Termas del Arapey

2011-10-25
Wegen meiner derzeitigen „Laufkünste“ haben wir uns im Sektor 2 der „Zona de Camping“ der Termas del Arapey, direkt gegenüber dem 24 Stunden geöffneten „Piscina semi cerrada“ eingerichtet, Entfernung 50 m Fußmarsch.

Ein Platz, an dem wir auch ein bisschen Sonne abkriegen, wenn sie denn mal scheint. Jeder Platz ist hier ausgerüstet mit großer Grillanlage, fließend warmen Wasser und Kabelanschluss für die hier unvermeidbaren Fernsehgeräte.
Von den Feuchtgebieten und Uferrandzonen des nahen Rio Arapay schallt bei Einbruch der Dunkelheit das Abendkonzert der Frösche, Unken und Kröten herüber. Auch die haben Frühling.

2011-10-26
Nach der kalten Nacht, unter 10° C, nehmen wir erstmal ein Warmgetränk als Sunriser zu uns: Cacao mit Cachaça Nr. 7. Später lockert die Bewölkung auf und wir haben einen schönen sonnigen Platz hier, nach dem vielen Regen eine richtige Erholung.
Wir erfreuen uns an den weitläufig angelegten Parkanlagen, in die sowohl Gebäude und Nebenanlagen als auch großzügige Sitz- und Grillplätze eingebettet sind, an der phantastischen Vielfalt der Hecken, Büsche, Sträucher, Bäume und Palmen und der dementsprechend artenreichen Vogelwelt. Hier waren sicherlich u. a. auch gute Landschaftsplaner am Werk.

2011-10-27
Auf dem C-Platz haust ein heterogenes Völkchen, von Oma und Opa mit kleinem Lieferwagen und kleinem Zelt bis zu Familien und Gruppen mit Megalinern

und umgebauten 40/50 Pers. Bussen, wie wir das schon aus Argentinien kennen.

Nur sind sie hier besser in Schuss.
Einer dieser Megaliner, allerdings nur von einem Paar aus Brasilien bewohnt, steht auf dem Nachbarplatz. Mit der vermufften, zickigen Nachbarin aus dem Megaliner gab es dann nachmittags Stress an der Wäscheleine, weil sie wohl meinte, dass unsere Wäsche zu nah an ihrer Wäsche hinge. Zu allem Überfluss hatte ich unsere Leine auch noch ein Stück höher gespannt. Zum ersten Mal auf unserer Reise treffen wir auf einen derart unfreundlichen Menschen. Ihr Mann entfernt währenddessen einige Staubkörnchen und Fingerprints von der Wagentür,

und auch wir haben uns von dem Gemecker nichts angenommen.

2011-10-28
Unsere Nachbarn zur anderen Seite kommen aus Uruguay. „Don“ Juan und Maria Ester hatten uns schon für gestern Abend eingeladen, deutschen Wein zu probieren. Dazu waren wir wegen dringender Internetaktivitäten nicht gekommen. Aber heute wird das in Form eines Frühschoppens nachgeholt. Es gibt Liebfrauenmilch aus Bernkastel-Kues! Sie haben dieses edle Tröpfchen 😉 auf den Deutschen Wochen in einem Supermarkt in Montevideo erstanden und sind ganz stolz, uns als Deutschen so etwas anbieten zu können. Wahrscheinlich wissen sie nicht, wie wirklich guter deutscher Wein schmeckt und was der dann auch kostet.
Wir unterhalten uns angeregt stundenlang auf Spanisch und zur Not mit Händen und Füßen. Das geht eigentlich ganz gut, da beide rührend bemüht sind, uns über unsere Sprachschwierigkeiten hinwegzuhelfen.



Natürlich kann man den Wein nicht so trocken runterwürgen, also muss noch etwas einheimischer Käse auf den Tisch, und der ist dann wirklich lecker. Da der Käse aber die Liebfrauenmilch überdauert, geht es mit einheimischem Rosé weiter, bis wir alle der Meinung sind, es sei nun Zeit für eine Siesta; schließlich haben wir im Schatten 35° C.
Irgendwann ist auch Zeit zum Grillen. Wir versuchen so viel wie möglich auf offenem Feuer zu kochen, zu braten, zu garen, um Gas zu sparen. In unserem Tank haben wir nur noch 8 % und nach Möglichkeit möchten wir uns nicht noch einmal die Suche und das Procedere einer Gasfüllaktion antun. Außerdem haben wir noch Nutzholz an Bord, das wir nicht mehr brauchen und Brennholz unter den Bäumen zum Aufsammeln – Energie zum Nulltarif.
Heute gibt es „Bife de Pulpa“ – Hüftsteak, nicht zu verwechseln mit Pulpo, das wäre Krake oder Oktopus. Scharf angebraten über der Flamme und langsam gegart über der Glut ist das Fleisch superlecker, zart bis ins letzte Stückchen, da bleibt nix über.
Kaum aufgegessen bekommen wir Besuch von Willi Diet aus der „deutschen Siedlung“ (Sektor 11 des C-Platzes) und eine Einladung für morgen, 17:00 zur Vorstellung seines Buches „Goldtaucher und Globetrotter“. Ein offensichtlich interessanter, humorvoller Mann mit bemerkenswerter Eloquenz, wir werden auf jeden Fall hingehen oder -fahren, meine Mobilität lässt zu wünschen übrig.
Abends sitzen wir draußen vor dem Auto und erzählen uns noch eins bis zwei bis drei von alten Zeiten und spinnen von der Zukunft. Ich find’s schön, dass wir selbst nach einem Jahr den Fernseher noch nicht vermissen. Das heißt nicht, dass ich auf Dauer zum Abstinenzler geworden bin 😉

2011-10-29
17:00 Wir trudeln ein bei Willi Diet, ausnahmsweise mal ein echter Globetrotter und Abenteurer.

Man trifft innerhalb eines Jahres Herumziehen in Südamerika die unterschiedlichsten Typen von Langzeit- und Weltreisenden, von selbsternannten und Möchtegern-Globetrottern, von denen Willi sagt, sie hätten ihr Auto aufgerüstet, als wollten sie die Atacama umgraben, ich finde das ein schönes Bild und so wirklich aus dem Leben gegriffen.
Die Autorenlesung erfolgt dann auch vor erlauchtem Publikum, teilweise nach eigenen Angaben seit Jahrzehnten Globetrotter. Auf uns machte der größte Teil allerdings eigentlich eher einen biederen Eindruck, Leute, die auf ausgetretenen Wegen „dahin fahren, wo sie alle hinfahren“ (Denise, Schweiz).

Wie schon vermutet, scheint Willi Diet, in Goldgräberkreisen in Canada bekannt als „Bavaria Bill“, eine Ausnahme. So gelingt es ihm auch, das Publikum mit Anekdoten und Auszügen aus seinem Buch in seinen Bann zu ziehen. Einige wollen das Buch gleich kaufen, aber er hat für seine „erste und wahrscheinlich einzige Autorenlesung in Südamerika“ nur ein Belegexemplar zur Hand.

2011-10-30
Nachdem wir Pillen für die nächsten 6 Wochen sortiert haben, wollen wir uns wieder unters Campingvolk mischen. Rita macht die Schiebetür auf, ein unangenehmes „krck“ ist zu hören und die Tür bleibt hängen. Die zentrale Laufrolle hat das Zeitliche gesegnet und sich in Form von zwei einzelnen Ringen verabschiedet.

Dies bemerkt natürlich unser aufmerksamer Nachbar „Don“ Juan und setzt sich in den Kopf, uns zu helfen und das Problem irgendwie zu regeln. Trotz seines fortgeschrittenen Parkinson schaffen wir es dann schließlich zu Dritt, den Ruliman mit Schrauben und Unterlegscheiben wieder auf die Schiene zu bringen; wie lange das hält? Vamos a ver!

Irgendwie scheinen diese Thermen eine große Anziehungskraft auf das fahrende Volk aus Deutschland zu haben. Michael (getroffen in Pommerode) haben wir gestern schon bei Bill begrüßt. Heute kommen noch Willi und Gabi, mit denen wir 3 Tage in São Franzisco verbracht haben, hier an und quartieren sich im „Deutschen Sektor“ ein. Auf ihrem ersten Erkundungsgang kommen sie natürlich auch bei uns vorbei. Es gab wieder viel zu plaudern.

2011-10-31
Die nächsten Tage verlaufen relativ unspektakulär. Unsere nächst gelegene Therme ist am Montag wegen Reinigungsarbeiten geschlossen. Die anderen 4 sind leider alle soweit weg, dass sie für mich zu Fuß nicht erreichbar sind. Deshalb freuen wir uns natürlich sehr, wenn wir aus dem deutschen Dorf in Sektor 11 Besuch bekommen. Gerda aus Rosenheim, sie ist mit ihrem Mann für ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs, sagt mal eben Grüß Gott auf dem Weg zur „terma desportiva“. Willi und Gabi legen auf ihren Wanderungen durch das weitläufige Gelände auch immer wieder ein Päuschen bei uns ein.

2011-11-01
Dienstagabend weht in unserem Sektor ein scharfer Wind aus Osten, es ist merklich kühl geworden. Zum drinnen Sitzen haben wir keine Lust, also machen wir uns auf in den Sektor 11, natürlich mit Auto. Hier ist es deutlich wärmer und wir könnten die Jacken gleich wieder ausziehen, wenn da nicht die Mückenplage wäre. Diese Biester sind so dreist und stechen durch Hosen und Wollsocken. Mit diversen Antimückenmittelchen halten wir es dann doch bei Anekdoten und Geschichten bis spät in den Abend aus.

2011-11-02
Willi und Gabi kommen ein letztes Mal vorbei, um sich zu verabschieden. Sie sind noch bis März unterwegs und wollen jetzt erstmal nach Brasilien. Wir wollen Kontakt halten, mal sehen, was draus wird.
Nach den Lieblingsgerichten der Uruguayer befragt, würde Asado sicherlich an erster Stelle stehen, obwohl – oder weil? – es zu 50 % aus Fett, Sehnen, Knorpel und Knochen besteht, die es abzunagen gilt. Überhaupt scheint der Uruguayer auf kalorienreicher Kost zu bestehen, lecker ist, was ungesund ist und dick macht.
Amüsant zu lesen in diesem Zusammenhang:. http://uruguay-magazin.com/Leben/Die-uruguayische-Kueche-II-Die-Top-10-der-uruguayischen-Standardkueche.html

Fett hin oder her, einmal wenigstens müssen wir „richtiges“ Asado auf den Grill packen. Für Rita ist das eher nix, daher kommt noch eine Lammkeule dazu, die gerade im Angebot des kleinen Supermarktes auf dem C-Platz ist.

Das Asado ist geschmacklich prima, aber auch nach dem Grillen tatsächlich noch sehr fett, aber man muss es mal gemacht haben, und man muss ja nicht alles Fett mitessen. Gleichwohl gibt es (für unseren europäischen Geschmack) bessere und preiswertere Fleischstücke, wie wir übereinstimmend feststellen.
Mitten in der Siesta, die eigentlich dem genüsslichen Verdauen vorbehalten ist, ärgern uns die Vögel. Sie haben offensichtlich im Übermaße schwarze Maulbeeren genascht und Durchfall bekommen und verlieren nun ihre Exkremente im Fluge. Warum sie sich als Abwurfgebiet ausgerechnet unseren LT ausgesucht haben, ist mir ein Rätsel. Jedenfalls ist er nach kurzer Zeit schwarz besprenkelt – und ich auch 🙂 (hätten sie doch von den weißen Maulbeeren gefressen!).

Später kommt uns Milton Oesterreich besuchen, ein Brasilianer, der sein „Fahrenhaus“ anbietet wie sauer Bier. Das „Fahrenhaus“ ist ein selbst umgebauter Omnibus für 4 Paare, den er selber durch Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Chile steuert. Wir sollen doch bitte für ihn Reklame machen, möchten aber davon Abstand nehmen, nachdem Rita sich das Gefährt angesehen hat – es scheint kein Schreinerausbau zu sein. Wer trotzdem Interesse hat, kann den Kontakt bei uns erfragen.

2011-11-03
Wie immer wachen wir auf bei intensivem Gurren, begleitet von heftigem Flügelschlagen: Frühling ist’s, auch für die Tauben. Wo man auch hinsieht, überall geschäftiges Geturtel. Auch die Kleinpapageien sind nicht zu überhören. Schreiend und kreischend – auf jeden Fall lautstark – machen Schwärme von 5 bis 20 Vögeln ihre Runden über dem Platz wie eine Gruppe Halbstarker, die sich gegenseitig irgendetwas beweisen müssen.

Rita streift durchs Gelände und landet bei unseren uruguayischen Nachbarn. Maria hat frische Erdbeeren gekauft, und irgendwie müssen Ritas Augen wohl daran haften geblieben sein. Kurze Zeit später taucht Maria auf mit einem Schälchen voll Erdbeeren mit Sahnehäubchen, nur mal so, zum Probieren. Später muss Rita auch noch selbst gemachte Schokoladenplätzchen verkosten.
Wir sind glücklich, eine so tolle Nachbarschaft zu haben. Viele sind interessiert an uns, an unserem Auto. Viele kommen vorbei und haben Fragen, interessieren sich für alles Mögliche, wünschen uns Guten Morgen, Guten Tag, Guten Abend, und fragen, ob alles OK ist.

Luxus ist, zu bleiben, wo’s einem gefällt. Und so beschließen wir, hier in den Thermen von Arapey so lange zu bleiben, bis der Fahrplan der Grimaldi-Lines unsere Anwesenheit in Buenos Aires erfordert.

2011-11-04
Die eingewechselten einheimischen Geldmittel werden langsam knapp. Wir verbraten erstmal die 1-US-Dollar-Scheine und dann das argentinische und brasilianische Klimpergeld, bevor wir an die Euro gehen. Das alles ist hier auf dem Platz möglich. Warum es in einer solch riesigen Anlage mit Hotels und Ferienbungalows und Campingplatz allerdings keinerlei Geldinstitut gibt, ist für uns völlig unverständlich. Wenigstens eine Caja automatico könnte es hier geben! Stattdessen müsste man 80 km bis Salto fahren, um wieder liquide zu sein.

2011-11-05/06
Bereits im frühen Morgennebel, bevor der erste Strahl der Sonne sich seine Bahn bricht, sind sie unterwegs. Skurrile Gestalten verwelkender Extravaganz, in Bade- und Morgenmäntel gehüllt, wandeln auf den Promenier-Pfaden in die wohltemperierten Wasserbecken der Anlage. Alle Gicht- und Rheumageplagten, alle mit kleinen Zipperlein und wirklich großen Problemen treffen sich hier zum Stelldichein vor dem Frühstück.

Die wochenlangen Rückenschmerzen mit Ausstrahlung nach links hatten in den letzten Tagen etwas abgenommen. Heute erwischt mich ein neuer Schlag mit Ausstrahlung nach rechts. Es ist nicht wirklich lustig und ich bin froh, dass wir noch nicht weiter gefahren sind.
Lieber Walter, es sind nicht nur die Revue-Popöchen im Minitanga, nein, ich bilde mir einfach ein, dass das warme Wasser und die Unterwasser-Massagedüsen den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und reihe mich ein in die Karawane derer, die hier Linderung suchen.

2011-11-07
Rita gelingt ein zweites Mal ein Fotoshooting mit einer der Echsen, die sich hier auf dem Platz zwischen den vielen Wasserläufen und den Steinschüttungen offensichtlich trotz der vielen Campingplatzbewohner wohl fühlen.

„Don“ Juan auf die Frage, wie dieses Tier heißt, ganz lapidar: „Eidechse“, und dass sie lecker sind, weiß er auch zu berichten. Maria hingegen schwärmt von einem Handtäschchen aus dem schön gezeichneten Leder. Eidechse? Das kann ich mir nicht so recht vorstellen, haben unsere Eidechsen doch etwas andere Ausmaße. Wir werden dem bei Gelegenheit nachgehen.
„Und die Karawane zieht weiter …“ zu einem nächsten der in der einschlägigen Reiseliteratur angesagten Plätze: das deutsche Dorf in Sektor 11 hat sich aufgelöst. Sie fahren hin, wo man so hinfährt und wo sie alle hinfahren: Belgrano, Bariloche, El Bolson, etc.
Nachmittags knallt die Sonne erbarmungslos auf den Platz und wir flüchten in den Schatten der großen Bäume, eine Section weiter – un poco sombra, por favor! Zwischendurch wachsen uns die Maulbeeren durch die geöffneten Fenster ins Maul.

2011-11-08
„Schlaflose Nächte sind lang, …“, Minuten generieren zu Stunden, und Stunden zu kleinen Ewigkeiten. So kann’s nicht weitergehen. Es gibt eine Mini-Polyklinik auf dem Gelände, die wir heute Morgen aufsuchen. Es gibt immerhin einen Allgemeinmediziner und einen Kinderarzt. Ich bekomme eine Infusion mit einer Mixtur, wohl ähnlich der sog. Göttinger Bombe in den Arm und ein Rezept für eine neue Sorte Schmerzpillen in die Hand gedrückt. Die Pillen bekommen wir in einem der Andenkenlädchen. Die geplante Besichtigung der gesamten Anlage nehmen wir mit dem Auto vor, gehen geht gar nicht.

Wir kochen nur Spaghetti, dazu gibt’s carne picada, aber auch daraus kann man ein Event machen. Die Feuerstelle muss jeden Tag neu erfunden werden, je nach dem, was gerade zubereitet werden soll. Diesmal ist es ein Herd aus Blechen für 2 Töpfe mit empfindlichen Henkeln.

Heute Nachmittag läuft auch mir eine der Echsen vors Visier. Ich humpele hinterher so gut es geht und mache ein paar hübsche Portraits einer schuppigen Urweltschönheit.

2011-11-09
06:00: Auch diese Nacht war sehr schmerzhaft. Blutrot geht die Sonne auf; und das bedeutet hierzulande nix Gutes, da das Wetter i.d.R. aus Südosten kommt statt wie bei uns aus Südwesten. „Abba schee ist’s scho, gelle?!“

Eine halbe Stunde später zieht es sich auch schon zu, und grauschwarze Wolken beherrschen die Szene. Schnell noch ein paar Maulbeeren im Vorbeihumpeln und dann gehören auch wir um Viertel vor Sieben (!!!) zu den frühen Besuchern der Therme.
Es ist ein trüber, diesiger Vormittag, und in der Fern braut sich ein Gewitter zusammen, dessen Auswirkungen wir wohl auch noch zu spüren bekommen werden. Wir nutzen die Gelegenheit und machen unsere Hausaufgaben: Bericht schreiben, Bilder sortieren, aussuchen und komprimieren, Bericht ins Netz stellen.
Rita ist beim Einstellen der Bilder, da ist das Gewitter auch schon über uns. Durch den wolkenbruchartigen Regen immer wieder taghelles Licht der nun schnell aufeinander folgenden Blitzserien. Und dann Blitz und peitschender Donnerschlag gleichzeitig: es hat eingeschlagen und zwar in der Administration, wo Rita am PC sitzt. Die Verteilerkästen im Bereich der Rezeption sprühen Funken und spucken Qualm. Als wäre nichts geschehen, drehen sich die einheimischen Angestellten gelangweilt um, gucken nach draußen in den Gewittersturm und gehen dann weiter ihrer Beschäftigung nach – die meisten haben mit Mate trinken alle Hände voll zu tun.

2011-11-10
08:00 … eine Nacht, die Hoffnung schöpfen lässt, dass die Rückenschmerzen nicht endlos andauern werden. Nach den Frühstück komme ich einigermaßen aufrecht vom Auto ins warme Wasser und auch wieder zurück. Diclofenaco, Paracetamol und Ketoprofin zeigen nach einer Woche erste Wirkung.
Da wir Gas sparen wollen und müssen, wenn wir nicht noch einmal irgendwo auftanken wollen, kochen wir jetzt fast ausschließlich auf offenem Feuer. Den kreativen Ideen sind keine Grenzen gesetzt; auch eine Tortilla aus der Alupfanne wird auf dem offenen Feuer zubereitet.

Immer wieder versuchen wir, die Grande Africa über AIS zu lokalisieren, doch nichts tut sich. Wo bleibt das Schiff?

2011-11-11
Wir rufen Martin an, den Hafenagenten von Grimaldi in BA. Wir sollen Montag oder Dienstag in seinem Büro in der Nähe des Hafens vorsprechen.
Aufopfernd macht sich Rita daran, Autodach und Seitenwand hinten rechts vom Vogelkot zu befreien, eine Arbeit, die mir zurzeit unmöglich ist, aber getan werden muss. Dann muss auch noch das Gepäck in der Dachwanne neu verzurrt werden. Anschließend ist die Arme völlig fertig. War es die Arbeit in ungewohnter Höhe, oder waren es meine gut gemeinten Ratschläge, die ihr auf den Keks gegangen sind? Egal, wir genehmigen uns erst mal ein Entspannungsgetränk.

2011-11-12
Es ist mal wieder Wochenende und schon in der Nacht werden wir von Brasilianern mit ihren Zeltanlagen umringt. Als wir vom allmorgentlichen Bade zurückkommen, erwartet uns eine Zeltstadt vom Allerfeinsten, und die Aussicht auf den „Bademantel-Laufsteg“ ist getrübt.

Für meinen Geschmack haben wir jetzt hier eigentlich ein bisschen zu viel Rummel und Remmidemmi. Aber noch einmal umsetzen lohnt sich für die kurze verbleibende Zeit auch nicht so wirklich.
Außerdem können wir mal wieder teilhaben an den mehr oder weniger geschickten Baumaßnahmen in unmittelbarer Nachbarschaft. Einer der Nachbarn hat da doch so seine erheblichen Probleme mit dem Aufstellen seines Partypavillons. Steckt er das Gestänge an einer Seite zusammen, fällt es an anderer Stelle wieder auseinander. Das kann ich nur bedingt mit ansehen, und so eilen Rita und ich mit Rat und Tat zur Hilfe und ratzfatz steht das Dach. Manchmal brauchts halt mehr als nur zwei Hände.
Bei aufkommendem Wind droht später das Teil sich selbstständig zu machen. Nach ein paar Startversuchen kann ich es einfangen und mit zwei Sturmleinen daran erinnern, dass es kein Vogel ist, sondern an seinem Platz zu bleiben und Schatten zu spenden hat. Zur Belohnung gab es vom dankbaren Nachbarn zwei Fläschchen Vino, die wir nicht ausgeschlagen haben.

2011-11-13
Die AIS-Abfrage ergibt wieder: keine Grande Africa in Sicht. Was sollen wir tun? Eigentlich sollen wir uns morgen oder übermorgen persönlich beim Hafenagenten einfinden, andererseits 4 Tage vor Abreise. Alles das passt nicht zusammen. Außerdem möchte ich so lange wie möglich die Annehmlichkeiten der Thermen nutzen, bevor wir uns in BA auf die Lauer legen. Letztendlich beschließen wir, nicht vor Mittwoch in BA aufzukreuzen.
Bei Gerda und Rüdiger (Schorsch) aus Rosenheim, Bayern, laden wir uns zum sonntäglichen Frühschoppen ein. Nachdem der „deutsche Sektor“ geräumt ist, hat sich dort eine lautstarke Livemusic-Truppe niedergelassen, sodass die beiden ein ruhigeres Plätzchen gesucht und gefunden haben.
Zurück in unserem Sektor 3 ist erstaunlicherweise unser Stellplatz noch nicht okkupiert und überbaut worden. Uns erwartet fröhlich laute Musik rundherum, irgendwann setzen auch die unvermeidlichen Fußballübertragungen ein – und das im inzwischen brasilianischen Sektor!

2011-11-14
Wieder rufen wir AIS und den aktuellen Grimaldi-Fahrplan aus dem Internet ab – keine Grande Africa in Sicht, aber der Fahrplan unverändert. Das macht uns denn doch stutzig und veranlasst uns, Mafratours und Hafenagent eine Mail zu schicken. Kurze Zeit später antworten beide übereinstimmend, dass die Grande Africa bereits in Montevideo sei. Das ist für uns nun doch das Zeichen zum Aufbruch.
Ein letztes Mal unser Maulbeerbäumchen abernten, ein letztes Mal warm duschen, herzliche Umarmungen zum Abschied von unseren uruguayischen und brasilianischen Nachbarn. Zum zweiten Mal hatten sie uns für heute zum Churrasco eingeladen, aber nun wird es wieder nichts. Als Trostpflästerchen gibt es für uns ein paar gegrillte Hühnerherzen in Farofa gewälzt.
Und dann: „On the road again …“ Richtung Buenos Aires, Übersee-Hafen. 

 

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Ein Kommentar zu Termas del Arapey

  1. Mafratours sagt:

    Die Grande Africa hat am 20.11.2011 um 03:15 Uhr Ortszeit Buenos Aires verlassen.
    Sollte jemand während der Seepassage die Familie Blecher-Hampe dringend kontaktieren müssen, dann ist die Mailadresse des Schiffs unter >> grimaldi@mafratours.eu << zu erfragen. Das Schiff ist über Sat-Mail immer zu erreichen.
    Voraussichtliche Ankunft in Hamburg am 20.12.2011.

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