Arapey bis Buenos Aires

2011-11-14
„On the road again …“, vorbei an Salto mit 100.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Uruguays nach Paysandú, vorbei an endlosen Feldern und Weiden, am Wegesrand blau und rot blühende Feldblumen, wie hingestreut.

Paysandú, die drittgrößte Stadt dieses Landes, hinterlässt bei uns nicht den Eindruck einer Großstadt. Aber eine schön gestaltete Costanera am Ostufer des Rio Uruguay hat diese eher provinzielle Stadt dann doch zu bieten. Herrliche Stille, bei der wir den Sonnenuntergang genießen

und die letzten leckeren Bife – diesmal in der Pfanne auf Gas – braten.

Die Stille wird jedoch ein wenig getrübt. Ein junges Pärchen hält neben uns und erklärt, hier könnten wir über Nacht nicht stehen bleiben, dies sei viel zu gefährlich. Schade eigentlich, aber wenn’s die Einheimischen so sehen, sollte man dem schon Glauben schenken. Also verholen wir uns auf den Parkplatz eines Restaurants an der Costanera, direkt unter eine helle Straßenlaterne und kriechen in unsere Kojen.

2011-11-15
Halb drei in der Früh, wir schrecken aus unseren Träumen hoch. Getapse auf unserm Dach. Das kann doch nicht wahr sein! 11 Monate fahren wir nun durch diesen Kontinent, völlig unbehelligt, kein Mensch wollte uns je Böses, und nun auf den letzten 300 km sollen wir noch beraubt werden. Lothar stößt einen tierischen Laut aus, flinke Beine fallen vom Dach, landen geschickt auf dem Boden und verschwinden über den Platz und im hinten liegenden Gebüsch. Den aufgerollten Wasserschlauch haben sie mitgehen lassen, die Seesäcke, die Kanister und die Schaufel sind schon losgebunden, aber noch auf dem Dach. Für einen Blogeintrag tun wir zwar vieles, aber nicht alles. Ob uns ein Schild, wie es Bavaria-Bill an seinem WoMo hatte,

vor diesen Unbillen bewahrt hätte? Wir zurren alles wieder fest und begeben uns an die Hauptplaza, in den Schutz der Kathedrale.

Wir wollen Buenos Aires heute noch erreichen und machen uns früh auf den Weg zur Grenze. Hier geht alles sehr schnell und problemlos, und wir können nach einer halben Stunde die internationale Brücke über den Rio Uruguay passieren.

Je näher wir BA kommen, desto krautiger wird der Verkehr auf den Straßen. Da wir das Büro vom Hafenagenten heute sowieso nicht mehr vor Büroschluss erreichen werden, suchen wir uns doch ein nettes Plätzchen gleich in der Nähe der Autobahn. Unseren GPS befragt, gibt es 3 Campingplätze, denn nach dem Erlebnis der letzten Nacht sollte es schon ein sicheres Plätzchen sein. Wir lassen uns von unserem GPS leiten und finden Industriebauten an den angegebenen Stellen und diesen netten, einladenden Campingplatz.

Viele Plazas und Seitenstraßen in Esobar und 2 Stunden später quartieren wir uns schließlich in einer Seitenstraße des Tierparks „Temaikén“ unmittelbar vor dem Wachhaus ein. Wir haben eine ruhige Nacht.

2011-11-16
Nach 11 Monaten und rund 32.500 km sind wir zurück in Buenos Aires, 11 spannende, erlebnisreiche Monate, 32.500 spannende und erlebnisreiche Kilometer.
Vom Hafenagenten Martin, einem smarten Büroburschen, erfahre ich, dass die Grande Africa nach wie vor in Montevideo liegt, in Buenos Aires werde sie Donnerstag oder Montag erwartet. Warum diese Zeitspanne? Heute ist Mittwoch. Von Montevideo nach Buenos Aires ist es doch nur ein „Katzensprung“. Ja, ja, das sei schon richtig, aber man wisse noch nicht, ob das Schiff zuvor noch nach Zarate gehen würde, dort hätte es dann 4 Tage Aufenthalt. Aber „d’ont worry, tomorrow we will know more“.
Wir richten uns wieder in der Av. de los Italianos ein, wo wir unsere 1. Nacht auf diesem Kontinent verbracht haben und essen ein Parrilla- Brötchen an einem der vielen Kioske, wie wir es vor 11 Monaten schon tun wollten.

2011-11-17
Der morgendliche Informationsgang in Martins Büro ergibt, dass die Grande Africa Freitag in Buenos Aires erwartet und erst auf der Fahrt nach Hamburg, wie geplant, Zarate anlaufen werde. Boardingtime sei Freitagabend oder Samstagmorgen. Genaueres könne ich am Freitag früh, also morgen, zwischen 9 und 10 Uhr erfahren. Also ein weiterer Tag, eine weitere Nacht in der Av. de los Italianos unter den wachsamen Augen eines selbsternannten, freischaffenden Parkplatzwächters, der auch nebenbei die Autos seiner Kunden wäscht.

2011-11-18
10:30 „Hurry up, das Schiff läuft soeben in den Hafen ein, sie müssen sich in 1 ½ Std. am Hafenbüro melden.“ Schnell sind die letzten Sachen im Auto gerödelt, ein letztes Mal mit Christian skypen, die Konferenzschaltung zu Matthias nach Darmstadt hat leider nicht so gut geklappt, den freischaffenden Parkplatzwächter entlohnen und schon stehen wir am Hafenbüro. Hier treffen wir auf die anderen Passagiere, Lucas aus Belgien und Olivia und Laurent aus der Schweiz.
Der Drogenscanner ist schnell geschafft, uns wird ein Warteplätzchen im Schatten zugewiesen. Hier findet auch ganz locker die Passkontrolle statt.
17.30: 5 Std. später ist es endlich soweit, wir entern das Schiff.

Wir werden herzlich auf dem Schiff empfangen, u. a. von einem sympathischen, blonden Hünen, dem Kapitän, offensichtlich ein Schwede. Die Amtssprache ist Englisch, wir richten uns ein auf a. 4 Wochen Leben an Bord.

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2 Kommentare zu Arapey bis Buenos Aires

  1. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo Ihr Seefahrer,
    nun seid ihr schon wieder unterwegs – mit 12.6 Knoten auf Weg nach Santos und dort solltet ihr wohl auch heute noch gegen 23:00 Uhr (UTC) ankommen. Merkt ihr was? Ihr seid immer unter Beobachtung 😉 Wahrscheinlich waren in Paranaguá keine größeren Mengen von Golf und A3-Modellen aus Curitiba nach Europa zu verschiffen. „Gefühlt“ habt ihr für uns (nach der Abfahrt von Zárate) die Strecke bisher eigentlich ganz flott zurückgelegt. Kann ja sein, dass der blonde Kapitän auch irgendwo in Europa Weihnachten feiern möchte.

    Wir hoffen, dass es euch an Bord der Grande Africa gut geht, schicken euch liebe Grüße zum 1. Advent und dazu einen virtuellen Duft von Gänsebraten, der aus unserer Küche kommt. Auch wenn ihr an Bord sicher sehr gut versorgt werdet, macht euch der Gedanke an eine gut gebratene Gans den grauen und kühlen Winter in Deutschland vielleicht ja schmackhaft, denn in so leichter Bekleidung, wie ihr das Schiff (auf dem letzten Bild eures Reiseberichtes) betreten habt, werdet ihr es wohl nicht verlassen können. Hier hat sich der sonnige Herbst erst mal verabschiedet. Bis „neulich“ ! Gerhild und Harald

  2. Gerhild & Harald sagt:

    Hallo ihr 2,
    angelegt habt ihr ja nun und bevor ihr ab irgendwann morgen sieben Tage lang nur Wasser seht, schicken wir euch noch rasch einen Gruß nach Rio de Janeiro. Laut Plan ist die Liegezeit ja nicht lang, aber vielleicht reicht es für einen Blick in den Blog. Wenn nicht, erreichen euch unsere Zeilen eben in Dakar (oder in Hamburg, oder in Remscheid ;-)) Gute Überfahrt, so wenig wie möglich Rückenprobleme und einen moderaten Seegang wünschen euch Gerhild und Harald.
    PS: Am 2. Adventssonntag werden wir uns die Alfred Sisley Ausstellung im Von der Heydt-Museum in Wuppertal ansehen und kontrollieren dann am Nachmittag, ob der EnChor auch ohne Lothar ordentlich singt 🙂

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