamigen Fjord finden wir ein schönes Picknickplätzchen für die Nacht. Dieser Fjord reicht über etliche 100 Kilometer ins Landesinnere. So schnell entkommt den norwegischen Fjorden hier niemand nicht!

Früh am Morgen starten wir zur nahe gelegenen ältesten Stabkirche Norwegens in Urnes, für uns bestens zu erreichen mit einer kleine Fähre vom Örtchen Solvan aus.

Tickets gibt es direkt an Deck. Barzahlung mit Wechselgeld aus der guten alten Kassierertasche aber auch Kartenzahlung mit PIN-code ist möglich.

Auf Empfehlung unseres Reiseführers lassen wir den Pössl in Solvan stehen und begeben uns nun auf den „nur 20-minütigen Fußmarsch“ zur Kirche, so die Information des Reiseführers.

Es steht nicht dabei, dass der Weg bergauf geht, es steht auch nicht dabei, dass die Zeitberechnung für sportlich durchtrainierte Schlankgewichte berechnet wurde. Egal, wie dem auch sei, nach 45 Minuten sind auch wir am Ziel angelangt. Alle Schmerzen, die wehen Knochen und die Schweißperlen sind vergessen und wir können dieses wirkliche Kleinod der mittelalterlichen Kirchenbaukunst Norwegens in uns aufnehmen und bewundern.

Den Abstieg schaffen selbst wir – der Gravitation sei der Dank der Adipösen – locker in den angegebenen 20 Minuten. Wir müssen noch ein wenig auf die Rückfähre warten .

Nicht weit entfernt befindet sich der größte Inlandgletscher Europas, der Jostedalsbreen. Natürlich wollen wir uns den nicht entgehen lassen, obwohl wir schon viele große Gletscher auf unseren Reisen gesehen und erlebt haben. Auf schmalen Sträßchen entlang des reißenden Gebirgsflusses Jostedalselva erreichen wir schließlich den perfekt ausgebauten Parkplatz am Fuße der sich immer weiter zurückziehenden Gletscherzunge. Hier ist für uns Einhalt geboten: glitschige plangeschliffene Steinblöcke und Eisplatten sind nix für trittunsichere Füße mit Polyneuropathie.

Kurz zuvor passieren wir die Info- und Museumshalle, ein architektonisch wirklich imposantes Gebäude, einem mittelalterlichen Helm nachempfundenes „Nurdachhaus“.

Der riesige Gletscher lässt erahnen, dass im Winter in dieser Gegend sicherlich reichlich Schnee liegt. Wir sind im Jotunheimen Natinonalpark, ein Eldorado für Skifahrer. Ja, im Winter! Aber jetzt? Ja, doch, selbst bei einer Höhe von nur 1.400 m scheint es hier auch im Sommer schneesicher zu sein. Langläufer tummeln sich unweit der Passstraße.

Ist dies das norwegische Sportleistungszentrum, das all die Olympiasieger im Langlauf und Biathlon hervorbringt? Viele Athleten quälen sich nicht nur in der Loipe, auch auf der Straße sind sie mit ihren Sommerski bergwärts unterwegs – sie haben unseren absoluten Respekt.

Schnee scheint es hier wirklich genug zu geben. An den Straßenrändern türmt sich der Schnee bis zu 5 m auf.

Einfach unglaublich! Nun verstehen wir auch die enorm langen Stangen für die Schneefräsen, damit sie den Straßenverlauf nach Schneefall und Verwehungen wiederfinden.

Oben auf dem Pass müssen wir selbstverständlich Beweisfotos machen, dass hier am 24. Juni immer noch so viel Schnee auf nur 1.400 m Höhe liegt.

Diese Strecke durchs „Inland“ von Norwegen hat noch so einiges an Sehenswertem, was hier und da an der Strecke liegt. In Lom besuchen wir eine weitere mittelalterliche Stabkirche.

Imposant finden wir die 1,80 m dicken Außenwände, die zweischalig gemauert und dann mit Felsgeröll aufgefüllt wurden. Das Eingangsportal ist mit aufwendigen Schnitzereien ausgestattet.

Das Hochmoor Fokstumyra, ein Naturschutzgebiet von nur 7,5 km² mit sage und schreibe 70 % Sumpf und Wasser. Wir verkneifen uns aus bekannten Gründen eine Wanderung auf dem ausgeschilderten Rundweg von 6 km. Wir machen ein paar Fotos, fahren weiter und folgen einem kurzen Hinweis zur Dovregubbrns Hall, ehemals eine Pilgerstation. Heute natürlich – wie sollte es anders sein – ein voll ausgebautes Touristencenter für Wanderer, mit Hotel, Kneipe, Museum

und selbstverständlich gibt´s noch ´nen Giftshop obendrauf, wer hätte das gedacht. Hier kann man mal wieder alles das kaufen, was man nicht braucht und Trolle, die zum Teil schon ziemlich (vor-) witzig aussehen.

Wenig später erreichen wir das „Lappencamp“. Helle Begeisterung bei der Vorankündigung in den mitgeführten Printmedien. Natürlich fragt sich jeder, was macht ein Lappencamp hier in dieser Gegend, eigentlich gehören die doch gar nicht hierher, oder? Wir schauen nach. Irgendein englisch sprechender Mensch hatte mit seiner asiatischen Freundin die Idee, an dieser Stelle ein solches Camp einzurichten und die vorbeireisenden Touris mit echten norwegischen Souvenirs, made in Taiwan, zu beglücken. Ein bisschen norwegische Deko auf dem Gelände verteilt, und das Geschäft läuft.

So offensichtlich der Plan. Immerhin haben die beiden es zu einem offiziellen braunen Hinweisschild an der Straße geschafft, die auf Sehenswürdigkeiten hinweisen sollen.

Wir fahren weiter und entdecken ein Hinweisschild „Magalaupet“, ein Schild ebenfalls auf braunem Hintergrund, hier gibt es wieder etwas Besonderes zu sehen. Der ruhige Fluss Driva, der uns seit geraumer Zeit begleitet und gemächlich dahinfließt, zwängt sich an dieser Stelle mit enormer Gewalt durch die engen Felsen. Alles was sich ihm in den Weg stellt, wird mitgerissen, glatt geschliffen, ausgehöhlt. Der Weg dorthin ist holprig und steil.

Lothar turnt trotz seiner Gleichgewichtsstörungen mutig über die glitschigen Felsen (für ein Foto tun wir alles), mir wird Himmel Angst, aber die Bilder sind schon beeindruckend.

Zum guten Schluss hat diese Strecke noch einen „märklinreifen“ Bahnhof zu bieten. Von der Durchgangsstraße aus haben wir ihn im Vorbeifahren aus den Augenwinkeln entdeckt. Gerne gönnen wir uns diesen Abstecher jetzt auch noch.

50 Kilometer vor Trondheim beschließen wir unseren heutigen Trip. Inzwischen gießt es in Strömen. Bei diesem Sauwetter in Trondheim, drittgrößte Stadt Norwegens mit knapp 200.000 EW, einen WoMo-Übernachtungsplatz zu suchen, ist uns einfach nicht entschleunigt genug. Morgen ist auch noch ein Tag, der Picknickplatz bei Storen ist bestens und wir betten uns zur Nacht.

 

Dieser Beitrag wurde unter Nordeuropa 2015, Norwegen, Reiseberichte veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Norwegen – Wasserfälle, Gletscher, Skigebiete und vieles mehr

  1. Lothar sagt:

    Hallo ihr da draußen, dass wir wieder on tour sind, habt ihr ja schon mitbekommen. Nur leider scheint die Funktion „Hinterlasse einen Kommentar“ (am Ende eines jeden Kapitels, das wir ins Netz stellen) nicht zu funktionieren. Vielleicht habt ihr ja auch nur vergessen, auf „Kommentar abschicken“ zu klicken, diese Teile tun ja nix ohne expliziten Befehl. Jedenfalls kommt bei uns nichts an, noch nicht mal die Spams :-). Daher muss ich das jetzt mal selber überprüfen. Lothar

    • Gerhild & Harald sagt:

      Hallo Ihr 2,
      nein, wir haben nicht vergessen den Knopf zum Abschicken eines Kommentars zu drücken. Es erschien nur bisher ein merkwürdiges, nicht richtig bedienbares Anmeldefenster. Kein Wunder, dass selbst Spammails hier kapituliert haben. 🙂 Mal sehen, ob es jetzt klappt.

      Euer diesjähriger Reisebericht ist natürlich für uns besonders interessant, weil wir als „alte Nordlandfahrer“ uns hier am Wiedererkennungseffekt erfreuen, an Wasserfällen, die in diesem Jahr wegen des in diesem Jahr bisher „grünen Winters“ besonders kraftvoll waren, an Gletschern und Bergen, die auch im Sommer auf einer für uns relativ geringen Höhe oft schneebedeckt sind, an blauen Fjorden und bunten Holzhäusern , an Stabkirchen, an freundlichen Nordmännern und -frauen und natürlich an der (wenn das Wetter es zulässt) wunderbar klaren Luft. Auch an den Gletschertöpfen der Driva sind wir schon rumgeturnt und die Erfahrung, dass wir die in Reiseführern angegebene Weg-/Wanderzeit gut mit zwei multiplizieren sollten, teilen wir mit euch.
      Wir freuen uns auf eure weiteren Reiseberichte und Fotos. God tur! Gerhild und Harald

  2. Matthias sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    Danke für die wundervollen Bilder dieser schönen Landschaft die ja bisher von hampischen Familienreisen weitestgehend vernachlässigt wurde. Ich hoffe, dass Ihr Eure Reise trotz des ein oder anderen Handicaps genießt und, wie Ihr schreibt, ein wenig Entschleunigung erfahrt, die daheimgebliebenen täglichen ToDo-Listen ein wenig bei Seite legen könnt und rundum eine schöne Zeit verbringt.

    Ich bin meinerseits auch gerade aus dem Norden wiedergekommen. Mit Fortuna ging es einmal rund um Fyn. Das, was an Wind in der ersten Woche zu wenig war und dadurch die Badepausenfrequenz deutlich erhöhte, haben wir dann in der vergangene Woche oben drauf bekommen. So konnten wir mit gerefften Segeln bei 6-7 in Böen bis 8 mal am Wind kreuzend und stampfend mal raumschots bei 7-8 Kn dahingleitend schnell wieder den kleinen Belt hinunter (nur Groß im ersten Reff und Fock haben für die knapp 200 t bereits ausgereicht). Wir legten in Sonderbourg noch ob des Windes einen Hafentag ein, und mussten am Ende noch ein Boje-über-Bord-Manöver fahren um in Schleimünde auch ja nach der Ausflugsfähre am Fähranleger anzutüddeln.

    Beste Grüße, Matthias

Schreibe einen Kommentar